Oqaatsut

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Oqaatsut (Kormorane)
Rodebay (Rote Bucht)
Oĸaitsut
Oqaatsut (2008)
Oqaatsut (2008)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Ilulissat
Geographische Lage 69° 19′ 53″ N, 50° 57′ 46″ WKoordinaten: 69° 19′ 53″ N, 50° 57′ 46″ W
Oqaatsut (Grönland)
Oqaatsut
Einwohner 30
(1. Januar 2019)
Zeitzone UTC-3

Oqaatsut [ɔˈqaːt͡sːut] (nach alter Rechtschreibung Oĸaitsut) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Ilulissat in der Avannaata Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Oqaatsut in der Bucht Umiarsualivik (2015)

Oqaatsut liegt auf einer Landspitze an der zentralen Westküste der Halbinsel Paakitsup Nunaa 14 km nördlich des Kommunehauptorts Ilulissat. Die Meerenge Ikerasannguaq trennt Oqaatsut von der Insel Qeqertaq. Sie bildet die Bucht Umiarsualivik an der Ostküste Oqaatsuts.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oqaatsut (2010)

Oqaatsut wird seit dem 18. Jahrhundert von den Inuit sowie von Walfängern bewohnt. Der alte Name Rodebay („Rote Bucht“) geht auf die niederländischen Walfänger zurück, die sich zu dieser Bezeichnung von der Färbung des Wassers nach erfolgreichem Walfang inspirieren ließen.[2] 1842 begann man einen Fischereiversuch in Oqaatsut, der sich als erfolgreich herausstellte. Daher erhielt der Ort 1877 den Udstedsstatus.

1915 hatte Oqaatsut 127 Einwohner. Im Ort standen 20 Wohnhäuser. Dazu gab es eine Udstedsverwalterwohnung, die 1898 als Fachwerkbau mit Holzverkleidung und Dachschindeln errichtet worden war. Sie wurde 1914 umgebaut und maß 60 m² und hatte zwei Zimmer, Küche und Vorratsraum. Der Laden von 1907 war 49 m² groß. Außerdem gab es ein Proviantlager. Beide Gebäude waren Fachwerkbauten. Das Speckhaus von 1894 war ein Torfmauerhaus. Die Hebamme hatte ein eigenes Wohnhaus. Der Katechet war in einer Schulkapelle von 1805 mit freistehendem Kirchturm angestellt. Sie war ein holzverkleidetes Fachwerkgebäude mit Dachschindeln und Harmonium im Inneren.

In den 1920er Jahren wurden eine neue Schulkapelle, ein neuer Laden und ein Packhaus errichtet.1930 hatte der Ort 89 Einwohner. In den 1940er Jahren erhielt Oqaatsut eine Salzerei und ein Trocknungshaus. 1947 wurde schon wieder eine Schulkapelle gebaut. 1952 gab es 240 m² an Fischhäusern. Bis 1960 stieg die Einwohnerzahl auf 170 Personen an.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haupterwerb in Oqaatsut aus Jagd und Fischerei. In der im Jahr 2000 privatisierten Fischfabrik werden Heilbutt und Dorsch verarbeitet und unter anderem Ræklinger (Trockenfischstreifen) hergestellt. Die Nähe zur grönländischen Touristenhochburg Ilulissat begünstigt ebenfalls den Tourismus in Oqaatsut.[2] Durch Unterstützung der WWF konnte der Ökotourismus in Oqaatsut gestärkt werden.[4] Seit 2011 gibt es in Oqaatsut ein von Ole Dorph betriebenes Hotel.[5] Durch ein 2015 in Oqaatsut ertrunkenes deutsches Ehepaar wurde das Restaurant H8 betrieben.[6]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oqaatsut gibt es einen Heliport, der jedoch nicht beflogen wird. Der Transport wird vollständig per Schiff, Schneemobil und Hundeschlitten abgewickelt. Innerhalb des Orts gibt es keine befestigten Wege.

Die Strom- und Wasserversorgung wird von Nukissiorfiit gewährleistet. Die Wasserbereitstellung erfolgt dabei durch eine Meerwasserentsalzungsanlage. Müll und Abwasser werden über die Deponie nördlich von Oqaatsut entsorgt. TELE Greenland stellt die telekommunikative Anbindung des Ortes bereit.[2]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bereitstellung von Gütern existiert in Oqaatsut eine Pilersuisoq-Filiale. Die Oqaatsut Atuarfiat, Oqaatsuts Schule, wird von etwa fünf Schülern besucht, die anschließend eine weiterführende Schule in Ilulissat besuchen. Die Schule ist im selben Gebäude wie die Kirche untergebracht. In Oqaatsut gibt es des Weiteren eine Krankenstation und eine Gemeinschaftswerkstatt. Mehrere Gebäude in Oqaatsut werden als erhaltungswürdig eingestuft.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oqaatsut ist das kleinste Dorf im Distrikt Ilulissat und auch eines der kleinsten der Kommune. Die Einwohnerzahl sinkt stetig, weswegen der Ort in den letzten 40 Jahren zwei Drittel seiner Einwohner verloren hat.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oqaatsut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d Oqaatsut bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  3. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 148 f.
  4. In the first person: Pete Ewins of WWF Canada bei panda.org
  5. Nyt bygdehotel bei knr.gl
  6. Wir trauern um unsere Freunde bei vogtlandspiegel.de
  7. Einwohnerzahl Oqaatsut 1977–2019 bei bank.stat.gl