Steigerlied

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Von den Klängen des Steigerlieds begleitete Bergparade während der 43. Landeskirchschicht des Landesverbandes der Berg- und Knappenvereine Nordrhein-Westfalen e.V. 2015 in Ibbenbüren.

Das Steigerlied (auch Steigermarsch oder Glück auf, der Steiger kommt) ist ein deutsches Bergmanns- und Volkslied.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Steigerliedes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Die dritte und die vierte Strophe erschienen in ähnlicher Form bereits als elfte und zwölfte Strophe in dem Lied Es soll ein Meidlein frü auf stan, das in den 1531 in Zwickau erschienenen Liederbuch Bergreihen I enthalten war.[1] Der erste Beleg für das Steigerlied als solches findet sich in der Beschreibung einer Festveranstaltung, die 1678 in Schneeberg zu Ehren des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. abgehalten wurde. Diesem Bericht zufolge ließ „der Berg-Chor / bestehende aus dem Directore / 14 Adjuvanten / als 10 Bergleuten und 4 Schul-Knaben / samt 3 Cyther-Schlägern seine Berg-Reyhen erschallen und mit voller Stimme zu erst hören: Wach auff! wach auff! der Steiger kömmt“.[2] Als eigenständiges Werk wurde der Marsch mit der ursprünglichen Zeile „Wache auff, der Steyer kömmt“ zuerst in dem um 1700 im sächsischen Freiberg veröffentlichten Bergliederbüchlein abgedruckt.[3]

Thema des Steigerliedes ist die Hoffnung der Bergleute, nach der harten und gefährlichen Arbeit im Bergwerk wieder ans Tageslicht und zu ihren Familien zurückzukehren. Andere Quellen sprechen davon, dass der RefrainGlück auf!“ das Glück beschwört, der Berg möge sich auftun, und den Abbau von Bodenschätzen zu ermöglichen. Während die ersten vier Strophen die Gemeinsamkeit haben, dass das Ende der vorangehenden Strophe in der ersten Textzeile der Folgestrophe aufgegriffen wird, fehlt diese Kontinuität in der fünften und sechsten Strophe. Es ist anzunehmen, dass diese Strophen zu einem späteren Zeitpunkt hinzugedichtet wurden. Details des Liedtextes weichen je nach Gebiet ab.

Moderne Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied ist heute in nahezu allen Bergbauregionen Deutschlands anzutreffen und hat für Bergleute und Personen, die sich dem Bergbau verbunden fühlen, den Charakter einer Hymne. Es ist fester Bestandteil von Bergparaden im Harz, im Erzgebirge, im Saarland und im Ruhrgebiet. Es wird außerdem bei Sportveranstaltungen, unter anderem bei Heimspielen des FC Erzgebirge Aue, von Rot-Weiss Essen und des FC Schalke 04, gespielt und gehört zum Standard-Repertoire von Studentenverbindungen. Außerdem wird es auf Parteitagen der SPD gespielt und gesungen.

Das Steigerlied gilt als die „heimliche Nationalhymne“ des Saarlandes. Nachdem das Saarland 1920 für 15 Jahre als Saargebiet vom Deutschen Reich abgetrennt und unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt wurde, verfasste der Lehrer Hanns Maria Lux den Text „Deutsch ist die Saar“ auf die traditionelle Melodie. Besonders in der Phase vor der Volksabstimmung über den Wiedereintritt ins Deutsche Reich am 13. Januar 1935 erlangte diese Variante weite Verbreitung.[4] Nach dem Krieg verwendete Radio Saarbrücken (der spätere Saarländische Rundfunk) bis in die 1980er Jahre vier Takte des Steigerliedes (analog zur Textzeile „…und er hat sein helles Licht bei der Nacht…“), auf einem Horn (SR 1 und SR 3) oder Holzbläsern (SR 2) gespielt, als Senderkennung (Jingle bzw. Pausenzeichen).[5][6]

Bei Studentenverbindungen, aber auch bei städtischen Veranstaltungen, wird gemäß einer in Clausthal-Zellerfeld entstandenen und heute weit verbreiteten Tradition das Steigerlied nach dem so genannten Mitternachtsschrei gesungen. Im Anschluss an das Steigerlied folgen die Fakultätsstrophen in der Reihenfolge Bergleute, Hüttenleute, andere Berufsgruppen.[7]

Die eingängige Melodie des Steigerliedes wurde mehrfach für andere Lieder übernommen, so geschehen bei dem Trinklied Die Kreuzritter seins kreuzbrave Leut’ oder Geburtstag ist heute. 1997 schrieb der Liedermacher Gerhard Gundermann mit Michael Nass ein Lied (Wer hat ein helles Licht bei der Nacht), das auf dem Steigerlied basiert und dieses zum Teil auch zitiert. Außerdem singt Herbert Grönemeyer bei Konzertauftritten Teile des Steigerliedes als Einleitung zu seinem Lied Bochum.

Melodie und Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


\relative c''
{ \key g \major \autoBeamOff
g2 fis4 a4 | g2 r2 | b2 a4 c4 | b2 r4 g8 a8 | b4 b4 b4 a8[ b8] | c4 a8. a16 a4 a8 b8 |
c4 e4 e4 d8[ c8] | d4 b8. b16 b4 a4 | g2 a2 | b4( e4 d4) c4| b2 a2 | g2 r2 \bar "|." }
\addlyrics
{
Glück auf, Glück auf, der Stei -- ger kommt. Und er hat sein hel -- les Licht bei der Nacht, und er
hat sein hel -- les Licht bei der Nacht, schon an -- ge -- zünd't, __ schon an -- ge -- zünd't.
}

Der nachstehende Text entspricht der überlieferten Urform des Liedes.

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, :|
|: schon angezünd't :|

Schon angezünd't! Das gibt ein’n Schein,
|: und damit so fahren wir bei der Nacht, :|
|: ins Bergwerk ein :|

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein,
|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht, :|
|: aus Felsgestein :|

Der Eine gräbt das Silber, der and’re gräbt das Gold,
|: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht, :|
|: dem sein wir hold :|

Ade, nun ade! Lieb’ Schätzelein!
|: Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht, :|
|: da denk’ ich dein :|

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
|: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht, :|
|: Glück auf, Glück auf! :|

Eine weitere überlieferte Strophe lautet

Die (Variante: Wir)Bergmann’sleut sein’s kreuzbrave Leut,
|: denn sie (wir) tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht :|
|: und saufen Schnaps :|

Wenn die vorherigen Strophen sitzend gesungen werden, stehen die anwesenden Bergleute bei der oben stehenden Strophe meistens auf. Zudem wird auf größeren Veranstaltungen nach Singen dieser Strophe angestoßen und ein alkoholisches Getränk getrunken.

Es kursieren eine Reihe weiterer ähnlich aufgebauter Strophen für verschiedenste Gruppen, wie z. B. Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Diese Strophen enden auf „|: und saufen’s auch :|“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Heilfurth: Das Bergmannslied. Wesen, Leben, Funktion. Ein Beitrag zur Erhellung von Bestand und Wandlung der sozialkulturellen Elemente im Aufbau der industriellen Gesellschaft. Bärenreiter, Kassel/Basel 1954, bes. S. 429–439 (Text und Melodie zahlreicher Varianten), S. 636–643 (Verzeichnis aller Belege des Liedes).
  • Stefan Sander, Andreas Pieper: „…unter der blühenden Linde“. Fakultätsstrophen zur „Lindenwirtin“ und zum „Steigerlied“. Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, Essen 2007, OCLC 254851513, S. 81–120 (2. Auflage ebd. 2008).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steigerlied – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Glück auf, Glück auf – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Etliche hubsche bergkreien. geistlich vnd weltlich zu samen gebracht. Wolfgang Meierpeck, Zwickau 1531 (mehrere Nachdrucke). Dazu vgl. Albrecht Classen: Deutsche Liederbücher des 15. und 16. Jahrhunderts (= Volksliedstudien. Band 1). Waxmann, Münster u. a. 2001, ISBN 3-8309-1035-5, S. 75 f. (online).
  2. Salomo Krauß: Nachrichtlicher Entwurff des Bergk-Männischen Auffzuges (Schneeberg 5. August 1678). Zwickau o. J., zit. nach Gerhard Heilfurth: Das Bergmannslied. Wesen, Leben, Funktion. Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1954, S. 22 f.
  3. Wache auff, wache auff, der Steyer kömmt. In: Bergliederbuch, Edition A. Abgerufen am 17. Juni 2014.
  4. Name, Flaggen, Wappen, Siegel, Hymnen und Lieder. In: saar-nostalgie.de. Abgerufen am 16. Oktober 2016.
  5. SR.de: Doppeldeutig: Das traditionelle SR-Pausenzeichen. In: sr.de. Abgerufen am 16. Oktober 2016.
  6. Die Pausenzeichen der Saar-Sender. In: saar-nostalgie.de. Abgerufen am 16. Oktober 2016.
  7. Wolfgang Schütze (Hrsg.): Es ragen dunkle Tannen. Ein Clausthaler Kommersliederbuch. Clausthaler Kommersbuch-Verlag, Clausthal-Zellerfeld 1992, S. 73 ff.