Othala

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Othala () ist die 24. und letzte Rune des älteren Futhark (die achte Rune im dritten Ætt) mit dem Lautwert „O“. Sie fehlt im altnordischen Runenalphabet.[1] Der rekonstruierte urgermanische Runenname geht auf *ōþalan (vgl. ahd. uodil) zurück. Er bedeutet vermutlich "Erbbesitz, Stammgut, in der Sippe erbliches Vermögen" (vgl. Odal und Kleinod). Die Rune erscheint in den Runengedichten als altenglisch ēþel bzw. gotisch utal.[2]

Die Rune ist in Unicode mit U+16DF kodiert: . (HTML: ᛟ).

Name und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der urgermanische Stamm ōþala- or ōþila- (Erbbesitz) ist eine Ablaut-Variante des Stammes aþal-. Dieser besteht aus einer Wurzel und dem Suffix -ala oder -ila. Die zweite Suffix-Variante erklärt z. B. die Umlaut-Form ēþel.

Eine etymologische Verbindung von Odal zu Adel ist naheliegend, aber auch diskutiert. Dieser Begriff beinhaltet soziale Privilegierung durch eine Vorfahrenreihe, größeren Landbesitz und befestigte Plätze.[3]

Germanisches aþal‑ bedeutete in etwa "Abstammung, Herkunft, Art", auch "Adeliger, Fürst" (altenglisch atheling). Seine Etymologie ist nicht geklärt, jedoch könnte eine Nähe zu gotisch atta (Vater) bestehen (s. Koseform Attila), was letztlich zu einer Wurzel aus der Säuglingssprache führte.

Der Begriff oþal (Althochdeutsch uodal) ist ein Grundwort in einigen germanischen oder deutschen Namen, besonders Ulrich und dessen Varianten. Der Stamm aþal ist in gotischen Namen häufig: Athalarich, Ataulf etc. Auch Namen wie Adalbert, Edmund, Otto und andere.

Odal war verbunden mit dem Erbrecht im alten Skandinavien. Einiges aus diesem Erbrecht ist heute noch in Geltung und regelt z. B. Aspekte des Eigentums in Norwegen (das Åsetesrett, Stammsitz-Recht, und das Odelsrett (Allod-Recht)).

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Heraldik kommt die Othala-Rune in verschiedenen Ausformungen[4] als sogenannte „Hausmarke“, eine gemeine Figur, vor.

Odal-Rune von 1902[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neuere „Odal-Rune“ ist eine Erfindung des völkischen Autors und Esoterikers Guido von List aus dem Jahr 1902[5] aus dem „Armanen-Futhark“, deren Form im Gegensatz zum erfundenen Namen und der ebenso fiktiven Deutung lose auf der Othala-Rune basiert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, der Hitler-Jugend (HJ) und dem Rasse- und Siedlungshauptamt als Kennzeichen verwendet. Sie ist heute ein verbreitetes Symbol in der Neonazi-Szene und war das Abzeichen von Wiking-Jugend und Bund Nationaler Studenten (BNS). Das Verbot dieser beiden Gruppen durch das Bundesministerium des Innern gemäß § 3 Vereinsgesetz (IS 2-619331/5 am 10. November 1994, bestätigt durch das Bundesverwaltungsgericht 1 A 3.94 am 13. April 1999)[6] erstreckt sich auch auf ihre Symbole, soweit sie für die Organisationen verwendet werden. Der rassistische „Afrikaner Studentebond“ verwendete die Odal-Rune ebenfalls für sein Banner.

Dem Wandervogellied „Hohe Tannen weisen die Sterne“, das 1923 in dem Liederbuch „Das junge Volk“ des Bundes der deutschen Ringpfadfinder erstmals veröffentlicht worden war, wurde eine weitere Strophe mit rechtsradikalem Inhalt hinzugefügt, in der die Rune beschworen wird:[7]

Odalrune auf blutrotem Tuche,
Weh voran uns zum härtesten Streit.
Odalrune, dir Zeichen aller Freien,
Sei der Kampf unseres Lebens geweiht.

Die Entstehung des Vierzeilers wird bei einigen Autoren in der Zeit des Nationalsozialismus vermutet. Der Vers ist jedoch in keinem der Online-Archiven zugänglichen Liederbücher aus dieser Zeit enthalten.[8][9] Das Lied "Hohe Tannen weisen die Sterne" befand sich zwar 1934 in dem Hitlerjugend-Liederbuch "Uns geht die Sonne nicht unter",[8][9][10] allerdings ohne die Odalrunen-Strophe.[8][9] In die Neuauflage ein Jahr später wurde das Rübezahllied nicht mehr aufgenommen.[10] Dagegen ist der Text "Odalrune auf blutrotem …" im Liederbuch der 1994 verbotenen Wiking-Jugend enthalten.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Düwel: Runenkunde (= Sammlung Metzler. Bd. 72). 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2001, ISBN 3-476-13072-X.
  2. Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien
  3. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage 2002; Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 3. Auflage 1997
  4. Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung – Elemente – Bildmotive – Gestaltung. Bechtermünz, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-0768-7.
  5. Guido von List: Das Geheimnis der Runen (= Guido-List-Bücherei. Reihe 1: Forschungsergebnisse. Bd. 1, ZDB-ID 1225024-7). Zillmann, Groß-Lichterfelde 1907 (Edition Geheimes Wissen, Graz 2007, ISBN 978-3-902640-50-5).
  6. bverwg.gekko.de
  7. Ute Daniel, Jürgen Reulecke: Geschichte(n) von, mit und in populären Liedern. Anmerkungen zu einem kulturgeschichtlichen Dreiecksverhaltnis. In: John A. McCarthy, Walter Grünzweig, Thomas Koebner (Hrsg.): The many faces of Germany. Transformations in the study of German culture and history. Festschrift for Frank Trommler. Berghahn Books, New York NY u. a. 2004, ISBN 1-57181-034-X, S. 163 f.
  8. a b c Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie
  9. a b c d Volksliederarchiv
  10. a b Es war in Schanghai