Norbert Sternmut

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Norbert Sternmut 2008

Norbert Sternmut (* 6. März 1958 als Norbert Schmid in Stuttgart) ist ein deutscher Schriftsteller und Maler.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sternmut wurde als fünftes von sechs Kindern in Stuttgart geboren. Sein Vater, ein Scheunendrescher, starb als Sternmut elf Jahre alt war. Nach eigenen Angaben waren Kindheit und Jugend hauptsächlich von Enttäuschungen und Entbehrungen geprägt. Nach der Hauptschule in Gerlingen (Breitwiesenschule) machte er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei der Firma Trumpf in Ditzingen, um danach auf dem zweiten Bildungsweg an der Technischen Oberschule (TO) in Stuttgart die fachgebundene und später mit dem Erwerb des kleinen Latinum die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Zunächst wollte er Maschinenbau studieren, erkrankte 1979 allerdings an Krebs und beschloss nach überstandener Krankheit, Sozialpädagogik zu studieren und Künstler und Schriftsteller zu werden. Er studierte Sozialpädagogik an der Fachhochschule für Sozialwesen in Esslingen und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitet innerhalb der Fachschule für Sozialpädagogik an der Ausbildung von Erziehern und Erzieherinnen, außerdem ist er Schulsozialarbeiter an einem privaten Gymnasium und an einer privaten Realschule.

Künstlerisches und Schriftstellerisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine erste große Ausstellung als Maler (Ölbilder, Tuschezeichnungen, Radierungen) hatte er 1996 in der Stadtbibliothek Gerlingen. Literarisch fand er in Kurt Rüdiger (1913–1990), dem damaligen Herausgeber des Jahrbuch Deutscher Dichtung[1] seit 1980 einen Förderer und Lehrmeister, mit dem Sternmut bis zu dessen Tod eine jahrelange freundschaftliche Beziehung verband.

1989 erschien der Lyrikband Sprachschatten, mit dem der Grundstein für das weitere Werk gelegt wurde. Ab diesem Zeitpunkt bis heute erschienen in regelmäßigen Abständen Theaterstücke, Lyrikbände und ab 1999 mit Der Tote im Park Romane, Essays und Rezensionen.

2014 stellte Sternmut als Maler auf Einladung der KulturRegion Stuttgart und der Stadt Ludwigsburg erstmals Bilder und ein Triptychon aus seiner Werkreihe Die Wörter zu gesellschaftspolitischen, soziologischen und philosophischen Fragen vor. Es handelt sich um eine Bilderserie aus Öl- und Acrylbildern in teilweise großen Formaten als Verbindung von Wort und Bild, Farbe und Zeichen in Anlehnung an die Lyriksprache Sternmuts.

2015 wurde im Rahmen des 8. Ludwigsburger Literaturfestes die Zeitschrift Eremitage mit Bildern aus der Sternmut-Werkreihe Die Wörter vorgestellt.

In der Werkschau #8 des Kreishauses Ludwigsburg zeigte Sternmut ab 2019 unter dem Titel "Wortbilder - Sprachschatten" größtenteils großformatige Bilder. In Anklang an seinen Gedichtband von 1989 sind diese Arbeiten Versuche, in die "Sprachschatten" einzudringen, um dort Realitäten aufzuspüren, die außerhalb der semantischen Erfassbarkeit liegen, so der Veranstalter der Ausstellung "Kunst im Kreishaus". Ausgestellt sind in diesem Zusammenhang die Triptychen "Vertreibung" und "Mythos von Sisyphos". In weiteren Bildern, Tuschezeichnungen und Radierungen aus den Jahren 1983 bis 1990 sind die Verbindungen von Wort und Bild in Form von Bruchstücken, Farbsymbolen verdeutlicht, bis hin zu klarem Verbalisieren als eine nach Sternmut besonders hochentwickelte Form der Symbolbildung.[2] Im Dezember 2019 wurde eins der Bilder Sternmuts in dieser Ausstellung - eine symbolische Jesus-Figur, mit Ölfarbe auf Leinwand - mutwillig zerrissen.[3]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder verband Sternmut auch Kunst und soziale Arbeit in verschiedenen Projekten mit Schreibwerkstatt, Theatergruppe, RAP-Musical-Projekt. Er arbeitete mit Langzeitarbeitslosen oder Jugendlichen in der Berufsvorbereitung jeweils künstlerisch und pädagogisch.[4] 2000 entstand in einem Theaterprojekt zusammen mit Arbeitslosen das Stück „Trainingscenter“, worin die Arbeitslosen sich selbst spielten und der Inhalt des Stückes in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet wurde. Inhalt des Stückes ist der organisierte Umgang mit Arbeitslosen und Arbeitslosigkeit im Staat, durch den Staat.

Ein weiteres Theaterprojekt, worin jugendliche Auszubildende die Figuren und Inhalte vorgaben, wurde 2001 durchgeführt (Metallica). Hier fand im Prozess der Theaterarbeit die Aufarbeitung rechtsradikalen Gedankenguts statt, wobei die Jugendlichen sich selbst zur aktiven Revolte gegen Rechts formierten. Auch hier ging es Sternmut in erster Linie um den pädagogischen Lernprozess hin zu klar erkennbaren Handlungs- und Denkansätzen. Die Figuren spielten sich jeweils selbst.

2009 gründete Sternmut die Literaturgruppe „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB).[5] SMLB will „Jugend für Literatur, Kunst und Kultur begeistern, den Nachwuchs fördern und fordern“ durch monatliche Treffen und kulturelle Veranstaltungen in der Villa Barock in Ludwigsburg. Es kann Literatur, aber auch andere Kunst vorgestellt werden, werden Themen aus Kunst, Philosophie und Psychologie sowie der Politik diskutiert. SMLB ist beim Ludwigsburger Literaturfest jeweils mit einem Stand und eigenen Veranstaltungen präsentiert.

"Sternmut-Literatur-Bunt" wird seit 2015 mit Beiträgen und Hinweisen zu den Veranstaltungen, sowie neuen Büchern und Bildern auf der Projekte-Seite meinlb.de der Stadt Ludwigsburg vorgestellt.[6]

Das Projekt (2015 / 2016) zum Thema Traumatisierung, das zur Finissage der Ausstellung Werkschau #8 in Ludwigsburg vorgestellt wurde, behandelt die Arbeit mit schwer traumatisierten Kindern- und Jugendlichen in einem Wohnheim. 2020 erschien dazu das Buch "Winterdienst[7]", das den Alltag und die Hintergründe der Arbeit in Prosa und Gedichten beschreibt.

2017 widmete die im Pop Verlag erscheinende Literaturzeitschrift BAWÜLON der Literaturgruppe "Sternmut-Literatur-Bunt" eine Ausgabe, in der neben Rezensionen und einem Interview auch Bilder von Sternmut zu sehen sind.[8]

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sternmut ist seit 2011 Mitglied der Redaktion Ludwigsburg der Literaturzeitschrift Bawülon,[9] die im Pop Verlag (Ludwigsburg) erscheint. Bei Radio Ludwigsburg moderiert er die Sendereihe Sternmuts Stunde, in der er Literatur und Kunst in Lesungen und Interviews vorstellt.[10]

2019 wurde er zum Leiter der Fachgruppe Literatur der Künstlergilde e. V. mit Sitz in Esslingen gewählt.[11] Gleichzeitig übernahm er den Vorsitz der Jury für den Andreas-Gryphius-Preis und den Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde.

Sternmut ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS),[12] in der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der Deutschen Schillergesellschaft e. V., der Künstlergilde e. V.,[13] dem Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg und im Zentrum Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder im Internationalen P.E.N.[14][15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzeltitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anthologien (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literaturzeitschriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Lyrik-Mappe, Internationale Zeitschrift für Lyrik, Wolfgang D. Gugl, Graz, März 1990
  • Scriptum, Literaturzeitschrift, Walter Eigenmann, Schweiz, Heft 03 /1991
  • Ort der Augen – Blätter für Literatur, Ziethen Verlag, 1999, ISBN 978-3-932090-83-7
  • Am Erker – Zeitschrift für Literatur – Nr. 39, 2000 ISBN 3-925084-37-1
  • Kult, Magazyn fyr Netzwerk-Poesy – Karl-Heinz Schreiber, Goldbach, 16/2002, ISSN 0944-2162
  • BAWÜLON - Süddeutsche Matrix für Literatur und Kunst, 1-2/2012 (5-6), Pop-Verlag, ISSN 2192-3809
  • MATRIX – Zeitschrift für Literatur und Kunst, Nr. 4/2012 (30), Pop-Verlag, ISSN 1861-8006
  • BAWÜLON – Süddeutsche Matrix für Literatur und Kunst, 2/2017 (26), Sonderausgabe Sternmut, ISSN 2192-3809
  • Glarean Magazin 2009[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[7][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Kürschners Deutscher Literatur-Kalender
  2. Kunst im Kreishaus: WERKSCHAU #8. schiller-vhs.de, abgerufen am 6. März 2020.
  3. Sternmut-Bild mutwillig zerstört. In: Ludwigsburger Kreiszeitung. 29. Januar 2020 (sternmut.de [JPG; abgerufen am 11. März 2020]).
  4. Literatur-Workshop. (PDF) In: Bietigheimer Zeitung. November 2008, abgerufen am 25. Juli 2016.
  5. Sternmut-Literatur-Bunt. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  6. meinlb.de: Sternmut-Literatur-Bunt
  7. a b Norbert Sternmut: Winterdienst. In: Buchwurm. Andreas Jur, 16. April 2020, abgerufen am 20. Januar 2021.
  8. BAWÜLON 2/2017. 13. Oktober 2017, abgerufen am 6. März 2020.
  9. Redaktion. Bawülon – Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst, abgerufen am 6. März 2020.
  10. Literatur im Radio Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Kreiszeitung. 5. Januar 2013, abgerufen am 25. Juli 2016.
  11. Verein: Organisation. künstlergilde.eu, abgerufen am 6. März 2020.
  12. VS Baden-Württemberg in ver.di. In: vs-baden-wuerttemberg.blogspot.de. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  13. künstlergilde.eu
  14. Exil-P.E.N: Mitglieder – Hauptseite des Exil-P.E.N. Zentrums für Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.exil-pen.de. Archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 25. Juli 2016.
  15. Michael Matzer: Erinnerungen an Paul Celan. In: Buchwurm. Andreas Jur, 12. Juli 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  16. Ergebnis Wiener Werkstattpreis 2007. (Memento vom 26. Mai 2008 im Internet Archive) fza.or.at
  17. KünstlerGilde ehrt Dagmar Dusil. In: siebenbuerger.de. 26. September 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  18. Sternmut/Funné – Sternmut-Lyrik in Kombination mit Grafik
  19. Michael Matzer: Norbert Sternmut – Schattenpalaver. Gedichte. 25. August 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  20. Auferstehung