Mikrophthalmie

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Klassifikation nach ICD-10
Q11.2 Mikrophthalmus
ICD-10 online (WHO-Version 2016)
Mikrophthalmie des rechten Auges (möglicherweise auch in leichter Ausprägung beim Linken). Das Auge ist nasenwärts gerichtet, weil es vermutlich (physiologisch) Blind ist

Mikrophthalmie (aus griechisch μικρός mikros „klein“ und ὄφθαλμος ophthalmos „Auge“) bezeichnet die angeborene, unübliche Kleinheit oder auch nur rudimentäre Ausbildung eines oder beider Augäpfel.[1]

Ist das Auge nur minimal oder gar nicht angelegt, spricht man von einer Anophthalmie.

Im Gegensatz zur Nanophthalmie liegen neben der verminderten Größe auch Fehlbildungen des Augapfels vor.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häufigkeit wird mit 1–9 zu 100.000 angegeben, sie findet sich bei bis 11 % blinder Kinder. Die Erkrankung tritt isoliert oder in 30 % im Rahmen eines Syndromes auf.[1]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mikrophthalmie liegt eine Störung der Morphogenese der Augenentwicklung zugrunde. Sie geht oft mit einem Kolobom (Spaltbildung der Iris und anderer Strukturen), das ebenfalls auf eine Entwicklungsstörung in der gleichen Entwicklungsphase zurückgeht, einher.

Es besteht eine Assoziation mit dem fetalen Alkoholsyndrom, Vitamin A-Mangel der Mutter, Strahlenexposition und Infektionen während der Schwangerschaft wie Röteln in der Schwangerschaft, Herpes simplex und Zytomegalie.

Mikrophthalmie ist in der Regel genetisch bedingt (z. B. im Zusammenhang mit Trisomie 13, der Triploidie oder dem Peters-Plus-Syndrom) und kann zusammen mit anderen Hemmungsfehlbildungen auftreten, z. B. beim Delleman-Syndrom oder dem Wolf-Hirschhorn-Syndrom. Thalidomid (Contergan) kann ebenfalls diese Entwicklungsstörung induzieren.

Es gibt auch erworbene Formen nach Verletzungen mit Perforation des Auges, bei retrolentaler Fibroplasie oder Endophthalmitis.

Im Rahmen von Syndromen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei verschiedenen Syndromen kann eine Mikrophthalmie mit als Merkmal vorkommen, sogenannte Syndromale Mikrophthalmie.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose kann bereits intrauterin durch Feinultraschall, sonst später durch die Klinische Untersuchung zusammen mit Bildgebender Diagnostik und Molekulargenetik erfolgen.[1]

Differentialdiagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzugrenzen sind Kryptophthalmos, Zyklopie, Synophthalmie und das kongenital zystische Auge.[1]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Behandlung versucht, die vorhandene Sehkraft und das Erscheinungsbild zu optimieren. Infrage kommen Conformer-Prothesen oder eine Remodellierung der Orbitahöhle mit Volumenersatz (Implantate, Expander, Transplantation von Unterhautfettgewebe) und Rekonstruktion der Weichteile.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. S. Verma, D. R. Fitzpatrick: Anophthalmia and microphthalmia. In: Orphanet J Rare Dis. 2007 Nov 26;2, S. 47. PMID 18039390, PMC 2246098 (freier Volltext)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Anophthalmie/Mikrophthalmie, isolierte Form. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  2. Nanophthalmia. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Microphthalmia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!