Perspektive hoch drei

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Perspektive³ / Perspektive hoch drei e. V. ist ein unabhängiger, gemeinnütziger, überparteilicher und selbstorganisierter Verein. Er beschäftigt sich mit den Sichtweisen der so genannten Dritten Generation Ostdeutschland auf vergangene, gegenwärtige und zukünftige gesellschaftliche Fragen. Dazu nimmt er Bilder, Erfahrungen und Wissen von und über diese Generation in der gesamtdeutschen Gesellschaft in den Blick. Der Verein versteht sich als eine Plattform, die Projekte aus den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft aufgreift und in Form von konkreten Projekten initiiert und umsetzt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 fanden in Berlin Ost- und Westdeutsche der Jahrgänge 1975 bis 1985 zusammen und gründeten die Initiative Dritte Generation Ostdeutschland. Die Idee fand nicht nur in den Medien große Resonanz, sondern stieß bei vielen ostdeutschen Menschen auf großes Interesse. Mit dem Wachsen der Initiative zeigte sich, dass die Organisationsform bestehend aus einer Initiativgruppe parallel zu der für die finanzielle und juristische Unterstützung einiger Projekte geschaffene rechtliche Form für viele der Engagierten nicht mehr tragfähig war. Nach einer Phase der Diskussion und des Ausprobierens entschied sich 2013 ein Teil der in Projekten der Dritten Generation Ostdeutschland Engagierten dafür, einen neuen gemeinnützigen Verein zu gründen, um demokratische und transparente Entscheidungsprozesse zu ermöglichen: Perspektive³. Der Verein besteht aus 14 Mitgliedern. [2][3]

Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demografielab - die Dritte Generation Ostdeutschland und der demografische Wandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2013 fand mit dem DemografieLab im Collegium Hungaricum die erste öffentliche Veranstaltung von Perspektive³ statt.

Martin Speer, Peter-Georg-Albrecht, Michael Teffel, Urmila Goel, Ansgar Klein und Franziska Schubert boten Einblicke in ihre Überlegungen und Lösungsansätze zu gesellschaftlichen Fragen, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben: Wie lassen sich zivilgesellschaftliche Strukturen von Ehrenamt und Engagement erhalten in Regionen, in denen die junge Bevölkerung mehrheitlich abwandert? Welche Lernchancen eröffnen intergenerative, internationale Begegnungen, bspw. zwischen Deutschen und Polen? Wie müssen soziale Sicherungssysteme aussehen, um den Ansprüchen an eine Generationengerechtigkeit auch in Zukunft zu genügen? Was sind kreative und innovative Lösungen, dem Leerstand im ländlichen Raum zu begegnen und dabei eine ganze Region dabei zu begleiten, zu einem neuen, positiven Selbstverständnis zu finden? Wie vollzieht sich der Generationenwechsel in Vereinen und ehrenamtlichen Strukturen?[4]

Mauersegler Kurzfilmpreis - Junge Perspektiven auf Mauerfall und Wiedervereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kooperation mit dem Internationalen Kurzfilmfestival interfilm Berlin verlieh Perspektive³ 2014 den Kurzfilmpreis „Mauersegler“ an Filmemacherinnen und Filmemacher. Sie waren aufgerufen, ihren persönlichen Blick auf die Ereignisse der Friedlichen Revolution und/oder der Vereinigung in Deutschland zu zeigen. Aus über 120 Einreichungen entstanden zwei Wettbewerbsprogramme “Beyond the Wall” und “Different Memories”, ergänzt um die Retrospektive “Rock the Wall”.[5][6][7]

Jury: Jana Hensel, Mirza Odabasi, Gunther Scholz und Sebastian Urzendowsky

1. Preis: Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf um nicht zu träumen, Regie: Susann Maria Hempel, Deutschland 2014

2. Preis: MC. Czlowiek z winylu, Regie: Bartosz Warwas, Polen 2010

3. Preis: Schätz doch mal! Das Quiz mit Hausverwalter Martin, Regie: Hubert Märkl, Deutschland 2009

Lobende Erwähnung: Foreign in my own Country, Regie: Tina Krüger, Mozambique 2014

Ausstellung: Der Dritte Blick – fotografische Positionen einer Umbruchsgeneration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2015 zeigte Perspektive³ in Kooperation mit dem Freundeskreis Willy-Brandt-Haus und der Stadtgalerie Kiel eine Ausstellung mit Positionen von Fotografinnen und Fotografen, die in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR geboren wurden. Zu sehen waren Fotografien und Videoarbeiten von Sven Gatter, Anne Heinlein, Margret Hoppe, Marc Marquardt, Andreas Mühe, Julian Röder, Ina Schoenenburg, Luise Schröder und Paula Winkler. Die Ausstellung fragte danach, wie die Umbruchserfahrungen der Fotograf*innen im wiedervereinigten Deutschland ihr Leben und ihre künstlerische Praxis prägen, welche Themen sie in den Fokus nehmen und wie sie Herkunft, Identität und Globalisierung begreifen. Filmische Kurzporträts von Nadja Smith und Dörte Grimm begleiteten die Positionen und stellten Bezüge zu biografischen und gesellschaftspolitischen Ereignissen her.[8][9][10]

Transition Dialogue (in Kooperation mit dem DRA)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transition Dialogue thematisiert in den osteuropäischen Staaten Fragen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden innerhalb einer Transformations-Generation. Vom DRA – Deutsch-Russischer Austausch e.V. koordiniert finden hier AktivistInnen von NGOs zusammen, die wissen wollen, wie die Tatsache, in der Zeit des Wandels groß geworden zu sein, die Menschen befähigt, Systeme und zivilgesellschaftliche Prozesse kritisch zu hinterfragen. Wie positionieren sich Menschen zwischen 30 und 40 gegenüber der Geschichte ihres Landes? Welche Narrative wurden von der Gesellschaft und ihnen entwickelt und weitergetragen? Wie positionieren sie sich als „Bürger“ in der Gesellschaft oder wollen sie dieser Rolle überhaupt entsprechen? Welche Erfahrungen helfen Ihnen, die Umgestaltung der Gesellschaft voran zu bringen? Perspektive³ war zwischen 2014-2018 Kooperationspartner dieses grenzübergreifenden Projekts. Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert und trifft sich an jeweils anderen Orten Osteuropas.[11]

Zeitenwende-Lernportal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zeitenwende-Lernportal unterstützt eine Auseinandersetzung mit der späten DDR, der Friedlichen Revolution und der sich anschließenden gesellschaftlichen Transformation in schulischen und außerschulischen Kontexten der historisch-politischen Bildungsarbeit. Erstmals werden hierfür die biografischen Erzählungen über die Kindheit und Jugend der so genannten Dritten Generation Ostdeutschland in den Mittelpunkt gerückt. Schülerjahrgänge können so die deutsche Teilungs- und Transformationsgeschichte leichter mit dem eigenen Erfahrungshorizont in Bezug setzen. LehrerInnen und historisch-politische BildnerInnen erhalten neue Impulse, grundlegende Methoden-, Sach-, Frage- und Orientierungskompetenzen an ihre Schüler*innen zu vermitteln. Das Spektrum der Zeitzeugenerzählungen über die DDR und die Wiedervereinigung, wird durch das Lernmaterial um eine neue alltagsweltliche Perspektive ergänzt.[12][13][14][15][16][17]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2020: Theodor-Heuss-Medaille[18] für "das demokratiepolitische Engagement der Mitglieder, die ausgehend von ihren Wende- und Nachwende-Erfahrungen ihre Rolle als „Raumpioniere“ und Mittler zwischen Ost und West gefunden haben und mit hohem Verantwortungsbewusstsein, Mut und Optimismus Zukunft gestalten"[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Judith C. Enders, Mandy Schulze, Bianca Ely (Hrsg.): Wie war das für euch? Die Dritte Generation Ost im Gespräch mit ihren Eltern, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-916-2.
  • Judith C. Enders, Adriana Lettrari, Mandy Schulze, Johannes Staemmler: Fach- und Führungskräftemangel in Ostdeutschland. Eine qualitative Untersuchung der „Dritten Generation Ostdeutschland“, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-7639-5167-3.
  • Enders, Judith C. / Schulze, Mandy (2015) „Transformationsprozesse und Auswirkungen auf Geschlechterarrangements – zur Wertorientierung von Frauen der Dritten Generation Ostdeutschland.“ In: Thomas, Michael/ Busch, Ulrich: Transformation im 21. Jahrhundert. Theorien – Geschichte – Fallstudien. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften Band 39 II. Halbband. Berlin: trafo Wissenschaftsverlag: S. 571-586.
  • Enders, Judith C., Schulze, Mandy (2013): „Frauen der Dritten Generation Ostdeutschland.“ In: Anja Bargfrede / Eva Fuchslocher / Kathleen Kollewe / Katrin Pittius (Hrsg.): Frauen in Bewegung. Münster: Westfälisches Dampfboot.
  • Michael Hacker, Stephanie Maiwald, Johannes Staemmler u. a. (Hrsg.): Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Bonn 2012, ISBN 978-3-8389-0285-2.
  • Michael Hacker, Stephanie Maiwald, Johannes Staemmler u. a. (Hrsg.): Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen, mit Texten u. a. von Robert Ide, Roland Jahn und Lothar Probst, Ch. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-685-7.
  • Dörte Grimm (mit Sabine Michel): Die anderen Leben. Generationengespräche Ost, Be.bra Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-89809-179-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Perspektive³. Abgerufen am 24. November 2021 (deutsch).
  2. Verein – Perspektive³. Abgerufen am 24. November 2021 (deutsch).
  3. Köpfe – Perspektive³. Abgerufen am 29. November 2021 (deutsch).
  4. Das DemographieLab - Die Dritte Generation Ostdeutschland und der demografische Wandel. Abgerufen am 26. November 2021.
  5. Mauersegler. Abgerufen am 26. November 2021.
  6. Der MAUERSEGLER KURZFILMPREIS - hallelife.de - Nachrichten aus Halle an der Saale und der Region. Abgerufen am 26. November 2021.
  7. Mehr als nur Preisträger - Eindrücke vom 30. interfilm - Seite 6. 19. November 2014, abgerufen am 26. November 2021.
  8. Der dritte Blick – fotografische Positionen einer Umbruchsgeneration. Sie wurden um 1980 in der DDR geboren und erlebten als Kinder den deutschen Einigungsprozess. Wie prägen diese Erfahrungen ihren künstlerischen Blick? Eine Ausstellung mit neun Fotografinnen und Fotografen der dritten Generation Ostdeutschland sowie Filmporträts von Dörte Grimm und Nadja Smith. Abgerufen am 24. November 2021 (deutsch).
  9. Frank Keil: Schau über DDR-Künstler-Kindheiten: Arbeit am Mythos. In: Die Tageszeitung: taz. 3. Mai 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. November 2021]).
  10. Angie Pohlers, Jana Demnitz: Der Bruch gehört zur Biografie. In: Der Tagesspiegel Online. 5. Oktober 2015, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. November 2021]).
  11. Transition Dialogue - Mapping a Generation in Transition. In: Transition Dialogue. Abgerufen am 24. November 2021 (britisches Englisch).
  12. Startseite. Abgerufen am 24. November 2021 (deutsch).
  13. Berliner Zeitung: Schulprojekt : „Dritte Generation Ost“ bietet Zeitzeugen an. Abgerufen am 26. November 2021.
  14. DDR-Geschichte im Klassenzimmer. Abgerufen am 26. November 2021.
  15. Markus Decker: Schulprojekt : „Dritte Generation Ost“ bietet Zeitzeugen an. 19. Dezember 2017, abgerufen am 26. November 2021 (deutsch).
  16. DDR-Erinnerungen: Die dritte Generation erzählt. Abgerufen am 26. November 2021.
  17. Wendekinder erzählen von damals. 19. Dezember 2017, abgerufen am 26. November 2021.
  18. Theodor Heuss Preis 2020 : Theodor Heuss Stiftung. Abgerufen am 24. November 2021.
  19. Theodor Heuss Preis 2020 : Theodor Heuss Stiftung. Abgerufen am 24. November 2021.