Holger Kreymeier

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Holger Kreymeier bei der Aufnahme der 100. Folge von Fernsehkritik-TV (2012)

Holger Volker Kreymeier (* 8. Dezember 1971 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, Autor und Medienunternehmer.

Leben und früher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holger Kreymeier wuchs in Hamburg-Horn auf, wo er bis heute lebt. Dort besuchte er auch die Gesamtschule. Kreymeier ist homosexuell;[1] in den 1990er Jahren engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) und war zeitweise Sprecher des Hamburger Landesverbandes.[2] Mittlerweile distanziert er sich jedoch von der LGBTQIA+-Community.[3]

Zwischen 1992 und 1997 studierte Kreymeier Soziologie an der Universität Hamburg. Die Universität verließ er ohne Abschluss.[4] Im Jahr 1994 absolvierte Kreymeier ein Praktikum bei OK Radio,[5] zwei Jahre später eines bei der Zeitschrift Cinema.[6] Anschließend war er bei der Interactive Media, einem Tochterunternehmen des Axel-Springer-Verlags, in der Videotext-Redaktion für Sat.1 tätig und machte 1998 zwischenzeitlich ein Praktikum beim Hamburger Regionalmagazin des Senders.[7] Nach der betriebsbedingten Kündigung war Kreymeier gelegentlich als freier Mitarbeiter für die Verlagstochter AS Content tätig. Im Herbst 2002 arbeitete er freiberuflich an Bild-TV, einer Videoproduktion des Axel-Springer-Verlags in Kooperation mit Spiegel TV, mit und war ab Anfang 2003 wenige Monate Redakteur.[8] Etwa zur selben Zeit erwarb Kreymeier die Domain fernsehkritik.tv, unter der er zunächst nur Texte und Bilder veröffentlichte. Zwischen 2007 und 2018 betrieb er die Online-Magazinsendung Fernsehkritik-TV, in welcher er einen kritischen Blick auf das deutsche Fernsehen warf.[9]

Tätigkeit als Medienunternehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Anfangszeit von Fernsehkritik-TV war Holger Kreymeier noch als freier Journalist tätig, unter anderem für die Untertitelung für Hörgeschädigte beim Norddeutschen Rundfunk.[10] Durch seine Tätigkeiten hatte Kreymeier nach eigenen Angaben interne Einblicke in den öffentlich-rechtlichen Sender und die seiner Ansicht nach fehlgeleitete Verwendung von Gebührengeldern. Aufgrund dieser Erfahrungen startete Kreymeier Mitte Februar 2009 die Kampagne „Dafür zahl’ ich nicht“, die als Parodie auf Werbung der GEZ[11] den Umgang mit den Rundfunkgebühren durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisierte. Sie warf den Sendern eine ständig sinkende Qualität des Programms vor – die Sender orientierten sich nicht mehr an ihrem Bildungsauftrag, sondern strebten stattdessen eine möglichst hohe Einschaltquote an.[12] Die GEZ verglich Kreymeier dabei mit der Stasi.[13] Kernstück der Aktion war ein Kinospot, der in einer kleinen Anzahl von Kinos in Großstädten zu sehen war und durch welchen Kreymeier und seiner Sendung gesteigerte Aufmerksamkeit zuteilwurde. Nach Veröffentlichung und Ausstrahlung dieses Werbespots endete die Zusammenarbeit vom NDR und Kreymeier. Aufgrund gegenteiliger Stellungnahmen der Parteien ist nicht bekannt, ob dies auf Wunsch des NDR geschah oder eine freie Entscheidung Kreymeiers war.[14][15][16]

Kreymeier ist Geschäftsführer des Medienunternehmens Alsterfilm.[17] Im Juni 2013 eröffnete er ein Studio in Hamburg und gründete das Online-Portal Massengeschmack-TV, auf dem verschiedene Magazine veröffentlicht werden – unter anderem Fernsehkritik-TV (bis September 2018), das Nachfolgeformat Die Mediatheke, das Filmmagazin Pantoffelkino und Der ComicTalk mit Hella von Sinnen.

Für Aufmerksamkeit sorgten mehrere Rechtsstreitigkeiten, u. a. mit Katharina Saalfrank[18] und RTL.[19] Kritiker warfen Kreymeier dabei vor, die zahlreichen, zum Teil durch die Community durch Spenden finanzierten Prozesse zur Selbstinszenierung instrumentalisiert zu haben.[20] So ließ Kreymeier 2011 beispielsweise seine Community darüber diskutieren und auch abstimmen, ob er ein auferlegtes Ordnungsgeld bezahlen oder lieber Ordnungshaft antreten solle.[21] Einige Tage später entschied er sich, das Ordnungsgeld zu bezahlen, und startete dafür einen Spendenaufruf auf der Webseite.[22]

2021 kritisierte er in einem Videobeitrag eine Reportage von Radio Bremen über rechte Infokrieger. Da er dabei in großem Umfang Bildmaterial des Senders verwendete, wurde er von diesem vor dem Landgericht Berlin verklagt. Sein Anwalt Markus Kompa wies darauf hin, dass auch Dritte das Sendermaterial verwenden würden. Das Gericht sah aber das Zitatrecht hier überstrapaziert und verurteilte Kreymeier zur Unterlassung, so dass er den Beitrag entfernen musste.[23]

Ein weiteres Projekt Kreymeiers ist die Reihe Dubiose Anrufe für Kay-Uwe Meyer, in der Kreymeier unter falschem Namen Anrufe von betrügerischen Callcentern entgegennimmt. Die aufgezeichneten Gespräche wurden als YouTube-Videos veröffentlicht. Es erschienen bisher elf Episoden.[24]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holger Kreymeier erhielt im Jahr 2011 den Deutschen Webvideopreis in der Kategorie „Persönlichkeit“.[25]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Branchendienst DWDL kritisierte 2011 die „Selbstinszenierung“ Holger Kreymeiers „als einsamer Kämpfer gegen die Großen“ in Fernsehkritik-TV, wobei er „sich manchmal eher des Holzhammers denn der Analyse“[26] bediene.

Die Frankfurter Rundschau bezeichnete Kreymeier als „Meckerer vom Dienst“, der „vom Nörgeln lebe“ und „kein gutes Haar [an seinen Opfern]“ lasse.[13]

Karla Andrea Förster kritisierte in einem Artikel für Belltower.News Kreymeier dafür, dass er in einer Ausgabe des Massengeschmack-TV-Formats Netzprediger einem geladenen Gast dessen Eintreten für Holocaustleugnung nicht widersprochen habe. Förster urteilte, dass die in dem Format angestrebte kritische Auseinandersetzung mit „kontroversen Gästen“ in diesem Fall nicht erfolgt sei und man stattdessen die eigenen Abrufzahlen mittels „ressentimentbeladene[r] Provokation“ habe steigern wollen.[27]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Showtime. Books on Demand, ISBN 3-89811-276-4 (2. Auflage 2019)
  • 2004: Deutsche TV-Skandale. Ein polemisches Sachbuch. Kritischer Verlag, Hamburg, ISBN 3-9810011-0-9.
  • 2017: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Holger Kreymeier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein Fall fürs Jugendamt: GESCHLECHTSNEUTRALE Erziehung auf Funk | Betreutes Gucken #24. Abgerufen am 29. Mai 2022 (deutsch).
  2. Silke Mertins: Flugblätter gegen „Schwulenticker“. In: Die Tageszeitung. 4. März 1996, abgerufen am 28. Juli 2019.
  3. Lehrvideo für blöde Heteros: AUF KLO erklärt LQBTQIA+ | Betreutes Gucken #32
  4. Daniel Hoffmann: Fernsehkritik-TV – Methodik und Urteilsbildung eines Online-Magazins im Vergleich zur klassischen Fernsehkritik (Seminararbeit). (PDF) 2010, abgerufen am 30. Juli 2019.
  5. Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 28.
  6. Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 30–31.
  7. Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 34–35.
  8. Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 38–39, 50.
  9. Handelsblatt TV-Experte über „Wetten, dass..?“, „Die Samstagabendshow wird sterben“
  10. Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn. 1. Auflage. Alsterfilm, Hamburg, ISBN 3-00-057720-3, S. 74.
  11. Süddeutsche Zeitung: „Dafür zahl ich nicht“
  12. Ernst Corinth: Dafür zahl’ ich nicht. In: Telepolis. 2. März 2009. Abgerufen am 23. Dezember 2012.
  13. a b Simon Hurtz: Der Meckerer vom Dienst. In: Frankfurter Rundschau. 26. November 2011, abgerufen am 3. April 2020.
  14. Peter Muehlbauer: Dafür zahlen wir nicht. In: Telepolis. Heise Zeitschriften Verlag, 4. März 2009, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  15. NDR zur angeblichen Entlassung von Holger Kreymeier. Presseportal.de, 4. März 2009. Abgerufen am 23. Dezember 2012.
  16. Christoph Cadenbach: Posse um GEZ-Parodie: Herr Heidenreich vom NDR. In: SPIEGEL Online. 4. März 2009, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  17. Focus: Alsterfilm auf neuen Wegen: Internet soll das bessere Fernsehen bieten
  18. Die Welt: „Super Nanny“ zieht gegen Blogger vor Gericht
  19. Die Welt: „Scheiß RTL“-T-Shirts bleiben verboten
  20. DWDL.de: RTL mahnt Geschäftemacherei von fernsehkritik.tv ab
  21. fernsehkritik.tv Community: Diskussion und Blogeintrag zur Ordnungshaft
  22. fernsehkritik.tv Blog: Ich zahl’ dann jetzt doch! (Memento vom 2. Februar 2017 im Internet Archive)
  23. Matthias Schwarzer: Streit ums Urheberrecht: Videoblogger muss Kritik an ARD-Reportage löschen. In: RND. 16. November 2021, abgerufen am 23. Februar 2022.
  24. Kay Uwe Meyer – YouTube. Abgerufen am 6. Dezember 2020.
  25. Eintrag von Holger Kreymeier beim Deutschen Webvideopreis (Memento vom 23. Dezember 2014 im Internet Archive)
  26. RTL mahnt Geschäftemacherei von fernsehkritik.tv ab
  27. Karla Andrea Förster: “Dorian der Übermensch”: Hater, Euthanasie-Befürworter und die Sache mit dem Holocaust. In: Belltower.News. 20. Juni 2017, abgerufen am 29. Oktober 2021.