Nationaal Holocaust Museum

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Das Nationaal Holocaust Museum in Amsterdam

Das Nationaal Holocaust Museum (deutsch: Nationales Holocaust-Museum) ist ein niederländisches Museum, das sich mit dem Holocaust in den Niederlanden befasst. Das Museum befindet sich in der ehemaligen Hervormden Kweekschool gegenüber der Hollandschen Schouwburg in Amsterdam. Das Museum ist Teil des Joods Cultureel Kwartier.

Während der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg wurden mehr als 600 Kinder gerettet, die in diesem Haus untergebracht gewesen waren.[1]

Creche und Kweekschool[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1942 wurde auf Initiative von Walter Süskind in einer ehemaligen Tora-Schule die Creche errichtet. Die Creche war ein „Kinderhaus“ für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren, die dort – von ihren Eltern getrennt – bis zu ihrer geplanten Deportation untergebracht waren. Im Januar 1943 kamen Mitarbeiter der Creche mit dem Direktor der Kweekschool in Kontakt. Da die Kinderstätte überfüllt war, baten sie den Direktor Johan van Hulst, dass einige Kinder ihren Mittagsschlaf in der Schule halten durften. Durch diese Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen wurde die Schule 1943 zur wichtigsten Route, um Kinder zu retten. Walter Süskind gelang es so, gemeinsam mit Mitarbeitern des Jüdischen Rates sowie in Zusammenarbeit mit Johan van Hulst und Widerstandsgruppen, mehr als 600 Kinder vor der Deportation zu retten. Dabei kam den Helfern zugute, dass sich damals (wie heute) eine Straßenbahnhaltestelle vor der Schouwburg befand. Wenn die Straßenbahn hielt und die Sicht versperrte, rannten sie mit einem Kind an der Hand neben der Straßenbahn her und stiegen an der folgenden Haltestelle ein. Obwohl die Straßenbahnfahrer und die Passagiere dies sahen und wussten, woher die Kinder kamen, wurden sie nie verraten. Kleinere Kinder schmuggelten sie in Waschkörben oder Rucksäcken aus dem „Kinderhaus“ heraus. Deren Eltern statteten sie mit Strohpuppen aus, die in Decken gewickelt wurden, um ein Baby vorzutäuschen. Die Kinder wurden in Pflegefamilien in Sicherheit gebracht.[2]

Das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mai 2016 beherbergt die ehemalige Schule das Nationaal Holocaust Museum, das sich momentan noch im Aufbau befindet. Im Erdgeschoss des Gebäudes zeigt das Museum Ausstellungen, und es finden regelmäßig Vorträge, Symposien und Gedenkfeiern statt. Auf den übrigen Etagen des Museums befinden sich momentan Ateliers von Künstlern mit und ohne Flüchtlingshintergrund. Zur Eröffnung zeigte das Museum die Ausstellung De ondergang van Abraham Reiss (zu deutsch: „Der Untergang des Abraham Reiss“) des Künstlers Jeroen Krabbé, die sich mit der Geschichte seines Großvaters befasst. In Zukunft wird das Museum jedoch zu einer festen Übersichtsausstellung über Juden während des Holocaust in den Niederlanden ausgebaut. Als Zielsetzung nennen die Initiatoren hierbei eine möglichst umfassende Darstellung der Ereignisse, die sich nicht nur auf die Jahre 1940 bis 1945 beschränken, sondern schon in den 1930er Jahren ansetzen soll.[3]

Im Januar 2020 sagte die deutsche Bundesregierung zu, den Aufbau des Museums mit vier Millionen Euro zu unterstützen.[4][5] Die endgültige Eröffnung des Museums, das wegen der Umbauarbeiten seit Sommer 2019 vorübergehend geschlossen ist, ist für Herbst 2022 geplant.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Esther Göbel, Henk Meulenbeld: Betty – Een joodse kinderverzorgster in verzet. Gibbon Uitgeefagentschap 2016, ISBN 978-94-91363-71-9. (niederländisch)
  • Alex Bakker: Dag pap, tot morgen – Joodse kinderen gered uit de crèche. Verloren B.V., Uitgeverij 2005, ISBN 90-6550-862-7. (niederländisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationaal Holocaust Museum in oprichting - Joods Cultureel Kwartier. Abgerufen am 10. Juli 2019 (niederländisch).
  2. De Kweekschool als plaats van verzet - Joods Cultureel Kwartier. Abgerufen am 10. Juli 2019 (niederländisch).
  3. Amsterdam krijgt Nationaal Holocaust Museum. In: www.nu.nl. 12. Mai 2016, abgerufen am 11. Juni 2019 (niederländisch).
  4. Holocaustmuseum gaat door dankzij Duitse miljoenen. ‘Shoah voltrok zich in felste zonlicht. Dat willen wij tonen’. In: volkskrant.nl. 13. Januar 2020, abgerufen am 20. März 2020 (niederländisch).
  5. Deutschland spendet vier Millionen Euro an Holocaustmuseum. In: uni-muenster.de. 14. Januar 2020, abgerufen am 20. März 2020.
  6. Tobias Müller: Eröffnung im Herbst 2022. In: juedische-allgemeine.de. 19. März 2020, abgerufen am 20. März 2020.