Max Schulze-Sölde

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Max Schulze-Sölde als 72-Jähriger (Oktober 1959)

Max Schulze-Sölde (* 25. Januar 1887 in Dortmund; † 1. Juli 1967 in Theiningsen bei Soest) war ein deutscher Maler und als „Johannes der Jugend“ ein bekannter Inflationsheiliger der 1920er und 1930er Jahre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Generalstaatsanwaltes geboren, studierte er zunächst selbst Jura. 1910 brach er seine Rechtsreferendarausbildung ab und besuchte bis 1912 die Malerklasse der Kunstakademie Düsseldorf. Bei Kriegsausbruch 1914 war er auf Studienreisen in Frankreich und wurde als Angehöriger einer Feindmacht interniert.[1]

1918 nach Deutschland ausgeliefert, radikalisierte sich der nach Hagen zurückgekehrte Schulze-Sölde schnell. Unter dem Einfluss von Emil Löhnberg, einem Freund des Malers Heinrich Vogeler, entwickelte er eine Art „religiösen Sozialismus“ mit dem ermordeten Karl Liebknecht als „gekreuzigter Christus“[2] im Zentrum. Daneben verkehrte er im Kreis der „Hagener Boheme“, wo er den Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus kennenlernte, der ihm ein Maleratelier zur Verfügung stellte. In diesem Kreis traf er auch auf Hugo Hertwig, einen Schüler Ernst Fuhrmanns, von dem er einige sozialistische und antizivilisatorische Glaubensgrundsätze übernahm, so eine tief sitzende Technik- und Luxusfeindlichkeit sowie die Verherrlichung des ländlichen Lebens.

Unter Hertwigs Führung beteiligte Schulze-Sölde sich 1920 an einem „kommunistischen“ Siedlungsprojekt auf dem Lindenhof nahe Kleve, das er aber schon nach wenigen Monaten frustriert verließ: „Was hatte ich nur zu tun mit diesen Menschen? Was wusste ich von ihnen und ihren Seelen? Nichts, als daß sie wie ich fertig zu sein glaubten mit der ‚alten Welt’“.[3] Dennoch versuchte er bis 1933 immer wieder, seine Siedlungspläne in die Tat umzusetzen – allerdings vergeblich. Schulze-Sölde arbeitete daraufhin als Bergarbeiter im Ruhrgebiet, wobei er mit der anarcho-syndikalistischen Bewegung in Berührung kam. Als er 1921 einen Solidaritätsstreik zur Unterstützung des kommunistischen mitteldeutschen Aufstands organisierte, wurde er entlassen.

Enttäuscht wandte er sich vom Kommunismus ab und suchte Kontakt zur christ-revolutionären Bewegung des Reformarztes Karl Strünckmann, in der er die Funktion des Jugendführers übernahm. Als „Johannes der Jugend“ vermehrte Schulze-Sölde von da an die Zahl der Inflationsheiligen und versuchte bis Anfang der 1930er Jahre, die proletarische Jugend unter seiner Führung zu sammeln: „Ich behaupte, einer von denen zu sein, die Gott dazu ausersehen hat, den Menschen die ewigen Gesetze wieder zu verkünden, ... ich behaupte, die Stelle zu kennen, an der Satan verwundbar ist, ich behaupte, den Schlüssel zu haben, der uns das Paradies öffnet.“[4] 1923 schloss er sich, von Strünckmann unterstützt, der von Kurt Pösger auf religiöser Basis gegründeten christ-revolutionären Gewerkschaftsbewegung an, deren Ziel die Bildung einer religiös-sozialistischen Volksgemeinschaft war. Seine Malerei gab er auf.

In den nächsten Jahren näherte er sich politisch immer mehr dem völkischen Lager an. Die unter seiner Leitung 1930 stattfindende „Religiöse Woche“ in Hildburghausen, an der u. a. der Dadaist Johannes Baader, der Inflationsheilige Friedrich Muck-Lamberty, Karl Otto Paetel und Gusto Gräser teilnahmen, sollte der Gründung einer religiös-völkischen Sammlungsbewegung zur Vorbereitung einer „inneren“ nationalen Revolution dienen. Im „Größenwahn“ sprach er davon, „die Hitlers“ und „Thälmanns“ abzulösen.[5] Aber der Versuch die höchst divergenten Gruppen und Einzelvertreter zu einigen, scheiterte. Der nationalsozialistische Völkische Beobachter reagierte verschnupft: „Verquickung von Religion und Politik ist immer mißlich. Und zwar zum Schaden der Religion. Das dürfte Herr Schulze-Sölde sehr bald erfahren – wenn er sich nicht noch rechtzeitig umstellt!“[6] Dennoch suchte Schulze-Sölde weiter Kontakt zu rechten politischen Gruppierung, so zur nationalbolschewistischen Gruppe um Ernst Niekisch und zu Otto Strasser und dessen Revolutionären Nationalsozialisten.

Seiner Frau zuliebe, der das Familienleben wichtiger war als die „Weltverbesserung“, hatte Schulze-Sölde schon 1926 eine Hilfslehrertätigkeit am Landerziehungsheim Haubinda / Thüringen angenommen. 1930 schloss er sich der von Gusto Gräsers Tochter Gertrud begründeten Reformsiedlung „Grünhorst“ bei Berlin an, die zu einem Treffpunkt der Jugendbewegung und der „Biosophen“ um Ernst Fuhrmann wurde. 1933 beendete er schließlich seine politischen und religiösen Aktivitäten und kehrte als Maler nach Soest und damit endgültig ins bürgerliche Milieu zurück. 1937 wurden seine Bilder von der Reichskammer der bildenden Künste als „entartet“ beschlagnahmt und einige davon im Rahmen der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Trotzdem trat er 1941 derselben Reichskammer als Mitglied bei.[7] Ab 1945 war er Vorsitzender des „Kunstrings Soest“. Das Amt hatte er bis 1951 inne. [8] 1947 kam es anlässlich seines 60. Geburtstags zu einer letzten großen Ausstellung seines malerischen Werks im Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen. Der Versuch, 1946 mit Strünckmann seine religiös-politische Tätigkeit wieder aufzunehmen und einen „Sankt-Michaels-Bund“ zu gründen, scheiterte.

Politisch wechselte Schulze-Sölde mehrfach die Richtung, so fasste der Kunsthistoriker Reimer Möller 2001 dessen Leben zusammen[9], „vom Kommunisten zum Anarchosyndikalisten, zum außerkirchlichen christlichen Missionar, zum Nationalkonservativen, zum Strasser-Anhänger, schließlich zum christlichen Sozialisten und Demonstranten gegen den Atomtod. Viele dieser Orientierungswechsel haben sich in seinen Bildern niedergeschlagen. Das Bild von Don Quichotte, das er als 71-Jähriger gemalt hat, könnte möglicherweise als Bilanz seiner politischen Existenz gemeint gewesen sein.“

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Schulze-Soelde. Ausstellungskatalog Galerie Goltz. Düsseldorf 1919
  • Aufgaben und Ziele der Christ-Sozialisten. Zentralstelle zur Verbreitung guter deutscher Literatur Neuhof, Kreis Teltow, 1924
  • Ein Mensch dieser Zeit. Flarchheim 1930 (Autobiografie)

Bilder in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Linse, S. 129; anders das Westfälische Autorenlexikon: Danach geriet er als Kriegsteilnehmer in französische Kriegsgefangenschaft.
  2. Linse, S. 130
  3. zit.n. Linse, S. 132; s. a. Reimer Möller: Der Maler Max Schulze-Sölde auf dem ‚Lindenhof’ in Kleve in der Wilster Marsch. Ein agrarromantisches ‚edelkommunistisches’ Siedlungsexperiment, in: Soester Zeitschrift 107 (1995)
  4. Brief an Hertwig 1921, zit. n. Linse, S. 138.
  5. Linse, S. 144.
  6. VB zit. n. Linse, S. 149.
  7. s. Reimer Möller: Vortrag zur Einführung in die Ausstellung „Entartete Kunst in Soest“, 21. April 2002, Wilhelm-Morgner-Haus Soest.
  8. vgl. Hoeck, Hans Jürgen: Der Kunstring Soest 1935–1961: eine nationalsozialistische Gründung und was daraus wurde. - Soest, 2013. ISBN 978-3-00-040934-9, S. 9.
  9. Die Kunstsammlung der Stadt Soest. Schwerpunkte und konzeptioneller Wandel 100jähriger Sammelarbeit, in: Soester Zeitschrift 113 (2001), S. 99–110

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Linse: Barfüßige Propheten. Erlöser der zwanziger Jahre. Berlin: Siedler-Verlag 1983 ISBN 3-88680-088-1.
  • Reimer Möller: Der Maler Max Schulze-Sölde auf dem ‚Lindenhof’ in Kleve in der Wilster Marsch. Ein agrarromantisches ‚edelkommunistisches’ Siedlungsexperiment, in: Soester Zeitschrift 107 (1995), S. 88–102.
  • Caroline Theresia Real: Studien zum malerischen Werk des Künstlers Max Schulze-Sölde (1887–1967). Dissertation Universität Münster 2005.
  • Klaus Kösters: Max Schulze-Sölde (1887–1967). In: Klaus Kösters (Hg.): Anpassung – Überleben – Widerstand: Künstler im Nationalsozialismus. Aschendorff Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-402-12924-1, S. 183–192.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]