Nongovernmental International Panel on Climate Change

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Das Nongovernmental International Panel on Climate Change (NIPCC; Internationale Nichtregierungskommission zum Klimawandel) ist eine von Fred Singer gegründete und weitgehend virtuelle Institution der organisierten Klimaleugnerszene, die als vermeintlich unabhängige Einrichtung Gegeninformationen zum Weltklimarat der Vereinten Nationen verbreitet.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Organisation ist es, den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforschung konträre Behauptungen entgegenzusetzen und damit in der Öffentlichkeit den Anschein von nennenswertem Widerspruch innerhalb der Wissenschaft zu suggerieren. Auf diese Weise soll der Anschein nicht nur von Unsicherheit bezüglich der Forschungsergebnisse, sondern vielmehr einer vermeintlichen großen wissenschaftlichen Kontroverse um die globale Erwärmung erweckt werden. Insbesondere gilt das für die zentralen Aussagen der Klimaforschung, nämlich dass sich die Erde erwärmt, dass dies maßgeblich durch menschliche Aktivitäten geschieht und dass sich daraus negative Folgen der globalen Erwärmung ergeben.[1] In einem der Presse zugespielten Budgetplan für 2012 vermerkt das Heartland Institute: „Momentan sponsern wir das NIPCC, um den offiziellen Bericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen zu untergraben. Wir haben einem Autorenteam 388 000 Dollar gezahlt, um an einer Reihe von Publikationen zu arbeiten.“[2]FliessTextRef

Das NIPCC wurde 2004 gegründet, bis 2007 existierten jedoch keine nennenswerten Aktivitäten.[3] Das NIPCC ist durch Singer eng an das neokonservative Heartland Institute gebunden, eine Denkfabrik, die zu den zentralen Akteuren der organisierten Klimawandelleugnerszene zählt.[4]

Thesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer 2009 von der NIPCC veröffentlichten Publication werden den Autoren des Vierten Sachstandsbericht des IPCC gravierende Mängel bei der Erarbeitung vorgeworfen. Die Studie kritisiert dabei folgende Punkte[5]:

  1. Die gegenwärtigen Klimamodelle seien nicht in der Lage, die Auswirkungen einer steigenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre zuverlässig vorherzusagen.
  2. Bei den berechneten Auswirkungen einer steigenden CO2-Konzentration würden Rückkopplungseffekte nicht berücksichtigt.
  3. Reale Wetterdaten bestätigten die IPCC-These, dass es einen sogenannten Klimatrend gäbe, nicht.
  4. Vorteile, die ein steigender CO2-Anteil mit sich bringen könnte (z. B. für Forst- und Landwirtschaft), würden im IPCC-Report nicht berücksichtigt.
  5. Einen Nachweis, dass ein CO2-verursachter Anstieg der globalen Erdtemperatur zum Aussterben von Pflanzen und Tieren führen könnte, gebe es nicht.
  6. Auch ein Nachweis der Verantwortlichkeit von gestiegenen CO2-Werten für eine erhöhte Anzahl an Erkrankungen und Todesfällen durch extreme Klimabedingungen fehle.

Eine vergleichende Wortanalyse des fünften IPCC-Berichts aus dem Jahr 2013 einerseits und des NIPCC-Bericht aus dem gleichen Jahr andererseits ergab, dass im NIPCC-Bericht deutlich häufiger emotionale Wörter verwendet wurden, dafür aber seltener vorsichtige und einschränkende. Insgesamt war der NIPCC-Bericht weniger formal formuliert als sein wissenschaftlicher Gegenpol. Die Autoren schlossen, dass – im Gegensatz zu den Anschuldigungen von Klimaskeptikern – der IPCC-Bericht eher vorsichtig formuliert war. Die Autoren der Analyse sahen in der Diskrepanz ein Indiz, dass der NIPCC-Bericht weniger der Darlegung von Evidenz als vielmehr der Diskreditierung des IPCC-Berichts dienen könnte.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press 2015, 300-332, S. 308.
  2. Die Zeit, 48/2012, Seite 17 ff, Anita Blasberg und Kerstin Kohlenberg: "Die Klimakrieger"
  3. Vorwort zu S. Fred Singer: Die Natur, nicht menschliche Aktivität, bestimmt das Klima, tvrgroup.de abgerufen am 10. Februar 2011
  4. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731, doi:10.1177/0002764213477096.
  5. Craig Idso and S. Fred Singer, Climate Change Reconsidered: 2009 Report of the Nongovernmental Panel on Climate Change (NIPCC), Chicago, IL: The Heartland Institute, 2009. (Memento des Originals vom 14. Dezember 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nipccreport.org (PDF; 8 MB)
  6. Srdan Medimorec und Gordon Pennycook: The language of denial: text analysis reveals differences in language use between climate change proponents and skeptics. In: Climatic Change. Band 133, Nr. 4, 2015, S. 597–605, doi:10.1007/s10584-015-1475-2.