Mark Granovetter

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Mark S. Granovetter (* 20. Oktober 1943) ist ein amerikanischer Soziologe. Berühmt wurde er durch seine Studien zu weak ties bzw. strong ties in sozialen Netzwerken; für Jens Beckert ist er „der international vermutlich prominenteste Vertreter der Netzwerkanalyse“.[1]

Leben[Bearbeiten]

Granovetter studierte an der Princeton University und der Harvard University. Später hatte er Lehrtätigkeiten an der Northwestern University (Illinois, USA), der State University of New York at Stony Brook und der Johns Hopkins University (Baltimore, USA) inne. Granovetter lehrt derzeit an der Stanford University. Er war 1981/82 Guggenheim-Stipendiat wurde 2008 zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences ernannt. Die Universität Stockholm (1996) und das Institut d’études politiques de Paris (2006) verliehen Granovetter die Ehrendoktorwürde.

Werk und Wirken[Bearbeiten]

Granovetters wichtigste Beiträge zur Soziologie sind seine Gedanken zu sozialen Netzwerken, die sich zum einen mit dem Erfolg „schwacher“ Beziehungen („weak ties“) beschäftigen und zum anderen mit der „Einbettung“ („embeddedness“) individuellen ökonomischen Verhaltens in soziale Bezüge.

Strong ties und weak ties[Bearbeiten]

Netzwerke, in denen die Beziehungen zwischen den Akteuren aus strong ties („starken Verbindungen“) bestehen, sind stark integriert und intensiv miteinander verknüpft, beispielsweise enge Freundschaften oder eine Familie.

Dem stehen Beziehungen gegenüber, die weniger intensiv sind, wie etwa flüchtige Bekanntschaften (weak ties). Granovetter fand in seiner Doktorarbeit, einer der ersten explizit netzwerktheoretischen Studien[2], die sich mit beruflicher Mobilität beschäftigte, heraus, dass gerade die schwachen Verbindungen für Erfolge der Akteure im Netzwerk sorgten. Sein diese Beobachtung vorstellender Aufsatz[3] zählt mit etwa 24.000 Erwähnungen zu den meistzitierten in der Soziologie[4] und ist mit weitem Abstand der meistzitierte in netzwerktheoretischen Zusammenhängen.[5]

Einbettung[Bearbeiten]

Granovetters zweiter einflussreicher Beitrag beschäftigt sich mit der Einbettung („embeddedness“) individuellen Verhaltens und lieferte damit einen Vorschlag, wie Makro- und Mikro-Zugänge zur Erklärung menschlichen Verhaltens auf einer mittleren Ebene vereinigt werden können.

Er kritisiert, dass in der ökonomischen Theorie meist untersozialisierte, also abstrakte Theorien umfassende Erklärungsmodelle liefern, die dem einzelnen Menschen dabei immer rationales, effizientes Verhalten unterstellen und damit der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht werden. Auf der anderen Seite sieht er bei einer rein soziologischen Betrachtung die Gefahr, dass sie sich auf die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen wegen ihrer je verschiedenen Interessen beschränkt und so ein übersozialisiertes Akteurmodell[6] vertritt, in dem der einzelne Mensch als isoliertes Einzelwesen betrachtet wird.

Deshalb hält es Granovetter für notwendig, dass die Verbindungen eines Menschen zu seinen sozialen Kontexten einbezogen werden, also sein persönliches Umfeld, in das er vertraut. So geraten auch kulturelle und symbolische Faktoren wieder in den Blick der soziologischen Netzwerkanalyse.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

als Autor

als Herausgeber

  • (mit Richard Swedberg): The Sociology of Economic Life (Taschenbuch), Westview Press, 2. Auflage 2001, ISBN 0813397642.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jens Beckert: Soziologische Netzwerkanalyse. In: Dirk Kaesler (Hrsg.): Aktuelle Theorien der Soziologie. Vom Shmuel N. Eisenstadt bis zur Postmoderne. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52822-8, S. 289 f.
  2. Veröffentlicht als Getting A Job. A Study of Contacts and Careers. Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1974, ISBN 978-0-674-35416-6.
  3. Mark Granovetter: The Strength of Weak Ties. In: American Journal of Sociology 78 (1973), S. 1360–1380.
  4. Brian Miller: Sociologist receives award in part for one article being cited over 24,000 times. In: LegallySociable.com (akademischer Weblog), 29. Juli 2013. In allen Artikeln, die zwischen 2008 und 2012 in 37 englischsprachigen soziologischen Fachzeitschriften erschienen, wird der Aufsatz mit 185 Erwähnungen am zweithäufigsten zitiert; Neal Caren: The 102 most cited works in sociology, 2008–2012. In: NealCaren.web.unc.edu (akademischer Weblog), 1. Juni 2012. Der Aufsatz zur Einbettung von 1985 steht an Stelle 20.
  5. David Lazer, Ines Mergel, Allan Friedman: Co-Citation of Prominent Social Network Articles in Sociology Journals: The Evolving Canon. In: Connections 29 (2009), S. 43–64.
  6. Dorothea Jansen: Einführung in die Netzwerkanalyse. Grundlagen, Methoden, Forschungsbeispiele. 3., überarbeitete Auflage. Wiesbaden 2006, S. 19 f.
  7. Dorothea Jansen: Einführung in die Netzwerkanalyse. Grundlagen, Methoden, Forschungsbeispiele. 3., überarbeitete Auflage. Wiesbaden 2006, S. 15 und 20.