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Hermann Gmeiner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Büste vor der Volksschule in Alberschwende (2008)
Geburtshaus in Vorholz, Alberschwende (2011)

Hermann Gmeiner (* 23. Juni 1919 in Alberschwende, Vorarlberg; † 26. April 1986 in Innsbruck, Tirol) war der Gründer von SOS-Kinderdorf Österreich.[1][2][3] Im Jahr 2025 wurden Missbrauchsvorwürfe gegen ihn öffentlich bekannt, was zur Aberkennung von Ehrungen durch Umbenennung von Verkehrsflächen bzw. Entfernung von Denkmälern führte.[4]

Hermann Gmeiner wurde am 23. Juni 1919 als sechstes von neun Kindern einer Bergbauernfamilie in Alberschwende im österreichischen Vorarlberg geboren. Mit fünf Jahren, im März 1925, wurde er durch den Tod seiner Mutter Angelika Halbwaise. Die älteste Schwester Elsa übernahm die mütterlichen Pflichten im Haus und stellte damit die wichtigste Bezugsperson für ihn und sieben weitere Geschwister dar. Der frühe Verlust der Mutter und die Rolle seiner Schwester Elsa als Ersatzmutter für die Großfamilie wurde zu einem prägenden Erlebnis. Helmut Kutin betrachtet Elsas Aufopferung für die Familie und die Geborgenheit, die sie den Familienmitgliedern schenkte, als Schlüsselerlebnis, „das Hermann Gmeiners ganzes Leben prägen sollte.“[5]

Ausbildung und Kriegszeit

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Auf Grund seiner Leistungen in der Dorfschule Alberschwende erhielt er ein Stipendium, das ihm ab 1936 den Besuch des Gymnasiums in Feldkirch ermöglichte. Noch vor Ablegung der Matura wurde Gmeiner im Februar 1940 zur Wehrmacht eingezogen.

Im Krieg gegen die Sowjetunion war Gmeiner u. a. an der Eismeerfront (Nordfinnland) und in Ungarn eingesetzt und wurde mehrmals verwundet. Einmal rettete ihm ein sowjetischer Junge das Leben. Diese Erinnerung daran sollte ein wichtiger spiritueller Wegweiser für Hermann Gmeiner werden. Er selbst meinte später, mit diesem Erlebnis habe jene Geschichte begonnen, „die ich eigentlich erzählen will“.[6]

Bis November 1945 war er im Lazarett Bregenz. Nach seiner Genesung half er seinem Vater auf dem Bauernhof. Als der erste aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Bruder diese Stelle übernahm, konnte Hermann Gmeiner die Matura (Abitur) nachholen. Im Herbst 1946 begann er in Innsbruck Medizin zu studieren.

Erste soziale Gedanken

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Als Ministrant in der katholischen Pfarre des Innsbrucker Stadtteiles Mariahilf kannte Gmeiner den dortigen Kaplan Mayr. Als ihm im Winter 1947 ein zwölfjähriger Junge begegnete, dessen Schicksal ihn bewegte, kamen Erinnerungen an seine eigene Kindheit und seine Erlebnisse im Krieg hoch. Gmeiner wollte für den Jungen etwas tun und ging mit seinem Anliegen zu Kaplan Mayr. So baute er eine neue Jugendgruppe auf. Er konnte 16 Jugendliche motivieren und gründete den Stoß-Trupp, der in der gesamten Tiroler katholischen Jugend bekannt wurde.

Hermann Gmeiner besuchte eine Erziehungsanstalt, sprach mit Jugendfürsorgerinnen und diskutierte mit anderen Studenten. Schließlich reifte in ihm die Überzeugung, dass Heime und Anstalten nicht der richtige Weg seien, um Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen zu helfen. Dabei erinnerte er sich auch an seine eigene Kindheit, den frühen Verlust der Mutter und die Ersatzmutter in Gestalt seiner Schwester Elsa. Er entwarf den Plan, ein Haus für diese Kinder zu bauen, wo eine Mutter ein richtiges Daheim geben konnte, sogar eine ganze Anzahl dieser Häuser sollten es sein, ein richtiges Kinderdorf.

Der Weg zum ersten SOS-Kinderdorf in Imst

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Hermann-Gmeiner-Denkmal (Merab Berdsenischwili) in Imst
Hermann-Gmeiner-Statue auf einer Bank vor der Imster Johanneskirche; im Oktober 2025 demontiert

1948 schlug Kaplan Mayr vor, dass Gmeiner zum Jugendführer für das gesamte Dekanat werden solle. In dieser Rolle gründete Gmeiner einen Verein. Am 25. April 1949 hielt er die Gründungsversammlung ab, die Ziele des Vereines sollten sein:

  • Errichtung eines Dorfes für Waisenkinder
  • Errichtung einer Einrichtung „Mutter und Kind“, zum Schutz unverheirateter Mütter
  • Errichtung eines „Mutterhauses“, zur Ausbildung einer Schwesternschaft für soziale Arbeit

Die Tätigkeit des Vereins sollte sich auf das Land Tirol beschränken und seinen Sitz in Innsbruck haben. Gmeiner gab dem Verein den Namen Societas Socialis; darin steckte bereits die Abkürzung SOS, was Save our Souls bedeutet (später: SOS-Kinderdorf).

Zuerst wollte Gmeiner die Idee des SOS-Kinderdorfes realisieren, erst dann sollten „Mutter und Kind“ und das „Mutterhaus“ in Angriff genommen werden. Er begann mit einem Kapital von 600 Schilling, dies waren seine gesamten Ersparnisse, und, nachdem man ihm in Innsbruck einen Abstellraum kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, den er als Büro umfunktionierte, investierte er in Flugblätter, die einen Spendenaufruf enthielten, welche von einigen Frauen und Bekannten aus seiner Jugendgruppe in der Stadt verteilt wurden. 1949 schrieb er an Tiroler Gemeinden und ersuchte diese, dem Verein kostenlos ein Grundstück für den Bau eines Kinderdorfes zur Verfügung zu stellen. Der Bürgermeister der Stadt Imst, Josef Koch, antwortete positiv auf die Bitte Gmeiners:

„Die Verhandlungen bezüglich eines Bauplatzes für ein Kinderdorf zwischen der Stadt Imst und der Sozialgesellschaft SOS. haben dank des Entgegenkommens der Stadtvertretung einen raschen und günstigen Abschluß gefunden. Das angekaufte Siedlungsgelände hat ein Ausmaß von 10.090 Quadratmeter und liegt auf einer Anhöhe nordwestlich von Imst. Bei der Auswahl des Bauplatzes war vor allem maßgebend, daß Imst das mildeste Klima Tirols besitzt sowie die einzigartige landschaftliche Schönheit der Umgebung des zukünftigen Kinderdorfes.“

Innsbrucker Nachrichten vom 8. September 1949[7]

Gmeiner traf in Imst einen Kriegskameraden, der dort Baumeister war und sich bereit erklärte, mit dem Bau eines Hauses auf Kredit zu beginnen. Langsam zeigte sich der Erfolg vieler Mühe und es kam Geld herein, das meist sofort wieder in neue Mitgliederwerbung gesteckt wurde. Am 2. Dezember 1949 konnte die Dachgleiche (das Richtfest) des ersten Kinderdorfhauses gefeiert werden.[8]

1949 gab Gmeiner sein Medizinstudium und die Arbeit als Dekanatsjugendführer auf, um sich völlig der SOS-Kinderdorf-Aufgabe widmen zu können. Es gab auch Schwierigkeiten: Er selbst und viele seiner Helfer wurden mehrmals von der Polizei festgenommen und verhört. Im Sommer 1949 kam es sogar zu einer Hausdurchsuchung. Durch Unterstützung eines befreundeten Rechtsanwaltes konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Im Frühjahr 1950 hatte er beinahe 1000 regelmäßige Spendenmitglieder in seinen Listen stehen und es kamen auch größere Einzelspenden. Als die Gemeinde Imst zusagte, die notwendige Zufahrtsstraße, Strom- und Wasserleitung bis zum Grundstück kostenlos zu errichten, gab er den Auftrag, weitere vier Kinderdorfhäuser zu errichten.

Inzwischen hatte Gmeiner mit der Suche nach Kinderdorfmüttern begonnen. Eine der ersten, Helene Diddl, brachte die Idee mit der Weihnachtskartenaktion ein. Die Spendenwerbung wurde auf ganz Österreich ausgedehnt und intensiviert. Dadurch konnte er bereits Ende 1950 sämtliche Schulden abzahlen.

Am 1. Dezember 1950 erfolgte in Imst im Rahmen einer „schlichten Feier“ in Anwesenheit des stellvertretenden Landeshauptmanns Franz Hüttenberger die Schlüsselübergabe für die fünf fertiggestellten Häuser an Hermann Gmeiner.[9] Die ersten drei Häuser trugen die Namen „Weihnachten 1949“, „Osttirol“ und „Schwalbenhaus“.[8] Am Weihnachtsabend 1950 wurde schließlich das erste Kinderdorfhaus von fünf Waisenkindern, die kurz vorher ihre Eltern verloren hatten, bezogen. Einige Monate später waren alle fünf Häuser fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung des gesamten Kindersdorfes erfolgte am 8. Juli 1951.[10] Anwesend war u. a. der Gründer des Schweizer Kinderdorfs Pestalozzi, Walter Robert Corti.[10] Im Sommer 1951 wurde das Dorf von insgesamt 45 Kindern bewohnt.

Die Kinderdörfer beruhen auf dem Prinzip Mutter-Geschwister-Haus-Dorf, das am ehesten den natürlichen Familienverhältnissen entspricht. Der Anfang war schwierig. Zahllose Probleme mussten mit den Kinderdorfmüttern besprochen werden, der Schriftverkehr mit Jugendämtern, Pflegschaftsgerichten und Fürsorgeeinrichtungen bewältigt, und viele Details, von Impfkarten bis Dokumentenmappen, für die Kinder organisiert werden.

Expansion der Kinderdörfer

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Gmeiner vertrat Österreich auf dem UNESCO-Kongress für Kinderdörfer, der vom 24. bis 30. September in Lyon stattfand.[11]

Im Sommer 1951 fuhr Gmeiner nach Wien, um dort eine eigene SOS-Geschäftsstelle einzurichten. In diesem Jahr konnten in Imst zwei weitere Kinderdorfhäuser und ein Gemeindehaus errichtet werden. Im Gemeindehaus wurden eine Krankenstation, ein Gemeinschaftsraum, eine Waschküche, Näh- und Bastelzimmer sowie Lagerräume untergebracht. 1952 erschien erstmals der Kinderdorfbote, eine vierteljährliche Zeitschrift, die alles in und um die Kinderdörfer berichtete und an alle Spender verschickt wurde. Dieses Blatt sollte später, in zahlreichen Sprachen gedruckt, in Millionenauflage der wichtigste Spendenbringer werden. Daneben wurde der Kinderdorfkalender ins Leben gerufen, eine Kinderdorflotterie gegründet und mehr und mehr Unternehmen und Organisationen als Unterstützer gewonnen. Die immer reichlicher fließenden Spenden ermöglichten es Gmeiner in den folgenden Jahren, kontinuierlich das Kinderdorf in Imst weiter auszubauen.

1953 errichtete Gmeiner im italienischen Caldonazzo ein Ferienlager, das später ein Ort der Begegnung für alle europäischen Kinderdorfkinder werden sollte und als Ausbildungsstätte für spätere Kinderdorfleiter genutzt wurde. 1954 folgte in Innsbruck erstmals eine als Ausbildungszentrum für Kinderdorfmütter ins Leben gerufene Mütterschule. 1954 wurde in Nußdorf-Debant in Osttirol Grund gekauft und das zweite Kinderdorf der Welt gebaut. Am 23. Oktober 1955 konnte das erste Haus bezogen werden.

Am 10. Februar 1955 eröffnete Gmeiner in München die Gründungsversammlung des deutschen „SOS-Kinderdorf e. V.“ unter der Leitung von Jürgen Froelich und Peter Hecker, siehe SOS-Kinderdorf Deutschland. 1955 gründete er den Verein „SOS-Kinderdorf Oberösterreich“, unter dessen Geschäftsführer Hansheinz Reinprecht entstand im Frühjahr 1956 das Kinderdorf Altmünster. 1956 wurde das erste Jugendhaus, wofür Gmeiner in Egerdach bei Innsbruck ein aufgelassenes Erholungsheim erworben hatte, eröffnet. Letzteres wurde Wohnung für spätere Lehrlinge und Studenten aus Kinderdörfern. 1957, nachdem Gmeiner monatelang persönlich in Wien Spenden gesammelt hatte, wurde das bis dahin größte Kinderdorf in Hinterbrühl im Wienerwald seiner Bestimmung übergeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim deutschen SOS-Kinderdorf e. V. – auch hier gab es polizeiliche Beschlagnahmungen – wurde 1958 das erste deutsche Kinderdorf in Dießen am Ammersee eröffnet. Es folgten Kinderdörfer in Frankreich und Italien.

1960 gründete Gmeiner in Straßburg den Dachverband „Europäischer Verband der SOS-Kinderdörfer“. Hier wurde auch beschlossen, den Namen SOS-Kinderdorf und das Kinderdorfemblem rechtlich zu schützen. Hermann Gmeiner wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt, Hansheinz Reinprecht zum Generalsekretär. Nun begann die eigentliche und bis heute anhaltende Ausbreitung der SOS-Kinderdörfer in weiten Teilen der Welt. Nach weiteren europäischen Staaten folgte ein erstes überseeisches Kinderdorf in Südkorea. Bei einem Besuch in Seoul Anfang 1963 kam Gmeiner die Idee, für die Finanzierung ein Reiskorn für einen Dollar zu verkaufen. Die Kampagne „Ein Reiskorn für Korea“ war ein durchschlagender Erfolg, 1964 konnte der „Kinderdorfverein Korea“ gegründet werden und 1965 fand die Eröffnung des ersten außereuropäischen Kinderdorfes in Daegu statt. 1966 reiste er während des Vietnamkrieges nach Saigon, um ein SOS-Kinderdorf Vietnam ins Leben zu rufen, welches trotz des Krieges 1969 in Go Vap, einem Vorort von Ho-Chi-Minh-Stadt eröffnet werden konnte. Es folgten Kinderdörfer in Indien, unter anderem für die im Exil lebenden tibetischen Flüchtlingskinder, schließlich in Lateinamerika und Afrika.

Logo von SOS-Kinderdorf International

1965 trug Gmeiner der Internationalisierung seiner Idee Rechnung und der Dachverband wurde in „SOS-Kinderdorf International“ mit Sitz in Wien umbenannt. Um die Expansion in den ärmeren Ländern vorantreiben zu können, wurden in den nächsten Jahren in den reicheren Ländern zahlreiche eigene Fördervereine gegründet, z. B. in Deutschland der „Hermann Gmeiner Fonds Deutschland e. V.“ (im Gegensatz zum „SOS-Kinderdorf e. V.“, der nur für den Bau und Unterhalt der deutschen Kinderdörfer zuständig war) oder in der Schweiz die „Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer“. Die Spenden an diese Fördervereine werden ausschließlich für den Aufbau von Kinderdörfern in den Entwicklungsländern verwendet. In diesem Zusammenhang wurde auch ein neues Finanzierungsprogramm geboren, die Patenschaft. Hier hatte jeder die Möglichkeit, die Patenschaft für ein SOS-Kinderdorfkind irgendwo auf der Welt zu übernehmen und auch mit diesem in direkten Kontakt zu treten.

Hermann Gmeiner selbst fühlte sich im Kinderdorf Imst zuhause. Dorthin kehrte er, vor allem nach seinen zahlreichen Auslandsreisen, immer wieder zurück. Das Kinderdorf Imst war auch sein eigenes Lebensumfeld, da er nie heiratete und keine eigenen Kinder hatte.

Gmeiner starb im 67. Lebensjahr am 26. April 1986 in Innsbruck an Krebs. Seinem Wunsch entsprechend wurde er im Kinderdorf Imst begraben, wo auch eine kleine Gedenkstätte an ihn erinnert.[12] Bereits 1985 hatte Gmeiner seinen Nachfolger bestellt: Helmut Kutin leitete seit dem Tod Gmeiners das weltweite Sozialwerk von 1986 bis 2012.

1986, im Todesjahr Gmeiners, gab es 233 Kinderdörfer in 85 Ländern, in denen 40.000 Kinder versorgt wurden. Im Jahr 2006 bestanden „1.715 Einrichtungen und Hilfsprogramme in 132 Ländern und Territorien“, in denen über 60.000 Kinder und Jugendliche basierend auf der Idee und dem Idealismus von Hermann Gmeiner betreut wurden. Und 2019 waren es 572 SOS-Kinderdörfer in 135 Ländern mit den dazugehörenden 2100 Zusatzeinrichtungen. Darin werden 1,5 Millionen Kinder betreut.[13] Der Humanist und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer bezeichnete die Kinderdörfer als „freundlichstes Wunder der Nachkriegszeit“.[14]

Missbrauchsvorwürfe

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Nachdem die Wiener Wochenzeitung Falter über Missbrauch in SOS-Kinderdörfern berichtet hatte,[15] wurde im Oktober 2025 bekannt, dass es gegen Gmeiner mindestens seit den 2010er Jahren Missbrauchsvorwürfe gibt. Die Organisation SOS-Kinderdorf Österreich teilte mit, dass in Opferschutzverfahren zwischen 2013 und 2023 mindestens acht Betroffene glaubhaft dargelegt hätten, dass Gmeiner sie sexuell missbraucht und körperlich misshandelt habe und dass ihnen Entschädigungszahlungen in Höhe von jeweils bis zu 25.000 Euro geleistet worden seien. Die Taten sollen in den 1950er bis 1980er Jahren an vier Standorten in Österreich begangen worden sein.[16][17]

Auslöser der Veröffentlichung waren Meldungen an die nach den Falter-Recherchen eingesetzte Reformkommission. Die Wochenzeitung berichtete, dass sie bereits vereinzelt Hinweise zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Gmeiner erhalten habe.[18] Nach einer Recherche der Süddeutschen Zeitung gab es bereits in den 1970er Jahren Gerüchte um pädophile Neigungen Gmeiners.[19]

Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe lief in Ländern und Gemeinden in Österreich die Diskussion an, Gmeiner postum Auszeichnungen und Ehrungen abzuerkennen, Benennungen zurückzunehmen und Denkmäler zu entfernen.[20][21][22][23][24][25] In Wien wurde Gmeiners Büste aus dem nach ihm benannten Hermann-Gmeiner-Park entfernt. Zudem wurde auch der Park umbenannt.[26][27][28] Laut Bericht der Kommission lagen gegen ihn 16 Verdachtsfälle von sexuellem bzw. schwerem sexuellen Missbrauch vor, wobei acht Personen bereits entschädigt wurden. Vor allem den Vorwürfen gegen Gmeiner sei „nicht nachgegangen“ worden, urteilte Kommissionsleiterin Griss.[29]

Im März 2026 berichtet der Falter über fünf weitere Fälle, die nach Aufkommen der ersten Berichte an SOS-Kinderdorf gemeldet wurden.[30] Es soll dabei wieder um Misshandlungen gehen. Vier der fünf Fälle spielten sich in Österreich ab, ein Fall wurde in Deutschland gemeldet. Die Organisation bestätigte laufende Opferschutzverfahren.

Auszeichnungen und Ehrungen

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Auszeichnungen zu Lebzeiten

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Gmeiner wurde zwischen 1960 und 1968 offiziell 103 Mal für den Friedensnobelpreis nominiert (teilweise mehrfache Jahresnominierungen von Einzelpersonen und Organisationen bzw. Regierungen).[35] Damit zählte er zu den am häufigsten Nominierten für diese Auszeichnung.

Postume Ehrungen

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Zahlreiche Straßen, Parks, Schulen und Kindergärten wurden nach Hermann Gmeiner benannt. Darunter:

Straßenbenennungen:

Parks:

  • Hermann-Gmeiner-Park am Börseplatz in Wien-Innere Stadt[20] (1993), im November 2025 wurde die Büste Gmeiners aus dem Park entfernt, 2026 passierte die Rückbenennung in Börsepark die Bezirksebene, der Gemeinderatsbeschluss ist noch offen.[41]
  • Hermann-Gmeiner-Park in Dornbirn[33][42]

Schulen:

  • Hermann-Gmeiner-Schule in Hinterbrühl (2025 in Waldblickschule umbenannt)
  • Volksschule Hermann Gmeiner in Imst[43]
  • Hermann-Gmeiner-Schule, Grundschule in Monheim am Rhein (2026 in Gänselieselschule umbenannt).[44]
  • Städt. Kath. Hermann-Gmeiner-Schule, Grundschule in Düsseldorf (2026 in Frida Kahlo Schule umbenannt)[45]
  • Im süddeutschen Ehingen (Donau) ist eine Förderschule nach Hermann Gmeiner benannt.
  • Im westdeutschen Dormagen ist eine Hauptschule nach ihm benannt.
  • Hermann-Gmeiner-Schule, Grundschule in Waldsee
  • Hermann-Gmeiner-Realschule plus, Integrative Realschule in Daaden (2026 in Realschule plus Daaden-Herdorf umbenannt)
  • Hermann-Gmeiner-Schule, Gemeinschaftsgrundschule in Mönchengladbach
  • Hermann-Gmeiner-Schule, Grundschule in Bergheim Glesch
  • Hermann-Gmeiner-Schule in Staufenberg-Landwehrhagen (2026 in Grundschule Landwehrhagen umbenannt)[46]

Weitere Ehrungen

  • Hermann-Gmeiner-Zentren – vom SOS Kinderdorf betriebene Kärntner Ambulatorien in Moosburg und Villach[20]
  • Büste und Benennung des Gemeindesaals in Alberschwende, dem Geburtsort Gmeiners[33]
  • Hermann-Gmeiner-Statue, sitzend vor der Johanneskirche,[47] und weitere Gmeiner-Statue vor dem Pflegezentrum[20]
  • Hermann-Gmeiner Denkmal im Hermann-Gmeiner-Park in Wien,[20] gestiftet vom Architekten und Bratschisten Erich Boltenstern
  • Hermann Gmeiner Messe, musisch-soziale Komposition von Gerald Spitzner (Uraufführung mit SOS-Kinderdorfkindern 1993), wurde von Helmut Kutin aufgezeichnet[48]
  • 1994 widmete ihm die Österreichische Post eine Briefmarke zu 7 Schilling (Michel-Katalog 2128).
  • Eindrücke, Gedanken, Bekenntnisse. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 1979.
  • Die SOS-Kinderdörfer. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 1985.
  • Meine Töchter, meine Söhne. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 1987.
  • Ansichten & Einsichten. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 1990.
  • Alle Kinder dieser Welt, Die Botschaft des SOS-Kinderdorfgründers. Styria, Wien 2006, ISBN 3-222-13198-8 (Zitate von Hermann Gmeiner, zusammengestellt von Hansheinz Reinprecht).
Artikel in Zeitungen und Zeitschriften
  • Ludwig Stadelmann: Hermann Gmeiner, Ein Leben für die Mutterlosen, Weg und Werk meines Jugendfreundes. Neues Leben, Bad Goisern 1969.
  • Hansheinz Reinprecht: Das Hermann Gmeiner Buch, Die SOS-Kinderdörfer und ihr Begründer. Styria, Graz 1974, ISBN 3-222-10796-3.
  • Hansheinz Reinprecht: Hermann Gmeiner, der Vater der SOS-Kinderdörfer. Molden, München 1979, ISBN 3-217-00398-5.
  • SOS-Kinderdorf-Verlag (Hrsg.): Hermann Gmeiner, Vater der SOS-Kinderdörfer. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 1987.
  • Hansheinz Reinprecht: Hermann Gmeiner, Abenteuer Nächstenliebe. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1989, ISBN 3-215-07283-1.
  • Jens Lehmann: Hermann Gmeiner – Ein Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik? Eine Idee feiert Jubiläum: 50 Jahre SOS-Kinderdorf! Mit einem Vorwort von Jörg W. Ziegenspeck, einem Beitrag von Iris Mainka und einem Nachwort von Wolfgang Graßl. (= Schriftenreihe Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik. Hrsg. von Jörg W. Ziegenspeck, Heft 54.) edition erlebnispädagogik, Lüneburg 1999, ISBN 3-89569-040-6 (Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Teilauszug (PDF; 862 KB) auf der Website des Ziel-Verlags, abgerufen am 24. Oktober 2025).
  • Horst Schreiber, Wilfried Vyslozil: SOS-Kinderdorf – Die Dynamik der frühen Jahre. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck/München 2001.
  • Inge Breid: Befreiungspädagogik und Kinderdorf-Idee, SOS-Kinderdörfer in Entwicklungsländern, Paulo Freire und Hermann Gmeiner im Vergleich. Verlag Dialogische Erziehung, Oldenburg 2003, ISBN 3-934129-43-9.
  • Claudio Honsal: Für die Kinder dieser Welt. Hermann Gmeiner: Der Vater der SOS-Kinderdörfer. Die Biografie. Kösel Verlag, München 2009, ISBN 978-3-466-30823-1
Commons: Hermann Gmeiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. 8. Band, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Mannheim 1989, ISBN 3-7653-1108-1, S. 617.
  2. Die Zeit: Das Lexikon in 20 Bänden. Zeitverlag, 5. Band, Hamburg 2005, ISBN 3-411-17565-6, S. 533 f.
  3. Lingen Lexikon in 20 Bänden. 7. Band, Helmut Lingen Verlag, Wiesbaden 1976/1977, S. 306.
  4. Sophia Reddig: Missbrauchsvorwurf aus Deutschland gegen SOS-Kinderdorf-Gründer. In: Zeit Online. 6. März 2026, abgerufen am 6. Juli 2026.
  5. Claudio J. Honsal: Für die Kinder dieser Welt. Hermann Gmeiner: Der Vater der SOS-Kinderdörfer. Die Biografie. Kösel Verlag, München 2009, S. 20.
  6. Claudio J. Honsal: Für die Kinder dieser Welt. Hermann Gmeiner: Der Vater der SOS-Kinderdörfer. Die Biografie. Kösel Verlag, München 2009, S. 12.
  7. Ein Kinderdorf der SOS. in Imst. In: Innsbrucker Nachrichten, 8. September 1949, S. 3 (online bei ANNO).
  8. 1 2 Erstes SOS-Kinderdorf ersteht. In: Tiroler Nachrichten / Tiroler Nachrichten. Tagblatt der österreichischen Volkspartei, 24. November 1949, S. 2 (online bei ANNO).
  9. Feier im SOS-Kinderdorf. In: Tiroler Nachrichten / Tiroler Nachrichten. Tagblatt der österreichischen Volkspartei, 2. Dezember 1950, S. 2 (online bei ANNO).
  10. 1 2 SOS-Kinderdorf in Imst feierlich eröffnet. In: Tiroler Nachrichten / Tiroler Nachrichten. Tagblatt der österreichischen Volkspartei, 10. Juli 1951, S. 3 (online bei ANNO).
  11. UNESCO-Kongreß für Kinderdörfer. In: Tiroler Nachrichten / Tiroler Nachrichten. Tagblatt der österreichischen Volkspartei, 27. September 1950, S. 3 (online bei ANNO).
  12. Hermann Gmeiner. In: knerger.de. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  13. Über die SOS-Kinderdörfer weltweit. In: sos-kinderdoerfer.de. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  14. Regina Kusch: Heimat für Waisen. Archiv. In: Deutschlandfunk. 15. Dezember 2006, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  15. Jürgen Klatzer, Matthias Winterer: SOS-Kinderdorf-Chef nach Falter-Enthüllung vom Dienst freigestellt. In: Falter. Nr. 41/2025, 4. Oktober 2025 (Volltext [abgerufen am 7. April 2026]).
  16. Missbrauchsvorwürfe gegen verstorbenen SOS-Kinderdorf-Gründer Gmeiner. APA-Meldung. In: DiePresse.com. 23. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  17. Maximilian Werner, Leon Spachmann: SOS-Kinderdorf: Missbrauchsvorwürfe gegen Gründer Gmeiner, interne Aufarbeitung folgt. In: derstandard.at. 23. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  18. Jürgen Klatzer: SOS-Kinderdorf-Gründer Gmeiner: Der Täter, der selbst Hilfe gebraucht hätte. In: falter.at. 23. November 2025, abgerufen am 8. Februar 2026.
  19. Kathrin Aldenhoff, Bernd Kastner, Verena Mayer: Kinder in Not. In: Süddeutsche Zeitung, 28. November 2025, S. 3.
  20. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Nach Vorwürfen gegen Gmeiner nun Diskussion um Umbenennungen. APA-Meldung. In: trend.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  21. 1 2 3 Missbrauchsvorwürfe: SOS-Kinderdorf stellt Marke auf Prüfstand. In: tirol.ORF.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  22. Robert Stammler: Missbrauchsaffäre bei SOS Kinderdorf: Auch in Linz gibt es einen „Gmeinerweg“. In: nachrichten.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  23. Umbenennungsdebatte: Name Gmeiner soll von Plätzen verschwinden. In: orf.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  24. Gerald Winter-Pölsler: Nach Vorwürfen gegen SOS-Kinderdorf-Gründer überlegt erste Gemeinde Straßenumbenennung. In: kleinezeitung.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  25. Thomas Rossacher: Steiermark prüft, zwei Ehrenzeichen für Gmeiner abzuerkennen. In: kleinezeitung.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  26. Fabian Franz: Hermann Gmeiner Denkmal in der City ist Geschichte. In: meinbezirk.at. 21. November 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  27. Denkmal von Hermann Gmeiner abmontiert. In: wien.orf.at. 22. November 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  28. Gmeiner-Park heißt bald wieder „Börsepark“. In: wien.orf.at. 8. April 2026, abgerufen am 8. April 2026.
  29. Neue Missbrauchsermittlungen in Tirol. In: orf.at. 6. August 2026, abgerufen am 6. August 2026.
  30. Jürgen Klatzer, Matthias Winterer: Schon 17 Fälle? Neue Missbrauchsvorwürfe gegen SOS-Kinderdorf-Gründer Gmeiner. In: falter.at. 5. März 2026, abgerufen am 6. März 2026.
  31. Beschlussprotokoll Nr. 22 über die Regierungssitzung am 07.07.2026. (PDF; 344 kB) In: tirol.gv.at. 8. Juli 2026, abgerufen am 6. September 2026.
  32. Hohe päpstliche Auszeichnung für Gmeiner. In: Erlaftal-Bote. Nr. 49/1966. Scheibbs 8. Januar 1966.
  33. 1 2 3 4 Angela Ganthaler: Missbrauchsvorwürfe: Gmeiner: Debatte um Namen und Ehrenzeichen. In: vorarlberg.orf.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  34. Ehrungen für Gmeiner und Kutin aberkannt. In: ORF.at. 3. Juli 2026, abgerufen am 3. Juli 2026.
  35. Nominierungen von Hermann Gmeiner. Nobelpreiskomitee, abgerufen am 23. Oktober 2025 (englisch).
  36. Straßensuche. In: Straßenverzeichnis. Statistik Austria, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  37. Klagenfurt: Gmeiner-Straße im dritten Anlauf umbenannt. In: ORF.at. 18. März 2026, abgerufen am 5. April 2026.
  38. Gmeinerweg. In: linz.at. Abgerufen am 27. August 2026.
  39. Innsbruck: Hermann-Gmeiner-Straße wird umbenannt. In: ORF.at. 30. April 2026, abgerufen am 1. Mai 2026.
  40. Lisa Harth: Wysocki: „Mit der neuen Beschilderung ist die Umbenennung nun auch sichtbar abgeschlossen“. In: bad-vilbel.de. 20. Mai 2026, abgerufen am 4. September 2026.
  41. Umbenennung : Gmeiner Park heißt bald wieder „Börsepark“. In: orf.at. 8. April 2026, abgerufen am 8. April 2026.
  42. Freizeitsportanlage Hermann-Gmeiner-Park. In: dornbirn.info. Dornbirn Tourismus & Stadtmarketing, abgerufen am 18. März 2023.
  43. Aus der Schulchronik 1969/70. In: vs-hermanngmeiner.tsn.at. Volksschule Hermann Gmeiner / Stadtgemeinde Imst, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  44. Florian Teichert: Grundschule wird zur Gänselieselschule. In: Rheinische Post. 1. Juli 2026, S. 25 (Volltext [abgerufen am 3. Juli 2026]).
  45. Frida Kahlo Schule - unser neuer Name. In: fridakahloschule.de. 20. August 2026, abgerufen am 3. September 2026.
  46. Ratsinfosystem. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  47. Eva Sager: Hermann Gmeiner: Vom Helden, der keiner war. In: wienerzeitung.at. 24. Oktober 2025, abgerufen am 5. Juli 2026.
  48. Hermann Gmeiner-Messe in G-Dur von Gerald Spitzner für Chor und Orchester. In: oocities.com. Abgerufen am 23. Juli 2026.
VorgängerAmtNachfolger
Präsident von SOS-Kinderdorf-International
1955–1986
Helmut Kutin