Musikfernsehsender

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Musikfernsehsender sind Spartenkanäle im Fernsehen, die hauptsächlich Musik beziehungsweise Musikvideos und Informationen zum Thema Musik ausstrahlen.

Funktionsweise, Ästhetik und Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überwiegend finanzieren sich diese Sender durch Werbeeinnahmen, daher sind sie meist auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtet. Weitere Einnahmequellen sind Sponsoring, Merchandising, teils aber auch Teleshopping und kostenpflichtige Servicenummern. Im Fernsehen soll eine schnelle Schnittfolge den Zuschauer durch optische und akustische Reize an das Programm fesseln und Langeweile verhindern. Hierdurch hat sich eine eigene Musikvideo-Ästhetik[1] etabliert. Das Programm wird durch so genannte VJs (Videojockeys) präsentiert. In Deutschland war diese Art Fernsehen auch eine Talentschmiede für „junge Gesichter“ und brachte Stars wie Stefan Raab, Oliver Pocher und Heike Makatsch hervor. Bekannte Fernsehsender dieser Gattung sind MTV und VIVA. Seit Juli 2008 gibt es außerdem den Online-Musiksender tape.tv, der seit dem kontinuierlich ausgebaut wird und auch mit klassischen TV-Sendern kooperiert[2] Zunehmende Konkurrenz entsteht durch Videoportale wie YouTube.

Deutschsprachige Musikfernsehsender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste deutsche Musiksender wurde 1984 gegründet und trug den Namen musicbox. Das Programm wurde 1988 in Tele 5 umgewandelt. Im Dezember 1993 startete mit VIVA in Köln der zweite deutsche Musiksender als Konkurrenz zu MTV, der mehrheitlich vier der damals fünf Major Labels in Deutschland gehörte (EMI, Warner, Polygram und Sony). In der Eigentümerstruktur lässt sich ein zweifacher Zweck für diesen Musikfernsehsender erkennen: Er sollte nicht nur über den Verkauf von Werbezeiten profitabel sein wie MTV, sondern darüber hinaus als Abspielstation für lokale Charts-Popmusik das Geschäft seiner Eigentümer ankurbeln.

Der eigentlich aus den USA stammende Sender MTV hatte bereits seit 1987 einen europäischen Ableger (MTV Europe), der auch in Deutschland in allen Kabelnetzen zu empfangen war. Aus diesem wurde 1997 ein deutschsprachiger Sender abgespalten (MTV Germany), der auch heute noch existiert. Sowohl MTV wie auch VIVA hatten Anfang der 2000er Jahre angefangen ihre Hauptprogramme zu umfassenden Unterhaltungssendern auszubauen[3], in denen Musikvideos nur noch gespielt wurden, wenn keine Quote zu erwarten war. Stattdessen waren MTV2 und VIVA2 entstanden, die – teilweise mit Call-In-Formaten – ausschließlich Musikvideos spielten.

Seit dem 24. Juni 2004 ist die VIVA Media AG Tochter des US-Medienunternehmens Viacom, die auch Eigentümer von MTV sind. In der Folgezeit wurden die jeweiligen zweiten Programme eingestellt und durch völlig andere Formate ersetzt; die Hauptsender haben ihren Anteil an Musikclips weiter reduziert, so dass kaum noch von einem „Musiksender“ die Rede sein kann. MTV ist seit 2011 nicht mehr frei empfangbar, sondern nur noch über Satellit gegen Bezahlung zu sehen. Damit kann man die Ära, in der Musikfernsehsender ein bedeutendes popkulturelles Phänomen waren, als abgeschlossen ansehen.

Unterdessen sind kleinere Sender entstanden, die zumeist nur über Pay-TV oder Satellit ausgestrahlt werden. Die derzeit einzigen in Deutschland noch frei empfangbaren deutschsprachigen Musiksender über Satellit sind Deluxe Music, Deutsches Musik Fernsehen, Nice und der österreichische Sender gotv.

Als Alternative zu den TV-Sendern existieren mittlerweile diverse Online-Portale mit einem Schwerpunkt auf Musikvideos, etwa der inzwischen eingestellte Berliner Online-Musiksender tape.tv. Der Musiksender hatte über 45.000 Musikvideos im Programm und produzierte darüber hinaus eigene Formate wie auf den dächern oder – in Zusammenarbeit mit dem ZDFkulturon tape. Youtube ist ein großer Player mit eigenen Musikvideo-Kanälen. Weitere Online-Angebote sind VEVO, das – wie früher VIVA – einigen der Major Labels gehört, und das in allen anderen Ländern außer Deutschland als Musikvideo-Kanal bei Youtube auftritt, und Clipfish oder das inzwischen ebenfalls eingestellte Ampya. Die Onlineangebote finanzieren sich wie zuvor die Musikfernsehsender größtenteils über Werbung. Es gibt aber auch andere Ansätze: Ampya etwa bot ein kostenfreies Angebot mit Werbung oder alternativ werbefreie Modelle gegen eine monatliche Gebühr.

Situation in anderen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien gibt es zahlreiche klassische Musiksender, die bei BSkyB über Satellit (28,2° Ost) empfangen werden können. Die Ausstrahlungen sind unverschlüsselt und auch im deutschsprachigen Raum zu empfangen.

In der Türkei betreiben PowerFM und NR1 (Number 1 TV) je einen Sender für türkische und einen für internationale Musikvideos. Die Ausstrahlung erfolgt unverschlüsselt in HD über die Türksat-Satelliten auf 42° Ost, bei PowerFM auch in SD. Der Empfang ist auch im deutschsprachigen Raum möglich.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henry Keazor, Hans W. Giessen, Thorsten Wübbena: Zur ästhetischen Umsetzung von Musikvideos im Kontext von Handhelds. In: Buch/Forschungsprojekt. 24. Juli 2012, abgerufen am 17. Juni 2013 (PDF; 6,1 MB, deutsch).
  2. Fabian Heuser​: Medienexperten und VCs investieren bei tape.tv: Soziales Musikfernsehen wird lauter! In: Pressemitteilung. 17. Juni 2013, abgerufen am 10. April 2012 (deutsch).
  3. MTV: Ein Stück Popkultur wird 30. In: stuttgarter-zeitung.de. 1. August 2011, abgerufen am 17. Juni 2013 (deutsch).