Aasiaat

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Aasiaat (Spinnen)
Egedesminde
Ausiait (Alte Rechtschreibung)
Kommune Qaasuitsup Kommunia
Geographische Lage 68° 42′ 30″ N, 52° 51′ 50″ WKoordinaten: 68° 42′ 30″ N, 52° 51′ 50″ W
Aasiaat (Grönland)
Aasiaat
Höhe m
Einwohner 3.112 (1. Januar 2017)
Gründung 1759
Zeitzone UTC-3
Website www.aasiaat.gl
Gemeinde / Provinz (bis 2008)

Aasiaat / Kitaa

Wappen Aasiaats (inoffiziell)
Lage von Aasiaat auf Grönland
Fläche 600 km²

Aasiaat [ˌaːsiˈaːt] (nach alter Rechtschreibung: Ausiait; dän. Egedesminde [eːəðəsˈmenə]) ist eine grönländische Stadt an der Westküste im südlichen Bereich der Diskobucht mit 3112 Einwohnern (2017). Aasiaat ist der Hauptort des Distrikts Aasiaat in der Qaasuitsup Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aasiaat liegt auf der gleichnamigen Insel (dänisch Transitøen) an der Südküste der Diskobucht. Im Norden liegt die kleine Insel Ipararsuaq (dänisch Tørveø), direkt westlich schließt Tupilak an. Südlich der Insel liegt die Meereskanal Ikerasassuaq. Die große Insel Maniitsoq trennt Aasiaat von der Diskobucht.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egedesminde / Aasiaat um 1900

Egedesminde wurde 1763 von Niels Egede, dem zweiten Sohn Hans Egedes, gegründet, an einem historischen Platz, der schon 2500 v. Chr. von Inuit besiedelt war. Zu Ehren seines Vaters nannte er den Ort Egedesminde. Der grönländische Name Aasiaat bedeutet „Spinnen“, leitet sich aber vermutlich vom Wort Aasiat (Versammlungsplatz) ab.[2] Dennoch zeigt das Stadtwappen ein Spinnennetz, obwohl es hier keine netzspinnenden Arten gibt. Die weiße und blaue Farbe des Wappens symbolisieren das Zusammentreffen von zugefrorenem und eisfreiem Meer.[3]

Während der Walfangperiode im 18. Jahrhundert fand reger Handel mit den Walfängern aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und anderen Nationen statt.[2] Der Ort war das Walfangzentrum Europas.[4] Eine Tranfabrik versorgte Europa mit Lampenöl. Durch die Walfänger eingeschleppte Krankheiten führten immer wieder zu Epidemien. Nur 21 Menschen überlebten vier Pockenepidemien in den Jahren 1776, 1800, 1825 und 1852.[2]

Der Lebensunterhalt wurde, wie in Grönland früher üblich, vor allem durch Fischfang, Robbenjagd und Walfang mit dem Kajak bestritten. Im späten Frühjahr zog man an die Südostküste, um die in großer Zahl an der Küste ziehenden Lodden (grönländisch: ammassaat) zu fangen. Sie waren so zahlreich, dass man sie mit Wäschekörben fangen konnte.

Im Zweiten Weltkrieg spielte Aasiaat eine wichtige Rolle bei der Versorgung der alliierten Truppen in Grönland. 1942 wurden von den US-Amerikanern eine Wetterstation mit zwei Baracken als kleinem Stützpunkt errichtet. Dieser war bis zu seiner Schließung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, danach war Aasiaat vom Fischfang abhängig. Die wirtschaftliche Situation stagnierte bis zur Modernisierung der Fisch- und Shrimpsverarbeitung in den 1980er-Jahren.[2]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch heute lebt Aasiaat zu großen Teilen vom Fischfang mit Schleppnetzen, Krabben- und Shrimpfischerei. Es gibt eine Shrimpfabrik. Der Tourismus spielt auch eine übergeordnete Rolle in einer für grönländische Verhältnisse derart großen Stadt. So werden Walbesichtigungstouren, Kajak- und Hundeschlittenfahrten. Wichtigste Wirtschaftssektoren sind aber administrative Verwaltung und Dienstleistung, gefolgt von Einzelhandel und Transport.[4]

Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TELE Greenland versorgt die Stadt über eine eigene Filiale mit Telekommunikation und den Postverkehr. Nukissiorfiit versorgt Aasiaat mit Strom, Wasser und Wärme. Das Wasser wird aus Süßwasserseen in der Umgebung, Strom über Dieselgeneratoren, Wärme aber größtenteils privat über Ölöfen oder andere Heizungssysteme gewonnen. Das Strom- und Heizkraftwerk wurde 1991 am Hafen errichtet. Müll wird entweder in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt oder auf der Müllhalde deponiert. Weiterhin verfügt die Stadt über ein Abwasser- und Klärsystem, an das 82 % der Häuser angeschlossen sind. Die restlichen Häuser entsorgen das Abwasser direkt ins Meer.[4]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen wird von der Diskoline und der Arctic Umiaq Line bedient und bietet damit gute Anbindungsmöglichkeiten in andere Städte. Zudem liegt im Osten der Stadt der Flughafen Aasiaat, der 1998 eröffnet wurde und über Air Greenland nationale Verbindungen zu den Flughäfen Ilulissat und Kangerlussuaq anbietet, sowie über einen Heliport verfügt. Aasiaat ist wie für Städte üblich vollständig asphaltiert und damit autobefahren.[4]

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aasiaat verfügt über Einkaufsmöglichkeiten in den von Pisiffik geführten Filialen Spar, Torrak Fashion, JYSK und Pisattat. Weiterhin gibt es ein Hotel, ein Restaurant, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Tagespflegestation, ein Krankenhaus, ein Altersheim, eine große Bibliothek, einen Jugendtreff und eine Sporthalle. Auf dem Fußballplatz trägt Tupilakken 41 seine Heimspiele aus. Im Winter kann man im Westen der Stadt zudem Ski fahren, das ausgewiesene Resort verfügt auch über einen Skilift. Die Dorfhalle Aasiaats wurde mit Gemälden des dänischen Malers Per Kirkeby beschmückt.[4]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aasiaat ist ein wichtiger Bildungsort. In der Stadt gibt es vier Schulen: Die Gammeqarfik mit der Primar- und Sekundarstufe I, das Gymnasium für den Norden Grönlands GU-Aasiaat, dazu die Förderschule Ado Lyngep Atuarfia und die logopädische Schule Piareersarfik.[4]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aasiaat verfügt über eine Vielzahl von baudenkmaltechnisch geschützten Gebäuden. Diese sind laut Parlamentsentscheidung von 2010 das Aasiaat-Museum, das früher den Kolonialverwalter beherbergte, das Tourismusbüro, das ehemals das Haus des Walbeobachters war, die Gammeqarfik, die GU-Aasiaat und die Bibliothek.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Silber und Blau geteilt ein Spinnennetz in verwechselten Farben.
Symbolik: Spinnennetz = Versammlungsplatz

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Graeme Cornwallis, Deanna Swaney: Iceland, Greenland & the Faroe Islands. 4. Auflage. Lonely Planet Publications, Melbourne 2001, ISBN 978-0-86442-686-4 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte und Umgebung bei mapcarta.com
  2. a b c d Aasiaat – Die Spinnenstelle bei groenlandinfo.de
  3. Wappen von Aasiaat bei flagspot.net
  4. a b c d e f g Aasiaat bei qaasuitsup.kommuneplania.gl