Max Gebhard (Grafiker)

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Max Gebhard (* 12. April 1906 in Triberg; † 23. April 1990 in Berlin) war ein deutscher Grafiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Gebhard machte nach dem Besuch der Volksschule in Hagen zunächst eine Lehre als Schaufensterdekorateur und besuchte danach die Malerfachschule. Von 1926 bis 1928 war er Schüler am Bauhaus Dessau mit den Schwerpunkten Typographie und Plakatgestaltung. Aus Hagen kamen auch Erna Mayweg, August Agatz, Albert Buske, Heinrich Brocksieper und Reinhard Hilker, Oberbürgermeister Alfred Finke besorgte für sie ein Stipendium der Hagener Privatwirtschaft.[1] Dank seiner Vorkenntnisse konnte Gebhard rasch bei Formmeister Herbert Bayer in der Reklame-Werkstatt bei Auftragsarbeiten mitarbeiten. Mit Kurt Stolp und Walter Funkat gestaltete er Bauhaus-Drucksachen. In der Plastischen Werkstatt bei Joost Schmidt waren August Agatz und Franz Ehrlich seine Mitschüler. Gleich zu Beginn schloss er sich der Roten Studentengruppe am Bauhaus an und trat 1927 der KPD bei.[2]

Ab 1929 war Gebhard freischaffender Grafiker in Berlin und arbeitete bei László Moholy-Nagy an Bühnenausstattungen für die Kroll-Oper und Inszenierungen von Erwin Piscator.[2] Er wurde Mitglied in der Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ASSO) und arbeitete für die Agitprop-Abteilung des Zentralkomitees der KPD, die ihm Arbeitsmöglichkeiten im Karl-Liebknecht-Haus stellte. Bei der Arbeiter Illustrierten Zeitung (AIZ) kam er in Kontakt zu John Heartfield.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten arbeitete er politisch in der Illegalität, er entwarf Drucke und beteiligte sich an deren Verbreitung, nach 1939 gehörte er zu einem Kreis um den Architekten Selman Selmanagić.[2] Er konnte bei Herbert Bayer im Studio Dorland, welches nun Parteiaufträge für die NS-Propaganda ausführte, beruflich unterkommen, bis Bayer 1938 emigrierte. 1939 wurde Gebhard als technischer Zeichner zur Arbeit in einem Konstruktionsbüro dienstverpflichtet. Sein Œuvre wurde durch Kriegseinwirkungen vernichtet.

Nach Kriegsende holte Max Keilson ihn 1946 als Ressortleiter und Pressezeichner zur SED-Zeitung Vorwärts, Vorgänger der Zeitung Neues Deutschland. Nach einem Zwischenspiel als Formgestalter bei Mart Stam am Institut für industrielle Formgestaltung war er von 1950 an zehn Jahre bis zu seiner Pensionierung als Grafiker und Atelierleiter beim Dietz-Verlag in Ost-Berlin beschäftigt. Dort gestaltete er Buchumschläge, deren Typographie und Frontispize für das Verlagsprogramm im Spektrum zwischen Louis Aragon, Martin Andersen Nexö, Ernst Thälmann, Mao Zedong und anderen Größen des Kommunismus in den politischen Konjunkturen des Stalinismus und der Entstalinisierung der Fünfziger Jahre.

Im Alter konnte Gebhard sich nochmals seinen künstlerischen Interessen widmen. Seit 1953 war er mit der Illustratorin Regina Gebhard[3] verheiratet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Frank: Gebhard, Max. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 50, Saur, München u. a. 2006, ISBN 3-598-22790-6, S. 473.
  • Eckhard Neumann (Hrsg.): Bauhaus und Bauhäusler : Erinnerungen und Bekenntnisse. Erw. Neuausgabe 1985, 5. Auflage, Köln : DuMont, 1996 ISBN 3-7701-1673-9, S. 196–201
  • Jörn Grabowski: Wählt Links! : das politische Plakat in Deutschland 1918-1933. Staatliche Museen zu Berlin, Hauptstadt der DDR : Ausstellung im Otto-Nagel-Haus, 10. Juli 1985 bis 19. September 1985
  • Richard Frick: 2 Bauhäusler, 2 Plakatgestalter, 2 Antifaschisten : [Theo Ballmer und Max Gebhard], Typographische Monatsblätter, Jg. 69 (2001), Nr. 3, S. 1-16
  • Hellmut Rademacher: Künstlerische Leistung und praktische Parteiarbeit : zum 70. Geburtstag von Max Gebhard, in: Bildende Kunst, 1976, S. 190-192.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von Hagen aus zum Bauhaus, Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen 2009
  2. a b c Volker Frank: Gebhard, Max. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 50, Saur, München u. a. 2006, ISBN 3-598-22790-6, S. 473.
  3. Literatur von und über Regina Gebhard in der bibliografischen Datenbank WorldCat