Michael Ondaatje

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Michael Ondaatje, 2010

Michael Ondaatje [ɒnˈdɑːtʃiː] (* 12. September 1943 in Colombo, Sri Lanka) ist ein kanadischer Schriftsteller und Dichter niederländisch-tamilisch-singhalesischer (Burgher) Herkunft. 1954 zog er mit seiner Mutter nach England und 1962 nach Kanada, wo er später die kanadische Staatsbürgerschaft annahm.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ondaatje erlangte den BA (Bachelor of Arts) an der Universität Toronto und den MA (Master of Arts) an der Queen’s University in Kingston (Ontario). Mitte der 1960er Jahre ließ er sich in Toronto nieder; von 1971 bis 1983 lehrte er an der York University und dann am Glendon College in Toronto. 1988 und 2016 wurde ihm jeweils der Order of Canada verliehen, 2016 in der höchsten Stufe.

Seine Romane bestehen aus „Schnappschüssen“ von miteinander verbundenen Szenen, die er sprachlich äußerst detailreich erforscht. Insbesondere Ondaatjes frühe nicht oder nicht ausschließlich poetischen Werke The Collected Works of Billy the Kid und Coming Through Slaughter zeigen eine bild- und metaphernreiche Sprache, die stark von seiner Herkunft als Dichter geprägt ist. Ständige Wechsel der Erzählperspektive und -zeit sowie der Handlungsstränge prägen diese Werke noch stärker als Ondaatjes spätere Romane.

Während Ondaatje im deutschsprachigen Raum meist als Autor von Romanen bekannt wurde, umfasst sein Gesamtwerk auch poetische und film-bezogene Werke. Sons of Captain Poetry erschien 1970, über den kanadischen Dichter B. P. Nichol; ferner gewann There’s a Trick With a Knife I’m Learning to Do: Poems 1973–1978 im Jahr 1980 den Governor General’s Award für Dichtung.

Sein Roman Kriegslicht (2018) sei "so geschickt" erzählt, "wie es sonst nur John le Carré einfädelt", urteilte Thomas E. Schmidt. Es sei "ein Roman großer literarischer Könnerschaft, mit der Routine eines brillanten Autors geschrieben, der weiß, wie es geht."[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ondaatje war in erster Ehe mit Kim Ondaatje verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Seine zweite Ehefrau Linda Spalding ist ebenfalls Schriftstellerin. Michael Ondaatje ist der Bruder des Schriftstellers, Philanthropen, Abenteurers, ehemaligen Unternehmers und ehemaligen Teilnehmers an den Olympischen Spielen Christopher Ondaatje.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Collected Works of Billy the Kid: Left-Handed Poems. 1970.
  • Coming Through Slaughter. 1975.
    • Buddy Boldens Blues. Übersetzt von Adelheid Dormagen. Hanser, München 1995.[2]
  • Running in the Family.
    • Es liegt in der Familie. Übersetzt von Peter Torberg. Hanser, München 1992.
  • In the Skin of a Lion.
    • In der Haut eines Löwen. Übersetzt von Peter Torberg. Hanser, München 1987.
    • Auszug Die Brücke. In: Kanada fürs Handgepäck. Geschichten und Berichte. Ein Kulturkompass. Reihe: Bücher fürs Handgepäck. (Anthologie) Hrsg. Anke Caroline Burger. Unionsverlag, Zürich 2010, unv. Neudr. 2018, S. 187–208.
  • The English Patient. 1992.
  • Der englische Patient. Roman. Übersetzt von Adelheid Dormagen. Hanser, München 1993, ISBN 3-446-17339-0.
  • Anil’s ghost. 2000 [3]
    • Anils Geist. Roman. Übersetzt von Melanie Walz. Hanser, München 2000.
  • Divisadero. 2007.
  • The Cat’s Table. 2011.
  • Warlight. 2018. ISBN 978-0-525-52119-8.
Weiteres
  • Die Kunst des Filmschnitts. Gespräche mit Walter Murch. Fünf Gespräche mit Filmeditor Walter Murch, den Ondaatje bei den Dreharbeiten zum Film Der englische Patient kennengelernt hatte.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The English Patient wurde verfilmt, siehe Der englische Patient (Film). Der Film von Anthony Minghella aus dem Jahr 1997 wurde mit neun Oscars ausgezeichnet, darunter mit dem Academy Award für den besten Film.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regina Männle: Die ‚andere’ Literatur Nordamerikas. Das kulturelle Selbstverständnis Kanadas im Spiegel seiner Literatur. Dargestellt an Romanen von Margaret Atwood, Michael Ondaatje und Jane Urquhart. Diplomarbeit, Fach Kultur- und Literaturwissenschaft, Studiengang Bibliotheks- und Medienmanagement, Hochschule der Medien, 2004. Print: Grin Verlag, 2007 (Zu: In der Haut eines Löwen S. 43–55, sowie „Leben und Werk“)[5]
  • Armando Jannetta: Onomastic devices in Michael Ondaatje's "In the skin of a Lion". In: Commonwealth. Essays and Studies., Hrsg. Société d’Étude des Pays du Commonwealth, Universität Paris III, Schwerpunktheft: Caribbean Literature. Jg. 13, H. 2, Spring 1991 ISSN 0395-6989 S. 92–103.
  • Eberhard Kreutzer, Einträge zu Ondaatje in Kindlers neues Literatur-Lexikon: Das lyrische Werk, Der englische Patient und In the skin of a Lion (Zugang online via Munzinger-Archiv durch die meisten öffentlichen Bibliotheken möglich)
  • Winfried Siemerling: Das andere Toronto. Mündliches Wissen in Michael Ondaatjes „In the skin of a lion“. In: Mündliches Wissen in neuzeitlicher Literatur. (ScriptOralia, 18) Hrsg. Paul Goetsch. Narr, Tübingen 1990, S. 171–183.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael Ondaatje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Zeit, 9. August 2018, S. 39.
  2. eine Fiktion, die auf spärlich überlieferten Lebensdokumenten des Jazz-Pioniers Buddy Bolden basiert
  3. ausgezeichnet mit dem Scotiabank Giller Prize, dem Prix Médicis und Kanadas 2000 Governor General’s Award
  4. nominiert für den Hammett Prize 2012. Dazu: Jeden Tag sollte man mindestens ein Verbot übertreten, FAZ, 4. Februar 2012, S. 33.
  5. Auch online, kostenfrei, Zugang individualisiert, deshalb über eine Suchmaschine erforderlich