Otto Hetzer

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Otto Hetzer

Otto Hetzer (* 11. Februar 1846 in Kleinobringen bei Weimar; † 18. Januar 1911 in Weimar; vollständiger Name: Karl Friedrich Otto Hetzer) war ein deutscher Zimmermeister (ab 1891 Großherzoglicher Hofzimmermeister) und Unternehmer im thüringischen Weimar. Er verhalf Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen Erfindungen dem Holzleimbau zum industriellen Durchbruch. An seiner einstigen Wirkungsstätte in Weimar steht eine historische Hetzerhalle unter Denkmalschutz und trägt eine Gedenktafel an Otto Hetzer.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Hetzer war der Sohn des Landwirts Ernst Adam Hetzer und dessen Ehefrau Friederika Caroline Charlotte[1], geborene Götze. Am 22. Februar 1846 wurde er in der Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde Kleinobringen getauft.

Am 7. November 1872[1] heiratete er Dorothea Elise Caroline Marie geb. Hallbauer (* 15. Februar 1848; † 22. Mai 1915)[2] aus Weimar. Sie war die Tochter des Bäckermeisters Franz Wilhelm Hallbauer und seiner Ehefrau Karoline Wilhelmine Sophie, geborene Lindner. Aus der Ehe gingen die Söhne Carl Paul (1873–1937), Alfred Otto jun. (1876–1937) und Kurt Ehrig[3] (1882–1906) hervor.[4] Bei Christian Müller (siehe Literatur) sind die drei Söhne Otto Alfred Hetzer (um 1921 Direktor der Firma Christoph und Unmack in Niesky in der Lausitz), Karl Paul Hetzer und – abweichend zu oben – Walter Ernst Hetzer erwähnt.[5]

Otto Hetzer ging vom 29. Mai 1860 bis zum 26. Mai 1863 beim Zimmermeister Christoph Walter in Apolda in die Lehre und wurde am 26. Mai 1863 zum Gesellen des Zimmerhandwerks gesprochen.

Am 20. Juli 1870 trat er in das Thüringer Infanterie-Regiment Nr. 94 „Großherzog von Dessau“ ein. Während des Deutsch-Französischen Kriegs wurde Hetzer in der Schlacht bei Wörth durch einen Schuss durch die linke Hand so schwer verletzt, dass er anschließend als dauerhaft dienstunfähig eingestuft wurde und ab 1. April 1893 eine zeitlich unbefristete Pension mit „Verstümmelungszulage“ zugesprochen bekam.

1872 gründete Otto Hetzer sein erstes Unternehmen, aus kleinen Anfängen heraus entwickelte es sich zu einem Holzverarbeitungs-Unternehmen, das zu Spitzenzeiten (Firmen-Ende im Jahr 1926) etwa 300 Beschäftigte hatte und somit bedeutend als Arbeitgeber und als Steuerzahler für die Stadt Weimar gewesen ist. Es bestand seit 1883 unter der Firma Weimarische Bau- und Parkettfußbodenfabrik Otto Hetzer[6], bis es 1901 zur weiteren Expansion in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Der Gesellschaftsvertrag wurde am 28. Dezember 1901 geschlossen und die Otto Hetzer Holzpflege und Holzbearbeitung Aktiengesellschaft zum 31. Dezember 1901 beim Großherzoglich Sächsischen Amtsgericht als Aktiengesellschaft eingetragen.[6]

Im Jahr 1901 kam Otto Hetzers Sohn Otto Alfred Hetzer (1876–1937) in das Unternehmen und wurde kaufmännischer und technischer Betriebsleiter sowie Stellvertreter des Alleinvorstandes und von 1903 bis 1909 Gesamtvorstand der Otto Hetzer AG.[7]

In einem Prospekt um 1910 mit dem Titel Otto Hetzer Weimar – Neue Holzbauweisen verwies das Unternehmen auf 20 deutsche und ausländische Patente, die Dachkonstruktionen und Tragwerke betreffen. Damit gilt Otto Hetzer heute noch als maßgebender Begründer des Holzleimbaus.

Für die Brüsseler Weltausstellung 1910 baute Otto Hetzer – verantwortet von seinem Sohn Otto Alfred Hetzer – eine freitragende, vom Architekten Peter Behrens aus Berlin entworfene Ausstellungshalle der Reichseisenbahnen mit 43 Meter Spannweite (temporäres Bauwerk), die zwei Auszeichnungen wegen ihrer soliden und innovativen Ausführung erhielt.[8] Mitte 1910 zog er sich – gemeinsam mit seinem Sohn Otto Alfred Hetzer – aus der Aktiengesellschaft zurück. Grund dafür war illoyales Verhalten des Vorstandes gegenüber seiner Person.[9]

Otto Hetzer, der an einer chronischen Zuckerkrankheit litt, starb in den frühen Abendstunden des 18. Januar 1911 an Herzlähmung.[1] Sein Unternehmen erlosch 1926.[10]

Patente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patente von Otto Hetzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1892 Deutsches Reichspatentamt (DRP). 63018: Fußboden
  • 1900 DRP. 125895: Zusammengesetzter I-Holzbalken
  • 1903 DRP. 163144: Parabolisch zusammengesetzter Balken
  • 1906 DRP. 197773: Gebogenes Holzbauteil
  • 1907 DRP. 225687: Fachwerkträger aus Holz

Patente der Otto Hetzer AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1920 DRP. 3239912: Träger aus mehreren Lamellen[11]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 30. Juli 1891: Ernennung zum Großherzoglichen Hofzimmermeister
  • Oktober 1896: Ehrenzeugnis der Berliner Gewerbeausstellung
  • 29. August 1898: Urkunde zur Zentenarmedaille zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I.
  • 28. Juli 1908: Urkunde zum Silbernen Verdienstkreuz des Großherzoglichen Hausordens

Gedenktafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Otto Hetzer

Inschrift:

Karl Friedrich Otto Hetzer
1846 – 1911
Großherzoglicher Hofzimmermeister
Begründer des modernen Holzleimbaus

Die Gedenktafel ist an der Nordseite der sogenannten kleinen Hetzerhalle auf dem ehemaligen Werksgelände in Weimar, am Güterbahnhof, hinter der Marcel-Paul-Straße 57, angebracht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Karl Friedrich Otto Hetzer (1846 – 1911) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sterbefallanzeige zu Nr. 36/1911: Stadtarchiv Weimar, Signatur: 27 4/5
  2. Sterberegister Weimar Nr. 315/1915: Stadtarchiv Weimar, Signatur: 27 2/3
  3. Geburtsregister Weimar Nr. 74/1882: Stadtarchiv Weimar, Signatur: 27 2/1
  4. Karl Friedrich Otto Hetzer: Stadtarchiv Weimar, Signatur: 63 4/Hetzer
  5. Christian Müller: Entwicklung des Holzleimbaues unter besonderer Berücksichtigung der Erfindungen von Otto Hetzer – ein Beitrag zur Geschichte der Bautechnik. Bauhaus-Universität Weimar, Dissertationsschrift, Weimar 1998. Abgerufen am 17. Oktober 2019., Seite 26 (pdf)
  6. a b Sachsen-Weimar-Eisenachisches Amtsgericht Weimar, Signatur: 1; Staatsarchiv Weimar, Bestandsbezeichnung: 6-13-3648
  7. Otto Alfred Hetzer, auch: Otto Hetzer Junior, * 01. Dezember 1876 in Weimar – † 09. September 1937 in Berlin.
    • Lehre/Studium: 1887 Nach dem Abitur praktische Tätigkeit als Maurer und Zimmerer, 1897–1901 Architekturstudium an der TH Berlin-Charlottenburg, 1901 Technische Hilfskraft in der Firma seines Vaters
    • Berufliche Laufbahn: 1901 Eintritt in die Firma seines Vaters, 1901 kaufmännischer und technischer Betriebsleiter, 1901–1903 Stellvertreter des Alleinvorstandes, 1903 Mitbegründer der Zentrale der Deutschen Parkettfabriken, 1903–1909 Gesamtvorstand der Otto Hetzer AG, 1906–1910 Gründer und Vorsitzender der Mitteldeutschen Parkettvereinigung, 1909 Verantwortlich für den Bau der Eisenbahnhalle für die Brüsseler Weltausstellung, 1910 Brüsseler Weltausstellung, Mitte 1910 Austritt aus der Otto Hetzer AG gemeinsam mit seinem Vater wegen illoyalem Verhalten des Vorstandes gegenüber seinem Vater; 1910 Direktor der ältesten deutschen Parkettfabrik Robert Manns, Ilfeld/Harz, 1914–1917 Teilnahme am Ersten Weltkrieg, 1919–1922 Direktor für Hallenbau bei der Firma Christoph & Unmack in Niesky, 1922–1927 Erster Direktor und technisches Vorstandsmitglied der Gustav Richter AG für Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau Plauen, Holzhallen und Siedlungsbauten, 1927–1930 Direktor und Leiter der Werbeabteilung der Aktiengesellschaft für Bauausführung, Berlin, für die Zentrale in Berlin und für alle Niederlassungen in Deutschland, 1930–1933 Werbetätigkeit für die Parkett-Union in Berlin und für die Kelheimer Parkettfabrik.
    • Verschiedene Veröffentlichungen und Vorträge über freitragende Holzkonstruktionen.
    Quelle: Wolfgang Rug: 100 Jahre Hetzer-Patent, S. 6 (original Seite 538), abgerufen am 18. Oktober 2019
  8. 100 Jahre Hetzer-Patent, pdf, S. 4 (original S. 536)
  9. http://otto-hetzer.de/files/100%20Jahre%20Hetzer%20Patent.pdf, S. 6 (original Seite 538), abgerufen am 17. Oktober 2019
  10. Prof. Hermann Wirth: Laudatio (Memento vom 13. März 2011 im Internet Archive) anlässlich der Einweihung der Gedenktafel an der Weimarer Hetzerhalle am 21. Oktober 2004;
  11. http://otto-hetzer.de/files/100%20Jahre%20Hetzer%20Patent.pdf, S. 2 (original Seite 534), abgerufen am 17. Oktober 2019