Mehrlenkerachse

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Vierlenkerachse eines Mitsubishi Galant EA0 mit drei Einzel- und einem Dreiecksquerlenker, der an zwei Punkten der Karosserie gelagert ist.
Pink: Achsschenkel
Gelb: Dreieckslenker
grün, orange, blau: Einzellenker.
hellblau: Stabilisator

Die Mehrlenkerachse (auch Multilink-Achse genannt) ist eine Bauart der Radaufhängung an Automobilen, wobei jedes der beiden Räder einer Achse mit Hilfe von vier oder fünf Lenkern[1] einzeln geführt wird. „Mit fünf Stablenkern ist die aufwändigste Form einer Einzelradaufhängung erreicht, ...“[2] Die fünf Lenker bieten den größten Gestaltungsspielraum („kinematisches Potential“)[3] für die „gezielte Auslegung ... ohne Kompromisse“.[4]

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Fülle von möglichen oder tatsächlich ausgeführten Konstruktionen. Erschwert wird der Überblick durch herstellerspezifische Bezeichnungen.

Bei der Fünflenkerachse sind alle Lenker einfache Stablenker mit je zwei Gelenken. In der Grundform sind alle Lenker zwischen Karosserie (meistens mit gesondertem Hilfsrahmen) und Radträger mit je zwei als Kugelgelenken wirkenden Gummilagern angeschlossen. Jeder dieser fünf Lenker nimmt dem Achsträger eine der sechs Bewegungsfreiheiten, sodass gerade ein Freiheitsgrad zum Ein- und Ausfedern Freiheitsgrad f=1 bleibt. Bei gelenkten Rädern ist der Achsschenkel über Kugelgelenke angeschlossen, die eine höhere Winkelbeweglichkeit haben als Gummibuchsen.

Die erste Fünflenker-Hinterachse wurde 1982 von Mercedes-Benz mit dem Namen Raumlenkerachse im Mercedes-Benz W 201 auf den Markt gebracht.[5]

Die Fünflenker-Achse als Vorderachse ist wegen des Radeinschlags in der Auslegung eingeschränkt. Bei Audi-Modellen und im VW Passat wurde sie dennoch realisiert.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vierlenker-Achse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statt der beiden Querlenker kann oben ein Dreiecksquerlenker verwendet werden (oben stehendes Bild). Hier ist meist der hintere untere Querlenker verstellbar, um die korrekte Vorspur einstellen zu können. Im abgebildeten Fall wird durch den weit oben liegenden Dreieckslenker eine sehr exakte Führung des Sturzes gewährleistet. Diese Bauart kann auch als Vorderradaufhängung verwendet werden.

„Integralachse“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Bezeichnung stammt von BMW. Bei dieser Konstruktion, wie etwa im BMW E31 (850), ist der untere Lenker als Trapezlenker ausgebildet und mit dem Radträger über einen zusätzlichen Lenker verbunden.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelradaufhängung
Radaufhängung#Einzelradaufhängung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge. Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 3. Auflage, 2007, ISBN 3-540-64155-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch., 2013, S. 448–457.
  2. Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge. 2007, S. 17
  3. Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge., 2007, S. 34
  4. Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch. 2013, S. 455.
  5. Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge. 2007, S.412-413, weitere Beispiele unmittelbar anschließend
  6. Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge. 2007, S.417-418

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]