Oberleitungsbus Valparaíso

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Oberleitungsbus Valparaíso
An der Endhaltestelle Plaza Barón
An der Endhaltestelle Plaza Barón
Streckenlänge: 4,5 km
Stromsystem: 500–550 [1] Volt =
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Plaza Aduana
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Betriebsstrecke
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La Matriz
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Plaza Echaurren
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Serrano
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Plaza Sotomayor
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Reloj Turri
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Pasaje Ross
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Almirante Martinez
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Melgarejo
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Aníbal Pinto
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Servicio de Salud
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Bellavista
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Arco Británico
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Municipalidad
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Plaza Victoria
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Calle Buenos Aires
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Las Heras
   
Rodriguez
   
Freire
   
Francia
   
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Uruguay
   
Barroso
   
Juana Ross
   
zum Depot
   
Bienestar Armada
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Colón
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zum Depot
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Rancagua
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vom Depot
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Rancagua
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Pedro Montt
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Plaza Barón
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Der Oberleitungsbus Valparaíso, spanisch Trolebús de Valparaíso, ist heute der einzige Oberleitungsbus-Betrieb in Chile. Betrieben wird er von der privaten Aktiengesellschaft Trolebuses de Chile S.A., abgekürzt TCSA. Die einzige elektrifizierte Strecke ist 4,5 Kilometer lang, erschließt die Stadt Valparaíso als Durchmesserlinie in Ost-West-Richtung und wird von der Linie 802 im dichten Takt bedient. Sie ist ferner auch als Linie 8 in das örtliche Omnibus-System Plan de Transporte Metropolitano de Valparaíso (TMV) integriert. Als Besonderheit wurde der Oberleitungsbus Valparaíso am 3. Juli 2003 vom chilenischen Staat als besonders erhaltenswertes Kulturgut eingestuft, spanisch monumento nacional genannt.[2] Zweites spurgebundenes Verkehrssystem der Stadt ist die Metro Valparaíso.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betrieb in Valparaíso ging am 31. Dezember 1952 als zweites Obusnetz des Landes in Betrieb, in der Hauptstadt Santiago de Chile verkehrten schon seit 1947 O-Busse. In Valparaíso löste der Oberleitungsbus dabei die Straßenbahn ab, die 1863 als Pferdebahn eröffnet und 1903 elektrifiziert wurde. Weitergenutzt wurde hingegen deren ebenfalls 1903 entstandenes Depot an der Avenida Independencia. Zunächst verkehrten die Oberleitungsbusse nur zwischen Plaza Barón und Plaza Victoria (durch die Avenida Pedro Montt), erst am 7. Januar 1953 ging die Gesamtstrecke bis Plaza Aduana in Betrieb. Im Februar gleichen Jahres folgte schließlich die Eröffnung der zweiten Route durch die Avenida Colón.

Traditionell wurden die beiden chilenischen Obus-Netze von der gleichen Gesellschaft geführt. Dieses Staatsunternehmen firmierte zunächst unter Empresa Nacional de Transportes Colectivos S.A. (ENT), ab 1953 dann als Empresa de Transportes Colectivos del Estado (ETCE). Ende der 1970er-Jahre sank das Interesse des chilenischen Staates am Weiterbetrieb der beiden Obus-Netze, die Folge war die Betriebseinstellung in Santiago de Chile am 18. Juni 1978 und in Valparaíso am 30. November 1981.

Jedoch gelang es einigen Geschäftsleuten den Obus-Betrieb in Valparaíso schon am 26. April 1982 wieder aufzunehmen. Hierzu gründeten sie die private Gesellschaft mit beschränkter Haftung Empresa de Transportes Colectivos Eléctricos LTDA., abgekürzt ebenfalls ETCE. Auch der Obus in Santiago de Chile ging 1991 nochmal in Betrieb, schon 1994 erfolgte aber die endgültige Einstellung. Seither ist das Verkehrsmittel Oberleitungsbus in Chile nur noch in Valparaíso anzutreffen.

Im Jahr 2000 musste die ETCE ihr bisheriges Trolleybusdepot an der Avenida Independencia aufgeben. Als Ersatz diente fortan ein provisorisches Gelände an der Avenida España, das jedoch nicht an das Fahrleitungsnetz angeschlossen war. Um umständliche Schleppfahrten zu vermeiden, stellte man die im Einsatz befindlichen Trolleybusse nachts entlang der Strecke ab. 2006 musste auch dieses Areal aufgrund eines Grundstücksverkaufs wieder aufgelassen werden. Nach einem kurzen Intermezzo auf einem Gelände in der zehn Kilometer entfernten Kleinstadt Placilla – und damit noch weiter abseits der Oberleitungsinfrastruktur gelegen – sind die Trolleybusse seit 2008 wieder in ihrem angestammten Depot aus der Straßenbahnzeit untergebracht.

Am 10. Mai 2007 erklärte sich die Obus-Betreibergesellschaft wegen wirtschaftlicher Probleme für bankrott und kündigte die Einstellung des Betriebs für den 15. Juni 2007 an. Insbesondere musste diese sich gegen die von der Stadtregierung geförderte Konkurrenz in Form von dieselgetriebenen Midibussen verschiedener privater Unternehmer durchsetzen. Deren Linienstruktur wurde im Januar 2007 neu organisiert, sie zeichnen sich durch einen günstigeren Fahrpreis, ein größeres Netz und höhere Geschwindigkeiten aus, wenngleich sie weniger Komfort bieten. Doch bereits zuvor gab es finanzielle Schwierigkeiten, so musste der Obus-Betrieb beispielsweise schon 2002 infolge nichtbezahlter Stromrechnungen drei Wochen lang eingestellt werden.[3]

Nach der Zahlung von Subventionen durch die Regierung kurz vor Ablauf der Frist ist der Bestand des Obusbetriebs jedoch vorerst bis 2013 gesichert. In diesem Zusammenhang wandelte sich die Gesellschaft, ebenfalls 2007, von einer GmbH in eine AG. Gleichzeitig änderte sie ihren Namen von ETCE in TCSA. Jedoch musste aufgrund der weiterhin angespannten Finanzsituation die ehemals zweite Obus-Linie mit der Nummer 801 zum 1. September 2007 eingestellt werden. Sie verlief großteils identisch zur bestehenden Route, lediglich in Fahrtrichtung Plaza Aduana verkehrte sie nicht via Avenida Colón sondern auf direktem Weg durch die Avenida Pedro Montt.

Heute beschäftigt die Trolleybusgesellschaft zusammen 60 Mitarbeiter. Das Unterwerk befindet sich in der Calle Aldunate, nahe dem zentralen Plaza Victoria. Es stammt von Westinghouse Electric und arbeitet nach dem Ignitron-Prinzip.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pullman-Wagen 709
Der aus Santiago stammende Pullman-Wagen 859 verfügt über eine modernisierte Stirnfront
Inneneinrichtung des Wagens 832
Abgestellte Wagen neben dem Depot

An Valparaíso geliefert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Betriebseröffnung 1952 beschaffte die ENT von der Pullman Palace Car Company aus den Vereinigten Staaten 30 Solowagen des Typs Pullman Standard TC-48. Sie waren die letztproduzierten O-Busse dieses Herstellers überhaupt und erhielten in Valparaíso die Betriebsnummern 701 bis 730. Die elektrische Ausrüstung dieser Serie stammt von General Electric (GE). Von ihnen sind noch die fünf Wagen 709, 714, 715, 721 und 723 in Betrieb, sie wurden 2003 unter Denkmalschutz gestellt.

Aus Santiago de Chile übernommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er-Jahren wurden immer mehr Wagen aus Santiago de Chile nach Valparaíso transferiert, dort wurden sie infolge von Streckeneinstellungen zunehmend überflüssig. Wie viele Exemplare im Laufe der Jahre insgesamt an Valparaíso abgegeben wurden, ist nicht überliefert. Hierbei handelte es sich um in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre produzierte Wagen einer zusammen 100 Exemplare umfassenden Serie des Typs 43-CX. Sie stammen ebenfalls von der Pullman Palace Car Company, unterscheiden sich jedoch äußerlich etwas von den für Valparaíso beschafften Fahrzeugen. Ihre Elektrik stammt ebenfalls von General Electric. Elf Wagen dieser Serie (801, 802, 804, 806, 818, 821, 822, 824, 832, 859 und 888) wurden 1986 neu karossiert, erkennbar an den abweichenden Front- und Seitenfenstern. Von diesen Oldtimern sind noch acht Stück im Einsatz, darunter die sieben modernisierten Wagen 116, 801, 802, 806, 821, 832 und 888 sowie der nicht-modernisierte Wagen 814. Die 800er-Wagen gelten als die ältesten planmäßig eingesetzten Oberleitungsbusse der Welt,[4] auch sie stehen unter Denkmalschutz.

1991 beschaffte die ETCE anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung des Hauptstadtbetriebs acht fabrikneue Solo-Obusse aus der Volksrepublik China. Die Wagen vom Typ Shenfeng SYD-60C entstammten einer Gemeinschaftsproduktion von Norinco sowie der Shenyang Bus Manufacturing Factory und wurden unter den Betriebsnummern 601 bis 608 in den Bestand eingereiht. Vier von ihnen gelangten später nach Valparaíso, davon befinden sich die Wagen 603 und 607 im Einsatz. Wagen 604 wurde hingegen ausgemustert, Wagen 601 ist nicht betriebsfähig – soll aber aufgearbeitet werden.

Aus der Schweiz übernommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lieferung aus den 1990er Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1991 und 1992 erwarb die Gesellschaft schließlich insgesamt 31 gebrauchte Schweizer Trolleybusse aus den 1950er- und 1960er-Jahren, darunter erstmals auch Gelenkwagen. Die Gebrauchtwagen verschiedener Fabrikate stammen vom Trolleybus Genf, vom Trolleybus Schaffhausen, vom Trolleybus St. Gallen und vom Trolleybus Zürich und erreichten Chile wie folgt:

22. September 1991 Zürich FBW / SWS / MFO GTr51 Gelenk 105, 107, 109, 111, 129, 132
Januar 1992 Genf Berna / SWS / SAAS 4 GTP Gelenk 609, 618
Zürich FBW / Ramseier & Jenzer / SAAS 91 GTL Gelenk 73
9. April 1992 St. Gallen Saurer / Hess / SAAS 4 TP Solo 142–144, 146–147
25. November 1992 Genf Berna / SWP / SAAS 4 GTP Gelenk 602–605, 611–613, 621
6. Dezember 1992 Genf Berna / SWP / SAAS
FBW / Hess / SAAS
4 GTP
91 GTS
Gelenk
Gelenk
607, 615–617
643–644
Schaffhausen Berna / SWP / Ramseier & Jenzer / SAAS
Berna / SWP / Ramseier & Jenzer / SAAS
4 GTP
4 TP-A
Gelenk
Solo
102–103
203

Ein Teil der Schweizer Wagen war dabei für die 1991 wiedereröffnete Linie in der Hauptstadt bestimmt und kam nie zum hier behandelten Betrieb. Heute sind in Valparaíso noch folgende fünf Fahrzeuge in Betrieb:

  • aus Genf: 99 (ehemals 607) und 617
  • aus Zürich: 105 und 503 (ehemals 129)
  • aus Schaffhausen: 203

Wagen 105 ist dabei mit Baujahr 1959 der weltweit älteste Gelenktrolleybus im regulären Fahrgastbetrieb. Als Ersatzteilspender noch vorhanden sind die Wagen 102 aus Schaffhausen, 504 aus Zürich (dort Nummer 132) und 612 aus Genf.[4]

Lieferung von 2014/15 und 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NAW-Wagen 265

Zehn beim Trolleybus Luzern im Herbst 2014 ausgemusterte NAW/Hess/Siemens BT 5-25 wurden für den symbolischen Preis von 5000 Schweizer Franken pro Stück nach Valparaíso verkauft. Es handelt sich um die Nummern 265, 266, 268–270, 272, 273, 275, 276 und 278, welche zuvor für den Anhängerbetrieb in Luzern benötigt wurden und ihre Fahrzeugnummern in Valparaíso behielten. Der erste Wagen wurde im Mai 2014 per Lastwagen nach Hamburg überführt, wo er nach Valparaíso verschifft wurde, wo er am 28. Juni 2014 ankam. Die weiteren neun Wagen folgten bis zum 6. Januar 2015. Nach rechtlichen Hürden bezüglich des Betriebs von Importfahrzeugen sowie einer Umlackierung in das grün-beige Farbschema, gelangten die Fahrzeuge ab dem 24. März 2015 in den Fahrgastbetrieb. [5]

Im Januar 2017 kündigte der Betreiber Trolebuses de Chile SA an, im Jahr 2017 fünf weitere Fahrzeuge aus Luzern übernehmen zu wollen.[6]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt besitzt die TCSA 20 betriebsfähige Oberleitungsbusse, darunter vier Gelenkwagen. Darüber hinaus dient der ehemalige St. Galler Wagen 142 seit dem 17. November 2008 als Wartehalle und Souvenir-Verkaufsstelle an der Endhaltestelle Plaza Barón.[7] Für die Instandhaltung der Oberleitung steht außerdem ein Turmwagen zur Verfügung. Planmäßig sind werktags – je nach Verfügbarkeit der Fahrzeuge – zwischen zwölf und fünfzehn Kurse gleichzeitig im Einsatz.[4] Die Betriebszeiten sind Montags bis Freitags von 7:00 bis 20:30 Uhr und Samstags von 8:00 bis 20:30 Uhr, sonntags ruht der Betrieb.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberleitungsbus Valparaíso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trolleybus Magazine Nummer 212 (Juli–August 1997), Seiten 42–43. ISSN 0266-7452.
  2. Stabilisierung des Betriebsablaufs Meldung auf www.trolleymotion.ch vom 4. Januar 2010
  3. Blickpunkt Straßenbahn 6/2002
  4. a b c Weiterhin Aufarbeitung der 60-jährigen Oldtimer, Meldung auf www.trolleymotion.ch vom 10. Dezember 2012
  5. Sandro Flückiger, Roman Zai: 1941-2016: 75 Jahre Trolleybus in Luzern, vbl-historic 2016, S. 69f
  6. Interview mit dem Direktor von Trolebuses de Chile SA vom 9. Januar 2017 (spanisch) auf www.mercuriovalpo.cl
  7. Ganz neue Verwendung
  8. Datos del servicio auf trolleybusvalparaiso.blogspot.com