McMurdo-Station

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 77° 50′ 46,8″ S, 166° 40′ 5,6″ O

McMurdo-Station (2010) mit Kennzeichnung ausgewählter Gebäude

Die McMurdo-Station ist die größte Forschungs- und Logistikstation in der Antarktis und wird vom United States Antarctic Program (USAP) der US-Regierung betrieben. Die ganzjährig genutzte Einrichtung wurde 1955/56 auf der Ross-Insel an der Küste des McMurdo-Sunds für das Internationale Geophysikalische Jahr[1] errichtet und besteht heute aus mehr als 85 Gebäuden. Die Bewohner der Station mit dem Spitznamen MacTown nennen sich selbst „McMurdoites“, „McMurdites“ oder auch „Mactownites“.[2]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Ross-Insel (kleines Bild) in der Antarktis
Die Ross-Insel mit der Station auf der Hut-Point-Halbinsel (unten)

Die auf der Hut-Point-Halbinsel (englisch Hut Point Peninsula) an der Südspitze der Ross-Insel (Kap Armitage) gelegene Station betreibt Forschung im McMurdo-Sund (mit dem McMurdo-Schelfeis) und am Vulkan Mount Erebus.

McMurdo ist Ausgangspunkt für Feldforschung im Transantarktischen Gebirge, zum Beispiel den Trockentälern und dem Ross-Schelfeis.

Im Dezember 2004 startete das Experiment „BESS-Polar“ zur Messung kosmischer Strahlung.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die McMurdo-Station verfügt auf dem Meereis über einen Flugplatz (Airstrip) auch für große Transportflugzeuge mit regelmäßigen Flugverbindungen im Sommer nach Christchurch in Neuseeland. Außerdem über einen Hafen, Reparaturwerkstätten, Geschäfte und das Albert P. Crary Science and Engineering Center (‚Crary Lab‘) für geowissenschaftliche und biologische Forschung. Im Sommer ist McMurdo in der Regel schneefrei und die übliche Winterbesetzung von 250 Personen steigt auf bis zu 1100 Personen.

McMurdo ist logistischer Ausgangspunkt für die Amundsen-Scott-Südpolstation am Südpol, aber auch für die russische Wostok-Station. Eine drei Kilometer lange Straße verbindet McMurdo mit der neuseeländischen Scott Base. Die Station verfügt unter anderem über eine eigene Zeitung (Antarctic Sun),[3] einen Fernsehsender, ein Feuerwehrhaus (Antarctic Fire Department)[4] und ein Treibhaus mit Frischgemüse. Die Chapel of the Snows ist eine von verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften genutzte überkonfessionelle Kapelle.

In McMurdo wurde von 1962 bis 1972 der einzige Atomreaktor der Antarktis betrieben (Nukey Poo) im Rahmen des Army Nuclear Power Program. Der Reaktor wurde nach der Abschaltung in die USA zurückgebracht, zusammen mit rund 11.000 Kubikmetern kontaminiertem Untergrund.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McMurdo hat den südlichsten Hafen der Erde, nur der natürliche Eishafen der bis 1987 bestehenden Bucht der Wale lag noch weiter südlich. Von McMurdo führt eine etwa 1500 Kilometer lange Straßenverbindung, die South Pole Traverse, zur Amundsen-Scott-Südpolstation am Südpol.

McMurdo wird abhängig von der Jahreszeit von drei Flugplätzen bedient:

  • Phoenix Airfield (ICAO: NZFX). Seit Januar 2017 ersetzt dieser Flugplatz mit einer Piste aus verdichtetem Schnee das drei Meilen entfernte Pegasus Field (ICAO: NZPG), eine Eis-Piste auf dem Ross-Schelfeis in der Nähe von Black Island. Diese Änderung war erforderlich, weil in den vorangegangenen Jahren die Eisqualität am Ende der Sommersaison für den üblichen Flugbetrieb nicht mehr ausreichend war.
  • Sea Ice Runway (ICAO: NZIR)
  • William’s Field (ICAO: NZWD), eine Schneepiste

Es gibt mehrere Bodentransportmittel (für Straße oder Gelände (Off-Road)) für Fracht oder Personen, darunter der Terra Bus ‘Ivan’.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimadiagramm von McMurdo

Im Jahresmittel beträgt die Temperatur von McMurdo minus 17 Grad Celsius, die Niederschlagsmenge 212 Millimeter. Die Station liegt auf 24 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.[5]

Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Roman Ice Station von Matthew Reilly wird die Station erwähnt. Sie soll als Rückzugspunkt von amerikanischen Truppen dienen.
  • Im Roman The Last Ship nutzt die Besatzung eines Schiffes nach einem Atomkrieg die Vorräte der Station, um anschließend auf die Suche nach weiteren Überlebenden zu gehen.
  • Die Handlung des Science-Fiction-Romans Antarctica aus dem Jahre 1997 spielt in der McMurdo-Station.[6]
  • Die McMurdo-Station spielt in der Serie Stargate – Kommando SG-1 mehrmals eine wichtige Rolle. In der ersten Staffel der Serie wird 80 km entfernt von dieser Station das zweite „Stargate“ auf der Erde gefunden. Später, in der siebten Staffel, wird unweit davon ein Antiker-Außenposten entdeckt. Zudem ist dort zu jener Zeit auch die Jäger-Staffel der fiktiven F-302-Kampfflugzeuge stationiert. Im Pilotfilm zur Serie Stargate Atlantis ist McMurdo logistischer Dreh- und Angelpunkt für die Suche nach der „Verlorenen Stadt Atlantis“. In der alternativen Zeitlinie des Films Stargate: Continuum wird das Stargate-Zentrum nahe McMurdo erbaut, statt im Cheyenne Mountain, da das erste Stargate aus Ägypten bei dem Transport nach Amerika im Atlantik verloren gegangen ist. Die Inbetriebnahme des zweiten Stargates wird jedoch durch einen Goauld-Angriff verhindert, die die McMurdo-Station vollständig zerstören.
  • Im Film The Thing von John Carpenter wird die Station mehrfach erwähnt, als der Funker Windows vergebens versucht, einen Vorfall zu melden. Aus nicht bekannten Gründen kann er dabei niemanden erreichen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: McMurdo-Station – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. usap.gov McMurdo Station Web Cams des USAP
  2. Bernadette Hince: The Antarctic dictionary: a complete guide to Antarctic English. Csiro Publishing, 2000, ISBN 095774711X, S. 227
  3. Antarctic Sun
  4. Antarctic Fire Department
  5. Klimadiagramm McMurdo
  6. L.D. Meagher: Like the continent, 'Antarctica' is not for the faint hearted. In: CNN. TBS, 2. Juli 1998, abgerufen am 8. August 2016 (englisch).