Obervermuntwerk II

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Obervermuntwerk II
Der Vermuntsee mit dem Obervermuntwerk I am rechten Bildrand
Der Vermuntsee mit dem Obervermuntwerk I am rechten Bildrand
Lage
Obervermuntwerk II (Vorarlberg)
Obervermuntwerk II
Koordinaten 46° 56′ 10″ N, 10° 3′ 45″ OKoordinaten: 46° 56′ 10″ N, 10° 3′ 45″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
VorarlbergVorarlberg Vorarlberg
Ort Gaschurn
Gewässer Ill
Höhe Oberwasser 2030 m ü. A.
Kraftwerk
Eigentümer Vorarlberger Illwerke
Betreiber Vorarlberger Illwerke
Planungsbeginn 2010
Bauzeit seit 2014
Betriebsbeginn 2018
Technik
Engpassleistung 360 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe
311 m
Turbinen 2
Generatoren Drehstromgeneratoren
Sonstiges
Website http://www.obervermuntwerk2.at
Stand 2014
Abfluss vom Silvretta-Stausee zum Obervermuntwerk I

Das Obervermuntwerk II (OVW II) ist ein in Bau befindliches Hochdruck-Pumpspeicherkraftwerk der Vorarlberger Illwerke am Vermuntsee im österreichischen Bundesland Vorarlberg.

Es wird Teil der Kraftwerksgruppe Vermunt und nutzt auf 1743 m ü. A. am Ufer des Vermuntsees im Gemeindegebiet der Gemeinde Gaschurn liegend den Höhenunterschied von 311 m zum darüber liegenden Silvretta-Stausee zur Erzeugung von elektrischer Energie. Das Kraftwerk hat eine Engpassleistung von voraussichtlich 360 Megawatt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau des Obervermuntwerks I wurde im Jahr 1938 begonnen. Bereits kurz nach der Fertigstellung des Obervermuntwerks I entstanden weitere Pläne zur Realisierung einer weiteren Kraftwerksstufe zwischen den Speichern Silvretta und Vermunt. In den 1980er Jahren wurde über Ersatzlösungen für die oberirdische Druckrohrleitung durch eine unterirdische Variante nachgedacht und verschiedene Projektvarianten entwickelt. Zwischen 2000 und 2009 wurden mehrere Erneuerungsvarianten der Druckrohrleitung Obervermunt untersucht.[1]

Der Bau des Obervermuntwerk II wurde am 5. Mai 2014 begonnen und bringt eine als notwendig erachtete Optimierung der Energieressourcen, die derzeit nur teilweise vom vorhandenen Obervermuntwerk I genutzt werden (Parallelkraftwerksanlage). Die Planungen für das Obervermuntwerk II begannen 2010 und bis 2013 war das notwendige Behördenverfahren abgeschlossen.

Mit dem Obervermuntwerk II soll nun die volle Kapazität beider Speicher Silvretta und Vermunt energiewirtschaftlich genutzt werden. Es wird ein Wirkungsgrad bei der Pumpspeicherung von rund 80 Prozent angestrebt. Für das Obervermuntwerk II werden keine neuen Wasserressourcen benötigt, da auf bereits bestehende Kapazitäten der Speicher zurückgegriffen werden kann.

Das Investitionsvolumen beträgt voraussichtlich etwa 440 bis 500 Millionen Euro, wobei etwa die Hälfte der Investitionen aus Eigenmitteln gedeckt werden kann.[2]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorarlberger Illwerke AG
Staustufen und Kraftwerke im Montafon
Schematische Darstellung
               
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
               
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
               
               
               
Zuflüsse
               
Silvretta-Stausee 2030 m
               
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
               
Zuflüsse
               
Bachüberleitung aus Tirol
               
Stausee Kops 1809 m
               
Obervermuntwerk I 1743 m
               
  |  Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen | Zuflüsse | 
               
Vermuntsee 1743 m
               
Obervermuntwerk II (in Bau) 1655 m
               
               
               
Zuflüsse
               
Speicherbecken Rells (in Bau) 1456 m
               
Rellswerk (in Bau) 1430 m
               
               
               
               
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
               
               
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
               
Rifawerk 1005 m
               
               
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
               
Zuflüsse
               
Lünerseewerk 992 m
               
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
               
Latschauwerk 985 m
               
               
Staubecken Latschau 992 m
               
               
               
               
Kraftwerk Rodund I und II 645 m
               
Zufluss von Ill
               
Rodundbecken I bis III 645 m
               
Abfluss zur Ill
               
               
Zufluss Alvier
               
Zufluss Meng
               
Walgauwerk 492 m
               
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
               
Abfluss zur Ill

Inbetriebnahme des Obervermuntwerkes II ist voraussichtlich 2018. Das Obervermuntwerk II wird nach der Inbetriebnahme das zweitgrößte Kraftwerk der Vorarlberger Illwerke sein.

Das Obervermuntwerk II wird nach der Fertigstellung vollautomatisch und ferngesteuert durch das Illwerke Control Center (ICC) in Rodund in Betrieb genommen und überwacht.

Krafthaus – Maschinenkaverne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk Obervermuntwerk II soll mit den beiden horizontalen Maschinensätzen speziell auch für den raschen Einsatz zum Ausgleich der Netzschwankungen durch erneuerbare Energieträger (Windenergie, SonnenenergiePhotovoltaik) eingesetzt werden. Jeder Maschinensatz besteht aus einer Francisturbine, einem Motorgenerator, einer Kupplung und einer Pumpe, den dazugehörigen Regel- und Steuereinrichtungen und anderen Nebenanlagen.

Dieses Kraftwerk wird, wie die Kraftwerke Kopswerk I und Kopswerk II als Kavernenkraftwerk[3] ausgeführt. Die Maschinenkaverne wird nach der Fertigstellung etwa 117 m lang und 33 m hoch sein, hat eine maximale Breite von rund 33 m und misst in der Sohlbreite rund 25 m.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Energiegewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Hersteller Turbine: Andritz AG
  • Turbinentype: Francis
  • Turbinengesamtleistung (Engpassleistung): 360 MW
  • Turbineneinzelleistung: 180 MW
  • Generatornennleistung: 200 MVA
  • Ausbaudurchfluss je Turbine: 80 m3/s
  • Gesamter Ausbaudurchfluss der Turbinen: 160 m³/s
  • durchschnittliche Fallhöhe: 311 m
  • Drehzahl: 428,5 U/m
Pumpbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hersteller Pumpe: Voith

  • Pumpengesamtleistung: 320 MW
  • Pumpeneinzelleistung 160 MW
  • Ausbaudurchfluss einer Pumpe: 50 m3/s
  • Gesamter Ausbaudurchfluss der Pumpen: 100 m³/s

Die Maschinensätze dienen der Erzeugung von Regelenergie und Spitzenenergie. Die volle Regelfähigkeit der Maschinensätze wird durch die Anwendung des hydraulischen Kurzschlusses hergestellt.

Antrieb/Generator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Antrieb der Pumpen und die Stromerzeugung erfolgen bei beiden Baugruppen über einen siebenpoligen Motorgenerator von General Electric mit einer Nenndrehzahl von 428,5 pro Minute. Die Motorgeneratoren sind zwischen Turbine und Pumpe angeordnet und werden von der Turbine durch eine Lastkupplung und von der Pumpe durch einen Wandler getrennt.

Leitungsführung und Transformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnitt neue Kraftwerksleitung Obervermuntwerk II.

Die Trafokaverne ist an die Maschinenkaverne anschließend (von Norden aus betrachtet stirnseitig vor der Maschinenkaverne). Sie wird eine Gesamtlänge von etwa 46 m haben, rund 19 m hoch und 19,5 m breit sein. In der Trafokaverne werden sich die Transformatoren der beiden Maschinensätze und ein zusätzlicher Netzkuppeltransformator, die SF6-Hochspannungsschaltanlage, Teile der Belüftungsanlage und der Heizung befinden. Die Transformatoren sind aus Sicherheitsgründen in eigenen Trafoboxen untergebracht, welche mit automatischen Löschanlagen ausgestattet sind. Hersteller: Siemens AG. Die Haupttransformatoren haben ein Gewicht von 270 Tonnen.

Das Obervermuntwerk II wird an die 220-kV-Spannungsebene angeschlossen. Von der 220-kV-Schaltanlage in der Transformatorkaverne wird ein 220 kV-Kabelsystem bis zur 220-kV-Schaltanlage des Kopswerkes I in Partenen und von dort weiter über die bestehenden 220-kV-Freileitungssysteme Partenen nach Bürs (Umspannanlage Bürs) führen.

Die Eigenversorgung der Kraftwerkskaverne erfolgt über drei Wege:

  • einen 40-MVA-Transformator über die 220-kV-Anbindung,
  • über das bestehende 20-kV-Infrastrukturnetz über „Partenen Loch“ und der Station Vermunt,
  • über eine autonome 20-kV-Anspeisung aus dem Obervermuntwerk I.

Hydraulische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Änderung der Triebwasserführung die durch die Lastwechselgänge der Maschinensätze hervorgerufen werden, wie z. B. Anfahren oder Abbremsen der Maschinen, Öffnen oder Schließen der Absperrorgane wird über das Wasserschloss Krespa (in der Nähe der Silvretta-Hochalpenstraße) bzw. das Wasserschloss Seelikopf (für die Unterwasserführung) ausgeglichen. Diese Begrenzung von Druckstoß- und Schwingungsvorgängen wird durch eine entsprechende Dimensionierung der Leitungen und des Wasserschlosses ermöglicht.

Druckrohrleitung Obervermuntwerk I.

Das Wasser für das Obervermuntwerk II wird aus dem Silvretta-Stausee (Oberspeicher) über

  • einen Einlaufstollen (Länge: 170 m, Durchmesser: 6,80 m),
  • einen im Fels verlegten Druckstollen (Länge: 2800 m, Durchmesser: 6,80 m) bzw.
  • Druckschacht (Länge 110 m, Durchmesser: 4,50 m)

zum Kavernenkrafthaus beim Vermuntsee geführt (maximale Fallhöhe etwa 311 m). Der Vermuntsee dient dabei als Unterspeicher und wird von der Kaverne mit einem Unterwasserstollen angebunden (Länge: 380 m, Durchmesser: 6,40 m).

Die bestehende oberirdische Druckrohrleitung des Obervermuntwerks I (3,3 km lang) wird durch eine gemeinsame neue unterirdische Triebwasserführung mit dem Obervermuntwerk II ersetzt. Der zukünftige Druckstollen wird als Rohrstollen geführt werden. Dabei wird nicht der gesamte ausgebrochene Querschnitt für den Druckstollen genutzt. Im ausgebrochenen Rohrstollen befindet sich eine Druckrohrleitung aus Stahl mit einem Durchmesser von rund 3,80 Metern, welche auf so genannten „Auflagern“ aufliegen wird. Die Verbindung von der Schieberkammer des Kraftwerks bis zum Silvrettastollen wird etwa 1.270 Meter betragen.[4]

  • kleinste Fallhöhe 243,20 m,
  • größte Fallhöhe 311,20 m.

Bauphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation der temporären Materialseilbahn Obervermuntwerk II in Partenen, Vorarlberg, Österreich auf 1741 m.ü.A.

Die Projektphase für den Bau des Kraftwerkes begann 2010, die dafür notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung wurde ab 2011 durchgeführt und 2013 abgeschlossen. 2014 begannen die Ausbrucharbeiten, die voraussichtlich 2016 beendet sein werden. Etwas zeitversetzt nach den Ausbrucharbeiten begannen 2015 die Betonarbeiten, die voraussichtlich bis 2017 andauern werden.

Die mechanischen und elektrischen Arbeiten werden entsprechend dem Baufortschritt vorgenommen. So begann der Stahlwasserbau 2015 und wird 2018 vollendet sein, die Maschinenmontage und die Installation der elektrotechnischen Anlagen wird von 2016 bis 2018 vorgenommen werden. Die Inbetriebnahme der Maschine 1 des Obervermutwerks II ist für das 3. Quartal 2018, die der Maschine 2 für das 4. Quartal 2018 vorgesehen. Die neue Anbindung auch des Obervermuntwerks I an den Druckstollen des Obervermuntwerks II soll bis 2019 abgeschlossen sein, anschließend wird bis 2020 die nicht mehr benötigte alte Druckrohrleitung zum Obervermuntwerk 1 abgebaut.

Für die Bauphase des Kraftwerks und insbesondere zur Versorgung der Baustelle im Winter (Sperre der Silvretta-Hochalpenstraße) wurde eigens eine Materialseilbahn errichtet.

Technische Daten Seilbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hersteller: LCS Cable Cranes (Sulz)
  • Errichtung: Juni bis September 2014
  • Talstation: Nähe Mautstation Silvretta Hochalpenstraße (1143 m ü. A.)
  • Bergstation: beim Vermuntsee (1741 m ü. A.)
  • Höhenunterschied: 598 m
  • Schräge Länge: 2640 m
  • Freistehende Stützen: 7
  • Stützenhöhe: 20 bis 37 m
  • Antrieb: zwei geregelte Drehstromantriebe mit je 400 kW
  • Fahrgeschwindigkeit: 2 m/s (bei 20 to) oder 3 m/s (bis 17 to)
  • Nutzlast: 20 Tonnen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obervermuntwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach: OBERVERMUNTWERK II, UVP-Verfahren, S. 41 f.
  2. Siehe: Vol.at. Diese Investitionen in ein Pumpspeicherkraftwerk im Hinblick auf den derzeitig bestehenden Strommarkt stehen jedoch bereits unter Kritik Format.at
  3. Es wird mit Felsausbruchmaterial in einer Größenordnung von etwa 800.000 Kubikmeter gerechnet [1].
  4. Siehe [2]