Militärische Aufklärung

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Die militärische Aufklärung beschafft Informationen über potenzielle oder tatsächliche Gegner und deren Streitkräfte und wertet diese aus. Je nach Zielrichtung und Umfang als strategische Aufklärung die militärpolitische Lage in einzelnen Ländern und deren Militärbündnisse. Diese Informationen bilden die Grundlage für eigene Rüstungsmaßnahmen.

Operative und taktische Aufklärung sowie die Gefechtsfeldaufklärung bilden die Grundlage für eigene militärische Operationen und die Gefechtsführung.

Die strategische Auslandsaufklärung wird in Deutschland durch den Bundesnachrichtendienst wahrgenommen. Alle Informationen des Dienstes fließen durch die Abteilung GL, die für die Koordinierung und Steuerung der Produktionsprozesse des BND zuständig ist und die Schnittstelle zum Nachrichtenwesen der Bundeswehr darstellt. Das Amt für Militärkunde auch AMK oder Amt K ist eine Dienststelle der Streitkräftebasis der Bundeswehr. Sie ist truppendienstlich die personalführende Dienststelle für Angehörige der Streitkräfte, die im BND eingesetzt sind.

In der Bundeswehr werden die Maßnahmen zur strategischen Aufklärung vom Kommando Strategische Aufklärung durchgeführt.

Militärische Aufklärung unterteilt sich sowohl in die Beschaffung von Aufklärungsergebnissen durch Aufklärungskräfte sowie Tornado Recce der Luftwaffe, als auch deren Auswertung und Lagefeststellung durch Soldaten im Führungsgrundgebiet 2 zur Entscheidungsfindung durch den jeweiligen Kommandeur oder das Kommando führenden General. Für die Aufklärung der Marine und der Luftwaffe für ihre Erfordernisse siehe dort.

Die militärische Aufklärung wird im Führungsgrundgebietes 2 Militärisches Nachrichtenwesen bearbeitet, einer Stabsabteilung innerhalb der militärischen Führungsorganisation. Ab der Verbandsebene durch die S2 Stabsabteilung, im Stab eines Großverbandes und Kommandobehörde durch das Dezernat Aufklärung.[1]

Arten der Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärische Aufklärung wird unterschieden in die strategische, operative und taktische Aufklärung sowie die Gefechtsfeldaufklärung durch die Truppe.

Strategische Aufklärung beschäftigt sich mit den Absichten, Kräften und Ressourcen feindlicher Kräfte; operative Aufklärung mit den Absichten und der weiträumigen Verteilung feindlicher Kräfte; taktische Aufklärung mit dem Verhalten feindlicher Kräfte auf dem Gefechtsfeld. Formuliert wird jede Aufklärung nach dem Schema Was als der Art des aufgeklärten Ziels, dem Wann als dem Zeitpunkt des Aufklärungsziel und dem Wo als dem Ort des Aufklärungsziels, dem Wie als dem was das Aufklärungsziels macht sowie dem Wer als der Aufklärungsquelle. Bei Drittquellen auch nach deren Zuverlässigkeit.

Strategische Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strategische Aufklärung soll Daten über das gegnerische Rüstungspotenzial, Neuentwicklungen von Waffen und die räumliche Verteilung von Feindkräften und -mitteln beschaffen. Wesentliche Mittel sind Open Source Intelligence über frei zugängliche Medien, bildgebende Aufklärung über Satelliten sowie wesentlich die Elektronische Kampfführung mit der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung. Nur in Ausnahmefällen erfolgt eine unmittelbare Aufklärung durch verdeckte Kräfte, wie sie im Bundesnachrichtendienst vorhanden sind. Für Nachrichtendienste im militärischen Bereich siehe Militärnachrichtendienst.

Operative Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Operative Aufklärung arbeitet weitestgehend mit Aufklärungsmitteln und dient der Gewinnung von Informationen in der Tiefe des gegnerischen Raumes, die für die eigene weiterreichende Operationsführung eines Großverbandes notwendig sind.

Operative Aufklärungsmittel sind vor allem Aufklärungsflugzeuge wie RECCE-Tornados mit einem speziellen Aufklärungsbehälter, die von der Luftwaffe betrieben werden. Heute kommen vermehrt auch unbemannte Luftfahrzeuge (auch als Drohne oder UAV bezeichnet) zum Einsatz sowie die raumdeckende Fernmeldeaufklärung.

Für die dauerhafte örtliche Aufklärung kommen im Besonderen Kräfte der spezialisierten Verwendung insbesondere Fernspäher auf der Ebene eines Korps zum Einsatz.

Aufklärungsräume sind Geländeteile die für Absichten und Maßnahmen des Gegners nutzbar sind, wie für Marschbewegungen MSR als Raum durchlaufende Fernstraßen und deren Kreuzungen sowie Geländeteile die als Rast- und Bereitstellungsräume geeignet sind. Ebenso in der Tiefe des Feindraumes gelegene Baulichkeiten wie Flugplätze, Eisenbahnlinien, Brücken und Wasserstraßen. Feindkräfte von besonderem Interesse sind dabei höhere Stäbe und ihre Fernmeldeeinrichtungen, besondere Einsatzmittel wie schwere Artillerieraketensysteme BM-30 u.a. sowie Versorgungs- und Brückenkolonnen.

Die Nachrichtengewinnung von human intelligence durch die Feldnachrichtentruppe umfasst vor allem die Befragung von gegnerischen Soldaten (Verhör von Gefangenen) und im Einsatzraum befindliche Zivilisten sowie die Befragung von eigenen Staatsbürgern oder Flüchtlingen. Die Gesprächsaufklärung gehört soweit möglich ebenfalls zu den allgemeinen Aufgabe der eigenen Truppe. Kontakte und Informationen können sich mit Aufständischen, verfolgten Minderheiten, Regimegegnern und Amtspersonen ergeben. Sie ist sowohl ein taktisches als auch ein operatives Aufklärungsmittel.

Der Gewinnung von Informationen dient auch die Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit anderen Diensten und im Auslandseinsatz internationaler oder nationaler Polizei sowie der Erkenntnisgewinn durch zivile Institutionen und Hilfsorganisationen (NGOs) im Einsatzraum.

In der Operationsführung werden Feindkräfte nach deren räumlicher Dislozierung auf dem Gefechtsfeld in der Close Combat Zone, der Deep Combat Zone (außerhalb der Reichweite der eigenen unterstellten Kampfmittel) und in der Rear Combat Zone (rückwärts der Forward line own troups) als dem eigenen Versorgungsraum betrachtet.

Taktische Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taktische Aufklärung dient dem unmittelbaren Erkenntnisgewinn der eigenen Truppe durch die eigene Truppe insbesondere durch die Gefechtsfeldaufklärung in ihrem Einsatzraum sowie durch den Informationsaustausch mit Nachbarn für den den eigenen Verband umgebenden Interessenraum – als jeweils angrenzende Einsatzräume von Nachbarn.

Sowohl bei der operativen als auch bei der taktischen Aufklärung kommen unterschiedliche Aufklärungsmittel mit größerer und kürzerer Reichweite zum Einsatz wie Drohnen (UAVs) mit größerer oder Mini-Drohnen mit kurzer Reichweite zum Einsatz.

Taktischen Aufklärung erfolgt durch Aufklärungskräfte und Aufklärungsmittel des eigenen Verbandes wie dem Bataillons-Aufklärungszug und truppeneigenen Mini-UAVs sowie Mittel, die dem Verband aus der nächsthöheren Führungsebene unterstellt werden.

Gefechtsfeldaufklärung erfolgt durch Spähtrupps des Gefechtsverbandes und ständiges Spähen – Sehen – Hören der Truppe. Dies ist die erste und dauerhaft wichtigste Aufklärungsform, die durch Beobachtung des Feindes, dessen Verhalten und Ausrüstung auf dem Gefechtsfeld aufklärt.

Aufklärungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufklärungsmittel werden je nach ihrer Eindringtiefe zur operativen oder taktischen Aufklärung eingesetzt. Unterschieden werden optische, akustische und elektronische Maßnahmen.

Strategische Aufklärung
Operative Aufklärung
Luft- und seegestützte Aufklärung
Signalaufklärung - SIGINT
Radar (Aufklärung)
  • Bodenradar (ortsfest): Großraumsensoren Einsatzführungsdienst der Luftwaffe (z. B. RRP 117)
  • Bodenradar (landmobil): Fuchs TPz 1 A8A6 PARA RASIT (Panzeraufklärungsradar), Aufklärungstiefe: einzelne Personen bis 6 km, Personengruppen bis 8 km, Fahrzeuge und Hubschrauber bis 20 km oder
  • Bodenradar (seemobil): zur Luftraumüberwachung oder Überwachung eines Seegebietes (z. B. Radar der Fregatte Hamburg)
  • Radar (luftgestützt) zur Überwachung des Luftraums und Führung luftgestützter Kräfte wie das AWACS oder zur Überwachung und Führung von Bodenstreitkräften mit Boeing E-8 Joint STARS JSTAR
  • Radar (satellitengestützt): zur globalen Radaraufklärung über Satelliten (z. B. SAR-Lupe)
Aufklärungstiefe
gesamter Raum ab Forward Line Enemy Troops, selten auch gegen Feindkräfte rückwärts Forward Line Own Troops
Tiefen-Aufklärung 50–300 km hinter FLET durch Kräfte des eigenen Großverbandes
Aufklärungsmittel Truppe – Verband

Luftwaffe – eigene zielgerichtet Aufklärung durch Elektronische Aufklärungsmittel insbesondere SigInt

Marine – eigene zielgerichtete Aufklärung durch Flottendienstboote und U-Boote mit Aufklärungs- und Überwachungsauftrag

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in der Wehrmacht war der Dritter Generalstabsoffizier Ic für die Feindlagebearbeitung zuständig
  2. Rolf Katzenbeisser: Militärische Nutzung von Fernerkundungs-Satelliten. In: Krieg im Äther. Stiftung Historisches Armeematerial Führungsunterstützung, abgerufen am 7. März 2016 (PDF, Vorlesungen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich im Wintersemester 1989/1990).