Michael Beleites

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Michael Beleites (Oktober 2008)

Michael Beleites (* 30. September 1964 in Halle (Saale)) ist studierter Landwirt und war ein wichtiger Akteur der Umweltbewegung in der DDR.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beleites ist der Sohn eines Pfarrers. Von 1981 bis 1983 absolvierte er eine Ausbildung zum zoologischen Präparator in Gera und Berlin. Seit 1982 war er in kirchlichen Friedens- und Umweltinitiativen aktiv. Seit dieser Zeit wurde er vom MfS mit dem Operativen Vorgang „Entomologe“ verfolgt (u. a. Reisesperren, Verhinderung von Abitur und Studium).[1] 1984 war er Initiator der ersten Protestaktionen gegen Umweltzerstörung in der Chemieregion Wolfen-Bitterfeld und zusammen mit Reinhard Falter einer blockübergreifenden Parallelaktion der Friedensbewegungen in Fulda und Meiningen.[2] In den Folgejahren organisierte er beide Treffen zwischen der ost- und westdeutschen Friedensbewegung in der ČSSR, Ungarn und Polen.[3]

Seit 1986 recherchierte er illegal zu den gesundheitlichen und ökologischen Folgen des Uranabbaus der SDAG Wismut. 1988 hielt er auf der 1. Ökumenischen Versammlung in Dresden einen Vortrag zum „Uranbergbau in der DDR“, das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg veröffentlichte seine Dokumentation Pechblende – Der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen.

1989 war er Mitglied des Bürgerkomitees zur MfS-Auflösung in Gera, 1990 Berater des Neuen Forums beim Zentralen Runden Tisch und engagierte sich für eine Öffnung der Stasi-Akten.[4] In diesem Jahr war er auch Mitbegründer von Greenpeace in der DDR.

1991 war er Berater von Greenpeace in Hamburg und 1992 als Berater der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag aktiv. 1992 bis 1995 studierte er Landwirtschaft an der Humboldt-Universität Berlin und der Fachschule für Landwirtschaft in Großenhain. Für das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg machte er 1996 und 1998 Ausstellungen über Otto Kleinschmidt.[5]

Von Dezember 2000 bis Dezember 2010 amtierte Beleites als Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.[6] Seit 2011 lebt er als Gärtner und freier Autor in der Nähe von Dresden.[7]

Beleites nahm vom 19. bis 21. Januar 2018 an der 18. Winterakademie des als neurechte Denkfabrik geltenden Institutes für Staatspolitik (IfS) als Referent teil.[8][9][10]

Michael Beleites ist verheiratet und hat drei Kinder.[11]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pechblende – der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen, Lutherstadt Wittenberg 1988 Hektographiertes Manuskript. Kirchliches Forschungsheim Wittenberge 1988. Die Studie erschien 1992 in Buchform unter dem Titel Altlast Wismut im Verlag Brandes&Apsel Frankfurt/M.[12]
  • Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uran-Provinz. BasisDruck, Berlin 1991, ISBN 3-86-163044-3.
  • Altlast Wismut. Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau. Frankfurt (Main) 1992.
  • Beleites, Michael/Graefe zu Baringdorf, Friedrich-Wilhelm/Grünbaum, Robert (Hg.): Klassenkampf gegen die Bauern. Die Zwangskollektivierung der ostdeutschen Landwirtschaft und ihre Folgen bis heute. Metropol, Berlin 2010, ISBN 978-3-940938961.
  • Die Zukunftsfragen nicht aus dem Blick verlieren. Gedanken nach zehn Jahren als Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. In: Horch und Guck Heft 71 (01/2011), S. 70–75. im Netz.
  • Leitbild Schweiz oder Kasachstan? Zur Entwicklung der ländlichen Räume in Sachsen. AbL Bauernblatt Verlags GmbH 2012, ISBN 978-3-930413-54-6.
  • Umweltresonanz – Grundzüge einer organismischen Biologie. Treuenbrietzen 2014, ISBN 978-3-941094-13-0.
  • Dicke Luft: Zwischen Ruß und Revolte. Die unabhängige Umweltbewegung in der DDR. Leipzig 2016, ISBN 978-3-374-04271-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Veen, Hans-Joachim u. a. / Hrsg. (2000): Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur. Econ Ullstein List Verlag, Berlin, München. S. 68f. und: Beleites, Michael (2015): Ausgrenzung als Schicksal und Chance. In: Peter Finke / Hrsg. (2015): Freie Bürger – Freie Forschung. Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm. oekom verlag, München 2015. S. 55–59.
  2. Neubert, Ehrhart (1997): Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989. Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe, Band 346), Bonn 1997. S. 510
  3. Beleites, Michael: Dicke Luft: Zwischen Ruß und Revolte. Die unabhängige Umweltbewegung in der DDR. Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Band 16, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2016. S. 34ff
  4. Beleites, Michael (1992): Untergrund. Ein Konflikt mit der Stasi in der Uran-Provinz. Berlin. (2. erw. Aufl.) und: Beleites, Michael und Roland Geipel (2009): Späte Besetzung – frühe Aktenöffnung. Das Bürgerkomitee und die Kontrolle der Stasi-Auflösung in Gera. In: Harald Frank (Hrsg.): Aufbruch 1989. Zeitzeugen aus Gera. Verlag Dr. Frank GmbH, Gera. S. 35–51.
  5. Beleites, Michael: Otto Kleinschmidts Formenkreislehre - eine andere Sicht auf die Natur. Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde. 17. Jg. (1996) 39. 31 S. Hrsg. vom Kirchlichen Forschungsheim Wittenberg 1996.
  6. Beleites, Michael (2005): Stasi-Akten in Bundes- und Landesarchive? Zur Kontroverse um die Perspektiven der Stasi-Unterlagen-Verwaltung. Deutschland Archiv 1/2005, S. 102–107.
  7. Beleites, Michael (2014): Umweltresonanz. Grundzüge einer organismischen Biologie. Telesma-Verlag Treuenbrietzen, 2014. S. 617–621.
  8. Konstantin von Hammerstein: In Ostdeutschland: Warum ehemalige Bürgerrechtler sich jetzt bei der AfD engagieren. In: Der Spiegel. 7. Januar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 3. März 2018]).
  9. 18. Winterakademie 19. bis 21. Januar 2018 in Schnellroda. (PDF) Institut für Staatspolitik, abgerufen am 3. März 2018.
  10. Vortragstext Michael Beleites zur 18. Winterakademie 19. bis 21. Januar 2018 in Schnellroda. (PDF) Abgerufen am 14. Juni 2018.
  11. Mallien, Lara und Johannes Heimrath: Die Sprache der Blaumeisen. oya – anders denken . anders leben. Nr. 26 (Mai/Juni 2014) S. 42–45.
  12. Uranbergbau in der DDR: Die Untergrundschrift "Pechblende" (abgerufen: 10. Juli 2015 9:17).