Otto Pilny

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Sklavenhändler
Otto Pilny: Tanzende Haremsdame, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

Otto Pilny (* 28. Juni 1866 in Budweis; † 22. Juli 1936 in Zürich) war ein Orientmaler.

Geboren 1866 im südböhmischen Budweis kam Otto Pilny als Kind 1873 nach Prag. Über seine künstlerische Ausbildung ist nur wenig bekannt. Seine erste Orientreise trat Otto Pilny mit 19 Jahren 1885 an und verbrachte zwei Jahre mit Zelt, Malutensilien und Proviant bepackt, begleitet nur von seinem Hund, auf der Karawanenstraße zwischen Kairo und Tripolis. Nach diesen abenteuerlichen Jahren kehrte er in seine Heimat zurück und nahm vermutlich das Studium der Malerei an der Akademie in Prag auf. Doch hielt es ihn nicht lange, denn zwischen 1889 und 1892 bereiste Pilny wieder Ägypten. 1895 heiratete er in Zürich Maria Valentin und erhielt die Schweizer Staatsbürgerschaft. 1900 nahm Pilny in Wien an der Jahres-Ausstellung der Genossenschaft der Bildenden Künstler mit dem Bild „Abendgebet in der Wüste“ teil. Als Hofmaler des Vize-Königs von Ägypten wurde Otto Pilny 1906 von Abbas Hylmi II. Pascha (1874 Kairo – 1944 Genf) der Medschidieh-Orden 4. Klasse verliehen.

„Auch wenn Pilny biografisch wenig fassbar ist, belegen seine frühen Wanderjahre in Libyen und seine wiederholten Ägyptenaufenthalte, dass er weder zu jenen ‚Zimmerorientalisten‘ zählte, die den Orient nur aus der Literatur kannten, noch zur Kategorie der ‚Protokollmaler‘, die Ansichten für Gesandtschaften malten. Das Publikum des einbrechenden Industriezeitalters forderte neugierig exotische Genrebilder ein, die das friedvolle Leben im fernen Morgenland abbilden sollten. Lebhaftes Treiben auf Marktplätzen und in engen Gassen, Oasen in der Wüste, Kamel- und Sklavenhändler und besonders die opulente Schilderung schöner Orientalinnen gehörten zu den gefragten Bildmotiven des 19. Jahrhunderts. Die Wüste war in den Augen vieler ein unendlicher Raum der Stille und Freiheit. Für Maler bestand die Schwierigkeit darin, flirrende Hitze, gleißendes Sonnenlicht und Sand bildlich zu erfassen. Eine Wüstenlandschaft stellte besondere Anforderungen, denn vertikale Gestaltungselemente wie vielfältige Flora und Fauna, Gebäude und bewachsene Berge fehlen, hinzu kommt die gedämpfte Farbpalette, die auf die Farbtöne für Sand, Sonne und Himmel beschränkt bleibt. Das Fehlen von Wasser in jedweder Form - und sei es als Wolken am immer blauen Himmel - galt es in Wüstenbildern zu kompensieren, um sie weder ereignislos noch gleichförmig erscheinen zu lassen.“ (S. Köhn, S. 63ff)

Nicht viele Orientmaler haben betende Muslime dargestellt und keiner so oft wie Otto Pilny. In einer Atmosphäre der äußersten religiösen Entspanntheit knien oder stehen Männer beim Gebet gen Mekka in der schier unendlichen Weite der Wüste.

Pilnys Sohn Otto Alexander Pilny (* 22. März 1897 in Zürich; † 17. März 1958 in Zürich) war ebenfalls Maler [1], beschränkte sich jedoch auf Ansichten der Stadt Zürich. Dessen Werke werden oft fälschlicherweise dem Vater zugeschrieben.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otto Pilny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zivilstandsamt Zürich, Familienregister, Band Pilny, Nr. 1. Die gleichen Vornamen von Vater und Sohn führten im Kunsthandel zu Verwechslungen. Statt sie, wie teilweise bereits geschehen, mit sen. und jun. oder I und II zu unterscheiden, wird hier erstmals vorgeschlagen, beim 1897 geborenen Sohn, Otto Alexander Valentin Pilny, den zweiten Vornamen in die Namensgebung einzufügen.
  2. Beispiele finden sich u. a. in Auktionskatalogen von Fischer, Luzern, und Koller, Zürich. Die Verwechslung wurde durch die Sendung Kulturplatz des Schweizer Fernsehens vom 19. November 2008 aufgedeckt.

Ausgewählte Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Silke Köhn: Otto Pilny, in: Sammler-Journal, Kunst, Antiquitäten, Auktionen (Reichertshausen: GEMI Verlags GmbH), November 2009, S. 62–71.