Fehlmenge

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Eine Fehlmenge bezeichnet in der Betriebswirtschaftslehre den Teil einer Auftrags- oder Bestellmenge, die aufgrund von Lagererschöpfung nicht sofort geliefert werden kann. Diese Waren können erst nach einer lagerbedingten Lieferzeit an den Kunden geliefert werden (Vormerkfälle). Gegensatz ist der Überbestand.

Eine Fehlmenge tritt auf, wenn in einem Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigtes Material nicht rechtzeitig oder in der erforderlichen Qualität zur Verfügung steht.[1][2][3][4] Fehlmengen können gegenüber dem Kunden im Bereich der Distribution oder gegenüber der Produktion bei der Versorgung durch die Beschaffung auftreten.[5][6]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursachen sind beispielsweise Lieferverzug der Lieferanten oder Akzeptanz oder Planung, falls Vorteile durch Bestellkostenoptimierung größer sind als die Nachteile durch einen Lieferverzug.

Nach Schmid kann das Auftreten von Fehlmengen auf folgende Ursachen zurückgeführt werden:[7]

  • vom Lieferanten nicht zu deckende Übernachfragen bzw. zu geringe Lieferkapazitäten
  • Produktionsfehler
  • unvorhersehbare Produktionsunterbrechungen oder Transportstörungen bei in der Lieferkette vorgelagerten Lieferanten
  • Fehler oder Informationsmängel bei der Disposition von Lagerbeständen

Fehlmengenkosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehlmengenkosten sind lieferbedingte Preisnachlässe bzw. Kosten des Lieferverzugs, die für jede Fehlmengeneinheit entstehen.

In der Folge von Fehlmengen entstehen Fehlmengenkosten, wenn Produkte nicht wie geplant gefertigt und an den Kunden ausgeliefert werden können oder der Produktionsvorgang unterbrochen bzw. modifiziert werden muss.

Fehlmengenkosten werden z. B. verursacht durch entgangene Deckungsbeiträge des Vertriebs, Betriebsunterbrechungskosten für Maschinenstillsetzungen, Fixkosten, denen keine Leistungen gegenüberstehen, oder Aufwendungen für die Antizipierung von Materialengpässen (z. B. Umdisponieren von Aufträgen, Materialsuche).[8][9][2]

Nach Francois lassen sich Fehlmengenkosten in direkte und indirekte Fehlmengenkosten unterscheiden.[1] Direkte Fehlmengenkosten entstehen unmittelbar durch ein Fehlmengenereignis in der Produktion (z. B. aus Kosten einer fehlmengenbedingten Betriebsunterbrechung). Indirekte Fehlmengenkosten hingegen resultieren aus Maßnahmen zur Behebung oder Abfederung von Materialengpässen (z. B. Eilbeschaffung des fehlenden Materials).[1]

Nach Kottke hängt die Höhe der Fehlmengenkosten sowohl von der Fehlmenge als auch von der Fehldauer ab. Dabei lassen sich einzelne Bestandteile der Fehlmengenkosten in zeitabhängige (z. B. Konventionalstrafen bei Lieferverzug), mengenabhängige (z. B. Auftragsverlust an Konkurrenzunternehmen) oder in simultan zeit- und mengenabhängige Kosten (z. B. Eilbeschaffung von fehlendem Material) unterteilen.[10]

Fehlmengenkosten-Klassifizierungsschema (nach Gärtner u. a. 2010)

Fehlmengenkosten können quantifiziert werden, indem die durch Fehlmengen entstandenen Opportunitätskosten (z. B. Kapitalbindungskosten für liegendes Material) oder die Kosten für das Abfedern der Auswirkungen von Fehlmengen (z. B. Eilbeschaffungen) bestimmt werden.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c P. François: Flexible Losgrößenplanung in Produktion und Beschaffung. Physica-Verlag, Heidelberg 2000, S. 51 ff.
  2. a b J. Alscher, H. Schneider: Zur Diskussion von Fehlmengenkosten und Servicegrad. Fachbereich Operations Research. Universität Berlin 3 (1981), S. 1–4.
  3. R. Melzer-Ridinger: Materialwirtschaft. 3. Auflage. Oldenbourg-Verlag, München u. a. 1994, S. 13 f., 138 f.
  4. R. Krüger: Das Just-in-Time-Konzept für globale Logistikprozesse. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2004, S. 118.
  5. a b H. Gärtner, P. Nyhuis, P. Prüssing: Fehlmengenkosten in der Produktion. In: ZWF - Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb. Carl-Hanser-Verlag, München, 105. Jg. (2010), H. 5, S. 444–449.
  6. H. Gärtner: Fehlmengenkosten als Grundlage zur Bestimmung des Servicegrads von Lager-Artikeln. Dissertation Leibniz Universität Hannover. PZH-Verlag, Garbsen 2011.
  7. O. Schmid: Modelle zur Quantifizierung der Fehlmengenkosten als Grundlage optimaler Lieferservicestrategien bei temporärer Lieferunfähigkeit. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 1977, S. 16, 25 f., 42 ff.
  8. T. Reichmann: Controlling mit Kennzahlen und Management-Tools. 7. Auflage. Verlag Franz Vahlen, München 2006, S. 383–396, 431.
  9. H. Arnolds, F. Heege, W. Tussing: Materialwirtschaft und Einkauf: praxisorientiertes Lehrbuch. 10. Auflage. Gabler-Verlag, Wiesbaden 2001, S. 27 f.
  10. E. Kottke: Die optimale Beschaffungsmenge. Duncker & Humblot Verlag, Berlin 1966, S. 70 f.