Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“

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Offiziershochschule „Ernst Thälmann“
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Aktivität 1962 – 1990
Trägerschaft Emblem of the Ground Forces of NVA (East Germany).svg NVA, Kommando LaSK
Ort Löbau und Zittau
Land Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR
letzter Kommandeur Generalleutnant U. Bethmann
Studierende ca. 2000 Lehrgangsteil-
nehmer pro Jahr

Die Offiziershochschule der Landstreitkräfte (OHS der LaSK) trug den Ehrennamen Ernst Thälmann und war eine militärische Hochschule der DDR. Sie diente der Ausbildung von Offizieren und Fähnrichen der Nationalen Volksarmee und anderer bewaffneter Organe.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1963 wurden verschiedene Offizierschulen einzelner Truppengattungen der Landstreitkräfte der NVA zusammengefasst und an den Standorten Löbau und Zittau gemeinsam untergebracht. Die neuen Unterbringungsorte waren die Jägerkaserne (Löbau) und die ehemalige König-Ludwig-Kaserne (Zittau).

Den Absolventen der OHS wurde ab 1987 ein besonderes Absolventenabzeichen (NVA) verliehen.

Militärischer Bereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörsaalausbildung der LaSK, 2. Studienjahr

Kommandeur und Stab der Offiziershochschule befanden sich am Standort Löbau.

Die Offiziersschüler waren in Kompanien / Batterien, Zügen und Gruppen militärisch gegliedert. Der Kompaniechef / Batteriechef war ein Offizier der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere bis Oberstleutnant und trug die Funktionsbezeichnung Lehrgruppenleiter/Kompaniechef bzw. Lehrgruppenleiter/Batteriechef (LGL/KC bzw. LGL/BC).

Die Zugführer, zugleich Fachlehrer, waren ebenfalls Offiziere bis zum Dienstgrad Major. Bereits zum Studienbeginn fungierten Offiziersschüler als Stellvertreter Zugführer (StZF) und als Gruppenführer (GF). Dies war an einem zusätzlichen gelben Streifen (für StZF) bzw. roten Streifen (für GF) auf beiden Schulterstücken der Dienstuniform ersichtlich. Mit Beginn des vierten Studienjahrs entfielen die bis dahin etatmäßigen Zugführer mit Offiziersrang.

In jeder Kompanie gab es einen Hauptfeldwebel, der umgangssprachlich auch als Spieß bezeichnet wurde. Im Gegensatz zur Bundeswehr (dort Kompaniefeldwebel genannt) handelte es sich bei dem Hauptfeldwebel nicht um einen Dienstgrad, sondern um eine Dienststellung.

An beiden Standorten gab es kasernennahe Standortübungsplätze. Dort erfolgten die militärische Grundausbildung und die truppengattung-spezifische Geländeausbildung. Dazu standen an beiden Standorten BSA (Bataillon zur Sicherstellung der Ausbildung) bzw. ASA (Abteilung zur Sicherstellung der Ausbildung), später RSA (Regiment zur Sicherstellung der Ausbildung), mit Personal, Gerät, Ausrüstung und Bewaffnung zur Verfügung.

Nach der Grundausbildung und der Vereidigung begann das Studium an den einzelnen Sektionen. Jedoch wurden die Offiziersschüler noch bis zum dritten Studienjahr zur Kasernenwache, Munitionswache, Feuerwache und Standortstreife regelmäßig eingeteilt. Nach dem zweiten Studienjahr waren Truppenpraktika vorgesehen. Den Offiziersschülern oblag auch das Stuben- und Revierreinigen sowie die Reinigung der Lehrgebäude und der Außenreviere.

Die Offiziersschüler wurden kaserniert untergebracht, wobei je eine Kompanie zu vier Zügen jeweils einen Flur eines Kasernenblocks belegte. Die einzelnen Stuben waren mit je 4 Mann belegt. Gruppenführer und Stellvertreter Zugführer waren separat untergebracht. Ausgang, Urlaub und Kleiderordnung waren gemäß Dienstvorschrift und Kasernenbefehl geregelt, bedurften aber der Genehmigung der zuständigen Disziplinarvorgesetzten. Mit steigender Studienzeit wurden Erleichterungen gewährt. Offiziersschüler mit Vordienstzeiten als Portepee-Unteroffizier hatten beispielsweise ständige Erlaubnis, außerhalb der Kaserne Zivilkleidung zu tragen.

Die Offiziersschüler des vierten Studienjahres hatten dann grundsätzlich das Recht auf täglichen Ausgang und eine ständige Erlaubnis, außerhalb der Kaserne zivile Kleidung zu tragen.

Am Standort Zittau erfolgte die Unterbringung der Offiziersschüler des vierten Studienjahres und die der weiblichen Armeeangehörigen außerhalb der Kaserne.

Hochschulbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anlehnung an die Organisationsformen der Hoch- und Fachschulen erfolgte die Ausbildung zunächst in Fachrichtungen, später in Sektionen mit mehreren verschiedenen Lehrstühlen. Während des Studiums konnte, sofern die erforderliche Qualifikationen und Prüfungsnachweise erbracht wurden, Klassifikationsabzeichen, Schützenschnur, u. a. getragen werden.

Die Studiendauer wurde mit der Verleihung des Hochschulstatus ab dem Studienjahrgang 1983 durchgängig von drei auf vier Jahre verlängert. Bereits vorher, beispielsweise an der ehemaligen Fachrichtung Nachrichten, wurden sogenannte Vierjahreskurse von 1963 bis 1966 durchgeführt.

Jägerkaserne Löbau
Im Bereich der Jägerkaserne Löbau erfolgten Studium und Ausbildung an folgenden Sektionen:
König Ludwig Zittau
Im Bereich der Kaserne Zittau erfolgten Studium und Ausbildung an folgenden Sektionen:
  • Sektion 01, Gesellschaftswissenschaften
  • Sektion 04, Raketentruppen und Artillerie (RTA)
  • Sektion 06, Pioniere (ab 1979)
  • Sektion 08, Nachrichten (im Sinne von Fernmelde; auch Lehrgangsteilnehmer weiblich)
  • Sektion 09, Rückwärtige Dienste (auch Lehrgangsteilnehmer weiblich)
  • Sektion 11, Grundlagenvertiefung, Sprachausbildung, spezielle technische Fächer
  • Sektion 12, Militärtransportwesen (ging 1986 in Sektion 09 auf)

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad, Name Dienstzeit Bemerkung
Generalmajor, Leopold Gotthilf 1963–1974 danach MfNV
Generalleutnant, Hans-Georg Ernst 1973–1976
Generalmajor, Helmut Geisler 1976–1977 m.d.F.b.
Generalleutnant, Werner Winter 1977–1983
Generalleutnant, Horst Sylla 1983–1985
Generalleutnant, Ulrich Bethmann 1985–1990

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Außerdienststellung der NVA im Jahr 1990 wurde die Offiziershochschule aufgelöst. Rechtsnachfolger wurde das Bundeswehrkommando Ost.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bethmann, Donner, Kiewel, Liebig, Wurll u. a.: Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Ein historischer Abriss 1963–1990. Verlag Graphische Werkstätten Zittau GmbH, Zittau 2009, ISBN 978-3-929744-34-7.