Network Solutions

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Network Solutions, LLC

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Rechtsform Limited Liability Company
Gründung 1979
Sitz Herndon (Virginia)
Leitung Tim Kelly (President & CEO)
Mitarbeiterzahl 900
Branche Domains und Webhosting
Website www.networksolutions.com

Network Solutions (abgekürzt auch NSI) ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Herndon (Virginia). Von September 1997 bis zur Übernahme durch VeriSign im Jahr 2000 wurden Aktien des Unternehmens an der New Yorker NASDAQ unter dem Kürzel NSOL gehandelt.[1][2]

NSI wurde 1979 gegründet und beschäftigte sich zunächst mit der Entwicklung von Software. Bekannt wurde Network Solutions als erste Vergabestelle der Top-Level-Domains .com, .net und .org, die es von 1991 bis zur Akquisition durch VeriSign im Jahr 2000 innehatte. Obwohl es heute nur noch als Registrar und Webhoster fungiert, gehört das Unternehmen neben GoDaddy, Tucows und eNom weiterhin zu den größten Vertretern seiner Branche.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1979 wurde Network Solutions als Technologieunternehmen gegründet, das sich auf die Anwendungs- und Systemprogrammierung spezialisiert hatte.[4] Größere Bekanntheit erreichte es jedoch erst durch die Verwaltung der Top-Level-Domains .com, .org, .mil, .gov, .edu und .net, die ihm im September 1991 von der Defense Information Systems Agency des US-Verteidigungsministeriums übertragen wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnten Domains kostenlos angemeldet werden.

1992 bewarb sich Network Solutions als einziger Anbieter um die Weiterentwicklung des Domain Name System und unterzeichnete im darauffolgenden Jahr einen Exklusivvertrag mit der National Science Foundation für die weitere Verwaltung von .com, .net und .org.[4] Die Top-Level-Domains .mil und .gov wurden dagegen an die US-Regierung zurückgegeben und wieder selbstständig verwaltet, wobei NSI später als Subunternehmen von Boeing den technischen Betrieb von .mil wieder übernahm. Erst im Jahr 1995 erhielt Network Solutions das Recht, Gebühren für die Vergabe von Domains zu erheben: Im ersten Jahr wurden 100 US-Dollar fällig, jedes weitere Jahr mit 50 US-Dollar berechnet.[5] Etwa ein Drittel der Gebühren wurde an die National Science Foundation weitergereicht, was im April 1998 durch ein Bundesgericht als unzulässige Steuer qualifiziert wurde.[6]

In der Folgezeit hat sich das Geschäft mit Domains zur wichtigsten Einnahmequelle von Network Solutions entwickelt, das Geschäft mit der Entwicklung von Software trat in den Hintergrund.[4] Aufgrund des anhaltenden Wachstums des Internets rief die US-Regierung im Oktober 1998 die ICANN ins Leben, die sich fortan als nicht-profitorientierte oberste Organisation auch um die Vergabe von Top-Level-Domains kümmern sollte.[7] Network Solutions erkannte die ICANN zunächst nicht an und versuchte, sein Monopol auf juristischem Weg zu verteidigen.[8] Im September 1999 gaben NSI, ICANN und das US-Handelsministerium dann eine gütliche Einigung ihres Streits bekannt.[9] Die Vereinbarung zwischen den Parteien sah vor, dass NSI weitgehend die Kontrolle über die wichtigsten TLDs .com, .net und .org behalten durfte.

Seine Stellung als Domain-Name-Registry verlor Network Solutions erst in Folge der Übernahme durch VeriSign.[10] Nach der Akquisition im Jahr 2000 übertrug der Mutterkonzern das Geschäft mit der Verwaltung von Top-Level-Domains auf sich selbst und schuf mit Network Solutions einen reinen Domain-Name-Registrar, der sich wie jeder andere Anbieter auch bei einer zentralen Vergabestelle akkreditieren lassen musste. Damit wurde die Trennung von Registry und Registar durchgeführt, für die sich die ICANN stets eingesetzt hatte.[11] Bereits 2003 veräußerte VeriSign sämtliche Anteile an Network Solutions, sie wurden von einer privaten Investorengruppe übernommen.[12]

2011 gab Network Solutions bekannt, durch Web.com übernommen worden zu sein, zu dem auch der Registrar Register.com gehört. Zu diesem Zeitpunkt verwalteten beide Unternehmen laut Experten etwa zehn Millionen Domains.[13] Der Kaufpreis für die Transaktion betrug laut Medienberichten 405 Millionen US-Dollar in Bar sowie geschätzte 150 Millionen in Aktien.[14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1990er Jahre wurde Network Solutions vorgeworfen, Domains zu zensieren. Dies wurde bekannt, als Jeff Gold versuchte, die Adresse shitakemushrooms.com anzumelden. Sein Versuch wurde technisch blockiert, obwohl die Domain shit.com zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben war. Aufgrund des Vorfalls bestätigte das Unternehmen, dass es unerwünschte Domains anhand einer Liste verbotener Begriffe filtern würde.[15] Die Praxis wurde fortgeführt und stand im Einklang mit den Verträgen von Network Solutions und der National Science Foundation.

Network Solutions spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwendung der Domain sex.com. 1995 registrierte Gary Kremen die Domain bei NSI, zusammen mit anderen wertvollen Adressen wie beispielsweise auto.com, im Oktober desselben Jahres war die Adresse jedoch bereits auf einen anderen Inhaber (Stephen Cohen) übertragen worden.[16] Kremen prozessierte daraufhin gegen Network Solutions, dessen Mutter VeriSign und die ICANN. Im Jahr 2003 stellte schließlich ein Gericht fest, Network Solutions habe in diesem Fall fahrlässig gehandelt, da es ein Schreiben von Cohen nicht näher geprüft habe. Ferner habe das Unternehmen keine Rücksicht auf die Namens- und Eigentumsrechte von Kremen genommen.[17]

2008 geriet Network Solutions in die Kritik, nachdem das Unternehmen die Suche von Interessenten nach neuen Domains missbrauchte, um die überprüften Domains auf sich selbst zu registrieren. Ziel der Maßnahme war es offensichtlich, Interessenten dadurch zu zwingen, Network Solutions und keinen anderen Anbieter zu wählen, für den die gewünschte Domain somit technisch blockiert war. Network Solutions rechtfertigte das sogenannte Domain-Tasting dadurch, seine Kunden vor Missbrauch schützen zu wollen.[18] Aufgrund anhaltender Proteste sah sich Network Solutions einer Sammelklage vor einem kalifornischen Gericht ausgesetzt, die im Mai 2009 gegen Zahlung einer Million US-Dollar gütlich beigelegt wurde.[19]

Die Website des Films Fitna wurde am 23. März 2008 von Network Solutions geschlossen. Auf der Seite waren zuvor der Titel des Films „Fitna“ und der Hinweis auf die baldige Veröffentlichung zu sehen. Network Solutions erklärte nun, es habe zahlreiche Beschwerden gegeben, die zurzeit überprüft würden.[20][21] Network Solutions teilte mit, die Website geschlossen zu haben, nachdem man von Geert Wilders eine Vorabversion des Films zur Überprüfung angefordert, aber keine Antwort erhalten habe.[22][23] Leon de Winter kritisierte die Abschaltung der Seite als vorauseilende Zensur.[24] Vonseiten deutscher Islamgegner wurde der Umstand, dass die von derselben Firma verwaltete Webseite der Hisbollah[25] nicht gegen die Nutzungsbestimmungen verstößt, als Indiz für eine Sympathie der Firma für die Hisbollah gewertet.[26] Network Solutions reagierte auf die Kritik mit dem Abschalten der Hisbollah-Seite.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Suzanne Galante: Network Solutions nets strong trade. In: CNET. 26. September 1997, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „Network Solutions (NSOL) this morning jumped into the public arena with a strong showing, as its first trade hit the market at nearly 40 percent above its target price.“
  2. Company IPO Overview. Nasdaq, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „Network Solutions is the leading Internet domain name registration service provider worldwide. The Company currently acts as the exclusive registrar of second level domain names within the .com, .org, .net, .edu and .gov TLDs.“
  3. Florian Hitzelberger: Hitliste - die 30 größten Domain-Registrare. In: domain-recht. 13. Mai 2010, abgerufen am 17. Mai 2013: „Die in der englischen Grafschaft Lincolnshire ansässige GPM Group hat eine Liste der 30 weltweit größten Domain-Registrare veröffentlicht. Auch ein deutsches Unternehmen kann sich in der Spitzengruppe etablieren.“
  4. a b c Company History. (Nicht mehr online verfügbar.) Network Solutions, archiviert vom Original am 12. März 2016; abgerufen am 17. Mai 2013 (englisch): „Network Solutions started out in 1979 as a technology consulting company with a focus on applications development. In 1993, Network Solutions was awarded a grant from the National Science Foundation to develop the Internet's domain name registration service. After developing the technology, Network Solutions became the first and only domain name registrar until 1999, when the domain name industry opened up to competition. In 2000, Network Solutions was acquired by VeriSign, which was the largest internet purchase in history.“  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/about-networksolutions.com
  5. History of DNS. In: Cybertelecom. Abgerufen am 17. Mai 2013 (englisch): „The amendment set the fees at $100 to register and at $50 to renew annually. Since 1995, NSI has been solely responsible for collecting these fees.“
  6. Courtney Macavinta, Janet Kornblum: Judge rules domain fees illegal. In: CNET. 9. April 1998, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „A federal judge has ruled that a government fund with more than $50 million collected from domain name registrants is an illegal tax because it was never approved by Congress.“
  7. The Formation of ICANN. Berkman Center for Internet and Society at Harvard University, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „As opinions in the global community divided over the structure of Internet governance, the U.S. government decided to launch a new initiative for reform, led by Ira Magaziner. Magaziner’s group presented a proposal called the Green Paper, which called for the creation of five new proprietary TLDs while allowing NSI to retain control over the .com, .org, and .net domains. After soliciting comments from stakeholders throughout the world, the Magaziner group revised its plan and presented the White Paper, which proposes the establishment of a private, non-profit corporation to assume responsibility for the Domain Name System.“
  8. Florian Rötzer: Network Solutions war Ziel von Crackerangriff. In: Telepolis. 3. Juli 1999, abgerufen am 18. Mai 2013: „Network Solutions will das Monopol aus verständlichen Gründen nicht aufgeben und hat sich mit heftiger Kritik an ICANN hervorgetan. Bislang jedenfalls wurde von NSI die ICANN als künftige Verwaltungsinstitution für das zentrale Domainnamensystem nicht anerkannt.“
  9. Approved Agreements among ICANN, the U.S. Department of Commerce, and Network Solutions, Inc. ICANN, 10. November 1999, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „On September 28, 1999, the United States Department of Commerce, Network Solutions, Inc. (NSI), and ICANN announced a series of agreements they had tentatively reached to resolve outstanding differences among the three parties.“
  10. Melanie Austria Farmer: VeriSign buys Network Solutions in $21 billion deal. In: CNET. 7. März 2000, abgerufen am 17. Mai 2013 (englisch): „Security software maker VeriSign today said it agreed to acquire Net name registrar Network Solutions in an all-stock deal worth about $21 billion.“
  11. Daniel Dingeldey: Trennung Registry/Registrar aufgehoben! In: domain-recht. 18. November 2010, abgerufen am 17. Mai 2013: „VeriSign kaufte im Jahr 2000 NSI für US$ 21 Milliarden, musste sich aber 2003 für US$ 60 Mio. wieder von NSI und dessen Registrargeschäft trennen, behielt aber den RegistryTeil für .com, .net, während die Verwaltung von .org Anfang 2003 PIR zugeschlagen wurde.“
  12. Jens Ihlenfeld: VeriSign verkauft Network Solutions. In: Golem. 16. Oktober 2003, abgerufen am 17. Mai 2013: „VeriSign verkauft Network Solutions und trennt sich damit von seinem Geschäft als öffentlicher Registrar für Domains. Neuer Eigentümer von Network Solutions wird Pivotal Private Equity, die einen Kaufpreis von insgesamt rund 100 Millionen US-Dollar bezahlen.“
  13. Florian Hitzelberger: Kaufrausch im Registrar-Markt. In: domain-recht. 11. August 2011, abgerufen am 18. Mai 2013: „Mit dem Verlust des Monopols und der Etablierung von ICANN im September 1998 verlor NSI an Dominanz, wenngleich das Unternehmen mit geschätzten sechs bis sieben Millionen Domains bis heute zu den größten Registraren der Welt zählt. Zusammen mit den etwa 2,5 Mio. Domains von Register.com kommt Web.com damit auf künftig knapp unter zehn Millionen Domains.“
  14. Jolie O'Dell: Web.com acquires Network Solutions for $405M plus stock. In: VentureBeat. 3. August 2011, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „The terms of the deal include $405 million in cash plus 18 million shares of Web.com stock. At current share prices, that puts the total value of the deal at $560.8 million.“
  15. Paul Festa: Food domain found "obscene". In: CNET. 27. April 1998, abgerufen am 18. Mai 2013 (englisch): „Network Solutions has a right founded in the First Amendment to the U.S. Constitution to refuse to register, and thereby publish, on the Internet registry of domain names words that it deems to be inappropriate.“
  16. Florian Hitzelberger: Domain-Krimi um sex.com. In: domain-recht. 22. Dezember 2006, abgerufen am 18. Mai 2013: „Ihren Ausgangspunkt nimmt die Endlosstory um sex.com im Jahr 1995, als der US-Amerikaner Gary Kremen den Domain-Namen über den damaligen Monopolisten Network Solutions zusammen mit anderen Highlights wie auto.com und match.com registrierte, ohne damals jedoch zu ahnen, wie wertvoll die Adressen eines Tages sein würden. Doch schon ein Jahr später musste er feststellen, dass die Domain am 17. Oktober 1995 unrechtmäßig auf Stephen Cohen übertragen worden war.“
  17. Carsten Meyer: Gericht: Network Solutions fahrlässig bei sex.com-Diebstahl. In: heise online. 26. Juli 2003, abgerufen am 18. Mai 2013: „Das 9. Berufungsgericht von San Francisco verkündete am heutigen 26. Juli, dass Registrare für die Wahrung der Rechte an Domain-Namen verantwortlich seien und bei fahrlässigen Fehlern und Verstößen haftbar gemacht werden können.“
  18. Florian Hitzelberger: NSI nahm Domains in Geiselhaft. 17. Januar 2008, abgerufen am 17. Mai 2013: „Vizepräsident Jonathon Nevett räumt sie ein, führt jedoch zur Erklärung an, dass es sich um ein Sicherheitsinstrument handelt, mit dem man die Kunden vor Missbrauch schützen will. Zwar registriere man die Domain, verdiene damit aber kein Geld.“
  19. Florian Hitzelberger: NSI zahlt Tasting-Lehrgeld. In: domain-recht. 7. Mai 2009, abgerufen am 17. Mai 2013: „Der Ex-Monopolist Network Solutions (NSI), einer der fünf weltweit grössten Domain-Registrare, zahlt für die “Frontrunning”-Praktiken Lehrgeld: bis zu US$ 1 Mio. kostet NSI die gütliche Beilegung einer Sammelklage vor einem US-Gericht.“
  20. Werner Perger: Wenn der Wahnsinn waltet. In: Die Zeit. 21. Januar 2008, abgerufen am 9. März 2008.
  21. Film-Website von Islamkritiker Wilders geschlossen. In: Yahoo Nachrichten. 23. März 2008, archiviert vom Original am 2. April 2008; abgerufen am 24. März 2008.
  22. heise.de: US-Provider sperrt Website für Anti-Islam-Film
  23. networksolutions.com: Network Solutions’ Statement Regarding the vonseitenSuspension of Fitnathemovie.com
  24. Anna Reimann: Czech Party Offers to Show Anti-Islam Film. In: Spiegel Online. Abgerufen am 3. Mai 2009 (englisch).
  25. WHOIS information for hizbollah.org. In: mirahost. 6. Februar 1998. Abgerufen am 24. März 2008.@1@2Vorlage:Toter Link/my.mirahost.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  26. Florian Rötzer: Wilders Website für Anti-Islam-Film offline. In: Telepolis. Abgerufen am 3. Mai 2009.
  27. Brian Krebs: Network Solutions Pre-Censors Anti-Islam Site. In: Security Fix. 26. März 2008, abgerufen am 31. März 2008 (englisch).