Meilen-Rorenhaab

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Lage der Fundstelle

Meilen-Rohrenhaab ist ein prähistorischer Siedlungsplatz im mittleren Becken des Zürichsees auf dem Gebiet der Gemeinde Meilen im Kanton Zürich in der Schweiz. Die Fundstelle ist Bestandteil der Seeufersiedlungen des Alpenraumes (UNESCO-Weltkulturerbe).[1]

Lage und Befund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung lag am östlichen Ufer des Seebeckens. Der Seespiegel (406 m ü. M.) liegt infolge klimatischer Unterschiede und der Gewässerkorrektion höher als während der Stein- und Bronzezeit; die Fundstelle liegt daher mehrere Meter unter der Wasseroberfläche.

Im Frühjahr 1855 entdeckte Ferdinand Keller aufgrund des aussergewöhnlich tiefen Wasserstandes im Rahmen von Arbeiten zur Landgewinnung Reste von Holzpfählen, Keramik, Knochen und weitere Siedlungsreste. Diese und spätere Funde Kellers begründeten das international Pfahlbaufieber genannte allgemeine Interesse für Feuchtbodensiedlungen, indem Keller darlegte, dass „in frühester Vorzeit Gruppen von Familien, höchst wahrscheinlich keltischer Abstammung, die sich von Fischfang und Jagd nährten, aber auch des Feldbaues nicht ganz unkundig waren … Hütten bewohnten, die sie nicht auf trockenem Boden, sondern an seichten Uferstellen auf Pfahlwerk errichtet hatten.“[2]

Auch wenn die Feuchtbodensiedlungen heute zumeist nicht mehr den zeitlich viel späteren Kelten zugeordnet werden, ist Meilen-Rorenhaab daher auch aus forschungsgeschichtlicher Hinsicht ein wichtiger Meilenstein der Pfahlbauarchäologie. Als eine von mehreren Fundstellen in einem kleinen Raum, der die typische Siedlungsdynamik einer Mikro-Region während des Neolithikums aufzeigt, sind alle Perioden mit mehreren Siedlungsphasen auf kleinstem Raum repräsentiert. Zahlreiche dendrochronologische Daten, vor allem aus der Frühbronzezeit, veranschaulichen die kulturelle Entwicklung dieser Periode.[3]

UNESCO-Weltkulturerbe und Kulturgut von nationaler Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlungsreste gehören zu den 111 Fundplätzen mit dem grössten wissenschaftlichen Potential, die als Bestandteil der Seeufersiedlungen des Alpenraumes am 27. Juni 2011 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.[3][1]

Im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung ist die Feuchtbodensiedlung als Klasse-A-Objekte aufgeführt.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pfahlbauten in der Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Website UNESCO World Heritage Centre (27. Juni 2011), Pressemeldung Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List, abgerufen am 3. März 2013
  2. Ferdinand Keller: Die keltischen Pfahlbauten in den Schweizerseen, Band 1. Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Zürich 1854.
  3. a b Website palafittes.org: Fundstellen Schweiz im UNESCO-Weltkulturerbe: Meilen–Rorenhaab (CH-ZH-06) (Memento des Originals vom 31. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.palafittes.org, abgerufen am 3. März 2013
  4. A–Objekte ZH 2018. Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. In: babs.admin.ch / kulturgueterschutz.ch. Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS – Fachbereich Kulturgüterschutz, 1. Januar 2018, abgerufen am 3. März 2013. (PDF; 163 kB, 32 S., wird jährlich erneuert, keine Änderungen für 2018).

Koordinaten: 47° 16′ 3,9″ N, 8° 38′ 16,6″ O; CH1903: 690757 / 235898