Matthias Höhn

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Matthias Höhn auf dem 4. Parteitag der Linken am 10. Mai 2014 in Berlin

Matthias Höhn (* 19. August 1975 in Stolberg (Harz)) ist ein deutscher Politiker, Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt und seit 2017 Mitglied des Bundestages. Von Juni 2012 bis November 2017 war er Bundesgeschäftsführer der Linken.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Höhn wurde zwar in Stolberg im Harz geboren, wuchs aber ab 1977 in Sangerhausen auf, wo er auch seine ganze Schullaufbahn absolvierte. 1982 wurde er in die Polytechnische Oberschule (POS) „Bernhard Koenen“ eingeschult. Von 1984 bis 1991 besuchte er dann die POS „Juri Gagarin“ und von 1991 bis 1994 das Staatliche Gymnasium „Geschwister Scholl“, welches er mit dem Abitur verließ.

Er absolvierte 1994/95 seinen Wehrdienst. Es folgte von 1995 bis 2003 ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und der Slawischen Philologie an der Freien Universität Berlin.

Höhn lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Höhn bei der Wahlparty der Linken zur Bundestagswahl 2013.

Höhn trat 1992 in die PDS ein. Von 1995 bis 2000 wurde er als Mitglied des Kreisvorstandes der PDS Sangerhausen aktiv. 1999 wurde er in den Landesvorstand von Sachsen-Anhalt gewählt und arbeitet 2003/04 als Chefredakteur bei klartext, einem Magazin der PDS Sachsen-Anhalt. 2003 wurde er zudem stellvertretender Landesvorsitzender und zwei Jahre später Vorsitzender der PDS Sachsen-Anhalt. Seit 2007 sitzt er im Parteivorstand der Partei „Die Linke.“ und war bis 2012 Landesvorsitzender der neuen Linken in Sachsen-Anhalt. 2010 wurde er erstmals in den Geschäftsführenden Parteivorstand gewählt. Höhn ist zudem Mitglied der Redaktionskommission des Parteivorstandes und damit mitverantwortlich für die Überarbeitung des vorgelegten Programmentwurfes.[1]

Er sitzt seit der Landtagswahl 2002 für die Partei (4. Wahlperiode) im Landtag von Sachsen-Anhalt. Höhn wurde über die Landesliste gewähltes Mitglied im Landesparlament. Er sitzt für seine Fraktion im Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Zudem ist er Bildungspolitischer Sprecher seiner Landtagsfraktion.

Bundespolitisch zeigte er erstmals bereits 2002 Ambitionen, als er gemeinsam mit Dietmar Bartsch unter anderem auf dem Bundesparteitag der PDS nach der Niederlage bei der Bundestagswahl für einen neuen Vorstand kandidieren wollte. Dieser Versuch scheiterte.[2]

Höhn zählt zu den Reformern bzw. Pragmatikern in seiner Partei. So kam es 2006 zu teils heftigen und öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Matthias Höhn und Wulf Gallert (Fraktionsvorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt) auf der einen und Oskar Lafontaine auf der anderen Seite über den Kurs der neuen Partei „Die Linke.“ Lafontaine warf dem Landesverband Sachsen-Anhalt eine Abkehr von linken Prinzipien und neoliberale Politik vor.[3] Auslöser war ein von Höhns Vorstand vorgelegter Leitantrag zur Programmdebatte. Lafontaine, der selbst zur Entscheidung über diesen Leitantrag nach Sachsen-Anhalt angereist war, konnte sich mit seiner Meinung nicht durchsetzen. Der Landesparteitag folgte dem Antrag Höhns mit über 80 Prozent.

Während des Führungswechsels bei den Linken 2010 äußerte Höhn massive Kritik[4] am Vorgehen von Gregor Gysi, dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, und nahm den Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch deutlich in Schutz.[5] Während einer Führungskrise im April 2011 soll Höhn zwischen den Konfliktparteien vermittelt haben, um ein Auseinanderbrechen des Vorstandes um Klaus Ernst und Gesine Lötzsch zu verhindern.[6]

Den im März 2010 vorgelegten Entwurf[7] für ein Grundsatzprogramm der Partei „Die Linke.“ verwarf er in weiten Teilen.[8][9][10] Anschließend arbeitete er jedoch als Mitglied der Redaktionskommission des Parteivorstandes maßgeblich an der Überarbeitung dieses Entwurfes mit.[11]

Matthias Höhn ist Mitglied im Forum Demokratischer Sozialismus, einer parteiinternen Strömung, in der sich maßgebliche Vertreter des Reformerlagers versammelt haben.

Bei der Bundestagswahl 2017 wurde er in den Bundestag gewählt. Im November 2017 trat er als Geschäftsführer der Linken zurück[12] und schied damit auch aus dem Parteivorstand aus.[13] Angeblicher Grund für Höhns Rücktritt sollen Differenzen mit den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger sein.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Matthias Höhn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. die-linke.de: Redaktionskommission (Memento vom 2. August 2010 im Internet Archive)
  2. Dietmar Bartsch: Zurück in die Gesellschaft!? Zurück zur Politik!? Forum Demokratischer Sozialismus, 4. November 2002, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  3. Matthias Meisner: Revolution ohne Revolutionäre. In: Der Tagesspiegel. 23. September 2006, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  4. D. Brössler, U. Ritzer: Klaus Ernst und Gesine Lötzsch: Protest gegen die neue Spitze. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  5. Kai Gauselmann: Die Linke: «Wir sind mit Bartsch sehr zufrieden». In: Mitteldeutsche Zeitung. 12. Januar 2010, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  6. Markus Decker: Parteien: Linken-Vorstand einigt sich auf Burgfrieden. In: Mitteldeutsche Zeitung. 20. April 2011, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  7. Programm der Partei DIE LINKE (Entwurf)
  8. Da ist mir zu viel Schwarz-Weiß Volksstimme.de vom 25. März 2010
  9. Vorgelegter Programmentwurf der LINKEN braucht den Widerspruch!
  10. Dirk Hautkapp: Die Linke: „Endzeitstimmung und Krise“. In: derwesten.de. 14. Juli 2010, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  11. Redaktionskommission berät über Entwurf für neues Parteiprogramm. Die Linke, 5. Mai 2011, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  12. http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_82670660/linken-geschaeftsfuehrer-matthias-hoehn-tritt-zurueck.html
  13. https://www.die-linke.de/partei/parteistruktur/parteivorstand/2016-2018/mitglieder/hoehn-matthias-bundesgeschaeftsfuehrer/ Die Linke/Parteivorstand/Matthias Höhn]
  14. Linken-Geschäftsführer Höhn tritt zurück. In: sueddeutsche.de. 9. November 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. November 2017]).