Otto I. (Brandenburg)

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Denkmal Ottos I., Siegesallee, Berlin

Otto I. von Brandenburg (* um 1125; † 8. Juli 1184) aus dem Geschlecht der Askanier war von 1170 bis zu seinem Tode zweiter Markgraf von Brandenburg. Otto trieb den deutschen Landesausbau voran und stiftete das einflussreiche Kloster Lehnin in Lehnin in der Zauche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto I. war der älteste Sohn von Albrecht dem Bären, dem Gründer der Mark Brandenburg, und der Sophie von Winzenburg. Brüder waren unter anderen Siegfried von Bremen, Bischof von Brandenburg und Erzbischof von Bremen und Bernhard, Herzog von Sachsen. Sein Geburtsdatum ist unbekannt, wahrscheinlich um 1124.[1] Der Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich soll Ottos Taufpate gewesen sein und ihm die Zauche südlich der Havel als Patengeschenk übergeben haben.[2]

Bis zum Tod des Vaters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto wurde 1138 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Seit 1144 wurde er mitunter wie sein Vater als marchio (Markgraf), ohne weiteren Zusatz, bezeichnet. (Die Titulierung Markgraf von Brandenburg in einigen angeblichen Königsurkunden dieser Zeit sind wahrscheinlich Fälschungen aus späterer Zeit.) Der Sohn war offenbar an Handlungen des Vaters beteiligt, er nahm an Fürstensitzungen und Entscheidungen teil. Begleitet und unterstützt wurden sie dabei in vielen Fällen von weiteren Brüdern Ottos, insbesondere vom nächstälteren Hermann.

Um 1148 heiratete Otto Judith, eine Tochter des polnischen Herzogs. Die Verabredung zu der Heirat erfolgte möglicherweise am 6. Januar 1148, als Otto mit den Brüdern Bolesław IV. und Mieszko III. in Magdeburg zusammentraf. Sie bedeutete eine strategische Unterstützung der polnischen Piasten.[3]

1170 wurde Otto bei der Weihe des Havelberger Doms erstmals im Gebiet an der Havel in einer Urkunde erwähnt. Behauptete Rechtsentscheidungen für Bürger von Havelberg und die Altstadt Brandenburg in einer angeblichen Urkunde aus demselben Jahr beruhen wahrscheinlich auf einer Fälschung aus späterer Zeit.[4]

Alleinregierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Tod des Vaters 1170 herrschte Otto selbstständig. Er war dabei vor allem im Gebiet westlich der Elbe aktiv und weilte viermal an der Seite des Kaisers. Aktivitäten in der Mark sind für die Zeit bis 1180 nicht überliefert. Vom 21. Juli 1172 ist die älteste Urkunde erhalten, in der die königliche Kanzlei Otto als Markgraf von Brandenburg bezeichnete. Dies ist bemerkenswert, da sein Vater Albrecht von dieser nie als solcher bezeichnet wurde.[5]

1177 nahm Otto an einem Feldzug von Herzog Heinrich dem Löwen gegen den Herzog von Pommern Kasimir I. nach Demmin teil. 1180 zog er ein weiteres Mal gegen Demmin und Stettin, wobei Kasimir getötet wurde.[6] Dabei wurde Otto von Burggraf Siegfried von Brandenburg und weiteren Adligen begleitet. Dieser Kriegszug stand wahrscheinlich im Zusammenhang mit Einfällen der Pommern gegen die Mark Lausitz und Jüterbog im Jahr zuvor. In jenem Jahr wurden seine Brüder Siegfried Erzbischof von Bremen und Bernhard Herzog von Sachsen, was die Bedeutung der Familie im Reich erheblich anhob.

Klostergründungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarstufen im Kloster Lehnin mit eingelassener Eiche zur Erinnerung an die Gründungslegende von Ottos Traum

Kurz nach seinem Sieg gründete Otto das erste Kloster in der Mark in Lehnin. Nach der Gründungslegende soll ihm nach anstrengender lJagd unter einer Eiche eingeschlafen sein. Im Traum erschien ihm immer wieder ein Hirsch, der ihn mit seinem Geweih aufzuspießen drohte und den er mit seinem Jagdspieß nicht abwehren konnte. In seiner Not rief Otto den Namen Christi an, woraufhin sich die Traumerscheinung endlich auflöste. Als Otto seinen Begleitern den seltsamen Traum erzählte, deuteten diese die Hirschkuh als Sinnbild für die heidnischen Slawenstämme und rieten ihm, an dieser Stelle eine Burg zu Ehren des Christengottes gegen die heidnischen Gottheiten zu errichten. Doch es sollte eine Burg Gottes, ein Kloster werden. In den Altarstufen der Klosterkirche ist ein Eichenstamm aus dieser Zeit eingelassen, der an die Gründungslegende erinnert. Otto stattete das Kloster mit Besitz aus und machte es zum Hauskloster der Askanier. Es blieb bis zu seiner Auflösung das wichtigste Mönchskloster der Mark Brandenburg.

1183 gründete Otto kurz vor seinem Tod noch ein Benediktinerinnenkloster in Arendsee in der Altmark. 1184 starb er und wurde im Kloster Lehnin bestattet.

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto war zuerst mit Judith, Tochter von Herzog Bolesław III. von Polen und Salome von Berg, verheiratet. Diese war Witwe des ungarischen Königs Laszlo II. Kinder waren

Otto heiratete vor 1176 eine Adelheid, unbekannter Herkunft.[7] Aus der Ehe ging hervor

Besitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto erbte von seinem Vater einige Besitzungen

Denkmal Ottos I. in der Berliner Siegesallee [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibold, Otto I., Pribislaw-Heinrich

Ein Denkmal Ottos stand in der ehemaligen Siegesallee im Tiergarten in Berlin, dem 1895 von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegebenen „Prachtboulevard“ mit Denkmälern aus der Geschichte Brandenburgs und Preußens.

Unter der Leitung von Reinhold Begas schufen zwischen 1895 und 1901 27 Bildhauer 32 Standbilder der Brandenburger und Preußischen Herrscher von jeweils 2,75 m Höhe. Jedes Standbild wurde flankiert von zwei kleineren Büsten mit der Darstellung von Personen, die im Leben des jeweiligen Herrschers oder für die Geschichte Brandenburgs/Preußens eine wichtige Rolle gespielt hatten. Bei der Denkmalgruppe 2 waren das die Büsten seines Taufpaten Pribislaw-Heinrich und des ersten Lehniner Abtes Sibold, der erschlagen wurde. Der monumentale Boulevard war bereits kurz nach seiner Fertigstellung umstritten und wurde vielfach belächelt - die Berliner Bevölkerung schuf den Begriff Puppenallee.

Richard George beschrieb 1900 das Denkmal Ottos: „Markgraf Otto I. steht in der Reihe der Herrscher-Denkmäler in der Sieges-Allee, welche Berlin der Huld Kaiser Wilhelms II. verdankt, als zweite Statue. Das Denkmal ist eine Schöpfung des Bildhauers Max Unger, und zwar eine freie Phantasieschöpfung, da Bildnisse von den Askanierfürsten und ihren Zeitgenossen... nicht vorhanden sind. Der Künstler hat Otto I. als eine kraftvolle Jünglingsgestalt dargestellt. Der jugendliche Recke schaut sinnend in die Ferne, die Rechte stützt sich auf die Parierstange des Schwertes, die Linke lehnt sich auf die Hüfte. Das Hifthorn, das vom Gürtel herabhängt, kennzeichnet den Markgrafen als Weidmann. Bekleidet ist der Fürst mit Maschenpanzerhemd und Rüsthosen, die im Charakter des 12. Jahrhunderts gehalten sind; ein faltiger Mantel wallt bis zu den Füßen herab. Die Reliefs am Sockel stellen den Traum Ottos I. und die Kirche des Klosters Lehnin dar.“[8]

Siehe ausführlich zu den Auseinandersetzungen um die Gründung der Mark Brandenburg und den Kampf der Askanier um Sachsen: Albrecht der Bär

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexikonartikel

Weitere Literatur

  • Lutz Partenheimer: Albrecht der Bär. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln 2003, ISBN 3-412-16302-3
  • Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542 (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser; 12.1). Lukas Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-931836-45-2 (zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1999)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otto I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So auch zuletzt Partenheimer, Albrecht der Bär. Das Geburtsdatum ist abgeleitet von dessen erster Erwähnung 1138, bei der er eigentlich 14 Jahre alt gewesen sein müsste.
  2. Das berichtet der Tractatus de urbe Brandenburg. Die Angabe ist unsicher und stellt einige Fragen: Albrecht der Bär müsste schon um diese Zeit Kontakt zu Pribislaw gehabt haben, obwohl er erst zehn Jahre später Markgraf der Nordmark wurde und Pribislaw wahrscheinlich erst 1128 Fürst der Heveller in Brandenburg wurde.
  3. vgl. Partenheimer, Albrecht der Bär
  4. vgl. Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg. Band 1. Berlin 1969. S. 97.
  5. Die Kanzlei hatte sich offenbar geweigert, Albrechts Herrschaft in Brandenburg anzuerkennen. Der Historiker Lutz Partenheimer überlegt, ob die Mark erst 1172 endgültig als neues eigenständiges „Fürstentum im Lehnsverband des deutschen Königreiches“ anerkannt wurde, Partenheimer, Albrecht der Bär, S. 193
  6. Hans-Peter Richter: Zu den machtpolitischen Hintergründen und Zielen der Pommernzüge von 1178 bis 1180 in die Lausitz und das Land Jüterbog. In: Jahrbuch für Geschichte des Feudalismus, 11: 83-104, Berlin 1987.
  7. In der älteren Forschung bis etwa 1900 vermutete sie als Ada von Holland, Tochter von Graf Floris III. Diese war aber wahrscheinlich Ehefrau von Otto II.
  8. Ricard George, S. 71
VorgängerAmtNachfolger
Albrecht I.Markgraf von Brandenburg
1170–1184
Otto II.