Niesenbahn

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Die Niesenbahn mit Fahrzeug
Brücke der Niesenbahn in der Nähe der Talstation
Aktie über 500 Franken der Niesen-Bahn-Gesellschaft vom 1. Oktober 1907
Niesenbahnstrecke aus der Entfernung im Winter

Die Niesenbahn (NB) ist eine Standseilbahn im Berner Oberland in der Schweiz. Sie fährt von Mülenen hinauf auf den Niesen, einem beliebten Aussichtsberg am Thunersee.

Die Niesenbahn ist eine der längsten Standseilbahnen Europas. Die Talstation befindet sich in Mülenen, gleich neben dem Bahnhof der BLS, auf 693 m ü. M. Die Strecke ist aufgrund ihrer Länge in zwei Sektionen unterteilt. Die erste Sektion mit 2111 m und einer maximalen Steigung von 66 % führt hinauf auf die 1669 m ü. M. gelegene Zwischenstation Schwandegg. Von dort führt die zweite Sektion mit 1388 m und einer maximalen Steigung von 68 % bis zur Bergstation Niesen Kulm auf 2336 m ü. M.[1]

Von der Idee zur Realisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1856 wurde ein erstes Gasthaus auf Niesen-Kulm erbaut, als das Bergwandern zum Vergnügen sich zu verbreiten begann. Die Gäste bestiegen den Niesen zu Fuss. Wohlhabende liessen sich von Pferden und Maultieren oder von Sesseln, die von vier Männern getragen wurden, auf den Berg bringen. Der Komponist Johannes Brahms bestieg den Niesen 1886, er war über die mehrstündigen Strapazen nicht sehr erfreut.

Das erste Projekt einer Bahn auf den Niesen sah eine Zahnradbahn ab Wimmis vor. 1902 erlangte der Baumeister Johann Frutiger von Oberhofen (Frutiger AG) eine Konzession für den Bau und den Betrieb einer Standseilbahn von Mülenen auf den Niesen. Am 12. Oktober 1904 bildete sich ein Initiativkomitee, das Gesellschaftskapital von 1'008'500.00 SFr. wurde mittels Aktien aufgebracht. Die Bauarbeiten begannen am 26. August 1906, die erste Sektion Mülenen – Schwandegg konnte 1908 vollendet werden. Am 8. Juni 1910 war auch der zweite Streckenabschnitt bis auf den Niesen fahrbar. 1909 arbeiteten bis zu 350 Personen an diesem Bau. Die Bausumme betrug schliesslich 1'755'000.00 SFr.

Am Bau der Anlagen waren neben andern die Firmen Von Roll und Albert Buss & Cie. beteiligt.

Freuden und Leiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juli 1910 fand die Eröffnung mit 150 Gästen statt, die in 3 Kursen und in 50 Minuten Fahrt auf die Niesenspitze gebracht wurden. Der erste Direktionspräsident der Niesenbahn war Nationalrat Arnold Gottlieb Bühler. Die Frequenzen und die Betriebseinnahmen entsprachen am Anfang nicht den gehegten Erwartungen. Die Niesenbahn als reine Gipfelbahn ist ausserordentlich abhängig von Witterungsverhältnissen und den Launen des reisenden Publikums. Auch wurde die Anlage wiederholt von Lawinen beschädigt. Während des Ersten Weltkrieges sanken die Einnahmen auf 20'000.00 SFr., dafür stiegen die Schulden rapide. 1923 musste unter Mitwirkung des Bundesgerichtes eine finanzielle Sanierung durchgeführt werden. Seit dieser Sanierung haben sich die Betriebsverhältnisse der Niesenbahn verbessert. Dazu kam die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Diese Verbesserungen verkürzten die Fahrzeit von 50 auf heute 28 Minuten. Heute fahren an schönen Tagen über 2'000 Gäste mit der Niesenbahn.

Längste Treppe der Welt und Niesenlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Treppe entlang der Gleise hat 11'674 Stufen und ist gemäss dem Guinness-Buch der Rekorde die längste Treppe der Welt, sie ist aber für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Nur beim jährlich stattfindenden Niesen-Treppenlauf darf die Treppe begangen werden.[2] Emmanuel Vaudan bewältigte den Aufstieg 2011 in 0:55:55,70 Stunden und ist damit Streckenrekordinhaber. Der Rekord bei den Damen stammt aus dem Jahr 2005: Agnes Zellweger benötigte 1:07:07 Stunden. Zum Vergleich: Bei Bergwanderungen ist der Richtwert 400 Höhenmeter pro Stunde, und die Wanderzeit ab Mülenen beträgt etwa fünf Stunden.

Briefmarke zum 100. Geburtstag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizerische Post hat die Niesenbahn zu deren 100. Geburtstag im Jahr 2010 mit einer Briefmarke[3] gewürdigt. Die Marke im Wert von 85 Rappen zeigt die Bahn vor dem Berner Oberländer Bergpanorama und den mit einer Strichzeichnung angedeuteten Streckenverlauf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josy Doyon: Ein Königreich am Fuss des Niesen. Verlag Blaukreuz, Bern 1984, ISBN 3-85580-169-X.
  • Bruno Petroni: Der Niesen und seine Bahn. Verlag Schlaefli & Maurer, Interlaken 2010, ISBN 978-3-85884-082-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Niesenbahn auf niesen.ch
  2. niesenlauf.ch
  3. post.ch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Niesenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 38′ 22″ N, 7° 41′ 24″ O; CH1903: 619246 / 165386