Mehmet Göker

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Mehmet Ercan Göker (* 2. April 1979 in Kassel)[1] ist ein Unternehmer türkischer Abstammung, der im April 2003 das Kasseler Unternehmen MEG gegründet hat. Das Unternehmen wurde 2009 von der Aragon AG übernommen, die nach kurzer Zeit das Insolvenzverfahren eröffnete.

Beruf[Bearbeiten]

Göker machte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der DKV.[1] 2003 gründete er das Einzelunternehmen MEG Versicherungsspezialist e. K. für Maklergeschäfte mit Versicherungs- und Bausparverträgen.[1] Früh arbeitete er mit selbständigen Vermittlern zusammen, Ende 2005 hatte die MEG e. K. 40 Mitarbeiter.[1] 2006 gründete er die MEG AG, Ende des Jahres hatte die Gesellschaft 150 Mitarbeiter.[1]

Anklagen und Ermittlungen[Bearbeiten]

Im September 2007 fand eine Razzia bei MEG AG sowie Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung gegen Göker statt. Anfang August 2008 führte dies zu einer Verurteilung Gökers zu einer Geldstrafe von 720.000 Euro in Tagessätzen. Der Verdacht, Göker habe keine Sozialbeiträge für seine scheinselbständigen Versicherungsvermittler abgeführt, bestätigte sich vor dem Kasseler Landgericht und es mussten umfangreiche Nachzahlungen geleistet werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte November 2009 gegen Göker wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. Im Februar 2010 gab es Ermittlungen wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen durch die Kasseler Staatsanwaltschaft. Diese ließ November 2010 17 Büros und Wohnungen durchsuchen. Es bestand der Verdacht, Göker verkaufe immer noch private Krankenversicherungen über sogenannte Strohmänner. Das soll Göker auf Grundlage der früheren Datensätze der MEG, die Adressen von potenziellen Interessenten und Stammkunden enthält, getan haben. Die Kasseler Staatsanwaltschaft stellte die Vermutung an, Göker habe sich diese Datensätze nach der MEG-Insolvenz zu Unrecht angeeignet, um damit weiter Geschäfte machen zu können. Dies stelle einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und den Tatbestand der Insolvenzverschleppung dar.

Der Ex-MEG AG-Chef musste am 22. Dezember 2010 an die Allianz Krankenversicherung 125.000 Euro zahlen. Dabei handelte es sich um Vorschüsse bzw. Provisionen, die die Allianz AG der MEG AG für künftige Vertragsabschlüsse gezahlt hatte. Da diese Vertragsabschlüsse nicht erzielt wurden, forderte die Allianz das Geld mit Erfolg zurück. Göker musste sich am 31. Mai 2011 erneut vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dabei Göker Untreue vor. Er soll von einem Organisationsdirektor der MEG Provisionszahlungen in Höhe von 20.500 Euro in bar entgegengenommen haben. Göker habe das Geld an die MEG oder den späteren Insolvenzverwalter weiterleiten müssen, was er laut Staatsanwaltschaft aber nicht getan hat. Im September 2011 wurde er in Abwesenheit zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Göker legte gegen das Urteil in erster Instanz Berufung ein. Dieses Verfahren wurde im September 2012 eingestellt, da stattdessen eine weitaus schwerwiegendere Anklage wegen des unerlaubten Handels mit Datensätzen erhoben werden sollte.[2]

Im Februar 2012 erhob die Staatsanwaltschaft Kassel Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges. Göker wird vorgeworfen, einem Mitarbeiter sowie dessen Gattin wegen Insolvenz willkürlich überhöhte bzw. niedrige Gehälter gezahlt zu haben, um deren Pfändung zu umgehen. Die Gehälter standen somit der Insolvenzmasse und dadurch den Gläubigern nicht mehr zur Verfügung.[3]

Von November 2012 bis Ende Mai 2013 befand sich der frühere Generalbevollmächtigte der MEG und Stellvertreter Gökers, Vincent Ho, im Gefängnis Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug, Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen sowie das Beiseiteschaffen von Geschäftsdaten vor. Letzteres soll er gemeinsam mit dem früheren MEG-Chef begangen haben. Gegen Göker selbst bestehen weiterhin ein Haftbefehl in Deutschland sowie ein internationaler Haftbefehl. Im März 2013 wurden bundesweit Durchsuchungen bei ehemaligen Geschäftspartnern Gökers durchgeführt.[4][5] Ende April 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Kassel die Anklage wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und des Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz.[6]

Film[Bearbeiten]

Der Film Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker hatte am 19. Oktober 2011 beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in Leipzig Premiere. Gedreht hat die Dokumentation der Kasseler Filmemacher und Grimme-Preisträger Klaus Stern.[7] Am 8. November hatte der Film Premiere in Kassel. Das Gloria-Kino zeigte den Dokumentarfilm über Mehmet Göker als Auftakt zum Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest. Knapp zwei Wochen später erschien Göker am 20. November selbst im Bali-Kino, um sich den Film anzusehen.[8]

Sponsorentätigkeit[Bearbeiten]

Als Göker die MEG (später MEG24/MEG AG) leitete, agierte das Unternehmen als Sponsor verschiedener Sportvereine und einzelner Sportler.

KSV

Das umfangreichste Sponsoring fand bei dem Kasseler Fußballverein KSV Hessen Kassel statt. Er stellte Trikots, gemietete Busse sowie sechsstellige Geldspenden zur Verfügung. Am 9. Juni 2008 gab Göker seine Zusage, neuer Vorstandschef des KSV Hessen Kassel zu werden, nachdem der Vertrag mit dem bisherigen Chef Marc Arnold aufgelöst wurde. Dieser wechselte nach Braunschweig. Am 16. Juni 2008 bei der Jahreshauptversammlung des KSV Hessen Kassel zog er seine Zusage zurück. Er begründete diese Entscheidung damit, dass er übler Beschimpfung ausgesetzt gewesen sei, die auch seine Familie erreicht haben soll. Zitat Mehmet E. Göker vom 16. Juni 2008: „Ich stehe für kein Amt beim KSV mehr zur Verfügung“. Kurz darauf beendete der Vorstand des KSV Hessen Kassel das Sponsoring mit der MEG AG mit sofortiger Wirkung. Dies sei geschehen, um die Glaubwürdigkeit des Vereines wiederherzustellen.[9]

BG 74 / MEG Göttingen

Im März 2009 sicherte sich Mehmet Göker durch einen Sponsorenvertrag die Namensrechte des Göttinger Basketball-Bundesligisten MEG Göttingen. Nach anfänglichem Desinteresse entschied sich Göker schließlich doch für ein Sponsoring. Dazu sagte er: „Der Göttinger Basketball hat sich so gut entwickelt, dass sich die MEG mittlerweile sehr gut damit identifizieren kann.“ Im September 2009 endete das Sponsoring und somit auch die Namensgebung. Der Verein hieß dann wieder BG 74 Göttingen.

VfB Süsterfeld

Im Jahr 2008 wurde Mehmet Göker Vorsitzender des Sportvereins VfB Süsterfeld. Ferner wurden weitere Positionen im Vorstand des Vereins mit leitenden Mitarbeitern der MEG AG besetzt. Zudem wurde die MEG AG alleiniger Hauptsponsor. Zu dieser Zeit ahnte der Verein nicht, dass der Vorstandschef und alleinige Geldgeber ein Jahr später sein Unternehmen verlor und damit kein Geld zur Verfügung mehr stellte. Nachdem Göker als Geldgeber weggefallen war musste der VfB Insolvenz anmelden. Der Insolvenzantrag wurde im Dezember 2010 vom Amtsgericht Kassel mit der Begründung abgelehnt, das Vereinsvermögen reiche nicht einmal für die Deckung der Verfahrenskosten. Der ehemalige Pressesprecher des Vereins, Frank Dietrich sagte zu dem Fall: „Die Schulden belaufen sich nach meiner Kenntnis aber auf mindestens 300.000 Euro“.[10] Der Verein stand vor seiner Auflösung. Außerdem wurde gegen Mitglieder des ehemaligen Vereinsvorstand Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie werden von der Kasseler Staatsanwaltschaft der Steuerhinterziehung und Beitragsvorenthaltung bezichtigt.

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • System Größenwahn – Mehmet Göker und die Geschäfte der Versicherer. Dokumentation von Oliver Schmid und Christian Landrebe, ca. 45 Minuten, Hessischer Rundfunk, Erstausstrahlung 20. März 2012: [11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Auf Zuruf zahlen die Versicherer Millionen auf handelsblatt.com abgerufen am 14. Juni 2012
  2. Mehmet Göker: Jetzt droht ihm Gefängnis. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 7. September 2012, abgerufen am 11. Mai 2013.
  3. Vorwurf "gewerbsmäßiger Betrug": Neue Anklage gegen Mehmet Göker auf hna.de
  4. Gökers rechte Hand bleibt im Gefängnis auf hna.de
  5. Göker-Kunden: Polizei durchsuchte Büros auf hna.de
  6. Mehmet Göker: Anklage wegen illegalem Datenhandel auf hna.de
  7. Göker kommt ins Kino auf hna.de vom 19. Oktober 2011, abgerufen am 14. Juni 2012
  8. Göker über Göker-Film: „Gier frisst Hirn“ hat gepasst auf hna.de, abgerufen am 14. Juni 2012
  9. KSV: Göker mit MEG nicht mehr Hauptsponsor. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 2. Juli 2008, hier auf der Website des KSV Hessen Kassel e. V.
  10. Nach MEG-Pleite: VfB Süsterfeld-Insolvenz abgelehnt – Ermittlungsverfahren gegen Ex-Vereinsspitze. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 17. Dezember 2010, abgerufen am 11. Mai 2013.
  11. Ansehen auf YouTube