Meiolania

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Meiolania
Meiolania-Fossil im American Museum of Natural History

Meiolania-Fossil im American Museum of Natural History

Zeitliches Auftreten
Mittleres Miozän bis Holozän
12 Mio. Jahre bis 3.000 Jahre
Fundorte
Systematik
Testudines
Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Eucryptodira
Meiolaniformes
Meiolaniidae
Meiolania
Wissenschaftlicher Name
Meiolania
Owen, 1886

Meiolania (griechisch für „Kleiner Wanderer“) ist eine ausgestorbene Gattung aus der Unterordnung der Halsberger-Schildkröten (Cryptodira). Es sind vier Arten bekannt, die vom Mittleren Miozän bis zum Holozän existierten.

Merkmale und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meiolania-Fossil im Lord Howe Island Museum

Meiolania hatte einen ungewöhnlich geformten Schädel, der viele knaufartige und hornähnliche Fortsätze trug. Einschließlich der beiden seitlichen Hornzapfen hatte der Kopf eine Gesamtbreite von bis zu 60 cm. Diese Fortsätze verhinderten vermutlich, dass die Tiere ihren Kopf vollständig in den Panzer zurückziehen konnten. Der Schwanz war durch gepanzerte Ringe geschützt und trug dornähnliche Zacken am Ende.[1] Schildkröten der Gattung Meiolania waren sehr groß. Mit einer Länge von 2,50 m waren sie die zweitgrößten bekannten Landschildkröten, nur übertroffen von Colossochelys atlas, die bis zum Pleistozän in Asien vorkam.

Fossile Funde sind von Australien, der Lord-Howe-Insel, Neukaledonien und Vanuatu bekannt. Die Arten von der Lord-Howe-Insel und von Neukaledonien waren jedoch viel kleiner.

Schildkrötenknochen, die auf den Fidschi-Inseln entdeckt wurden, gehören vermutlich ebenfalls zu dieser Gattung.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meiolania-Schildkröten waren Pflanzenfresser. Als 1925 fossile Überreste in der Nähe von Stränden gefunden wurden, ging man von einer aquatischen Lebensweise aus. Heute ist bekannt, dass sie terrestrisch lebten.

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schädel von Meiolania platyceps im American Museum of Natural History
Schwanz eines Meiolania-Fossils im American Museum of Natural History
Vergleich der Hornzapfen zwischen Meiolania platyceps (links) und Meiolania mackayi (rechts)

Die Gattung Meiolania wurde 1886 von Richard Owen aufgestellt, basierend auf Fossilfunden von der Lord-Howe-Insel. Owen vergab die Namen Meiolania platyceps und Meiolania minor (heute ein Synonym von Meiolania platyceps).[2] Es waren die ersten gut erhaltenen Fossilien der Familie Meiolaniidae. An ihnen konnte gezeigt werden, dass die ersten bekannten Überreste einer verwandten Art von Queensland, die heute als Ninjemys oweni bekannt ist und bis 1992 der Gattung Meiolania zugeordnet wurde, nicht zu den Echsen gehört, sondern zu den Schildkröten.[3] 1901 klassifizierte Arthur Smith Woodward die südamerikanische Art Niolamia argentina in die Gattung Meiolania, was jedoch von späteren Autoren nicht akzeptiert wurde.

Die Überreste der zweiten Art Meiolania mackayi wurden auf Walpole in den Loyalitätsinseln gefunden und 1925 von Charles Anderson, dem ehemaligen Direktor des Australian Museum, beschrieben.[4] Sie war kleiner und weniger robust als Meiolania platyceps. Fossilfunde dieser Art sind ebenfalls von den Pindai Caves auf Grande Terre, Neukaledonien, und von Pulau Tiga bekannt. [5][6]

Meiolania brevicollis wurde 1992 vom Paläontologen Dirk Megirian beschrieben.[7] Die Überreste stammen aus den Camfield Beds im Northern Territory. Die Art lebte im mittleren Miozän. Der Schädel und andere Hornproportionen waren flacher als bei Meiolania platyceps.

2010 beschrieben Arthur W. White, Trevor H. Worthy, Stuart Hawkins, Stuart Bedford und Matthew Spriggs die vierte Art Meiolania damelipi von der zu Vanuatu gehörenden Insel Efate.[5] Die Überreste stammen aus der Zeit der Lapita-Kultur im Holozän.

Aussterben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich wurde Meiolania damelipi vor 3000 Jahren von den Menschen der Lapita-Kultur bis zur Ausrottung gejagt. Gestützt wird diese Annahme durch das Vorhandensein von Schildkrötenknochen in Müllgruben in der archäologischen Fundstätte Teouma auf Efate.[5][6] Die Überreste enthielten hauptsächlich Beinknochen, woraus sich ergibt, dass die Schildkröten irgendwo geschlachtet wurden.[5] Die Knochen sind nicht in jüngeren Schichten vorhanden, was naheliegt, dass Meiolania etwa 300 Jahre nach dem ersten Kontakt mit Menschen ausgestorben ist.[5][6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Douglas Palmer: The Marshall illustrated encyclopedia of dinosaurs and prehistoric animals. A comprehensive, colour guide to over 500 species. Marshall Publishing, London 1999, ISBN 1-84028-152-9, S. 67.
  2. Richard Owen: Description of Fossil Remains of Two Species of a Megalanian Genus (Meiolania, Ow.), from Lord Howe's Island. In: Proceedings of the Royal Society of London. Bd. 40, 1886, S. 315–316, doi:10.1098/rspl.1886.0040.
  3. Arthur Smith Woodward: Note on the extinct reptilian genera Megalania Owen and Meiolania Owen. In: Annals and Magazine of Natural History, Zoology, Botany, and Geology being a Continuation of the Annals combined with Loudon and Charlesworth's Magazine of Natural History. 6th Series, Bd. 1, 1888, ZDB-ID 280102-4, S. 85–89, Digitalisat.
  4. Charles Anderson: Notes on the extinct Chelonian Meiolania, with a record of a new occurrence. In: Records of the Australian Museum. Bd. 14, Nr. 4, ISSN 0081-2676, 1925, S. 223–242, doi:10.3853/j.0067-1975.14.1925.844.
  5. a b c d e Arthur W. White, Trevor H. Worthy, Stuart Hawkins, Stuart Bedford, Matthew Spriggs: Megafaunal meiolaniid horned turtles survived until early human settlement in Vanuatu, Southwest Pacific. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Bd. 107, Nr. 35, 2010, S. 15512–15516, doi:10.1073/pnas.1005780107.
  6. a b c Brandon Keim: Extinct, King Koopa-Style Giant Turtle Found on Pacific Island. In: Wired. 17. August 2010.
  7. Dirk Megirian: Meiolania brevicollis sp. nov. (Testudines: Meiolaniidae): a new horned turtle from the Australian Miocene. In: Alcheringa. An Australasian Journal of Palaeontology. Bd. 16, Nr. 2, 1992, ISSN 0311-5518, S. 93–106, doi:10.1080/03115519208619035.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Meiolania – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien