NordLink

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Vorgesehener Verlauf der NordLink und NorGer. Es fehlt NorNed.
Das vorhandene Umspannwerk Wilster in Nortorf, geplanter Endpunkt in Deutschland
Baustelle auf dem Gelände der Konverterstation

NordLink ist ein in Bau befindliches Seekabel in der Nordsee, das die Stromnetze Norwegens und Deutschlands verbinden soll. NordLink ist neben NorGer eine von zwei geplanten in Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung-Technik (HGÜ) ausgeführten Leitungsverbindungen zwischen Norwegen und Deutschland. Der offizielle Baubeginn für das Kabel fand im September 2016 statt.[1] NordLink ist eines von mehreren HGÜ-Seekabeln in der Nordsee; beispielsweise wird mit NorNed bereits seit 2008 ein ähnliches HGÜ-Seekabel zwischen Norwegen und Eemshaven in den Niederlanden betrieben.

Das Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NordLink in Zahlen
Kabellänge: 516 km Seekabel[2]
54 km Landkabel[2]
53 km Freileitung
Kapazität: 1400 MW
Bauzeit: ca. 3 Jahre
Investitionsvolumen: 1,5 bis 2 Milliarden Euro
Spannung: ±450 bis ±525 kV
Gewicht des Kabels: 35–50 kg/m
Durchmesser des Kabels: ca. 11–13 cm
Maximale Meerestiefe der Strecke: 410 m
Inbetriebnahme: geplant 2020Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren
Voraussichtliche Lebensdauer: ca. 40 Jahre
Verlustleistung im Kabel: ca. 5 %

Ein Konsortium aus dem norwegischen Netzbetreiber Statnett und dem deutschen Unternehmen DC Nordseekabel GmbH & Co. KG (NOKA) – an der zu gleichen Teilen der Netzbetreiber TenneT und die staatliche Förderbank KfW beteiligt sind – planen eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung zwischen Deutschland und Norwegen für den Austausch von elektrischer Energie durch die Nordsee zu bauen.[3] Das Ziel ist die Verbindung der norwegischen und deutschen Stromversorgungsnetze und damit auch die Kopplung der Strommärkte.[4] Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission als Vorhaben von gemeinsamem Interesse eingestuft, ist also Teil eines Plans, der „neun strategische geografische vorrangige Energieinfrastrukturkorridore“ schaffen soll.[5]

Die Leitung dient in erster Linie dazu, Schwankungen der Stromerzeugung durch Windkraft in Norddeutschland abzufedern. Überschüssiger Strom aus Windenergie kann nach Norwegen übertragen und dort direkt endverbraucht werden. Gleichzeitig können die Wasserkraftwerke temporär abgeschaltet werden, sodass das Wasser für eine spätere Verstromung zur Verfügung steht. Im Gegenzug kann bei Bedarf Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland übertragen werden. Die norwegischen Speicherseen dienen so in Verbindung mit konventionellen Wasserkraftwerken als sog. „virtuelle Speicher“.[6]

Dafür ist geplant, möglichst bis 2019[7] ein 623 km langes Hochspannungskabel, davon rund 530 km als Seekabel auf dem Grund der Nordsee, zu verlegen. Das Kabel soll eine Leistung von 1400 MW übertragen.

Das Seekabel soll an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bei Büsum an Land kommen. Von dort aus wird es bis zum Umspannwerk Wilster in Nortorf geführt. Dort wird eine Stromrichterstation für die Kopplung an das deutsche Hochspannungsnetz gebaut. In Norwegen wird das Kabel in der Gegend von Feda anlanden. Der Rest der Leitung nach Tonstad in der Gemeinde Sirdal soll als 53 km lange Freileitung realisiert werden. Eine Stromrichterstation zur Kopplung an das norwegische Hochspannungsnetz wird gebaut.

Das Seekabel wird auf dem norwegischen, dänischen und deutschen Festlandsockel in der östlichen Nordsee liegen. Der Antrag zum Bau und Betrieb des Kabels auf dem Gebiet der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wurde am 11. Mai 2011 von der Nordseekabel GmbH & Co. KG aus Arnhem an das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gestellt. Im Juli 2014 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt vom schleswig-holsteinischen Wilster bis zur Grenze der deutschen Hoheitsgewässer erteilt.[8] Die Genehmigung für die Verlegung in der Ausschließlichen Wirtschaftszone wurde am 2. Oktober 2014 durch das BSH erteilt.[9][3] Ebenfalls im Oktober 2014 vergab die norwegische Genehmigungsbehörde die Lizenz.[10]

Am 10. Februar 2015 wurde die Investitionsentscheidung getroffen und daraufhin ABB mit dem Bau der Konverterstationen und der Kabelverlegung im deutschen Sektor sowie Nexans Norway mit der Kabelverlegung in den norwegischen und dänischen Sektoren beauftragt.[2]

Im August 2017 vermeldete das Portal Offshore-Windindustrie.de, die ersten Kilometer des Seekabels seien in Südnorwegen verlegt worden. Die Arbeiten lägen damit im Plan. Der Bau der Gleichstromverbindung habe in der Region Vest-Agder begonnen. Die ersten Kilometer des Kabels seien auf dem Meeresboden im Vollesfjord verlegt worden.[11] Nach Angaben von TenneT soll im Sommer 2018 die Seekabelverlegung durch das Wattenmeer und die deutsche Nordsee beginnen.[12]

Am 19. Dezember 2017 berichtete ALE Heavylift die Installation von 7 je 225 t schwere Transformatoren in Tomstad. [13]

NorNed zwischen Norwegen und den Niederlanden weist 580 km Länge auf.[14]

Verlegungsmethode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Seekabel wird von einem speziellen Kabelverlegungsschiff auf dem Meeresboden verlegt werden. Ein Hydraulikpflug hebt dabei auf dem Meeresboden einen Graben aus, in dem das Kabel vergraben und mit dem Aushub bedeckt wird. In Bereichen mit steinernem Meeresboden kann das Kabel durch Steinversenkung geschützt werden. Die exakte Kabelstrecke wird durch eine umfassende Kartierung des Meeresbodens entlang der voraussichtlichen Kabelstrecke festgelegt.

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die maximal mögliche zu übertragende Leistung beträgt 1,4 GW und kann wahlweise in eine der beiden möglichen Richtungen übertragen werden. Die HGÜ wird mit einer bipolaren Betriebsspannung von ± 450 kV bis ± 525 kV betrieben. Durch die bipolare Ausführung werden die Nachteile einer Rückelektrode mit Erdung im Meer, die in der ungewollten Erzeugung von Chlorverbindungen und einer Metallkorrosion der Anode resultiert, vermieden. Dafür müssen mindestens zwei Hochspannungskabel verlegt werden.

Da die Stromversorgung in Deutschland und Norwegen auf Wechselstrom basiert, müssen in beiden Ländern Stromrichterstationen gebaut werden, die den Wechselstrom gleichrichten und in Gleichstrom umwandeln, der durch das Kabel übertragen wird. Jede Stromrichterstation benötigt ein Areal von ca. 250.000 m².

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Untersuchungen an dem Seekabel Swepol ergaben, dass korrekt verlegte und in den Meeresboden eingebettete HGÜ-Seekabel kaum Auswirkungen auf Meerestiere haben. Im Bereich der Konverterstation wird der Gleichstrom wieder in Wechselstrom umgewandelt, der dann per Freileitung zum nächstgelegenen Umspannwerk weitergeleitet wird. Die Stromrichterstationen an Land benötigen Raum und erzeugen Geräusche, das dem eines Umspannwerks und Umspannfelds mit ähnlicher Leistung ähnelt – allerdings ist aufgrund der bei der Wechselrichtung entstehenden Oberschwingungen die Geräuschbelastung in den Stromrichtertransformatoren stärker. Hier ist im Inneren der Anlage mit 80–95 dB(A), außerhalb mit 45 dB(A) zu rechnen. Dies ist bei der Wahl der Örtlichkeit für den Bau der Stationen von Bedeutung.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erster Spatenstich für Bau der Stromtrasse „NordLink“. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 16. September 2016. Abgerufen am 16. September 2016.
  2. a b c Aufträge für NordLink vergeben. In E&M Daily vom 14.–16. Februar 2015, S. 7
  3. a b Windkraft-Journal: 1.400 MW-Gleichstrom-Seekabel: BSH genehmigt NordLink-Kabel nach Norwegen, vom 12. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  4. Realisierungsvereinbarung über die Planung und Genehmigung des Projekts 500 kV Interkonnektor NordLink zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der DC Nordseekabel GmbH & Co. KG (NOKA), vertreten durch TenneT, abgerufen am 1. November 2014
  5. Verordnung (EU) Nr. 1391/2013 (PDF) der Kommission vom 14. Oktober 2013 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 347/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates zu Leitlinien für die transeuropäische Energieinfrastruktur in Bezug auf die Unionsliste der Vorhaben von gemeinsamem Interesse. Das Zitat entstammt der Nummer (1) der Präambel; NordLink ist als Vorhaben 1.8 innerhalb des Korridors 1 Vorrangiger Korridor ‚Offshore-Netz in den nördlichen Meeren‘ (NSOG) gelistet.
  6. Ab 2020 fließt Strom aus Wind und Sonne durch die Nordsee. In: Ingenieur.de, 11. Februar 2015. Abgerufen am 5. April 2018.
  7. Nordlink kann gebaut werden. In: Täglicher Hafenbericht vom 14. Oktober 2014, S. 4
  8. Nordseekabel: Habeck hofft auf zügige Investitionsentscheidung. In: E&M Daily vom 5.–7. Juli 2014, S. 5
  9. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrogeographie: Stromautobahn nach Norwegen genehmigt, Pressemitteilung vom 10. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  10. IWR: Stromtrasse Nord.Link: Norwegen wird mit Deutschland verkabelt, vom 14. Oktober 2014, abgerufen am 1. November 2014
  11. Meldung des Portals Offshore-Windindsutrie.de. 2. August 2017, abgerufen am 4. August 2017.
  12. Bericht auf der Webseite des NDR vom 1. August 2017, Internetabruf vom 4. August 2017 http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/NordLink-Trasse-Spezialschiff-verlegt-Seekabel,nordlink132.html
  13. Delivery and installation of transformers, Norway ale-heavylift.com, 19. Dezember 2017, abgerufen 21. Dezember 2017.
  14. NorNed – a sustainability showcase for Europe abb.com, 21. April 2005, abgerufen 21. Dezember 2017.
  15. Andrulewicz et al, The environmental effects of the installation and functioning of the submarine SwePol Link HVDC transmission line: a case study of the Polish Marine Area of the Baltic Sea. In: Journal of Sea Research 49, (2003), 337– 345, doi:10.1016/S1385-1101(03)00020-0.