Marsha Hunt (Schauspielerin)

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Marsha Hunt (2013)

Marsha Hunt (gebürtig Marcia Virginia Hunt; * 17. Oktober 1917 in Chicago, Illinois; † 7. September 2022 in Los Angeles, Kalifornien[1]) war eine US-amerikanische Schauspielerin.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marsha Hunt wurde als Tochter eines Anwalts und einer Musikerin geboren. Die Familie lebte zunächst in Chicago, zog dann aber später nach New York City. Nach ihrem Schulabschluss an der Horace Mann School in New York arbeitete Hunt als Model und nahm ersten Schauspielunterricht.

Im Jahr 1935 begann die Filmkarriere der damals 18-jährigen Hunt mit dem Film The Virginia Judge unter dem Regisseur Edward Sedgwick. In den folgenden Jahren spielte Hunt in zahlreichen B-Movies die weiblichen Hauptrollen, ohne größere Aufmerksamkeit zu erzielen. An der Seite des jungen John Wayne war sie 1937 im B-Western Die Spielhölle von Wyoming zu sehen. Während sie in kleineren Filmen Hauptrollen übernahm, blieb Hunt in Großproduktionen meist auf Nebenrollen beschränkt. Sie selbst beschrieb sich als „Hollywoods jüngste Charakterdarstellerin“; sie habe zwar nicht immer die Hauptrolle, aber stets sehr unterschiedliche und interessante Rollen erhalten.[1] So spielte sie 1940 in dem Musicalfilm Irene neben Ray Milland und Anna Neagle sowie als Mary Bennett in der Literaturverfilmung Stolz und Vorurteil (1940) an der Seite von Greer Garson und Laurence Olivier. Es folgten weitere Auftritte neben Mickey Rooney in dem Heimatfrontfilm Und das Leben geht weiter (1943) sowie in dem Liebesdrama Die Entscheidung (1945) neben Gregory Peck. Im Genre des Film noir agierte sie unter anderem 1947 in Smash-Up: The Story of a Woman und ein Jahr später in Flucht ohne Ausweg.

Am 27. Oktober 1947 schloss sich Hunt einer 30-köpfigen Gruppe aus Regisseuren und Schauspielern an (darunter John Huston, Humphrey Bogart, Lauren Bacall und Danny Kaye), um in Washington D.C. gegen die Maßnahmen des Kongresses im Zusammenhang mit den Aktionen des Komitees für unamerikanische Umtriebe zu protestieren. Zurück in Hollywood wurde sie seitens der Behörden aufgefordert, ihre kommunistischen Aktivitäten zu gestehen, wolle sie nicht Gefahr laufen, keine Engagements mehr zu erhalten. Hunt lehnte ab, zumal sie sich politisch als „articulate liberal“ sah und damals nach eigenen Angaben nicht einmal viel über den Kommunismus gewusst habe.[1] Sie erhielt Rollen bis 1949, als ihr Name auf der sogenannten Red-Channel-Liste erschien, die angebliche Kommunisten in Hollywood benannte. Danach trat sie in den nächsten acht Jahren nur noch in vier Filmen auf, nachdem sie zuvor von 1935 bis 1949 in 52 Filmen mitgewirkt hatte.

v. l. n. r.: Frederick Jagel, Marsha Hunt, Robert Taylor, Maria Gamberelli, Eleanor Roosevelt, Jean Harlow, Mitzi Green, George E. Allen im Januar 1937 vor dem Weißen Haus

Nach dem Ende der McCarthy-Ära und damit ihrer Berufseinschränkung nahm Hunt Ende der 1950er-Jahre wieder ihre Filmkarriere auf, ohne jedoch wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können. 1960 gab sie ihren weitgehenden Rückzug aus dem Filmgeschäft bekannt, blieb jedoch in den nächsten Jahrzehnten ein bekanntes Gesicht als Gastdarstellerin im Fernsehen. 1971 erhielt sie wieder eine größere Rolle in dem Film Johnny zieht in den Krieg, dessen Drehbuch von Dalton Trumbo stammt, einem der Hollywood Ten. In diesem Antikriegsfilm spielte sie die Mutter des von Timothy Bottoms verkörperten Hauptcharakters. Ihre letzte Filmrolle übernahm Marsha Hunt im Jahr 2008 in Mord im Empire State Building, einem als Hommage an den Film noir gedachten Fernsehfilm.

Ab 1980 war Marsha Hunt für über zwanzig Jahre Ehrenbürgermeisterin von Sherman Oaks in Kalifornien, in diesem Ort lebte sie von 1946 bis zu ihrem Tod in einem Haus.[1] Von 1937 bis zur Scheidung 1945 war sie mit dem Regisseur Jerry Hopper verheiratet. Ihre zweite Ehe mit Robert Presnell Jr. hielt bis zu dessen Tod im Jahre 1986. Hunt, die bei den Dreharbeiten zum 1947 produzierten Film Carnegie Hall schwanger war, erkrankte. Am 1. Juli 1947 kam ihr einziges Kind, eine Tochter, als Frühgeburt zur Welt; sie starb einen Tag später. Später adoptierten Hunt und Presnell ein Kind.

Bis ins hohe Alter trat Hunt in Dokumentarfilmen oder auf Filmfestivals als Zeitzeugin der Goldenen Ära Hollywoods und der McCarthy-Ära auf. 2014 erschien mit Marsha Hunt’s Sweet Adversity ein Dokumentarfilm über ihr Leben. Zu ihrem 100. Geburtstag gab sie mehrere Interviews.[2] Hunt starb im September 2022 im Alter von 104 Jahren.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marsha Hunt wurde 2002 mit einem „Golden Boot Award“ ausgezeichnet.
  • Marsha Hunt hat außerdem einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame für ihre Filmarbeit.[3]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marsha Hunt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Maureen Lee Lenker: Marsha Hunt, Actress Blacklisted in Hollywood, Dies at 104. In: The Hollywood Reporter. 10. September 2022, abgerufen am 10. September 2022 (amerikanisches Englisch).
  2. Marsha Hunt, on being called a Communist: Actress Marsha Hunt, 100, Has Matters Of Principle. Abgerufen am 28. Januar 2020 (englisch).
  3. Marsha Hunt in: Hollywood, 1940-2008, von Marc Wanamaker, Arcadia Publishing, 2009, Seite 17