Otto Rosing (Schriftsteller)

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Otto Pavia Jørgen Rosing (* 6. April 1896 in Nuuk;[1]24. Dezember 1965 in Aasiaat) war ein grönländischer Schriftsteller, Katechet, Pastor, Maler und Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Rosing wurde in Nuuk geboren, wuchs aber in Ostgrönland auf, wo sein Vater als Missionar arbeitete. Als er nach Westgrönland zurückkehrte, begann er Grønlands Seminarium zu besuchen, das er 1918 abschloss. Anschließend zog er nach Dänemark, um sich dort weiter zum Katecheten ausbilden zu lassen. Anschließend arbeitete er als Oberkatechet in Grönland, bevor er 1923 von Bischof Christian Ludwigs (1877–1930) ordiniert wurde, sodass er selbst wie sein Bruder Peter (1892–1965) als Pastor tätig werden konnte. 1934 wurde er Peters Nachfolger in Ammassalik, wo er bis 1940 predigte. Anschließend kehrte er nach Westgrönland zurück und arbeitete dort noch bis zu seiner Pensionierung 1955. Anschließend zog er nach Aasiaat, wo er sich vollends Literatur und Kunst widmen konnte.

Er hatte schon zuvor drei Biografien geschrieben. Die erste verfasste er 1933 über den deutschen Missionar und Dichter Carl Julius Spindler (1838–1918), in der zweiten beschrieb er 1948 das Leben des grönländischen Expeditionsteilnehmers Hans Hendrik (1834–1889) und die dritte 1949 verfasste handelte vom deutsch-grönländischen Sprachwissenschaftler Samuel Kleinschmidt (1814–1884). 1952 schrieb er das Buch Inûsugtunut isumaliutigssat (nach neuer Rechtschreibung Inuusuttunut isumaliutissat, deutsch etwa Für die Jugendlichen, worüber sie nachdenken sollten), ein Ratgeber zur Problemlösung junger Menschen. Als Maler illustrierte er das grönländische Alphabetbuch, das er selbst überarbeitet hatte. 1955 verfasste er den Roman Taseralik (deutsch Ort der Pfützen), der hauptsächlich von einer Liebesgeschichte auf dem Sommerplatz (Aasivik) zwischen Aasiaat und Sisimiut handelt, an dem traditionell die Bevölkerung zusammenkam, um dort Feste zu feiern oder Handel zu treiben. Zwischen 1957 und 1961 gab er den Zweiteiler Angákortaligssuit (Angakkortalissuit, deutsch etwa Volk der großen Geisterbeschwörer) heraus, der ostgrönländische Familiengeschichten behandelt.[2] 1963 schrieb er das Geschichtsbuch zum 200. Geburtstag von Aasiaat. Er malte auch Bilder und schuf bildhauerische Kunstwerke.

1952 wurde er zum Ritter des Dannebrogordens ernannt.

Er starb an Heiligabend 1965 in seiner Wahlheimat im Alter von 69 Jahren. Nach seinem Tod wurden aus seinen Manuskripten noch zwei weitere Bücher herausgegeben. Das eine war der 1967 erschienene Roman Gulunnguaq (ein Frauenname) über eine grönländische Hexenverfolgung und das andere das Buch Tikipoq über seine Erinnerungen.[3][4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Pavia Jørgen war der Sohn des Missionars Hans Christian Theodor Rosing (1866–1944) und seiner Frau Malene Karoline Klara Kreutzmann (1869–1943).[5] Über seine Mutter war er der Enkel des Malers Jens Kreutzmann (1828–1899). Über seinen Vater war er der Neffe des Künstlers Peter Rosing (1871–1938) und des Landesrats Karl Rosing (1878–?). Seine Brüder waren unter anderem der Pastor und Maler Svend Peter Kristian Rosing (1892–1965) und der Künstler Kâle Rosing (1911–1974). Er selbst heiratete am 23. Mai 1923 in Aalborg die Grönländerin Sara Gertrud Vilhelmine Birgitte Siegstad (1900–?),[6] genannt Sâlãnguaĸ,[7] Tochter des Schmieds Abel Peter Gabriel Siegstad (1864–1942) und seiner ersten Frau Eleonora Kirstine Marie Charlotte Jørgensen (1865–1901).[8] Aus der Ehe ging unter anderem der Sohn Jens Rosing (1925–2008) hervor, der ebenfalls ein bekannter Schriftsteller und Maler wurde.

Er stammt aus einer Familie voller dänischer Handelsverwalter in Grönland. Sein Vater war als Katechet, Missionar und Pastor in ganz Grönland tätig.[9] Dessen Vater Peter Frederik Rosing (1835–1911) war unter anderem Kolonialverwalter in Qeqertarsuatsiaat.[10] Dieser war der Sohn des in London geborenen Hans Rosing (1803–1865), der hauptsächlich ans Kaufmann in Ilulissat angestellt war.[11] Dessen Vater wiederum war Ulrik Frederik Rosing (1776–1841), als Norweger Pastor der dänischen Gemeinde in England,[12] der selbst Offiziere und Gelehrte in seiner Familie hatte.[13] Ottos Urgroßvater Hans war mit der Tochter des Kaufmanns Johannes Winding (1774–1833) verheiratet.[14] Über seine Mutter war Otto ein Urenkel des Handelsassistenten Johan Ernst Kretzmer, auf den die gesamte grönländische Familie Kreutzmann zurückgeht.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirchenbücher Nuuk 1887–1901 (Geborene Jungen S. 12)
  2. Kirsten Thisted: Grönländische Literatur. In: Jürg Glauser (Hrsg.): Skandinavische Literaturgeschichte. Springer-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-476-00037-8, S. 470 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Biografie im Dansk biografisk leksikon
  4. Biografie in Den Store Danske
  5. Kirchenbücher Nuuk 1887–1901 (Verheiratete S. 99)
  6. Kirchenbuch Ålborg Budolfi Sogn Verheiratete 1919–1929 S. 162
  7. Nachruf von Mikael Gam in der Tidsskriftet Grønland (.pdf)
  8. Kirchenbücher Aasiaat 1888–1903 (Verheiratete S. 101)
  9. Hans Christian Theodor Rosing im Biografisk Leksikon for Grønland
  10. Peter Frederik Rosing im Biografisk Leksikon for Grønland
  11. Hans Rosing im Biografisk Leksikon for Grønland
  12. Rosing, Ulrik Frederik. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 14: Resen–Saxtrup. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1900, S. 332 (dänisch, runeberg.org).
  13. Ahnentafel von Ulrik Frederik Rosing bei vestraat.net
  14. Johannes Winding im Biografisk Leksikon for Grønland
  15. Johan Ernst Kretzmer im Biografisk Leksikon for Grønland