NordLink

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Verlauf der Leitungen NordLink und NorNed, vorgesehener Verlauf von NorGer.

NordLink ist ein Seekabel durch die Nordsee, das die Stromnetze Norwegens und Deutschlands verbindet und damit den Austausch elektrischer Energie ermöglicht. Betrieben wird das Projekt vom norwegischen Netzbetreiber Statnett und dem deutschen Netzbetreiber TenneT und der staatliche Förderbank KfW. Die Kosten belaufen sich auf rund 2 Milliarden Euro, die zu gleichen Teilen zwischen den norwegischen und deutschen Partnern geteilt werden.[1]

NordLink ist neben NorGer einer von zwei vorgesehenen, in Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung-Technik (HGÜ) ausgeführten Interkonnektoren zwischen Norwegen und Deutschland. Der offizielle Baubeginn für das Kabel fand im September 2016 statt.[2] Im September 2020 wurden Übertragungstests durchgeführt,[3] im Dezember 2020 wurde der Probebetrieb aufgenommen,[4][5] die kommerzielle Inbetriebnahme ist im März 2021 geplant.[6]

NordLink ist eines von mehreren HGÜ-Seekabeln in der Nordsee; beispielsweise wird mit NorNed bereits seit 2008 ein ähnliches HGÜ-Seekabel zwischen Norwegen und Eemshaven in den Niederlanden betrieben.

Das Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel ist die Verbindung der norwegischen und deutschen Stromversorgungsnetze und damit auch die Kopplung der Strommärkte.[7] Die Verbindung soll dabei in erster Linie Schwankungen der Stromerzeugung durch Windkraft in Norddeutschland abfedern. Überschüssiger Strom aus Windenergie soll nach Norwegen übertragen und dort direkt endverbraucht werden, während gleichzeitig norwegische Wasserkraftwerke temporär abgeschaltet werden, sodass das eingesparte Wasser für eine spätere Verstromung zur Verfügung steht. Im Gegenzug kann bei Bedarf Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland übertragen werden. Die norwegischen Speicherseen könnten so in Verbindung mit konventionellen Wasserkraftwerken als sog. „virtuelle Speicher“ dienen.[8][9]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NordLink in Zahlen
Kabellänge: 516 km Seekabel[10]
54 km Landkabel[10]
53 km Freileitung
Kapazität: 1400 MW
Bauzeit: ca. 3 Jahre
Investitionsvolumen: 1,5 bis 2 Milliarden Euro
Nennspannung: ±525 kV
Gewicht des Kabels: 35–50 kg/m
Durchmesser des Kabels: ca. 11–13 cm
Maximale Meerestiefe der Strecke: 410 m
Inbetriebnahme: 9. Dezember 2020[5]
Voraussichtliche Lebensdauer: ca. 40 Jahre
Verlustleistung im Kabel: ca. 5 %

Vorangetrieben wird Nordlink von einem Konsortium bestehend aus dem norwegischen Netzbetreiber Statnett und dem deutschen Unternehmen DC Nordseekabel GmbH & Co. KG (NOKA) – an der zu gleichen Teilen der Netzbetreiber TenneT und die staatliche Förderbank KfW beteiligt sind.[11] Der NordLink wird von der Europäischen Kommission als Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest) unter der Nummer 1.8 in der PCI-Liste der Europäischen Union geführt.[12]

Dafür wurde geplant, möglichst bis 2019[13] ein 623 km langes Hochspannungskabel, davon rund 530 km als Seekabel auf dem Grund der Nordsee, zu verlegen. Mitte 2019 wurde das Kabel unter dem Deich bei Büsum an Land gezogen.[14] Das Kabel überträgt eine Leistung von 1400 MW. Zum Vergleich: NorNed zwischen Norwegen und den Niederlanden weist 580 km Länge auf.[15]

Das Seekabel kommt an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bei Büsum an Land.[14] Von dort aus führt es als Erdkabel bis zum Umspannwerk Wilster in Nortorf. In Wilster wurde eine Stromrichterstation für die Kopplung an das deutsche Höchstspannungsnetz gebaut, unter anderem als Ausgangspunkt für den SuedLink. In Norwegen landet das Kabel in der Gegend von Feda an. Der Rest der Leitung nach Tonstad in der Gemeinde Sirdal ist als 53 km lange Freileitung realisiert. Dort wurde die Stromrichterstation zur Kopplung an das norwegische Übertragungsnetz gebaut.

Das Seekabel liegt auf dem norwegischen, dänischen und deutschen Festlandsockel in der östlichen Nordsee. Der Antrag zum Bau und Betrieb des Kabels auf dem Gebiet der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wurde am 11. Mai 2011 von der Nordseekabel GmbH & Co. KG aus Arnhem an das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gestellt. Im Juli 2014 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt vom schleswig-holsteinischen Wilster bis zur Grenze der deutschen Hoheitsgewässer erteilt.[16] Die Genehmigung für die Verlegung in der Ausschließlichen Wirtschaftszone wurde am 2. Oktober 2014 durch das BSH erteilt.[17][11] Ebenfalls im Oktober 2014 vergab die norwegische Genehmigungsbehörde die Lizenz.[18]

Das vorhandene Umspannwerk Wilster in Nortorf, Endpunkt in Deutschland
Baustelle auf dem Gelände der Konverterstation

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Februar 2015 wurde die Investitionsentscheidung getroffen und daraufhin ABB mit dem Bau der Konverterstationen und der Kabelverlegung im deutschen Sektor sowie Nexans Norway mit der Kabelverlegung in den norwegischen und dänischen Gebieten beauftragt.[10]

Im August 2017 vermeldete das Portal Offshore-Windindustrie.de, die ersten Kilometer des Seekabels seien in Südnorwegen verlegt worden. Die Arbeiten lägen damit im Plan. Der Bau der Gleichstromverbindung habe in der Region Vest-Agder begonnen. Die ersten Kilometer des Kabels seien auf dem Meeresboden im Vollesfjord verlegt worden.[19]

Im Oktober 2017 wurde an der Konverterstation auf der deutschen Seite in Wilster Richtfest gefeiert. Hier wird der Gleichstrom der Übertragungsleitung in Dreiphasenwechselstrom des Versorgungsnetzes konvertiert (bzw. umgekehrt) und umgespannt.[20]

Am 19. Dezember 2017 berichtete ALE Heavylift die Installation von sieben je 225 t schweren Transformatoren in Tonstad.[21]

Die Verlegung des Seekabels im deutschen Teil der Nordsee begann im September 2018.[22] Im Juni 2019 erreichte das Kabel den deutschen Anlandungspunkt Büsum.[23] Etwa ein Jahr später, Anfang September 2020, wurde im Rahmen von Systemtests erstmals eine Leistung von 70 MW über das Kabel übertragen.[24] Während eines dieser Tests nahm am Morgen des 10. September 2020 – vermutlich durch einen Softwarefehler in der Konvertersteuerung – die Übertragungsleistung von DE nach NO auf 1400 MW sprunghaft zu, so dass die Frequenz in der skandinavischen Synchronzone um 0,5 Hz anstieg, was Auswirkungen auf Schutzeinrichtungen hatte. Der Vorfall dauerte allerdings nur weniger als eine Minute. Ein Kraftwerk in Finnland stellte wegen des Frequenzanstiegs kurzzeitig die Produktion ein.[25]

Verlegungsmethode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Seekabel wurde von einem speziellen Kabelverlegungsschiff auf dem Meeresboden verlegt. Ein Hydraulikpflug hebt dabei auf dem Meeresboden einen Graben aus, in dem das Kabel eingegraben und mit dem Aushub bedeckt wird. In Bereichen mit steinernem Meeresboden kann das Kabel durch Steinversenkung geschützt werden. Die exakte Kabelstrecke wird durch eine umfassende Kartierung des Meeresbodens entlang der voraussichtlichen Kabelstrecke festgelegt.

Auf der 54 Kilometer langen Strecke zwischen Büsum und Wilster wird das Kabel in der Erde verlegt. Dazu wird ein 1,6 bis 1,8 Meter tiefer Graben ausgehoben, in den anschließend die beiden Kabelstränge eingelegt werden. Ein einzelner Strang hat dabei ein Gewicht von 48 kg/Meter, weshalb das Kabel auf Rollen in den Graben eingezogen wird.[26] Die Verlegung von Erdkabeln stellt besondere Herausforderungen an die Logistik, da im Gegensatz zu Freileitungskabel, keine allzu langen Kabelabschnitte transportiert werden können. In diesem Fall haben die Kabelstücke eine maximale Länge von 1200 Metern, wenn sie zum Transport auf eine Trommel aufgewickelt worden. Ein mit Kabel beladener Schwertransporter wiegt dann 130 Tonnen.[27] Die einzelnen Kabelabschnitte werden anschließend elektrisch verbunden und die Verbindungen durch eine Muffe geschützt. Beim abschließenden Verfüllen des Grabens werden Kabelschutzplatten und Warnbänder in den Boden eingelegt, um das Kabel vor versehentlichen Beschädigungen bei Tiefbauarbeiten zu schützen.

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die maximal mögliche zu übertragende Leistung beträgt 1,4 GW und kann wahlweise in eine der beiden möglichen Richtungen übertragen werden. Die HGÜ wird mit einer bipolaren Betriebsspannung von ± 450 kV bis ± 525 kV betrieben. Durch die bipolare Ausführung werden die Nachteile einer Rückelektrode mit Erdung im Meer, die in der ungewollten Erzeugung von Chlorverbindungen und einer Metallkorrosion der Anode resultiert, vermieden. Dafür müssen mindestens zwei Hochspannungskabel verlegt werden.

Da die Stromversorgung in Deutschland und Norwegen auf dreiphasigem Drehstrom basiert, müssen in beiden Ländern Stromrichterstationen gebaut werden, die den Drehstrom gleichrichten und in Gleichstrom umwandeln, der durch das Kabel übertragen wird. Jede Stromrichterstation benötigt ein Areal von ca. 25 ha.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Untersuchungen an dem Seekabel Swepol ergaben, dass korrekt verlegte und in den Meeresboden eingebettete HGÜ-Seekabel kaum Auswirkungen auf Meerestiere haben. Im Bereich der Konverterstation wird der Gleichstrom wieder in Wechselstrom umgewandelt, der dann per Freileitung zum nächstgelegenen Umspannwerk weitergeleitet wird. Die Stromrichterstationen an Land benötigen Raum und erzeugen Geräusche, das dem eines Umspannwerks und Umspannfelds mit ähnlicher Leistung ähnelt – allerdings ist aufgrund der bei der Wechselrichtung entstehenden Oberschwingungen die Geräuschbelastung in den Stromrichtertransformatoren stärker. Hier ist im Inneren der Anlage mit 80–95 dB(A), außerhalb mit 45 dB(A) zu rechnen. Dies ist bei der Wahl der Örtlichkeit für den Bau der Stationen von Bedeutung.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Längstes Offshore-Kabel der Welt verbindet Norwegen und Deutschland | en:former. Abgerufen am 9. Dezember 2020.
  2. Erster Spatenstich für Bau der Stromtrasse „NordLink“. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 16. September 2016, abgerufen am 16. September 2016.
  3. Fault during testing of NordLink. Statnett, 11. September 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020 (englisch).
  4. Handewitt: Deutsch-dänische Stromautobahn eingeweiht. In: Der Nordschleswiger nordschleswiger.dk. Bund Deutscher Nordschleswiger, 22. Oktober 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  5. a b NordLink-Kabel startet: Öko-Strom soll dem Preis folgen. NDR, 9. Dezember 2020, abgerufen am 9. Dezember 2020.
  6. Marianne Veggeberg: NordLink – New subsea interconnector between Norway and Germany. Statnett, abgerufen am 7. Dezember 2020.
  7. Realisierungsvereinbarung über die Planung und Genehmigung des Projekts 500 kV Interkonnektor NordLink zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der DC Nordseekabel GmbH & Co. KG (NOKA), vertreten durch TenneT (Memento des Originals vom 1. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schleswig-holstein.de, abgerufen am 1. November 2014
  8. Ab 2020 fließt Strom aus Wind und Sonne durch die Nordsee. In: Ingenieur.de, 11. Februar 2015, abgerufen am 5. April 2018
  9. NordLink - TenneT. Abgerufen am 11. Dezember 2019.
  10. a b c Aufträge für NordLink vergeben. In E&M Daily vom 14.–16. Februar 2015, S. 7
  11. a b Windkraft-Journal: 1.400-MW-Gleichstrom-Seekabel: BSH genehmigt NordLink-Kabel nach Norwegen, vom 12. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  12. Verordnung (EU) Nr. 347/2013 in der konsolidierten Fassung vom 31. März 2020
  13. Nordlink kann gebaut werden. In: Täglicher Hafenbericht vom 14. Oktober 2014, S. 4
  14. a b Bau der Stromleitung "NordLink" geht auf die Zielgerade. In: ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft. VKU Verlag GmbH, 19. Juni 2019, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  15. NorNed – a sustainability showcase for Europe abb.com, 21. April 2005, abgerufen 21. Dezember 2017.
  16. Nordseekabel: Habeck hofft auf zügige Investitionsentscheidung. In: E&M Daily vom 5.–7. Juli 2014, S. 5
  17. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrogeographie: Stromautobahn nach Norwegen genehmigt (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bsh.de, Pressemitteilung vom 10. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  18. IWR: Stromtrasse Nord.Link: Norwegen wird mit Deutschland verkabelt, vom 14. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  19. Meldung des Portals Offshore-Windindustrie.de. 2. August 2017, abgerufen am 4. August 2017.
  20. Wolfhart Fabarius: Richtfest für Konverterstation · Deutsch-norwegische Stromverbindung im Zeitplan. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. Oktober 2017, S. 3
  21. Delivery and installation of transformers, Norway ale-heavylift.com, 19. Dezember 2017, abgerufen 21. Dezember 2017
  22. Tennet verlegt Seekabel Nordlink in der Nordsee. In: Euwid Neue Energie, 4. September 2018, abgerufen am 4. September 2018
  23. Lange Leitung. In: taz, 20. Juni 2019, abgerufen am 20. Juni 2019
  24. Nadja Skopljak: Germany and Norway Exchange First Renewable Energy. In: offshorewind.biz. 7. September 2020, abgerufen am 8. September 2020 (englisch).
  25. Fault during testing of NordLink. Statnett, 9. November 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.
  26. NordLink-Erdkabel-Erklärfilm (ab 0:04:06) auf YouTube, abgerufen am 10. Januar 2021.
  27. NordLink-Erdkabel-Erklärfilm (ab 0:03:31) auf YouTube, abgerufen am 10. Januar 2021.
  28. Andrulewicz et al.: The environmental effects of the installation and functioning of the submarine SwePol Link HVDC transmission line: a case study of the Polish Marine Area of the Baltic Sea. In: Journal of Sea Research 49, (2003), 337–345, doi:10.1016/S1385-1101(03)00020-0