Pfad der Visionäre

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Offizielle Einweihungsfeier des Projektes am 7. Mai 2006

Der Pfad der Visionäre ist ein Kunstprojekt am südlichen Ende der Friedrichstraße im Berliner Ortsteil Kreuzberg, nahe dem Mehringplatz (ehemals: Belle-Alliance-Platz). Es soll aus – in Dreierreihen im Boden eingelassenen – Tafeln mit Aussagen herausragender Persönlichkeiten der EU-Mitgliedstaaten bestehen. Mit dem Pfad der Visionäre der Welt sollen alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine Tafel erhalten.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfad der Visionäre – EU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonger Voges, Initiator des Projektes, im Hintergrund die damalige Berliner Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer bei der Einweihung

Das Projekt ist eine Initiative des Vereins Kunstwelt e. V. Berlin, geleitet von der Anwältin Kristijana Penava unter der ehemaligen Schirmherrschaft von Viviane Reding und Jean-Claude Juncker. Viviane Reding hat sich inzwischen von Projekt und Initiator Bonger Voges distanziert. Die Baukosten von rund 200.000 Euro brachten private Sponsoren und die beteiligten Botschaften auf. Die Vorschläge wurden von den jeweiligen Botschaften bzw. Ministerien eingereicht und von einer 40-köpfigen Jury bewertet, die sich aus Berliner Politikern und Prominenten zusammensetzte. Zu den Auswahlkriterien der Zitate gehörte neben einer allgemeinverständlichen Aussage die Vermittlung von Toleranz und Völkerverständigung. Das Projekt soll ein Zeichen für die Einheit und Vielfältigkeit der Europäischen Union sein und zur Aufwertung des Quartiers am südlichen Ende der Berliner Friedrichstraße beitragen.[1] Die offizielle Einweihung des EU-Teils fand am 7. Mai 2006 statt.[2]

Vertreten waren alle EU-Mitgliedsländer bis zum 30. Juni 2013. Auf jeder der rund 1,5 m² großen Platten war der Spruch einer großen Persönlichkeit, eines Dichters oder Schriftstellers des entsprechenden Landes auf deutsch, englisch und in der jeweiligen Muttersprache enthalten. Nur Belgien war mit einem Zitat von Julius Cäsar vertreten (s. u.). Manche der Sinnsprüche waren eher abstrakt, andere wiederum mehr bildhaft. Von 2006 bis 2008 fand in Verbindung mit der Installation jährlich das Europafestival Berlin in der südlichen Friedrichstraße statt.[3] Leider gingen die qualitativ minderwertigen Bodenplatten schnell kaputt und wurden 2011 mit Asphalt versiegelt.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Seit Juli 2011 betreibt die BVG eine Großbaustelle am Mehringplatz. Diese Zeit nutzte der Betreiberverein, um neue Prototypen für die Installation zu testen. Zu sehen sind seit August 2011 zwei Prototypen sowie Tafelbeispiele zweier EU-Staaten und Erläuterungstafeln als temporäre Installation, die auf den aktuellen Zustand und die frühere Ausstellung „Platz der Ideen“ hinweisen. Nach Beendigung der BVG-Baumaßnahmen will der Kunstwelt e. V. den Pfad der Visionäre – EU vollständig erneuern.[4][5] [6] Zu sehen ist ein Prototyp der neuen Installation in der Fußgängerzone der Friedrichstraße (Stand: Sommer 2011).

Pfad der Visionäre der Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweisschild auf den Pfad der Visionäre der Welt am Mehringplatz

Am 23. Juni 2011 enthüllte Irina Bokowa, Generaldirektorin der UNESCO, die UNESCO-Tafel persönlich vor Ort.

Als im Juli 2015 bekannt wurde, dass Bonger Voges, der Initiator des Projekts, Sklavenauktionen in einschlägigen Sexklubs organisierte, geriet Voges unter Druck und erklärte seinen Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des Kunstwelt e. V. Aufgrund eines im Tagesspiegel erschienenen Artikels[7] forderte die Unesco den Kunstwelt e. V. auf, das Unesco-Logo umgehend zu entfernen. Jean-Claude Juncker wird seine vor zehn Jahren gewährte Schirmherrschaft nicht verlängern. Die Zukunft des Projekts Pfad der Visionäre der Welt ist ungewiss.

Die Sinnsprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

…von allen Galliern sind die Belgier die tapfersten…
(Julius Caesar)

…die Zeit ist in uns und wir sind in der Zeit – waehrend sie uns wandelt, wandeln wir sie auch.
(Wassil Lewski)

Ich bin nur ein Bote; man hat mich auf eine lange Reise geschickt, dass ich den Leuten sage, es gibt Hoffnung auf der Welt.
(Karen Tania Blixen)

Obwohl ich versuche, in meinem Denken universell zu sein, bin ich nach Instinkt und Neigung ein Europäer.
(Albert Einstein)

Der Staat ersteht nur einmal, die Freiheit jedoch musst Du jeden Tag erkämpfen.
(Lennart Meri)

Völlig frei wandert der, den keine Angst vor Verlust fesselt.
(Sylvi Kekkonen)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.
(Heraklit)

Wenn ich weiter als andere gesehen habe, dann nur deshalb, weil ich auf der Schulter von Giganten stand.
(Sir Isaac Newton)

Ich fühle mich als Glied in einer Sprachenkette. Die Sprache meiner Vorfahren war reich, erdgebunden, poetisch, kräftig. Ich möchte nicht denken, dass ich das ausgelassene Glied bin.
(Nuala Ní Dhomhnaill)

Brüderlichkeit zwischen allen Völkern Europas und mit Europa zur Brüderlichkeit aller Menschen.
(Giuseppe Mazzini)

Den andern verstehen – sich selbst verstehen; sich selbst verstehen – die Welt verstehen.
(Jānis Pliekšāns Rainis)

Wir brauchen keinen Sieg. Wir brauchen Frieden und allgemeines Verständnis von Frieden.
(Vytautas Landsbergis)

Die Nationen, deren Nähe die Menschen brauchen, sind keine vorübergehende Erscheinung der Geschichte. Aber sie dürfen nie mehr Geschichte auf Kosten Europas machen.
(Jean-Claude Juncker)

Wir atmen auch um zu verstehen. Vorübergehende Probleme gehören zu unserer Ära, bleibende zu unserer Natur. Antworten erzeugen Fragen. Das macht unser Abenteuer zu einem logischen Geheimnis, einem Lächeln Gottes, einer Einladung, sich nach mehr zu sehnen.
(Oliver Friggieri)

Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zur Güte, Vertrauen und Gerechtigkeit.
(Baruch de Spinoza)

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
(Ingeborg Bachmann)

Ein Volk, das sein Gedächtnis verliert, verliert auch sein Gewissen.
(Zbigniew Herbert)

Wir sind alle kurzsichtig, ausgenommen nach innen. Nur unsere Traumaugen brauchen keine Brille.
(Fernando Pessoa)

Schöpfe wie Gott, befehle wie ein König, arbeite wie ein Sklave.
(Constantin Brâncuși)

Frei denken ist groß, richtig denken ist größer.
(Thomas Thorild)

Die Zukunft Europas besteht nicht im Separatismus, sondern in einer vernünftigen Arbeitsteilung. Die gegenseitige ökonomische Verflechtung des gesamten europäischen Kontinents sollte eine Selbstverständlichkeit sein (…)
(Milan Hodža)

Es leben alle Völker, die sehnend warten auf den Tag, dass unter dieser Sonne die Welt dem alten Streit entsag! Frei sei dann jedermann, nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!
(France Prešeren)

Das Reisen in fremde Länder und der Umgang mit fremden Völkern schärft den Verstand.
(Miguel de Cervantes)

Wer sucht, wird erwartet. Wer wartet, wird nur gefunden.
(Jaroslav Seifert)

Weil das Denken so schwierig ist, urteilt man lieber.
(Sándor Márai)

LEBEN –
Verliert nicht einen seiner Abschnitte,
isoliert nicht einen seiner Sätze,
nehmt es als Ganzes.
(Kostas Mondis)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfad der Visionäre – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktivitäten und Projekte des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin: Berliner Europabericht, 2. Halbjahr 2007, S.3-4
  2. Europa zum Quadrat. In: Der Tagesspiegel vom 7. Mai 2006
  3. Quartiersmanagement Berlin: 3. Europafestival Berlin 08
  4. Berliner Verkehrsbetriebe: Vorübergehende Demontage des Brunnens und der Friedenssäule auf dem Mehringplatz
  5. Berliner Verkehrsbetriebe: Newsletter Juni 2011
  6. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: Lückenschluss der U-Bahn-Linie U5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof
  7. Fifty Shades of Kiez: Quartiersmanagement in der Kritik. In: Der Tagesspiegel, 27. Juli 2015.
  8. Europa in Kreuzberg. In: Berliner Zeitung vom 12. Mai 2007

Koordinaten: 52° 30′ 1″ N, 13° 23′ 30″ O