Obervermuntwerk II

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Obervermuntwerk II
Der Vermuntsee mit dem Obervermuntwerk I am rechten Bildrand. Das Obervermuntwerk II befindet sich zwischen dem Obervermuntwerk I und der Staumauer im Berg.
Der Vermuntsee mit dem Obervermuntwerk I am rechten Bildrand. Das Obervermuntwerk II befindet sich zwischen dem Obervermuntwerk I und der Staumauer im Berg.
Lage
Obervermuntwerk II (Vorarlberg)
Obervermuntwerk II
Koordinaten 46° 56′ 10″ N, 10° 3′ 45″ OKoordinaten: 46° 56′ 10″ N, 10° 3′ 45″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
VorarlbergVorarlberg Vorarlberg
Ort Gaschurn
Gewässer Ill, Bieltalbach
Höhe Oberwasser 2030 m ü. A.
Kraftwerk
Eigentümer Vorarlberger Illwerke
Betreiber Vorarlberger Illwerke
Planungsbeginn 2010
Bauzeit seit 2014
Betriebsbeginn 2019
Technik
Engpassleistung 360 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe
max. 311,2 m
Ausbaudurchfluss im Turbinenbetrieb 150 m³/s
Turbinen 2
Generatoren Drehstromgeneratoren
Sonstiges
Website http://www.obervermuntwerk2.at
Stand 2019
Druckrohrleitung vom Silvretta-Stausee zum Obervermuntwerk I, wird nach Fertigstellung des Obervermuntwerkes II abgerissen.

Das Obervermuntwerk II (OVW II) ist ein Hochdruck-Pumpspeicherkraftwerk der Vorarlberger Illwerke am Vermuntsee im österreichischen Bundesland Vorarlberg.

Es ist Teil der Kraftwerksgruppe Vermunt und nutzt im Gemeindegebiet der Gemeinde Gaschurn liegend den Höhenunterschied vom Silvretta-Stausee (2030 m ü. A..) zum Vermuntstausee auf 1743 m ü. A. zur Erzeugung von elektrischer Energie. Das Kraftwerk ist unterirdisch am Vermuntsee angelegt und hat eine Engpassleistung von 360 Megawatt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau des Obervermuntwerks I wurde im Jahr 1938 begonnen. Bereits kurz nach der Fertigstellung des Obervermuntwerks I entstanden weitere Pläne zur Realisierung einer weiteren Kraftwerksstufe zwischen den Speichern Silvretta und Vermunt. In den 1980er Jahren wurde über Ersatzlösungen für die oberirdische Druckrohrleitung durch eine unterirdische Variante nachgedacht und verschiedene Projektvarianten entwickelt. Zwischen 2000 und 2009 wurden mehrere Erneuerungsvarianten der Druckrohrleitung Obervermunt untersucht.[1]

Der Bau des Obervermuntwerkes II wurde am 5. Mai 2014 begonnen und bringt eine als notwendig erachtete Optimierung der Energieressourcen, die derzeit nur teilweise vom vorhandenen Obervermuntwerk I genutzt werden (Parallelkraftwerksanlage). Die Planungen für das Obervermuntwerk II begannen 2010. Bis 2013 war das notwendige Behördenverfahren abgeschlossen.

Mit dem Obervermuntwerk II kann nun die volle Kapazität beider Speicher Silvrettasee und Vermuntsee energiewirtschaftlich genutzt werden. Es wird ein Wirkungsgrad bei der Pumpspeicherung von rund 80 Prozent angestrebt. Für das Obervermuntwerk II werden keine neuen Wasserressourcen benötigt, da auf bereits bestehende Kapazitäten der Speicher zurückgegriffen werden kann.

Das Investitionsvolumen beträgt voraussichtlich etwa 440 bis 500 Millionen Euro, wobei etwa die Hälfte der Investitionen aus Eigenmitteln gedeckt werden kann.[2]

Nach der probeweisen Inbetriebnahme des zweiten Maschinensatzes Ende 2018 und einer Überprüfung im ersten Halbjahr 2019 wurde das Kraftwerk am 7. Juni 2019.[3] eröffnet. Ein für Pfingsten 2019 geplanter "Tag der offenen Tür", zu dem man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln des Verkehrsverbund Vorarlberg kostenlos anreisen kann, wurde aufgrund der witterungsbedingt voraussichtlich erst am 20. Juni 2019 endenden Wintersperre der Silvretta-Hochalpenstraße auf das Wochenende 31. August / 1. September 2019 verschoben.[4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorarlberger Illwerke AG
Staustufen und Kraftwerke im Montafon
Schematische Darstellung
               
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
               
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
               
               
               
Zuflüsse
               
Silvretta-Stausee 2030 m
               
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
               
Zuflüsse
               
Pumpwerk Kleinvermunt 1670 m
               
Bachüberleitung Fasulbach und Rosanna
               
Stausee Kops 1809 m
               
Obervermuntwerk I 1743 m
               
Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen
               
Zuflüsse
               
Vermuntsee 1743 m
               
Obervermuntwerk II (in Bau) 1655 m
               
               
               
Zuflüsse Rells-, Vilifau- und Zaluandabach
               
Speicherbecken Rells 1456 m
               
Rellswerk 1430 m
               
Sperrkammer Salonien 1690 m
               
               
               
               
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
               
               
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
               
Rifawerk 1005 m
               
               
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
               
Zuflüsse Garnera-, Vermilbach, Suggadin
               
Lünerseewerk 992 m
               
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
               
Latschauwerk 985 m
               
               
Staubecken Latschau 992 m
               
               
               
               
Kraftwerk Rodund I und II 645 m
               
Zufluss von Ill
               
Rodundbecken I bis III 645 m
               
Abfluss zur Ill
               
               
Zufluss Alvier
               
Zufluss Meng
               
Walgauwerk 492 m
               
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
               
Abfluss zur Ill

Es ist das zweitgrößte Kraftwerk der Vorarlberger Illwerke und wird vollautomatisch und ferngesteuert durch das Illwerke Control Center (ICC) in Rodund überwacht.

Krafthaus – Maschinenkaverne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk wird mit den beiden horizontalen Maschinensätzen speziell auch für den raschen Einsatz zum Ausgleich der Netzschwankungen durch erneuerbare Energieträger (Windenergie, SonnenenergiePhotovoltaik) eingesetzt. Jeder Maschinensatz besteht aus einer Francisturbine, einem Motorgenerator, einer Kupplung und einer Pumpe, den dazugehörigen Regel- und Steuereinrichtungen und anderen Nebenanlagen.

Dieses Kraftwerk ist, wie die Kraftwerke Kopswerk I und Kopswerk II, als Kavernenkraftwerk[5] ausgeführt. Dadurch werden optische Eingriffe in die Landschaft sowie Gefährdungen der Kraftwerksanlagen durch Lawinen erheblich reduziert. Die Maschinenkaverne ist etwa 117 m lang und 33 m hoch, hat eine maximale Breite von rund 33 m und misst in der Sohlbreite rund 25 m. Unter ihrer Decke sind zwei Brückenkrane mit je 130 t Tragfähigkeit, die gekoppelt 250 t heben können, installiert.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Energiegewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Hersteller Turbine: Andritz AG
  • Turbinentype: Francis
  • Turbinengesamtleistung (Engpassleistung): 360 MW
  • Turbineneinzelleistung: 180 MW
  • Generatornennleistung: 200 MVA
  • Gesamter Ausbaudurchfluss der Turbinen: 150 m³/s
  • Drehzahl: 428,5 U/m
  • kleinste Fallhöhe 243,20 m,
  • größte Fallhöhe 311,20 m.
Pumpbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hersteller Pumpe: Voith

  • Leistungsaufnahme der Pumpen: 2 × 180 MW
  • Gesamter Ausbaudurchfluss der Pumpen: 135 m³/s

Die Maschinensätze dienen der Erzeugung von Regelenergie und Spitzenenergie. Die volle Anpassungsfähigkeit der Leistungsaufnahme der Maschinensätze im Pumpbetrieb wird durch die Anwendung des hydraulischen Kurzschlusses hergestellt.

Antrieb/Generator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Antrieb der Pumpen und die Stromerzeugung erfolgen bei beiden Baugruppen über einen siebenpoligen Motorgenerator von General Electric mit einer Nenndrehzahl von 428,5 pro Minute. Die Motorgeneratoren sind zwischen Turbine und Pumpe angeordnet und werden von der Turbine durch eine Lastkupplung und von der Pumpe durch einen Wandler getrennt.

Leitungsführung und Transformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnitt neue Kraftwerksleitung Obervermuntwerk II

Die Trafokaverne ist an die Maschinenkaverne anschließend (von Norden aus betrachtet stirnseitig vor der Maschinenkaverne). Sie hat eine Gesamtlänge von etwa 46 m, ist rund 19 m hoch und 19,5 m breit. In der Trafokaverne sind die Transformatoren der beiden Maschinensätze und ein zusätzlicher Netzkuppeltransformator, die SF6-Hochspannungsschaltanlage, Teile der Belüftungsanlage und der Heizung eingebaut. Die Transformatoren von Siemens sind aus Sicherheitsgründen in eigenen Trafoboxen untergebracht, welche mit automatischen Löschanlagen ausgestattet sind. Die Haupttransformatoren haben ein Gewicht von 270 Tonnen.

Das Obervermuntwerk II ist an die 220-kV-Spannungsebene angeschlossen. Von der 220-kV-Schaltanlage in der Transformatorkaverne führt ein 220-kV-Kabelsystem bis zur 220-kV-Schaltanlage des Kopswerkes I in Partenen und von dort weiter über die bestehenden 220-kV-Freileitungssysteme Partenen nach Bürs (Umspannanlage Bürs). Da Hochspannungsmasten im engem Tal oberhalb von Partenen wegen der Lawinengefahr nicht aufgestellt werden, wird der Strom zunächst durch die Stollen der ehemaligen Höhenbahn nach Trominier und von dort an der Trasse der Vermuntbahn entlang nach Partenen geleitet.

Die Eigenversorgung der Kraftwerkskaverne erfolgt über drei Wege:

  • einen 40-MVA-Transformator über die 220-kV-Anbindung,
  • über das bestehende 20-kV-Infrastrukturnetz über „Partenen Loch“ und der Station Vermunt,
  • über eine autonome 20-kV-Anspeisung aus dem Obervermuntwerk I.

Hydraulische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Änderung der Triebwasserführung, die durch die Lastwechselgänge der Maschinensätze hervorgerufen wird, wie z. B. Anfahren oder Abbremsen der Maschinen, Öffnen oder Schließen der Absperrorgane, wird über das Wasserschloss Krespa (in der Nähe der Silvretta-Hochalpenstraße) bzw. das Wasserschloss Seelikopf (für die Unterwasserführung) ausgeglichen. Diese Begrenzung von Druckstoß- und Schwingungsvorgängen wird durch eine entsprechende Dimensionierung der Leitungen und des Wasserschlosses ermöglicht.

Druckrohrleitung Obervermuntwerk I.

Das Wasser für das Obervermuntwerk II wird aus dem Silvretta-Stausee (Oberspeicher) über

  • einen Einlaufstollen (Länge: 170 m, Durchmesser: 6,80 m),
  • einen im Fels verlegten Druckstollen (Länge: 2800 m, Durchmesser: 6,80 m) bzw.
  • Druckschacht (Länge 110 m, Durchmesser: 4,50 m)

zum Kavernenkrafthaus beim Vermuntsee geführt. Der Vermuntsee dient dabei als Unterspeicher und wird von der Kaverne mit einem Unterwasserstollen angebunden (Länge: 380 m, Durchmesser: 6,40 m).

Die bestehende oberirdische Druckrohrleitung des Obervermuntwerks I (3,3 km lang) wurde durch die gemeinsame neue unterirdische Triebwasserführung mit dem Obervermuntwerk II ersetzt. Der Druckstollen ist als Rohrstollen ausgeführt. Dabei wird nicht der gesamte ausgebrochene Querschnitt für den Druckstollen genutzt. Im ausgebrochenen Rohrstollen befindet sich eine Druckrohrleitung aus Stahl mit einem Durchmesser von rund 3,80 Metern, welche auf so genannten „Auflagern“ aufliegen wird. Die Verbindung von der Schieberkammer des Kraftwerks bis zum Silvrettastollen ist etwa 1.270 Meter lang.[6]

Bauphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation der temporären Materialseilbahn Obervermuntwerk II in Partenen, Vorarlberg, Österreich auf 1741 m.ü.A.

Die Projektphase für den Bau des Kraftwerkes begann 2010, die dafür notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung wurde ab 2011 durchgeführt und 2013 abgeschlossen. 2014 begannen die Ausbrucharbeiten, die voraussichtlich 2016 beendet sein werden. Etwas zeitversetzt nach den Ausbrucharbeiten begannen 2015 die Betonarbeiten.

Die mechanischen und elektrischen Arbeiten wurden entsprechend dem Baufortschritt vorgenommen. So begann der Stahlwasserbau 2015. Die nicht mehr benötigte alte Druckrohrleitung zum Obervermuntwerk I soll bis 2020 abgebaut werden. 2020 sollen auch die Rekultivierungsarbeiten abgeschlossen sein.[4]

Der Silvrettasee war bisher im Winter stets zugefroren. Das ermöglichte im Bereich des Sees einen von Lawinen weitgehend ungefährdeten Zustieg zur Wiesbadener Hütte. Weiterhin wurde im Winter immer eine Langlaufloipe auf dem See angelegt. Durch den im Vergleich zum Obervermuntwerk I um ein Mehrfaches gesteigerten Ab- und Zufluss friert der See im Nordteil nicht mehr zu.[7] Deshalb wurde bereits zu Beginn der Bauarbeiten im Süden der Staumauern ein Tunnel durch den Nordostausläufer des Lobspitzmassivs getrieben.

Für die Bauphase des Kraftwerks und insbesondere zur Versorgung der Baustelle im Winter (Sperre der Silvretta-Hochalpenstraße) wurde eigens eine Materialseilbahn errichtet.

Technische Daten Seilbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hersteller: LCS Cable Cranes (Sulz)
  • Errichtung: Juni bis September 2014
  • Talstation: Nähe Mautstation Silvretta Hochalpenstraße (1143 m ü. A.)
  • Bergstation: beim Vermuntsee (1741 m ü. A.)
  • Höhenunterschied: 598 m
  • Schräge Länge: 2640 m
  • Freistehende Stützen: 7
  • Stützenhöhe: 20 bis 37 m
  • Antrieb: zwei geregelte Drehstromantriebe mit je 400 kW
  • Fahrgeschwindigkeit: 2 m/s (bei 20 to) oder 3 m/s (bis 17 to)
  • Nutzlast: 20 Tonnen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obervermuntwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach: OBERVERMUNTWERK II, UVP-Verfahren, S. 41 f.
  2. Siehe: Vol.at. Diese Investitionen in ein Pumpspeicherkraftwerk im Hinblick auf den derzeitig bestehenden Strommarkt stehen jedoch bereits unter Kritik Format.at (Memento des Originals vom 18. Mai 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.format.at
  3. Obervermuntwerk II wurde feierlich eröffnet auf ORF vom 7. Juni 2019, abgerufen am 7. Juni 2019.
  4. a b Illwerke: Obervermuntwerk 2. Abgerufen am 7. Juni 2019.
  5. Es wird mit Felsausbruchmaterial in einer Größenordnung von etwa 800.000 Kubikmeter gerechnet [1].
  6. Siehe [2]
  7. Kraftwerksführung im Lünerseewerk, 2014