Margret Bechler

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Margret Bechler (* 2. Februar 1914 in Altona; † 2002 in Wedel) war eine deutsche Offiziersfrau und Lehrerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margret Bechler wurde als Tochter eines Marineingenieurs geboren. Der Vater verließ nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund seiner monarchistischen Einstellung die Marine als Korvettenkapitän und zog mit seiner Familie nach Dresden, wo er als leitender Ingenieur tätig war. Margret lernte 1935 den Oberfähnrich Bernhard Bechler kennen und verlobte sich 1936 mit ihm. 1938 heirateten beide und zogen nach Chemnitz. Aus der Ehe stammen zwei Kinder: Heidi (* 1939) und Hans-Bernhard (* 1940). Der talentierte und sehr auf sein Fortkommen bedachte Offizier machte nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges rasch Karriere, geriet jedoch im Kessel von Stalingrad als Major in sowjetische Kriegsgefangenschaft und war dann Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) und des Bundes deutscher Offiziere. Seine Frau wurde 1944 von den Nazis deshalb aufgefordert, sich von dem „Volksverräter“ scheiden zu lassen, hielt aber trotz Schikanen zu ihm.

Als der Antifaschist Anton Jakob versuchte, über sie Kontakt zum NKFD zu erlangen, nahm sie eine Falle der GeStaPo an und meldete daher aus Angst um sich und ihre Kinder den Vorfall den NS-Behörden. Jakob wurde verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Als seine Frau Margret Bechler bat, ein Gnadengesuch zu unterstützen, lehnte diese aus Furcht vor Repressalien ab. Keine der beiden Frauen wusste, dass Jakob zu diesem Zeitpunkt bereits hingerichtet war.

Nach der Besetzung Thüringens durch US-Truppen wurde Margret Bechler wegen ihres Beitrags zum Schicksal Jakobs am 9. Juni 1945 an ihrem Wohnort Altenburg verhaftet. Am 1. Juli übergaben die USA Thüringen an die sowjetische Besatzungsmacht. Margret Bechler war bis dahin nicht entlassen worden, sondern kam in das Untersuchungsgefängnis Zwickau und dann in die Speziallager Bautzen, Jamlitz, Mühlberg und Buchenwald. Bernhard Bechler ließ sie nach seiner Rückkehr für tot erklären und heiratete wieder. Seine ehemalige Frau ließ er „seiner neuen Karriere willen“ im Stich, obwohl er in seiner Position „alle Möglichkeiten“ gehabt hätte. Kontakte zu den gemeinsamen Kindern unterband er. 1950 wurde Margret Bechler von der DDR-Justiz zum Tode durch den Strang verurteilt und in das Zuchthaus Waldheim gebracht. Bei den Waldheimer Prozessen wurde das Todesurteil in lebenslängliche Gefängnisstrafe umgewandelt, zu deren Verbüßung sie in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck gebracht wurde. Nach dem Beginn der Entstalinisierung wurde sie 1955 begnadigt und 1956 als eines der letzten Opfer der Waldheimer Prozesse entlassen. Sie übersiedelte in die Bundesrepublik und wurde Lehrerin in Wedel. 1978 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen unter dem Titel Warten auf Antwort. Ihren Sohn konnte sie erst nach dem Mauerfall wiedersehen. Ob sie ihre Tochter wiedergesehen hat, ist unbekannt.

1992 wurde ihr Strafurteil durch das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz aufgehoben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]