Nowogrodziec

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Nowogrodziec
Wappen von Nowogrodziec
Nowogrodziec (Polen)
Nowogrodziec
Nowogrodziec
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Bolesławiec
Fläche: 16,17 km²
Geographische Lage: 51° 12′ N, 15° 24′ OKoordinaten: 51° 12′ 0″ N, 15° 24′ 0″ O
Höhe: 180 m n.p.m.
Einwohner: 4237
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 59-730
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DBL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LubańBolesławiec
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 14 Ortschaften
Fläche: 176,26 km²
Einwohner: 15.311
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0201043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Robert Relich
Adresse: Rynek 1
59-730 Nowogrodziec
Webpräsenz: www.nowogrodziec.pl



Nowogrodziec [nɔvɔˈgrɔʥɛʦ] (dt. Naumburg am Queis) ist eine Kleinstadt im Powiat Bolesławiecki (Kreis Bunzlau) in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Die gleichnamige Stadt- und Landgemeinde hat rund 15.000 Einwohner (davon in der Stadt 4.000 auf 16,17 km²) und ist Mitglied der Euroregion Neiße.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nowogrodziec liegt in der historischen Region Niederschlesien am rechten, östlichen Ufer des Queis. Der alte Ortskern liegt auf einer kleinen Anhöhe am Mündungswinkel der Ivenitz (poln. Iwnica) in den Queis. Durch den Ort führte die historische Hohe Straße. Etwa 130 Kilometer östlich liegt Breslau, die Hauptstadt Niederschlesiens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Peter-und-Paul-Kirche mit den Ruinen des Magdalenenklosters
Rathaus am Ring
Kursächsische Ganzmeilensäule Nr. 112 von 1725 im Ortsteil Ołdrzychów

Die Umgebung von Naumburg wurde nach 1220 in den Grenzwäldern mit deuschrechtlichen Bauerndörfern besiedelt. „Nuenburg“ wurde 1233 im Auftrag des Herzogs Heinrich I. von Schlesien an der Furt durch den Queis als Stadt durch den Vogt Themo angelegt. Als Markt- und Gerichtsort für elf deutschrechtliche Dörfer erhielt sie Löwenberger Stadtrecht und als Grenzstadt zum Queiskreis eine Zollstelle. Die Anlage der Hauptstraße, die im Westen durch das Niedertor und im Osten durch das Obertor begrenzt wurde, erfolgte in ovaler Form. Im Zentrum wurde ein rechteckiger Marktplatz angelegt. Das bis dahin herzogliche Patronat der Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1247 dem in diesem Jahr gegründeten Kloster der Magdalenerinnen übertragen. Wirtschaftlich nachteilig wirkte sich aus, dass das Weichbild von Bunzlau bis an die Stadtgrenze von Naumburg reichte. Gehemmt wurde die Entwicklung zudem durch die wechselnden adligen bzw. geistlichen Grundherren. Vermutlich von 1233 bis 1408 waren es die von Landskron, danach bis 1491 die Rechenberg auf Klitschdorf, 1491 bis 1495 die von Warnsdorf auf Gießmannsdorf und danach bis zur Säkularisation 1810 das Magdalenerinnenkloster.[2]

Neben der Tuchmacherei wurde in Naumburg hauptsächlich Keramik hergestellt. Die erste Töpferei in Naumburg entstand 1547. Dieser Wirtschaftszweig entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zum wichtigsten der Stadt. Naumburg bildete bis Ende des 19. Jahrhunderts die größte und wichtigste Töpferstadt Schlesiens. 1882 erlebte die Töpferei in Naumburg mit insgesamt 25 Töpfereien im Stadtgebiet einen Höhepunkt.[2] Die Stadt war die schlesische Töpferstadt und lag in der Bedeutung und Größe der Innung weit vor dem für seine Töpfereien bekannteren Bunzlau.

Nach zahlreichen Stadtbränden im 17. und 18. Jahrhundert wurden die wichtigsten Bauten der Stadt wiederaufgebaut. Zwischen 1789 und 1793 entstand die katholische Pfarrkirche im barocken Stil. Zur gleichen Zeit etwa zählte Naumburg ca. 1150 Einwohner.[2] Bis 1815 war Naumburg Grenzstadt zur Oberlausitz.

Um 1900 hatte Naumburg eine neue evangelische Kirche und zwei katholische Kirchen.[3] 1904 erhielt Naumburg Anschluss an das preußische Schienennetz.[2]

Im Juli 1936 tagte in Naumburg die Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche der Kirchenprovinz Schlesien (sog. Naumburger Synode).

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Naumburg im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Für die Stadt führten die Polen den Ortsnamen Nowogrodziec. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1787 1.148 [2]
1825 1.424 [2]
1890 2.165 davon 728 Evangelische, 1.433 Katholiken und vier Juden[4]
1905 1.954 davon 759 Evangelische[3]
1933 1.996 [4]
1939 2.239 [4]
1961 2.106 [2]
1970 2.339 [2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde erstmals 1247 erwähnt. Nach zahlreichen Stadtbränden wurde sie zwischen 1789 und 1793 im barocken Stil wiederaufgebaut. Zwischen 1879 und 1880 wurde die Turmhaube erbaut.
  • Ruinen des Klosters der Magdalenerinnen, das 1945 ausbrannte
  • Barockes Rathaus aus dem Jahr 1795, 1880 umgebaut
  • Historische Bürgerhäuser am Ring
  • Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung
  • St.-Nikolaus-Kirche im 1938 eingegliederten Ortsteil Ołdrzychów (Ullersdorf am Queis)
  • Ebendorf Kursächsische Postmeilensäule mit der Nr. 112 (Zählung ab Leipzig) im Zuge der Via Regia, unweit der alten Grenze zur Oberlausitz, in Form einer Ganzmeilensäule von 1725, welche aus Anlass des EU-Beitritts von Polen 2004 restauriert wurde.

Landgemeinde von Nowogrodziec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nowogrodziec umfasst neben dem Stadtkern auch eine Landgemeinde mit folgenden Ortsteilen:

  • Czerna (Tschirne, 1937–45 Tonhain)
  • Gierałtów (Gersdorf a. Queis)
  • Godzieszów (Günthersdorf)
  • Gościszów (Gießmannsdorf)
  • Milików (Herzogswaldau)
  • Nowa Wieś (Neundorf)
  • Ołdrzychów (Ullersdorf a. Queis)
  • Parzyce (Paritz)
  • Wykroty (Waldau/Oberlausitz)
  • Zabłocie (Thiergarten)
  • Zagajnik (Haidewaldau/Oberlausitz)
  • Zebrzydowa (Siegersdorf)

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafel am Geburtshaus von Joseph Schnabel
  • Joseph Schnabel (1767–1831), Kirchenmusiker, Domkapellenmeister, Universitätsmusikdirektor in Breslau
  • Hugo Emil Schober (1820–1882), deutscher Agrarwissenschaftler
  • Gustav Dickhuth (1825–1893), Zweiter Bürgermeister und Ehrenbürger von Breslau
  • Otto Rust (1871–1945) Erzpriester
  • Gertrud Bäumer (1873–1954), deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin, lebte von 1933 bis 1944/45 in der Landgemeinde Gießmannsdorf (heute Gościszów)
  • Bruno Fehlisch (1889–nach 1952), deutscher Politiker (SPD) und Landtagsabgeordneter in Preußen
  • Oskar von Boenigk (1893–1946), Jagdpilot im Ersten Weltkrieg, Träger des Ordens Pour le Mérite und Generalmajor im Zweiten Weltkrieg
  • Rudolf Rückert (* 1929), deutscher Politiker (CDU) und Oberbürgermeister von Salzgitter
  • Hans Skirecki (* 1935), deutscher Schriftsteller und Übersetzer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Micke: Urkundliche Geschichte der Stadt und des früheren Klosters Naumburg am Queis. Bunzlau 1844

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nowogrodziec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c d e f g h Hugo Weczerka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands - Schlesien. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, (Kröners Taschenausgabe, Bd. 316) S. 331.
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig/Wien 1908, S. 467–468.
  4. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/bunzlau.html#ew39bnznaumburg