Saqqaq

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Saqqaq (Sonnenseite)
Sarĸaĸ
Saqqaq (1909)
Saqqaq (1909)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Ilulissat
Geographische Lage 70° 1′ 0″ N, 51° 57′ 0″ WKoordinaten: 70° 1′ 0″ N, 51° 57′ 0″ W
Saqqaq (Grönland)
Saqqaq
Einwohner 134
(1. Januar 2019)
Gründung 1755/1840
Zeitzone UTC-3

Saqqaq [ˈsɑqːɑq] (nach alter Rechtschreibung Sarĸaĸ) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Ilulissat in der Avannaata Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saqqaq liegt an der Südküste der Halbinsel Nuussuaq an einer 400 m langen Landzunge. Direkt westlich liegt die Insel Qeqertaq. Vor dem Ort verläuft der Sullorsuaq (Vaigat), der Nuussuaq von der Diskoinsel trennt. Der nächste bewohnte Ort ist Qeqertaq, das 24 km östlich liegt. Bis zum Distrikt- und Kommunehauptort Ilulissat sind es 94 km nach Süden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Region um die Diskobucht lassen sich zahlreiche archäologische Spuren einer frühen Arktiskultur finden, die wegen der Funde um Saqqaq als Saqqaq-Kultur bezeichnet wird und zwischen 2400 und 800 v. Chr. in der Gegend lebte.

Das Gebiet, auf dem Saqqaq heute liegt, wurde 1755 erstmals als Kolonie Ritenbenk besiedelt, was den Ort zu einem der ältesten Grönlands macht. Ritenbenk wurde jedoch 1781 37 km nach Südosten verlegt und bildete dort die Siedlung Appat. Erst 1840 wurde Saqqaq neu besiedelt.[2]

Um 1860 erhielt Saqqaq den Udstedsstatus. 1915 hatte der Ort 170 Einwohner, die in 27 Häusern lebten. Die Häuser waren gut gebaut und die Bevölkerung wird als äußerst tüchtig beschrieben. Es gab eine Wohnung für den Udstedsverwalter von 1905. Sie war ein Fachwerkbau mit Holzverkleidung und Dachschindeln und hatte drei Zimmer, Küche und Flur. Ein Speckhaus war ein Torfmauerhaus und ein weiteres Speckhaus sowie der Laden von 1909 und das Proviantlager von 1908 waren Fachwerkhäuser mit Holzverkleidung. Die Kirche stammte aus dem Jahr 1909. Sie war ein Fachwerkhaus mit golden gestrichener Holzfassade, rot bemaltem Schindeldach und Kirchturm. In ihr befanden sich ein Kronleuchter und eine künstlerisch wertvolle Altartafel. Die Schule befand sich in der alten Schulkapelle von 1900, die ein Fachwerkhaus mit Torfmauerfassade war. Im Ort lebten 35 Jäger, drei Fischer, der Udstedsverwalter, eine Hebamme und der Oberkatechet des Kolonialdistrikts.

In den 1920er Jahren wurden ein Packhaus und eine neue Schulkapelle gebaut. (Vermutlich diente sie vor allem als Schule, da es ja bereits eine hübsche Kirche gab.) 1930 war die Einwohnerzahl auf 147 Personen zurückgegangen, aber 1947 wieder auf 213 gestiegen. 1950 lebten aber wieder nur noch 174 Menschen in Saqqaq. Um 1950 wurde ein neuer Laden gebaut. Die Schulkapelle wurde um 1960 zum Versammlungshaus umfunktioniert, als eine neue Schule gebaut wurde. 1960 hatte Saqqaq wieder 253, aber bis 1970 war die Einwohnerzahl wiederum auf 211 Personen zurückgegangen.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saqqaq lebt vor allem vom Fang von Heilbutt, der in der von Royal Greenland betriebenen 2005 errichteten Fischfabrik verarbeitet wird. Das zweite Standbein in Saqqaq ist der Tourismus. Als Ausflugsziele dienen die Halbinsel mit ihren Seen, Flüssen und Gletschern sowie die archäologischen Ausgrabungsstätten.

Saqqaq ist ein aktiver Fischereihafen mit Verarbeitungsanlagen von 2005 im Besitz von Royal Greenland A / S. In der Hauptsaison beschäftigt das Unternehmen bis zu zehn Personen und konzentriert sich hauptsächlich auf die Verarbeitung des Grönland-Heilbutts. Die vorhandene Kapazität für Fischereibetriebe ist begrenzt, und die Fabrik befindet sich direkt neben dem Wohngebiet.

Weitere Arbeitsmöglichkeiten bieten die Jagd sowie die Schule, der Laden, der Dienstleistungssektor, Verwaltung und Versorgung.[4]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hafen, der wöchentlich von der Disko Line angefahren wird, hat Saqqaq im Osten den Heliport Saqqaq, der den Ort auch über die Luft anbindet.

Nukissiorfiit versorgt Saqqaq über eine Dieselkraftwerk mit Strom. Ein kleiner See nördlich des Dorfs gewährleistet die Trinkwasserversorgung. Die Wärmeversorgung erfolgt über Ölöfen. Müll und Abwasser werden auf der Deponie entsorgt. TELE Greenland ist für die Telekommunikation im Ort zuständig.[4]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Naatap Atuarfia werden knapp 30 Schüler unterrichtet. Im Ort befinden sich zudem eine Krankenstation, eine Gemeinschaftswerkstatt, eine Pilersuisoq-Filiale und ein Service- und Versammlungsgebäude. Mehrere Gebäude, darunter die Kirche von 1909 und das Haus des früheren Handelsverwalters Hannibal Fencker (1914–1986), sind als erhaltenswürdig eingestuft.[4]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerungszahl von Saqqaq stieg ab dem Ende der 1980er Jahre rasant an und fällt seit der Jahrtausendwende langsam wieder.[5]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saqqaq (2017)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saqqaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. Saqqaq in Den Store Danske
  3. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 142.
  4. a b c Saqqaq bei http://qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  5. Einwohnerzahl Saqqaq 1977–2019 bei bank.stat.gl