Qeqertarsuaq

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Qeqertarsuaq (große Insel)
Godhavn (Gotthafen)
K'eĸertarssuaĸ
Qeqertarsuaq (2006)
Qeqertarsuaq (2006)
Kommune Kommune Qeqertalik
Distrikt Qeqertarsuaq
Geographische Lage 69° 14′ 45″ N, 53° 32′ 14″ WKoordinaten: 69° 14′ 45″ N, 53° 32′ 14″ W
Qeqertarsuaq (Grönland)
Qeqertarsuaq
Einwohner 856
(1. Januar 2018)
Gründung 1773
Zeitzone UTC-3

Qeqertarsuaq [qɜˌqɜˈtːɑsːuɑq] („große Insel“; nach alter Rechtschreibung K'eĸertarssuaĸ; dänisch Godhavn) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Qeqertarsuaq in der Kommune Qeqertalik.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qeqertarsuaq liegt an der Südküste der auf grönländisch gleichnamigen Diskoinsel, der größten Nebeninsel Grönlands. 31 km nordwestlich liegt die andere bewohnte Siedlung auf der Diskoinsel, Kangerluk. Nördlich von Qeqertarsuaq liegt die etwa 700 m hohe Gletscherkappe des Lyngmarksbræ.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Svend Sandgreen in Qeqertarsuaq

Erste Besiedelungsspuren finden sich in Qeqertarsuaq bereits aus der Zeit vor etwa 5000 Jahren, also von den ersten Menschen, die je Grönland betraten, den Paläo-Eskimos. Das moderne Qeqertarsuaq wurde im Jahr 1773 durch Svend Sandgreen als Walfangstation gegründet. Im 19. Jahrhundert befand sich der Ort in einer wirtschaftliches Krise, als wegen Krieg und Staatsbankrott durch fehlende Schiffe der Walfang zum Erliegen kam. Qeqertarsuaq war Hauptstadt der von 1782 bis 1950 existierenden dänischen Kolonie Nordgrönland. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Sitzungen von Grønlands Landsråd zusammen, also gemeinsam mit dem südgrönländischen Landesrat in Qeqertarsuaq abgehalten. Bei diesen Sitzungen wurde beschlossen, dass die Vereinigten Staaten Militärbasen in Grönland errichten dürfen, aber auch die Zusammenlegung beider grönländischen Kolonien zu einer mit Sitz in Nuuk, der heutigen Hauptstadt Grönlands, das nur drei Jahre später, 1953, dekolonialisiert wurde. Seit 1950 war Qeqertarsuaq Hauptort der Gemeinde Qeqertarsuaq, der 1972 noch die Gemeinde Vaigat zufiel, deren Hauptort Qullissat verlassen war, wodurch die Gemeinde ihre Einwohner verloren hatte. Bei der Verwaltungsreform 2009 wurde die Stadt in die Qaasuitsup Kommunia eingegliedert und seit 2018 gehört sie zur Kommune Qeqertalik.[2][3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung des Walfangs ist seit der Anfangszeit von Qeqertarsuaq stark zurückgegangen. Heute werden in der von Royal Greenland betriebenen Fischfabrik Garnelen, Dorsche und Rogen verarbeitet. Dazu spielen auch die Robbenjagd und die Heilbuttfischerei eine Rolle. Ein 2008 gestarteter Versuch einer Schweizer Firma, eine Mineralwasserproduktionsanlage in Qeqertarsuaq zu betreiben, scheiterte.[4] Qeqertarsuaq hat zudem gute Ressourcen für den Tourismus. Angeboten werden Wanderungen und Hundeschlitten- und Schneescooterfahrten sowie Walbesichtigungen und ein Skigebiet nördlich der Stadt.[2][3]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qeqertarsuaq hat ein ausgebautes Straßennetz. Der Hafen der Stadt befindet sich im Westen in einer geschützten Bucht. Er verfügt über zwei Kais von 12 und 15 Metern Länge. Die Disko Line fährt Qeqertarsuaq mehrfach pro Woche an. Im Osten befindet sich der Heliport Qeqertarsuaq, über den die Stadt mehrere Male pro Woche mit Aasiaat und Ilulissat über den Luftweg verbunden wird.

Nukissiorfiit betreibt ein Dieselkraftwerk für die Stromversorgung der Stadt. Das Trinkwasser wird durch das Schmelzen von Eis aus dem Gletscher nördlich von Qeqertarsuaq gewonnen. Ölöfen beheizen die Häuser in der Stadt. Ein Teil der Gebäude ist an ein Abwassernetz angeschlossen. TELE Greenland gewährleistet die telekommunikative Versorgung von Qeqertarsuaq.[2]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Qeqertarsuaq (2016)

Die Qeqertarsuup Atuarfia unterrichtet etwa 150 Schüler bis zur 10. Klasse. Qeqertarsuaq verfügt zudem über eine Niederlassung der grönländischen Berufsschulen (Piareersarfik). Es gibt eine Kinderkrippe mit Kindergarten und ein Altenheim. Für die medizinische Versorgung verfügt Qeqertarsuaq über ein Krankenhaus und eine Zahnarztpraxis. In der Stadt befinden sich zudem ein Kommunalbüro, ein Postgebäude, eine Sporthalle und ein Fußballplatz und neben verschiedenen Läden und Kiosken eine Pilersuisoq-Filiale, die die Bewohner mit Waren versorgt. Weiterhin befinden sich hier das Qeqertarsuaq-Museum in der Wohnung des früheren Inspektors und ein Versammlungsgebäude. Für Touristen stehen das Hotel Disko und zahlreiche Hostels und ein Campingplatz zur Übernachtung zur Verfügung. Die Kirche (wegen ihrer auffälligen Bauform genannt Herrgotts Tintenfass), der Glockenturm und die Leichenhalle in der Stadt stehen unter Denkmalschutz. Etwa zwei Dutzend weitere Gebäude sind als erhaltenswürdig eingestuft. In Qeqertarsuaq befindet sich zudem die von Morten Pedersen Porsild 1906 gegründete Arktisk Station und ein geophysisches sowie ein astronomisches Observatorium.[2][5]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl von Qeqertarsuaq stieg von 1980 bis Mitte der 1990er Jahre an und geht seitdem wieder zurück. Mit etwa 850 Einwohnern ist Qeqertarsuaq heutzutage nach Kangaatsiaq die zweitkleinste Stadt der Westgrönlands.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Qeqertarsuaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d Qeqertarsuaq bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  3. a b Qeqertarsuaq Kommune in Den Store Danske
  4. Flasche leer in Grönland bei beobachter.ch
  5. Qeqertarsuaq bei groenlandkreuzfahrt.de
  6. Einwohnerzahl Qeqertarsuaq 1977–2018 bei bank.stat.gl