Obermarkt (Freiberg)

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Der Obermarkt in Freiberg

Der Obermarkt ist ein historischer Platz in der Stadt Freiberg in Sachsen. Er misst heute 110 Meter mal 72 Meter und liegt auf einer Höhe von rund 402 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiberger Oberstadt mit der Petrikirche und dem Obermarkt wurde in der zweiten Hälfte der 80er Jahre des 12. Jahrhunderts planmäßig und nach einem Rechteckschema angelegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt oder nur wenige Jahre später und damit nicht erst nach dem Stadtbrand von 1484, wie bisher angenommen, erfolgte auch eine erste Bebauung an der Westseite des Obermarktes zur Petrikirche hin. Der Obermarkt in Freiberg wurde fast 800 Jahre hindurch im Laufe der Geschichte niemals umbenannt und trägt daher noch immer seinen „Geburtsnamen“. Das historische Platzbild ist geschlossen erhalten.

Im 15. Jahrhundert war der Obermarkt Richtstatt des Kunz von Kauffungen, des Prinzenräubers, der seine beiden letzten Tage im Verlies des Rathauses zubrachte. Teile der nach der Überlieferung für den Altenburger Prinzenraub verwendeten Strickleiter, hängen in der Eingangshalle des Rathauses. Ein bläulich schimmernder Pflasterstein aus Basalt zeugt der Überlieferung nach von der Stelle, an die Kunzens Kopf gerollt sein soll. Hierhin blickt der sogenannte, mittlerweile von Verwitterung gezeichnete Gaffkopf vom Erker des Rathauses herab.

Viele der Häuser sind mit teils mehrgeschossigen Dachgauben ausgestattet. Die Nummerierung der Häuser beginnt an der östlichen Ecke mit Nummer 1, folgt dem Uhrzeigersinn und endet am Rathaus mit der Nummer Obermarkt 24.

Bauwerke am Obermarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Obermarkt mit seiner Nordwest- und Nordostseite von Hausnummer 11 bis 19 und 21 bis 24 (Rathaus)

Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dominierende Gebäude des Platzes – Obermarkt 24 – ist das an der Nordostseite des Marktplatzes stehende Rathaus, das ab 1410 errichtet wurde und in das Teile eines Vorgängerbaues einbezogen wurden. Das Gebäude zeichnet sich durch seinen Renaissance-Stil aus. Der Turm beherbergt eine Turmuhr, die nach allen vier Seiten zeigt, im ersten Geschoss die Lorenzkapelle sowie ein aus Meißner Porzellan gefertigtes Glockenspiel, das um 11:15 und 16:15 Uhr täglich das Steigerlied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ intoniert sowie einen wappengeschmückten Erker von 1578, an dem der oben erwähnte Gaffkopf angebracht ist.

Ratskeller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Haus Obermarkt 16, das ein repräsentatives Renaissanceportal besitzt, ist heute die Gaststätte Ratskeller (seit 1880) untergebracht. Das Haus befindet sich an der Nordwestfront des Platzes und wurde 1545/1546 von Sebastian Lorenz d. Ä. als städtisches Kaufhaus errichtet. Im Erdgeschoss waren die Verkaufsstände der Bäcker und Fleischer sowie der Ratsweinschank untergebracht, im Obergeschoss war neben Verkaufsständen von Tuchmachern, Schustern und Kürschnern die so genannte „Kastenstube“ zu finden, eine „Trinkstube für besondere Personen“. Ebenfalls in diesem Gebäude ist der Städtische Festsaal untergebracht, der 1687 eingerichtet und Anfang des 18. Jahrhunderts im Stile des Barocks ausgestaltet wurde. 1727 spielte hier die Schauspielerin Friederike Caroline Neuber (die „Neuberin“), 1834 und 1836 gab Clara Schumann hier Konzerte.

Weitere Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Obermarkt 1 – ein repräsentatives Bürgerhaus – zeichnet sich durch sein reich geschmücktes Eingangsportal und die reich profilierten Fenstergewände aus. Dieses Haus war das Wohnhaus des Freiberger Bürgermeisters Jonas Schönlebe.

Das Haus Obermarkt 17 trägt den Namen Lißkirchner-Haus. Mit 32 m ist es das höchste Haus am Obermarkt. Das Renaissanceportal von 1530 zeigt Motive des Freiberger Bergbaus.

Im spätgotischen Alnpeckhaus an der südlichen Ecke des Marktes befand sich die Freiberger Münze bis zu ihrer Verlegung im Jahre 1556 nach Dresden. Die Münze war zugleich Wohnhaus des letzten Freiberger Münzmeisters Andreas Alnpeck.

Alle übrigen Häuser sind Bürgerhäuser (auch verschiedentlich Patrizierhäuser genannt), die überwiegend aus dem 16. Jahrhundert stammen. Diese Häuser zeichnen sich wegen der – erfahrungsgemäß großen – Schneelasten im Winter durch hohe Satteldächer aus, die teilweise mit Dachgauben, Reliefs, Rundbögen- und anderen Portalen und stabwerkgeschmückten Fenstergewänden versehen sind.

Brunnendenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto der Reiche auf dem Brunnendenkmal auf dem Freiberger Obermarkt

In der Mitte des Marktes steht das bronzene Brunnendenkmal von 1897, das den wettinischen Stadtgründer Markgraf Otto den Reichen und vier Wappenlöwen zeigt. Eine alte Tradition Freiberger Studenten ist das „Löwenreiten“ nach dem Abschluss des Studiums, der früher solange betrieben wurde, bis die Polizei kam und die jungen Leute zur Kasse bat. Der Strafzettel, der ihnen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Löwenreiten bescheinigte, wurde dann stolz in der Heimat herumgezeigt.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßig werden auf dem Obermarkt Wochenmärkte abgehalten. Die Freiberger Bergparaden beziehen in der Regel alle vier Seiten des Marktes in ihre Paradestrecke ein. In der Adventszeit findet der sehr beliebte Freiberger Christmarkt statt.

Siehe auch:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obermarkt (Freiberg, Sachsen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 55′ 1,6″ N, 13° 20′ 32,8″ O