Mariengymnasium Jever
| Mariengymnasium Jever | |
|---|---|
| Schulform | Gymnasium |
| Gründung | 1573 |
| Adresse | Terrasse 3 |
| Ort | Jever |
| Land | Niedersachsen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 53° 34′ 17″ N, 7° 54′ 15″ O |
| Schüler | rd. 1000 (31. Dezember 2020) |
| Leitung | Jürgen Ploeger-Lobeck |
| Website | mariengymnasium-jever.de |
Das Mariengymnasium in Jever (Niedersachsen) wurde 1573 von Maria von Jever als Lateinschule gegründet und hat heute rund 1000 Schüler.
Die Schule ist heute das einzige allgemeinbildende Gymnasium im nördlichen Teil des Landkreises Friesland und das Einzugsgebiet erstreckt sich über die Gemeinde Wangerland sowie die Städte Jever und Schortens. Auch Schüler aus dem Landkreis Wittmund (hier vor allem aus Friedeburg) sowie aus Wilhelmshaven besuchen das Mariengymnasium.
Gebäude
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Die Schule besteht an ihrem Hauptstandort in Jever aus mehreren Gebäuden aus verschiedenen Epochen. Der Altbau stammt aus dem Jahre 1900. 1957 folgte ein Anbau, 1969 der Bau eines stilfremden Gebäudes, das vor allem für Naturwissenschaften vorgesehen ist. Aus Platzgründen wurde auf dem Schulhof um 1980 der sogenannte Pavillon in Leichtbauweise errichtet. Ursprünglich sollte dieses Gebäude nur ein Provisorium für maximal fünf Jahre sein, allerdings wurde er bis zum Herbst 2005 genutzt und der Abriss wurde Anfang 2006 durchgeführt. Der Unterricht für die Oberstufe findet größtenteils in einer umgebauten, ehemaligen denkmalgeschützten Anhalt-Zerbster Kaserne statt[1], die einige Meter vom restlichen Gebäudekomplex abgesetzt ist und seit 1978 zur Schule gehört.
Die Umstrukturierungen im Rahmen der niedersächsischen Schulreform haben dazu geführt, dass sich die Schülerzahl von 855 im Schuljahr 2003/04 schlagartig auf etwa 1.300 im Schuljahr 2004/05 erhöhte.
Im November 2005 wurde bekanntgegeben, dass der seit Jahrzehnten als Provisorium bestehende Pavillon abgerissen und durch einen Neubau mit sieben zusätzlichen Klassenräumen ersetzt wird. Dieser wurde zum Beginn des Schuljahrs 2007/2008 fertiggestellt. Parallel zum Neubau wurde auch die bisherige Cafeteria zu einer Mensa umgebaut, die einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Ganztagsschule darstellt. Im Sommer wurde das von-der-Vring-Haus („B-Gebäude“) abgerissen und wird derzeit unter der Betreuung des Architekturbüros Enno Schneider neu gebaut. Der Neubau wird Teile des Verwaltungstraktes (Schulleitung, Stellvertretung und Sekretariat), zwei Kunsträume und zehn Klassenräume beherbergen.
Bibliothek
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bibliothek des Gymnasiums mit einem Bestand von rund 30.000 Büchern ist gegenüber anderen Schulbibliotheken sehr reich an Werken, insbesondere in ihrem historischen Bestand von ca. 27.000 Exemplaren.[2] So beherbergt sie zum Beispiel viele wertvolle und historische Werke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert sowie Originaldrucke, handgeschriebene Bücher und auch Noten. Im Jahr 2000 wurde in einem Gebäudeteil die Gesamtbibliothek eröffnet, in der sämtliche Materialien, die vorher über verschiedene Standorte in verschiedenen Gebäuden aufgeteilt waren, zentral an einem Ort zusammengefasst sind. Die Bibliothek ist nicht nur für Lehrer und Schüler, sondern auch öffentlich zugängig. An der Finanzierung beteiligt ist ein Förderverein.
Schülerzeitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aktuelle Schülerzeitung ist seit 2019 das online-Magazin „Bloody Mary“.
Schulpartnerschaften
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Im Rahmen der Partnerschaften mit folgenden Schulen werden Schüleraustausche und andere gemeinsame Projekte durchgeführt:
- Francisceum Zerbst/Anhalt, Sachsen-Anhalt
- Gymnázium Trutnov (Tschechien)
- Collège Paul Doumer, Nort-sur-Erdre (Frankreich)
- Tycho-Brahe-Skolan, Helsingborg (Schweden)
- IX Liceum Ogólnokształcące, Breslau (Wrocław) (Polen)
- Drachtster Lyceum (Niederlande)
Besonderheiten
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- Auf dem Dach des naturwissenschaftlichen Gebäudes befindet sich ein spezieller Raum für astronomische Beobachtungen, der vom obersten Stockwerk aus über eine Wendeltreppe erreichbar ist. Ihm ist zu verdanken, dass Astronomie nicht nur eine zwanglose Arbeitsgemeinschaft ist, sondern als wahlfreies Unterrichtsfach (mit Benotung) für die Oberstufe angeboten wird. Bei besonderen Ereignissen (etwa beim Venustransit im Jahr 2004) wird ein Teleskop auf dem Schulhof aufgestellt.
- Der Musikunterricht am Hauptstandort findet nicht im Schulgebäude selbst statt, sondern in den Räumen der Kreismusikschule Friesland, die etwa 300 Meter vom Gymnasium entfernt ist. Im Gegenzug darf die Musikschule bestimmte Räume des Gymnasiums nutzen.
- Der Platz zwischen dem Gebäude der Oberstufe und dem restlichen Komplex dient als Schulhof für die Schüler der Oberstufe, ist aber offiziell Teil einer öffentlichen Straße (und wird auch regelmäßig von Fußgängern und Radfahrern benutzt). Dort ist das Rauchen zwar durch die Schulordnung auch untersagt, es ist den Schülern der Oberstufe aber gestattet, sich jederzeit vom Schulgelände zu entfernen. Somit ist es der Schule kaum möglich, das in Niedersachsen geltende Rauchverbot an Schulen vernünftig durchzusetzen.
Personen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schulleiter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1875–1876: Otto Carnuth (1843–1899), Latinist
- ab 1876: Ernst Ramdohr (1839–1922), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
- 1911–1913: Paul Wessner (1870–1933), Altphilologe
Lehrer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Franz Tiefenbruch (1609–1702), Schüler, Konrektor
- Friedrich Christoph Schlosser (1776–1861), Schüler, Konrektor der Schule 1808–1809, Historiker und Theologe
- Dagobert Böckel (1816–1883), Lehrer ab 1844, Philologe, Redakteur und linksliberaler Politiker, Reichstagsabgeordneter, Mitglied des Zollparlaments, Landtagsabgeordneter (Großherzogtum Oldenburg)
- August Lübben (1818–1884), Schüler, Bibliothekar und Gymnasiallehrer, Germanist
- Karl Strackerjan (1819–1889), Lehrer 1844–1864, Pädagoge
- Karl Gottfried Böse (1828–1886), Geografielehrer 1855–1862, Verfasser geografischer Schriften
- Wilhelm Wisser (1843–1935), Oberlehrer 1877–1887
- Friedrich Beneke (1853–1901), Lehrer 1875–1877, Gymnasiallehrer
- Peter Corssen (1856–1928), Lehrer ab 1883, Klassischer Philologe
- Georg von der Vring (1889–1968), Schriftsteller und Maler
- Hein Bredendiek (1906–2001), Schüler, Kunsterzieher an der Schule 1949–1952, Maler und niederdeutscher Schriftsteller
- Focke Tannen Hinrichs (1928–2010), Latein-, Griechisch- und Geschichts-Lehrer bis 1991, Historiker
- Günter Maurischat (1930–2011), Lehrer 1958–1992, Musiker
- Werner Menke (* 1946), Lehrer 1975–2009, Biologe, Heimatkundler, Autor
- Regine Kölpin (* 1964), Schülerin, Leitung von Schreibwerkstätten ab 2007, Schriftstellerin
Schüler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anton Günther Billich (1599–1640), Arzt und chemiatrischer Fachschriftsteller
- Ulrich von Werdum (1632–1681), Häuptling von Werdum, Inhausen und Roffhausen sowie schwedischer Diplomat
- Hinrich Janssen (1697–1737), Bauer und Lyriker
- Christian Heinrich Wolke (1741–1825), Pädagoge
- Gerhard Anton Gramberg (1744–1818), Stadt- und Landphysikus in Oldenburg
- Gerhard Vieth (1763–1836), Lehrer und Turnpädagoge
- Ulrich Jasper Seetzen (1767–1811), Orientalist
- Georg Heinrich Bernhard Jürgens (1771–1846), Botaniker, Algenforscher, Rechtsanwalt und Notar, Bürgermeister von Jever
- Johann Heinrich von Thünen (1783–1850), Volkswirt
- Friedrich von Thünen (1785–1865), Landwirt, Politiker, Landtagsabgeordneter (Großherzogtum Oldenburg)
- Gerd Eilers (1788–1863), Pädagoge
- Johann Ludwig Tiarks (1789–1837), Astronom
- Gerhard Friedrich August Jansen (1791–1869), Verwaltungsbeamter, Geheimer Rat und Kammerpräsident im Großherzogtum Oldenburg
- Hermann Friedrich Wilhelm Hinrichs (1794–1861), evangelischer Theologe, Philosoph und politischer Schriftsteller
- Eilhard Mitscherlich (1794–1863), Chemiker
- Peter van Bohlen (1796–1840), Orientalist
- Heinrich Georg Ehrentraut (1798–1866), Jurist, Privatgelehrter und Parlamentarier, Landtagsabgeordneter (Großherzogtum Oldenburg)
- Dietrich Christian von Buttel (1801–1878), Präsident des Oberappellationsgerichts, Politiker, oldenburgischer Ministerpräsident, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
- August Christian Ferdinand Krell (1802–1856), Jurist, Politiker, Finanzminister des Großherzogtums Oldenburg
- Ludwig Kunze (1805–1890), Mathematiker und Gymnasiallehrer
- Karl Gustav Mitscherlich (1805–1871), Abitur 1824, Pharmakologe und Hochschullehrer
- Hero Diedrich Hillerns (1807–1885), Architekt und Oberbaurat
- Anton von Lindern (1811–1850), Pastor und Landtagsabgeordneter
- Carl Julius Dannenberg (1813–1875), Richter, Landtagspräsident des Oldenburgischen Landtags und Mitglied des Konstituierenden Reichstags des Norddeutschen Bundes
- Ludwig von Weltzien (1815–1870), preußischer Generalleutnant
- Johann Ludwig Hinrichs (1818–1901), Hilfslehrer in Sillenstede und späterer Mitbegründer der nordwestdeutschen Baptisten
- Wilhelm Müller (1821–1899), Kaufmann, Reederei-Agent und Kommunalpolitiker
- Dode Emken Müller (1822–1896), Militär- und Augenarzt
- Johann Friedrich Minssen (1823–1901), Sprachwissenschaftler
- August Hullmann (1826–1887), Reichsgerichtsrat, Mitglied des Deutschen Reichstags
- Ludwig Siegfried Meinardus (1827–1896), Komponist
- Bernhard Schomann (1831–1904), Jurist, Präsident des Oberlandesgerichts Oldenburg
- Ernst Hemken (1834–1911), Maler und Porträtist
- Ludwig Schauenburg (1839–1909), evangelisch-lutherischer Theologe und Kirchenhistoriker
- Ludwig Klingenberg (1840–1924), Architekt
- Jakob Schipper (1842–1915), Philologe und Anglist
- Carl Wilhelm Jaspers (1850–1940), Landtagsabgeordneter (Großherzogtum Oldenburg)
- Paul von Heimburg (1851–1936), preußischer Generalmajor
- Hermann Scheer (1855–1928), Verwaltungsjurist, Außen- und Innenminister des Großherzogtums Oldenburg
- Otto Friedrich Gramberg (1856–1946), Ministerialrat und Kirchenrechtler
- Dietrich Behrens (1859–1929), Romanist
- Hugo Köster (1859–1943), Bezirksbürgermeister von Berlin-Zehlendorf
- Friedrich Bolte (1860–1940), Direktor der Hamburger Navigationsschule
- Johannes Eduard Folckard Willms (1860–1937), Verwaltungsjurist
- Theodor Ahlrichs (1866–1937), evangelisch-lutherischer Theologe
- Otto Georg Hermann Willms (1866–1901), Verwaltungsjurist, später Bürgermeister in Delmenhorst
- Rudolf Christians (1869–1921), Schauspieler und Theaterleiter
- Karl Sartorius (1875–1967), Ornithologe
- Carl Woebcken (1878–1965), Theologe, Pastor und Historiker
- Ernst Löwenstein (1881–1974), Rechtsanwalt und Notar
- Robert Onnen (1887–1968), Politiker (SPD), Mitglied des Niedersächsischen Landtages
- Ernst Osterloh (1889–1967), Pädagoge, Politiker (DNVP und NSDAP), Landtagsabgeordneter (Freistaat Oldenburg)
- Rudolf Drost (1892–1971), Ornithologe
- Sophie Prag (1895–1955), bestand 1915 als erste Schülerin das Abitur am Mariengymnasium. Die jüdische Kinderärztin entkam dem Holocaust durch Emigration nach Peru
- Willy Unverfehrt (1895–1968), Abitur 1913, Konsular- und Ministerialbeamter
- Fritz Levy (1901–1982), Viehhändler, „letzter Jude von Jever“
- Alfred Onnen (1904–1966), Jurist und Politiker (FDP), Bundestagsabgeordneter, Bürgermeister von Jever
- Friedrich Wegener (1907–1990), Pathologe, Erstbeschreiber der nach ihm benannten Wegener-Granulomatose
- Hans Hartmann (1909–2000), Keltologe
- Helmut Janßen (1910–1992), Abitur 1929, Oberkreisdirektor des Landkreises Rotenburg (Wümme)
- Otto Uechtritz (1910–1994), Abitur 1930, Generalleutnant der Bundeswehr, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft
- Oswald Andrae (1926–1997), plattdeutscher Schriftsteller
- Karl-Heinz Janßen (1930–2013), Abitur 1950, Journalist und Historiker
- Erke Noth (1939–2007), Politikerin (FDP), Bundestagsabgeordnete
- Dieter Stöckmann (* 1941), General des Heeres der Bundeswehr
- Menno Aden (* 1942), Abitur 1962, Jurist, Autor, Hochschullehrer und Kommunalpolitiker (parteilos, ehemals AfD), Publizist der Neuen Rechten
- Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (* 1942), Sportmediziner
- Bernd Theilen (* 1945), Politiker (SPD), Mitglied des Niedersächsischen Landtages und Regierungspräsident
- Werner Onken (* 1953), Diplom-Ökonom, Autor
- Ulla Ihnen (* 1956), Politikerin (FDP), Bundestagsabgeordnete, Staatssekretärin
- Hiltraud Casper-Hehne (* 1957), Germanistin, Hochschullehrerin und Vizepräsidentin der Universität Göttingen
- Holger Frerichs (* 1958), Abitur 1979, Rettungsassistent und regionalgeschichtlicher Autor
- Gerold Rahmann (* 1962), Agrarökonom, Professor an der Universität Kassel, Gründungsdirektor des Bundesforschungsinstituts für Ökologischen Landbau
- Andreas Brandt/Sebby (* 1963), Cartoonist und Comiczeichner
- Ina Bergmann (* 1966), Journalistin und Fernsehmoderatorin
- Karin Harms (* 1966), Landrätin des Landkreises Ammerland
- Heike Suzanne Hartmann-Heesch (* 1969), Abitur 1988, Schriftstellerin
- Jonas Schlagowsky (* 1987), Schauspieler
- Anneke Janssen, Drehbuchautorin
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mariengymnasium Jever (Hrsg.): 425 Jahre Mariengymnasium Jever 1573 – 1998; Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart der Schule. Verlag Mettcker & Söhne, Jever 1998.
- Mariengymnasium Jever / Bibliothek: Die Bibliothek des Mariengymnasiums Jever - ein Kosmos für sich : Abbildungen und Essays : mit einem Faksimile des Briefes von Ulrich Jasper Seetzen vom 25. Mai 1809 aus Kairo an Diedrich Ulrich Heinemeyer in Jever. Mariengymnasium Bibliothek, [Jever] 2020 (stabikat.de [abgerufen am 8. Juni 2022]).
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website
- Eintrag zur Bibliothek in der online-Version des Handbuchs der historischen Buchbestände
- Artikel zur Bibliothek in Monumente online
- Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums zu Jever e. V.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Friesland.de: Baustart für Oberstufengebäude in Jever vom 2. Juli 2012 abgerufen am 5. September 2015
- ↑ Siehe Fabian Handbuch der historischen Buchbestände: Bibliothek des Mariengymnasiums