Pfad der Visionäre

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Die offizielle Einweihungsfeier der temporären Installation Pfad der Visionäre fand anlässlich des Europafestval-Berlin am 7. Mai 2006 statt

Der Pfad der Visionäre war ein Kunstprojekt am südlichen Ende der Friedrichstraße im Berliner Ortsteil Kreuzberg, nahe dem Mehringplatz. Er bestand aus – in Dreierreihen im Boden eingelassenen – Tafeln mit Aussagen herausragender Persönlichkeiten der EU-Mitgliedstaaten.

Der Einbau einer dauerhaften Installation des Pfad der Visionäre in die Fußgängerzone der Berliner Friedrichstraße ist zurzeit noch nicht geklärt. Derzeit finden Baumaßnahmen an der U-Bahn-Linie U6 durch die BVG statt. Die Baumaßnahmen sollen laut BVG im Herbst 2018 beendet sein. Der Einbau der dauerhaften Installation Pfad der Visionäre mit den Nationaltafeln der EU-Mitgliedstaaten findet eventuell im Frühjahr 2019 statt.

Eine Erweiterung des EU-Projektes um alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen unter dem Titel Pfad der Visionäre der Welt entlang der Berliner Friedrichstraße ist geplant.

Pfad der Visionäre – EU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonger Voges, Initiator des Projektes, im Hintergrund die damalige Berliner Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer bei der Einweihung

Das Projekt war eine Initiative des Vereins Kunstwelt e. V. Berlin, Vorstandsvorsitzende: Rechtsanwältin Kristijana Penava. Initiator war der ausgebildete Tänzer Bonger Voges.

Die Baukosten sollen sich private Sponsoren, beteiligte Botschaften und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg teilen. Bonger Voges hat die Botschaften eingeladen Persönlichkeiten mit Zitaten zu benennen, welche für die Identität und die Werte des jeweiligen Landes stehen. Die Vorschläge wurden von den jeweiligen Botschaften bzw. Kulturministerien eingereicht und von einer 40-köpfigen Jury bewertet, die sich aus Vertretern aus Wissenschaft, Kultur und Politik zusammensetzte. Zu den Auswahlkriterien der Zitate gehörte neben einer allgemeinverständlichen Aussage die Vermittlung von Toleranz und Völkerverständigung. Das Projekt sollte ein Zeichen für die Einheit und Vielfältigkeit der Europäischen Union sein und zur Aufwertung des Quartiers am südlichen Ende der Berliner Friedrichstraße beitragen.[1] Die offizielle Einweihung des EU-Teils fand am 7. Mai 2006 statt.[2]

Auf jeder der rund einen Quadratmeter großen Platten befand sich ein Zitat einer großen Persönlichkeit, eines Dichters oder Schriftstellers des entsprechenden Landes auf deutsch, englisch und in der jeweiligen Muttersprache enthalten. Nur Belgien war mit einem Zitat von Julius Cäsar vertreten (s. u.). Manche der Sinnsprüche sind eher abstrakt, andere wiederum mehr bildhaft.

Urteil der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihren Einschätzungen stellen alle anwesenden Mitglieder der Kommission überhaupt in Frage, ob dieses Projekt eine öffentliche Förderung erhalten soll. Es wird kritisiert, dass ein als „Sponsoren-Projekt“ begonnenes Vorhaben, das zu 100 Prozent privat finanziert werden sollte, nun öffentliche Mittel beansprucht.

Eigentlich müsste erst mal eine Ausschreibung erfolgen und überlegt werden, wie in Form eines konkurrierenden Verfahrens künstlerische Aktivitäten initiiert werden könnten. Es sei nicht einsichtig, warum gerade dieses Projekt nun quasi „durch die Hintertür“ gefördert werden solle.

Stark kritisiert wurde ebenfalls der künstlerische Wert dieses Projekts. Der Bezug auf die „soziale Plastik“ sei naiv und gehe an der Realität vorbei. Die Tafeln seien lediglich durch Grafiker gestaltet worden, die Sprüche auch zunächst nur ausgewählt durch die Botschaften selbst – auch wenn eine Jury die Schluss-auswahl treffe – so dass jede kritische, irritierende und gar politische Aussage ausgeschlossen sei. Die Einbeziehung der Botschaften als „Partizipation“ zu definieren, sei nicht seriös und widerspreche dem Partizipationsbegriff in der Kunst.

Kritisiert wurde ebenfalls, dass sich dieses Projekt zwar als sozio-kulturell definiere, es aber tatsächlich nicht sei: die einzige Beteiligungsform bleibe die Lektüre der Tafel.

Es sei auch fraglich, wie hierdurch eine Aufwertung des Gebietes erfolgen könne. Beispiele anderer Projekte wie z. B. die „Werkstatt für Veränderung“ von Seraphina Lenz würden da ganz andere Dimensionen erreichen – und dies für weit weniger öffentliche Gelder.

Dieses Projekt sei daher in seiner Form, in seiner Wirkung und eben auch in dem Versprechen, ausschließlich über Sponsoren finanzierbar zu sein, als gescheitert anzusehen.

Dieser Einschätzung wird einstimmig durch die Mitglieder der Kommission gefolgt.

Projektgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Einweihung der temporären Installation Pfad der Visionäre in der Fußgängerzone der Berliner Friedrichstraße anlässlich des 1. Europafestval-Berlin 06.
  • 2007/2008: Zur jeweiligen Erneuerung der temporären Installation organisierte der Trägerverein Kunstwelt e. V. Berlin jeweils ein weiteres Europafestval-Berlin.[3][4]
  • Seit 2011 betreiben die BVG mit steter Verlängerung eine Großbaustelle am Mehringplatz. Diese Zeit nutzte der Betreiberverein u. a. um neue Prototypen für die dauerhafte Installation zu testen. Nach Beendigung der BVG-Baumaßnahmen will der Kunstwelt e. V. den Pfad der Visionäre – EU vollständig erneuern.[5][6][7] Zu sehen ist ein Prototyp der neuen Installation in der Fußgängerzone der Friedrichstraße (Stand: 2011).
  • Am 23. Juni 2011 enthüllte die Schirmherrin Irina Bokowa, Generaldirektorin der UNESCO, die UNESCO-Tafel persönlich vor Ort.
  • 2013 wurde die temporäre Installation eingestellt und für Fundamente der dauerhaften Installation für die Schwertransporter der BVG-Baustelle gesichert.
  • 18. November 2013: Die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum lehnt das Projekt Pfad der Visionäre ab: Stark kritisiert wurde der künstlerische Wert dieses Projekts. Der Bezug auf die „soziale Plastik“ sei naiv und gehe an der Realität vorbei. Die Tafeln seien lediglich durch Grafiker gestaltet worden, die Sprüche auch zunächst nur ausgewählt durch die Botschaften selbst. Kritisiert wurde ebenfalls, dass sich dieses Projekt zwar als sozio-kulturell definiere, es aber tatsächlich nicht sei. Es sei auch fraglich, wie hierdurch eine Aufwertung des Gebietes erfolgen könne.
  • 2014: Beschluss des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg zur Bezuschussung des EU-Projektes unter der Maßgabe, das die Fortführung des Projektes erst nach Fertigstellung der Baumaßnahmen durch die BVG stattfindet.
  • 2018: Bis Herbst 2018 sollen laut BVG die Baumaßnahmen in der Fußgängerzone dauern. Eine erneute Realisierung des Projekts Pfad der Visionäre ist allerdings fraglich.

Die Zitate und Sinnsprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

…von allen Galliern sind die Belgier die tapfersten…
(Julius Caesar)

…die Zeit ist in uns und wir sind in der Zeit – waehrend sie uns wandelt, wandeln wir sie auch.
(Wassil Lewski)

Ich bin nur ein Bote; man hat mich auf eine lange Reise geschickt, dass ich den Leuten sage, es gibt Hoffnung auf der Welt.
(Karen Tania Blixen)

Obwohl ich versuche, in meinem Denken universell zu sein, bin ich nach Instinkt und Neigung ein Europäer.
(Albert Einstein)

Der Staat ersteht nur einmal, die Freiheit jedoch musst Du jeden Tag erkämpfen.
(Lennart Meri)

Völlig frei wandert der, den keine Angst vor Verlust fesselt.
(Sylvi Kekkonen)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
(Heraklit)

Wenn ich weiter als andere gesehen habe, dann nur deshalb, weil ich auf der Schulter von Giganten stand.
(Sir Isaac Newton)

Ich fühle mich als Glied in einer Sprachenkette. Die Sprache meiner Vorfahren war reich, erdgebunden, poetisch, kräftig. Ich möchte nicht denken, dass ich das ausgelassene Glied bin.
(Nuala Ní Dhomhnaill)

Brüderlichkeit zwischen allen Völkern Europas und mit Europa zur Brüderlichkeit aller Menschen.
(Giuseppe Mazzini)

Den andern verstehen – sich selbst verstehen; sich selbst verstehen – die Welt verstehen.
(Jānis Pliekšāns Rainis)

Wir brauchen keinen Sieg. Wir brauchen Frieden und allgemeines Verständnis von Frieden.
(Vytautas Landsbergis)

Die Nationen, deren Nähe die Menschen brauchen, sind keine vorübergehende Erscheinung der Geschichte. Aber sie dürfen nie mehr Geschichte auf Kosten Europas machen.
(Jean-Claude Juncker)

Wir atmen auch um zu verstehen. Vorübergehende Probleme gehören zu unserer Ära, bleibende zu unserer Natur. Antworten erzeugen Fragen. Das macht unser Abenteuer zu einem logischen Geheimnis, einem Lächeln Gottes, einer Einladung, sich nach mehr zu sehnen.
(Oliver Friggieri)

Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zur Güte, Vertrauen und Gerechtigkeit.
(Baruch de Spinoza)

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
(Ingeborg Bachmann)

Ein Volk, das sein Gedächtnis verliert, verliert auch sein Gewissen.
(Zbigniew Herbert)

Wir sind alle kurzsichtig, ausgenommen nach innen. Nur unsere Traumaugen brauchen keine Brille.
(Fernando Pessoa)

Schöpfe wie Gott, befehle wie ein König, arbeite wie ein Sklave.
(Constantin Brâncuși)

Frei denken ist groß, richtig denken ist größer.
(Thomas Thorild)

Die Zukunft Europas besteht nicht im Separatismus, sondern in einer vernünftigen Arbeitsteilung. Die gegenseitige ökonomische Verflechtung des gesamten europäischen Kontinents sollte eine Selbstverständlichkeit sein (…)
(Milan Hodža)

Es leben alle Völker, die sehnend warten auf den Tag, dass unter dieser Sonne die Welt dem alten Streit entsag! Frei sei dann jedermann, nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!
(France Prešeren)

Das Reisen in fremde Länder und der Umgang mit fremden Völkern schärft den Verstand.
(Miguel de Cervantes)

Wer sucht, wird erwartet. Wer wartet, wird nur gefunden.
(Jaroslav Seifert)

Weil das Denken so schwierig ist, urteilt man lieber.
(Sándor Márai)

LEBEN –
Verliert nicht einen seiner Abschnitte,
isoliert nicht einen seiner Sätze,
nehmt es als Ganzes.
(Kostas Mondis)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfad der Visionäre – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktivitäten und Projekte des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin: Berliner Europabericht, 2. Halbjahr 2007, S.3–4
  2. Europa zum Quadrat. In: Der Tagesspiegel, 7. Mai 2006
  3. [1]
  4. Quartiersmanagement Berlin: 3. Europafestival Berlin 08
  5. Berliner Verkehrsbetriebe: Vorübergehende Demontage des Brunnens und der Friedenssäule auf dem Mehringplatz
  6. Berliner Verkehrsbetriebe: Newsletter Juni 2011
  7. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: Lückenschluss der U-Bahn-Linie U5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof.
  8. Europa in Kreuzberg. In: Berliner Zeitung vom 12. Mai 2007

Koordinaten: 52° 30′ 1″ N, 13° 23′ 30″ O