Meerwalnuss

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Meerwalnuss
Mnemiopsis leidyi im „New England Aquarium“ von Boston

Mnemiopsis leidyi im „New England Aquarium“ von Boston

Systematik
Stamm: Rippenquallen (Ctenophora)
Klasse: Tentaculata
Ordnung: Lobata
Familie: Bolinopsidae
Gattung: Mnemiopsis
Art: Meerwalnuss
Wissenschaftlicher Name
Mnemiopsis leidyi
(Agassiz, 1865)

Mnemiopsis leidyi, deutsch Meerwalnuss, ist eine Art der Rippenquallen (Ctenophora) aus der Ordnung der Lobata. Sie ernährt sich von Zooplankton, Fischlarven und -eiern.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mnemiopsis leidyi ist durchsichtig-hyalin, meist etwas milchig getrübt. Sie erreicht im ausgewachsenen Zustand etwa 100 bis 110 Millimeter Körperlänge. Bei Ansicht von oben ist der Körper in Tentakel-Ebene abgeplattet. Die Körperoberfläche ist glatt, oft mit zahlreichen, warzenartigen Vorsprüngen. Bei Seitenansicht ist der Körper, von der Schmalseite aus gesehen, elliptisch im Umriss, von der breiten Seite rundlich bis beinahe birnenförmig. Der obere (der Mundöffnung entgegen liegende, aborale) Körperpol ist abgerundet, nicht zugespitzt wie bei der, sehr ähnlichen und vermutlich nahe verwandten Gattung Bolitopsis. In ausgebreiteter Seitenansicht sind auf der Unterseite (oral) des Körpers verschiedene Anhänge erkennbar: zwei sehr große, seitlich sitzende Mundlappen und vier kürzere, die Mundöffnung umgebende Fortsätze, die Aurikel genannt werden. Die flachen Mundlappen erreichen etwa zwei Fünftel der Körperlänge, sie sind etwas breiter als lang, sie entspringen bereits nahe des vorderen Körperendes, erstrecken sich seitlich des Körpers, diesen überragend und sind am Ende breit abgerundet. In den Winkeln zwischen den Mundlappen und dem Körper sind eingesenkte Längsfurchen ausgebildet, die typisch für die Gattung sind. Im Ruhezustand überlappen die Mundlappen. Die abgeplatteten, dreieckigen Aurikel erreichen etwa ein Viertel der Körperlänge, sie unterstützen fingerartig die Nahrungsaufnahme. Seitlich der Mundöffnung sitzen, zwei Tentakeltaschen, die darin liegenden Tentakel sind beim ausgewachsenen Tier recht kurz und vermutlich rudimentär und funktionslos. Sie sind nicht, we bei anderen Rippenquallen, einziehbar. Außerdem ist der schlitzartige Mund von einer Reihe kurzer, einfach gebauter Tentakel umgeben.

Die acht Reihen plattenförmiger Wimperplättchen ermöglichen dem Tier die Fortbewegung (die breiten Mundlappen sind an der Bewegung nicht beteiligt). Sie sind am lebenden Tier durch Lichtbrechung farbig schillernd. Nachts können sie bei Störungen durch Biolumineszenz ein grünliches Licht abgeben. Wie typisch für die Ordnung Lobata, bestehen sie aus vier längeren und vier kürzeren Reihen. Am distalen (aboralen) Ende des Organismus sitzt in einer Einsenkung das apikale Sinnesorgan mit der Statocyste.

Die Larven besitzen einen eiförmigen Körper. Die beiden Tentakel sind bei ihnen, anders als bei den adulten Tieren, lang und auffällig, sie sitzen in zwei gut erkennbaren Tentakeltaschen. Die acht Reihen von Wimperplättchen sind bei ihnen nahezu gleich lang, sie erreichen nicht die Mundöffnung. Die charakteristischen Mundlappen beginnen sich ab einer Körperlänge von etwa 5 Millimeter auszubilden.[1][2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art war ursprünglich in subtropischen Gewässern an der Atlantikküste von Nord- und Südamerika verbreitet. 1982 wurden erstmals Exemplare im Schwarzen Meer gesichtet.[3] Vermutlich kamen sie durch Ballastwasser von Frachtschiffen dorthin. Auf Grund mangelnder Feinde breitete sich die Art rasch aus und verdrängte dabei einheimische Arten. Die Erträge der Sardellen-Fischerei fielen auf ein Zehntel dessen, was vor dem Eindringen der Art erzielt werden konnte.[4] Ihre maximale Populationsdichte im Schwarzen Meer erreichte die Art 1989 mit über 300 Exemplaren pro Kubikmeter Wasser.[5] Erst die Einführung der Rippenqualle Beroe ovata, eines Fressfeindes, konnte die Population zurückdrängen.[6] Vermutlich wiederum durch das Ballastwasser von Schiffen konnte Mnemiopsis leidyi auch in das Kaspische Meer vordringen. Am 17. Oktober 2006 wurde die Art von Forschern des Leibniz-Institut für Meereswissenschaften auch in der Ostsee entdeckt. Eine Dichte von 30 Exemplaren pro Kubikmeter Wasser wurde festgestellt.[7] Die Population stieg auch hier stark an und erreichte 92 Exemplare pro Kubikmeter. Die Art vermehrt sich am besten bei Wassertemperaturen zwischen 24 und 28 °C, kann sich aber ab 12 °C reproduzieren. An der amerikanischen Atlantikküste ist sie nördlich bis zur Narragansett Bay verbreitet. In der Ostsee und Nordsee können sie bei Wassertemperaturen bis 4 °C überwintern.[8] Wärmere Winter könnten die Populationen daher noch schneller wachsen lassen. Insgesamt treten in der Nordsee immer häufiger Quallen auf – darunter auch Fressfeinde der Mnemiopsis leidyi: die Glas-Lappenqualle Bolinopsis infundibulum und, wie im Schwarzen Meer, die Melonenquallen der Gattung Beroe. Forscher der zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörenden Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) deuteten diesbezüglich an, dass die Fressfeinde die Meerwalnuss zumindest – wie bereits im Schwarzen Meer geschehen – in Schach halten könnten.[9]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gattung Mnemiopsis sind drei Arten beschrieben. Mnemiopsis mccradyi Mayer, 1900 soll sich durch den stärker warzigen Körper von M.leidyi unterscheiden[1]. Diese Art wurde an der amerikanischen Atlantikküste südlich von Cape Hatteras angegeben.[10], gilt nun aber meist als synonym zu M.leidyi.[11] Auch die Typusart der Gattung, Mnemiopsis gardeni L. Agassiz, 1860 ist möglicherweise synonym, so dass die Gattung monotypisch wäre[12]. Dies würde aber nomenklatorische Probleme aufwerfen, weil ,nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur dann dies der valide Name der Art wäre, so dass der, in Hunderten von Artikeln verwendete, Artname Mnemiopsis leidyi zum Synonym würde.

Mnemiopsis bildet mit den Gattungen Bolinopsis und Leseuria die Familie Bolinopsidae Bigelow, 1912. Allerdings wurde im Jahr 2015, nach genetischen Daten, die Monophylie dieser Familie in Zweifel gezogen.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Meerwalnuss – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alfred Goldsborough Mayer (1912): Ctenophores of the Atlantic Coast of North America. Carnegie Institution of Washington Publication no. 162. Mnemiopsis leidyi auf Seite 26 ff.
  2. Otto M.P. Oliveira & Alvaro E. Migotto (2006): Pelagic ctenophores from the São Sebastião Channel, southeastern Brazil. Zootaxa 1183: 1–26.
  3. T.A. Shiganova (1998): Invasion of the Black Sea by the ctenophore Mnemiopsis leidyi and recent changes in pelagic community structure. Fisheries Oceanography 7: 305–310. doi:10.1046/j.1365-2419.1998.00080.x
  4. Tamara A. Shiganova & Yulia V. Bulgakova (2000): Effects of gelatinous plankton on Black Sea and Sea of Azov fish and their food resources. ICES Journal of Marine Science 57: 641–648. doi:10.1006/jmsc.2000.0736
  5. T. Shiganova Z. Mirzoyan E. Studenikina S. Volovik I. Siokou-Frangou S. Zervoudaki E. Christou A. Skirta H. Dumont (2001): Population development of the invader ctenophore Mnemiopsis leidyi in the Black Sea and in other seas of the Mediterranean basin. Marine Biology 139 (3): 431–445. doi:10.1007/s002270100554
  6. Vladimir P. Ivanov, Andrey M. Kamakin, Vladimir B. Ushivtzev, Tamara Shiganova, Olga Zhukova, Nikolay Aladin, Susan I.Wilson, G. Richard Harbison, Henri J. Dumont (2000): Invasion of the Caspian Sea by the comb jellyfish Mnemiopsis leidyi (Ctenophora). Biological Invasions 2: 255–258.
  7. Jamileh Javidpour, Ulrich Sommer, Tamara Shiganova (2006): First record of Mnemiopsis leidyi A. Agassiz 1865 in the Baltic Sea. Aquatic Invasions 1 (4): 299-302. doi:10.3391/ai.2006.1.4.17
  8. Sandra Kube, Lutz Postel, Christopher Honnef, Christina B. Augustin (2007): Mnemiopsis leidyi in the Baltic Sea – distribution and overwintering between autumn 2006 and spring 2007. Aquatic Invasions 2 (2): 137-145.
  9. Maarten Boersma, Arne M. Malzahn, Wulf Greve, Jamileh Javidpour (2007): The first occurrence of the ctenophore Mnemiopsis leidyi in the North Sea. Helgoland Marine Research 61: 55. doi:10.1007/s10152-006-0055-2
  10. Jennifer E. Purcell, Tamara A. Shiganova, Mary Beth Decker, Edward D. Houde (2001): The ctenophore Mnemiopsis in native and exotic habitats: U.S. estuaries versus the Black Sea basin. Hydrobiologia 451: 145–176.
  11. Mills, C. (2011). Mnemiopsis L. Agassiz, 1860. WoRMS World Register of Marine Species abgerufen am 21. April 2017
  12. Phylum Ctenophora: list of all valid species names, by Claudia E. Mills abgerufen am 21. April 2017
  13. Paul Simion, Nicolas Bekkouche, Muriel Jager, Eric Quéinnec, Michaël Manuel (2014): Exploring the potential of small RNA subunit and ITS sequences forresolving phylogenetic relationships within the phylum Ctenophora. Zoology (Jena) 118(2): 102-114. doi:10.1016/j.zool.2014.06.004