Medem (Fluss)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Medem
Medem, von einem Ausflugsschiff

Medem, von einem Ausflugsschiff

Daten
Gewässerkennzahl DE: 5994
Lage Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Elbe → Nordsee
Zusammenfluss mehrerer Entwässerungskanäle in Ihlienworth
53° 44′ 11″ N, 8° 55′ 10″ O
Quellhöhe 0,5 m ü. NHN
Mündung bei Otterndorf in die ElbeKoordinaten: 53° 49′ 46″ N, 8° 53′ 43″ O
53° 49′ 46″ N, 8° 53′ 43″ O
Mündungshöhe m ü. NHN
Höhenunterschied 0,5 m
Länge 15,9 km
Einzugsgebiet 483 km²
Abfluss MQ
4,7 m³/s
Linke Nebenflüsse Große Medemstader Wettern, Böberwettern, Emmelke, Uthwettern, Wilster, Dörringworthener Wasserlöse
Rechte Nebenflüsse Straßdeichwettern, Große Siedenteiler Wettern, Gösche, Hadelner Kanal
Schiffbar 15,9 km

Die Medem ist ein heute 16 km langer Fluss in Niedersachsen, der in Ihlienworth aus der Vereinigung von fünf überwiegend künstlichen Wasserläufen entsteht und bei der Stadt Otterndorf in die Elbe[1] mündet. Wie ein Priel oder ein Tief hat sie kein Gefälle. Die Haupt-Strömungsrichtung ergibt sich allein daraus, dass das Oberflächenwasser aus ihrem Einzugsgebiet nicht anders als in die Elbe abfließen kann.

Gewässergeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor den ersten Anstrengungen von Anrainern, die Wasserströme zu regulieren, konnten die Gezeitenströme weit in die Medem und andere Gewässer der Küsten- und Elbmarschen eindringen. Mit einer ersten Sielschleuse in der Medem, möglicherweise beim heutigen Neuenkirchen oder bei Pedingworth, ist ab 1219 zu rechnen, nachdem die Hadelner das Recht erhalten hatten, nach eigenem Gutdünken an der Medem Schleusen zu bauen.

In Karten des 18. (Reilly) und frühen 19. Jahrhunderts trägt der Fluss bis hinauf in sein Ursprungsgebiet mit Bederkesaer See und Hymenmoor den Namen Medem, umfasst also auch den in späteren Karten als Aue bezeichneten Oberlauf südlich von Ihlienworth. Die Aue wurde noch von der Lehe aus dem Flögelner See gespeist und von der aus dem Langen Moor im Südosten kommenden Mühe. Der größte Nebenfluss war die damals zwischen Ihlienworth Pedingworth mündende Gösche. Mit der Meliorisierung des Sietlandes wurden gerade Entwässerungskanäle angelegt, zwischen denen die alten geschlängelten Wasserläufe weitgehend ihre Funktion verloren haben.

Das Wasser aus dem südlichen Teil des Einzugsgebietes der Medem, Geest und Mooren um Bederkesa, wird seit 1854 durch den Hadelner Kanal östlich um den zentralen und den nördlichen Teil des Einzugsgebietes herum geleitet.

Die Medem im Amt Bederkesa und in Hadeln 1791


Heutiger Flusslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stufenschöpfwerk in Ihlienworth
Medem in Otterndorf

Heute beginnt die Medem namentlich am Südrand von Ihlienworth mit dem Zusammenfluss der als Hauptlauf eingestuften Straßdeichwettern und des aus Südwesten kommenden Nordlaufs der Großen Medemstader Wettern. In diese mündet vorher als unbedeutendes Restgewässer die Alte Aue und als wichtiger Zufluss die Moorwettern. In Ihlienwort erreichen die Medem aus Westen parallel zueinander noch die Blockwettern und als wohl ursprünglich natürliches Gewässer die Emmelke. Schließlich kommt noch aus Südosten die Große Siedenteiler Wettern, die heute das meiste Wasser der parallel dazu sich schlängelnden Gösche transportiert.

All diese Gewässer entwässern das unter dem Meeresspiegel gelegene ursprünglich moorige Hadelner Sietland. Gleich nach der Mündung der Großen Siedenteiler Wettern hebt das Stufenschöpfwerk Ihienworth das Wasser soweit an, dass ein guter Abfluss durch die höher gelegene Elbmarsch (Hadelner Hochland) stattfindet. Zwischen diesem Schöpfwerk und Mündungsschöpfwerk und Sielschleusen in Otterndorf durchläuft die Medem etwa 70 Mäander. Dabei fließt sie an Pedingworth und Neuenkirchen entlang. Bei Neuenkirchen münden von links noch die Uthwettern und die Wilster. In die Außenmedem jenseits des Deichs mündet durch eine eigene Sielschleuss der Hadelner Kanal. Um von der natürlichen Entwässerung durch die Gezeiten unabhängig zu sein, wurde 1928 das Schöpfwerk Otterndorf gebaut und 1952/54 erweitert. Das Entwässerungsgebiet des Medemverbandes umfasst ca. 22.000 ha, das Einzugsgebiet des Hadelner Kanals 24.000 ha.

Die Medem ist auf der gesamten Länge für kleine und mittelgroße Boote schiffbar.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Entwässerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medem flussaufwärts von der Medem-Schifffahrtsschleuse in Otterndorf

Bis ins 19. Jahrhundert war die Medem sowohl als Verkehrsweg wie auch zur Entwässerung die Lebensader des Landes Hadeln samt dem Sietland. Beide bildeten das Hinterland des Elbhafens Otterndorf an der Medem-Mündung. Noch heute ist die Stadt Otterndorf das Zentrum dieser kleinen Region. Während sich der Verkehr, abgesehen von Freizeitaktivitäten, auf Straße und Schiene (Bahnhof Otterndorf) verlagert hat, ist die Medem immer noch unverzichtbar für die Entwässerung des tief gelegenen Landes.

Verlässslich wurde diese Entwässerung erst durch die Umleitung eines Teils der Wassermenge durch den Hadelner Kanal, sowie durch die Anlage (1928) und Erweiterung (1952/54) des Schöpfwerks Otterndorf

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Bedeutung neben der Entwässerung erschließt sich zum größten Teil im touristischen Bereich. In den Sommermonaten werden auf einer ehemaligen Hamburger Hafenbarkasse (MS „Jens“) und einem ehemaligen Alsterdampfer (MS „Onkel Heinz“) Rundfahrten auf der Medem angeboten. Mit der MS „Jens“ oder der MS „Onkel Heinz“ können verschieden lange Fahrten vom Anleger am Specken oder dem Anleger an der Schleuse in Otterndorf bis nach Neuenkirchen, Pedingworth oder Ihlienworth unternommen werden. Da die Ufer der Medem nicht befestigt sind, darf nur mit etwa sechs Kilometer pro Stunde gefahren werden. Diese Schleichfahrt dient zur Schonung der Uferböschung und lässt viel Zeit für die Beobachtung der Ufervegetation.

Im Sommer werden in Ihlienworth Bootsfahrten auf Ausflugskähnen angeboten, die aus dem Spreewald stammen. In diese wurden allerdings kleine Elektromotoren eingebaut, da das Staken (fortbewegen mit einem Rudel, einer über vier Meter langen Stange aus Esche) auf weichem Untergrund nur sehr schwer zu handhaben ist.

Auch als Angelrevier ist die Medem beliebt.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ufer können viele Tiere angetroffen werden. Wildenten, Kiebitze, Blässhühner, Teichrallen, Graureiher oder Kormorane zeigen nur geringe Scheu vor den langsam fahrenden Booten, der Eisvogel ist allerdings sehr scheu und wird nur selten gesichtet.

Insbesondere in der Innenstadt von Otterndorf gibt es eine Kolonie von Saatkrähen und anderen Rabenvögeln.

Die Medem wird auch als Angelrevier genutzt. Aale, Barsche, Hechten, Karpfen, Schleie oder Zander können hier gefangen werden.

Im Jahre 2012 wurden nahe der Bundesstraße 73 massive Erdbauarbeiten durchgeführt um den Uferbereich in Flachwasserzonen zu verwandeln. Dadurch entstehen dort neue naturnahe Bereiche.

Nebenflüsse, -kanäle und -wettern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Medem (Fluss) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei Flusskilometer 712,5, vgl. Michael Bergemann: Gesamtliste der Fließgewässer im Elbeeinzugsgebiet. Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg 1. Juli 2015 (PDF; 802 KB [abgerufen am 29. November 2015]).