Otto Karl Werckmeister

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Otto Karl Werckmeister (* 1934 in Berlin), auch O. K. Werckmeister bzw. O.-K. Werckmeister, ist ein deutscher Kunsthistoriker und Autor. Er ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Karl Werckmeister wurde als Kind des Kunsthändlers Karl Werckmeister und der Künstlerin Rose Petzold 1934 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin, an der er 1958 mit einer Arbeit über spätkarolingische Goldreliefs promoviert wurde.[1][2] 1961–62 erhielt er das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts.

1965 zog Werckmeister in die Vereinigten Staaten und lehrte dort Kunstgeschichte an der University of California, Los Angeles. 1981/82 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium.[2] Von 1984 bis 2001 war er Mary Jane Crowe Distinguished Professor of Art History an der Northwestern University in Evanston (Illinois).[1][3] Er war Gastprofessor an den Universitäten Marburg und Hamburg und übernahm Forschungsaufträge für das Londoner Warburg Institute und das Deutsche Archäologische Institut. Er wurde auch als Essayist und durch Vorträge bekannt.

Zu Beginn seiner Karriere befasste sich Otto Karl Werckmeister mit mittelalterlicher Buchmalerei und den dazugehörigen Bucheinbänden. Sein kunstgeschichtlicher Ansatz ist vom Marxismus geprägt; sein Essay über die politische Ideologie des Teppichs von Bayeux gilt als Beispiel hierfür. 1976 gehörte er mit David Kunzle und T. J. Clark zu den Gründungsmitgliedern des Caucus for Marxism and Art der College Art Association of America.[2][4]

In Zitadellenkultur thematisiert Werckmeister die Zitadelle als Metapher für eine Gegenwartskultur, die sich aus dem Wohlstand heraus Krisen zuwendet, aber ihre politische Behebung nicht mehr beabsichtigt, sondern im Gegenteil stabilisierend und normalisierend wirkt.[5][6] In Linke Ikonen analysiert der Autor fünf Kunstwerke des 20. Jahrhunderts in ihrer Bedeutungsverschiebung vom Revolutionären hin zur Verklärung und Funktionalisierung.[7][8]

In seinem letzten Buch, Der Medusa-Effekt, beschäftigt sich Werckmeister mit der politischen Bildersprache nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und in der fotografischen Kriegsberichterstattung. Neue elektronische Bildverarbeitungs- und Verbreitungsverfahren verändern Werckmeister zufolge die Wirkung von Bildern auf den Betrachter, indem sie die Realität nicht lediglich verzeichnen, sondern selbst auf sie einwirken.[9][10]

Seit 2001 lebt Werckmeister wieder in Berlin.[11] Beiträge von ihm erschienen seitdem im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Werckmeister veröffentlichte 2006 einen Artikel unter dem Titel The Political Confrontation of the Arts: From the Great Depression to the Second World War, 1929-1939[12] und arbeitet an einem Buch mit diesem Titel.[11]

Otto Karl Werckmeister war von 1965 bis 1983 mit der 1944 geborenen[13] María Eugenia Lacarra[14] verheiratet.[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Deckel des Codex aureus von St. Emmeram: Ein Goldschmiedewerk d. 9. Jh. Mit 72 Abb. auf 26 Taf.; Dissertation 1958. Baden-Baden, Strasbourg 1963.
  • Irisch-northumbrische Buchmalerei des 8. Jahrhunderts und monastische Spiritualität. De Gruyter, Berlin 1967.
  • Ende der Ästhetik. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-10-091101-6.
  • Ideologie und Kunst bei Marx u[nd] a[ndere] Essays. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-10-091101-6.
  • The political ideology of the Bayeux Tapestry. In: Centro Italiano di Studi sull'Alto Medioevo (Hrsg.): Studi medievali (3ª serie). Band 17. Spoleto 1976, S. 535–595 (englisch).
  • Versuche über Paul Klee. Syndikat Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-8108-0156-9.
  • The Making of Paul Klee's career, 1914-1920. University of Chicago press, Chicago 1989. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  • Zitadellenkultur : die schöne Kunst des Untergangs in der Kultur der achtziger Jahre. Hanser Verlag, München, Wien 1989, ISBN 3-446-15164-8.
  • Linke Ikonen : Benjamin, Eisenstein, Picasso - nach dem Fall des Kommunismus. Hanser Verlag, München, Wien 1997, ISBN 3-446-19136-4.
  • Der Medusa-Effekt : politische Bildstrategien seit dem 11. September 2001. Form und Zweck Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-935053-04-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Radical Art History: Ein akademisches Gespräch über O. K. Werckmeister, in: Wolfgang Kersten, Barbara Fay Abou-El-Haj: Radical art history: internationale Anthologie, S. 375–397. Zürich InterPublishers, Original von University of Michigan, Zürich 1997. (Festschrift zum 60. Geburtstag)[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tate Liverpool: Critical Forum Political Picasso: Peace and Freedom in the Cold War, Mai 2010. Archiviert vom Original am 8. Mai 2010; abgerufen am 31. Dezember 2011 (englisch).
  2. a b c d Otto Karl Werckmeister im Dictionary of Art Historians. Abgerufen am 27. Dezember 2011 (englisch).
  3. Otto Karl Werckmeister bei Perlentaucher. Abgerufen am 27. Dezember 2011.
  4. Andrew Hemingway: Marxism and the history of art, S. 179, Pluto Press 2006. Abgerufen am 1. Januar 2012 (englisch).
  5. Lothar Böhnisch: Gespaltene Normalität: Lebensbewältigung und Sozialpädagogik an den Grenzen der Wohlfahrtgesellschaft, S. 144 ff. Juventa Verlag, Weinheim 1994, ISBN 978-3-7799-1021-3. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  6. Philine Helas: Bild/Geschichte: Festschrift für Horst Bredekamp, S. 35. Akademie Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-05-004261-9. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. Michael Hauffen: Otto Karl Werckmeister - Linke Ikonen; in: Kunstforum international, Band 140, 1998, S. 496. Abgerufen am 5. Januar 2012.
  8. Guernica, Angelus Novus, Panzerkreuzer Potemkin, Kafka von Steven Soderbergh und die Comicstrips von Enki Bilal: Buchbeschreibung bei Artservice. Abgerufen am 5. Januar 2012.
  9. Jan Thorn-Prikker beim Goethe-Institut über Werckmeisters „Der Medusa-Effekt. Politische Bildstrategien seit dem 11. September 2001“ im Dezember 2005. Abgerufen am 5. Januar 2012.
  10. Rezension bei Perlentaucher. Abgerufen am 5. Januar 2012.
  11. a b Bauhaus-Universität Weimar: 11. Internationales Bauhaus-Kolloquium 2009. Abgerufen am 27. Dezember 2011.
  12. Otto Karl Werckmeister: The political confrontation of the arts: from the Great Depression to the Second World War, 1929 - 1939. In: Georges-Bloch-Jahrbuch des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich, 11/12.2004/05(2006). 2006, S. 143–175., aus: OPAC - Kunsthistorisches Institut in Florenz, Max-Planck-Institut
  13. WorldCat zu diesem Namen. Abgerufen am 30. Dezember 2011.
  14. auch: Maria Eugenia Lacarra de Werckmeister, z. B. als Autorin: Ideology and social conflict in the "Poema de mio cid", Dissertation, Univ. of California, Univ. Microfilms International, Ann Arbor 1976 (Nachweis bei Open Library. Abgerufen am 30. Dezember 2011.) und andere Namensvarianten. (Library of Congress. Abgerufen am 30. Dezember 2011., WorldCat. Abgerufen am 30. Dezember 2011.)
  15. Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 30. Dezember 2011.