Franziska Giffey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Franziska Giffey (2018)

Franziska Giffey [ˈɡɪfaɪ̯] (* 3. Mai 1978 als Franziska Süllke in Frankfurt (Oder)) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie ist seit dem 14. März 2018 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel IV. Von 2015 bis 2018 war sie Bezirksbürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln.

Herkunft, Studium, berufliche Tätigkeit und Privates (1978 bis 2010)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giffey mit US-Botschafter John B. Emerson und dessen Ehefrau (2016)

Als Tochter eines Kfz-Meisters[1] und einer Buchhalterin wuchs Franziska Giffey im Dorf Briesen im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg auf. Von 1988 bis 1997 war Giffey Gymnasiastin am heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium in Fürstenwalde/Spree.[2] Als Gymnasiastin organisierte Franziska Giffey ehrenamtlich die Schulbibliothek am Geschwister-Scholl-Gymnasium, wo sie auch einen Großteil ihrer Freizeit verbrachte.[3]

Nach dem Abitur im Jahr 1997 begann Giffey ein Lehramtsstudium der Fächer Englisch und Französisch an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wegen aufgetretener Stimmprobleme, verursacht durch eine „Kehlkopfmuskelschwäche“, rieten ihr mehrere Ärzte davon ab, Lehrerin zu werden, daraufhin brach Giffey das Lehramtsstudium 1998 ab.[4]

Von 1998 bis 2001 studierte Franziska Giffey Verwaltungsrecht an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin (FHVR). 2001 erwarb Giffey den akademischen Grad Diplom-Verwaltungswirtin (FH). Während des Studiums war sie im Jahr 2000 mehrere Monate als Mitarbeiterin im Büro des Bezirksbürgermeisters von Lewisham, Dave Sullivan (Labour Party), in London tätig.[5] Nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete Giffey von 2001 bis 2002 im Büro des Bezirksbürgermeisters von Treptow-Köpenick, Klaus Ulbricht (SPD), in Berlin. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit in der Berliner Kommunalverwaltung absolvierte Giffey an der FHVR von 2003 bis 2005 ein Master-Studium der Fachrichtung Europäisches Verwaltungsmanagement. 2005 erwarb sie den akademischen Grad Master of Arts. 2003 arbeitete sie in diesem Rahmen bei der Vertretung des Landes Berlin bei der Europäischen Union in Brüssel und 2005 bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg. Zwischen 2004 und 2009 war sie außerdem als Dozentin an verschiedenen Akademien und Instituten tätig, unter anderem an der Verwaltungsakademie Berlin, der European School of Governance Berlin und der dbb Akademie.[5][6]

Franziska Giffey war von 2002 bis 2010 Europabeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. Von 2005 bis 2010 absolvierte Giffey nebenberuflich ein Promotionsstudium in Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft.[7] 2010 wurde sie an der Freien Universität Berlin zum Dr. rer. pol. promoviert.[5]

Im Jahr 2008 heiratete Giffey den Tierarzt Karsten Giffey, zusammen haben sie einen Sohn (* 2009) und leben in Berlin.[8][5][4] Ihr angeheirateter Neffe Niels Giffey ist Basketballnationalspieler.

SPD-Politikerin seit 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 29 Jahren trat Giffey 2007 in die SPD ein. Nach ihrem Parteibeitritt wurde sie von der SPD Neukölln zur Kreiskassiererin gewählt. Seither ist sie Mitglied im Kreisvorstand sowie im geschäftsführenden Kreisvorstand der SPD Neukölln.[5][4] Am 9. Mai 2014 wurde Giffey zur Kreisvorsitzenden der SPD Neukölln gewählt. Sie trat damit die Nachfolge von Fritz Felgentreu (SPD) an, der nach zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für den Kreisvorsitz kandidierte.[9]

Öffentliche Ämter seit 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. September 2010 ist Franziska Giffey als Kommunalbeamtin des Landes Berlin beurlaubt.

Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport von Berlin-Neukölln (2010 bis 2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2010 bis 2015 war sie Neuköllner Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport.

Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln (2015 bis 2018)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wählte die Bezirksverordnetenversammlung Giffey zur neuen Bürgermeisterin des Bezirks Neukölln, nachdem sie bereits in den Medien längere Zeit als mögliche Nachfolgerin des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) gehandelt worden war.[4][10][11][12] Giffey bezeichnet Buschkowsky als ihr politisches Vorbild.[12][13] Als Bezirksbürgermeisterin war sie zugleich Dezernentin der Abteilung Finanzen und Wirtschaft[14] und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Schloss Britz.

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (seit 2018)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. März 2018 wurde Giffey zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel IV ernannt.[15] Ihr Nachfolger als Neuköllner Bezirksbürgermeister wurde Martin Hikel.[16]

Im April 2018 kündigte Giffey in einem Medieninterview an, ein „Gute-Kita-Gesetz“ in die Ressortabstimmung zu bringen, das die Länder bei der Verbesserung der Qualität der Kindertagesbetreuung unterstützen soll. Der Entwurf sehe unter anderem eine Gebührenbefreiung sowie Änderungen beim Betreuungsschlüssel und in der Sprachförderung vor. Auch die Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Erzieher seien zu verbessern. Der Fachkräftemangel lasse sich nicht einfach mit Zuwanderung lösen.[17]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giffey spricht sich für eine Kindergartenpflicht für Kinder ab dem dritten Lebensjahr aus, um eine frühkindliche Förderung für jedes Kind gewährleisten und es auf den Schulbesuch vorbereiten zu können.[13][18][19]

Sie ist Kritikerin der zwischen 2004 und 2008 verabschiedeten Berliner Grundschulreformen, mit denen unter anderem die Abschaffung der Vorklassen an Grundschulen und die Senkung des Einschulungsalters beschlossen wurden.[20][21] Im Land Berlin können Kinder derzeit vor dem 6. Geburtstag schulpflichtig werden.[22] Giffey plädierte für die Abschaffung der so genannten Früheinschulung, die mit Beschluss der Senatsklausur im Januar 2015 auch sukzessive umgesetzt wurde. Ebenso ist Giffey für die Wiedereinführung von Vorklassen bzw. der Vorschule an Grundschulen, um Kinder, die noch nicht schulreif sind, besser fördern zu können.[23][24][25][26]

Darüber hinaus spricht sich Giffey für eine bessere Bezahlung von Lehrkräften bzw. die Wiedereinführung der Verbeamtung von Lehrkräften durch das Land Berlin aus, um einer Abwanderung gut ausgebildeter Lehrkräfte in andere Bundesländer entgegenzuwirken.[27] Die Verbeamtung von Lehrern wurde 2004 im Land Berlin abgeschafft.[28]

Giffey befürwortete und verantwortete als Neuköllner Schulstadträtin den Einsatz von Wachschutzpersonal an Neuköllner Schulen. Der Bezirk Neukölln hatte den bundesweit einmaligen Wachschutz vor Schulen im Jahr 2007 nach mehreren Gewaltvorfällen eingeführt. Mit Hilfe des Wachschutzes soll das Eindringen schulfremder Personen in die Schulanlage verhindert werden.[29][30][31]

Seit 2011 macht Giffey auf das Thema der Zuwanderung von Menschen aus Südosteuropa nach Deutschland, insbesondere nach Berlin-Neukölln, aufmerksam, unter anderem in den jährlich erscheinenden Roma-Statusberichten des Bezirksamtes Neukölln.[32] Sie unternahm mehrere Reisen nach Bulgarien und Rumänien, um sich über die Gründe der Migration vor Ort zu informieren.[33][34] Sie setzt sich dafür ein, dass Kommunen und Bezirke umfangreiche Unterstützung und finanzielle Mittel für lokale Integrationsprojekte von Bund und Ländern erhalten und Integrationspolitik als gemeinsame Aufgabe von Kommunen, Bund und Ländern begriffen wird. Als Neuköllner Schulstadträtin setzte sie sich für die Einrichtung von „Willkommensklassen“ und „Ferienschulen“ ein, in denen zugezogene Kinder Deutschunterricht erhalten und für den regulären Schulbesuch vorbereitet werden.[34]

2018 befürwortete Giffey die Anschaffung von Burkinis durch ein Herner Gymnasium, um die Teilnahme muslimischer Schülerinnen am Schwimmunterricht zu fördern.[35]

Kabinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kabinett Merkel IV, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit dem 14. März 2018

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giffey ist Mitglied in mehreren Organisationen:[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franziska Süllke (2009): Strengthening opportunities for citizenship education at local level: the case of Berlin-Neukölln, in: Ditta Dolejšiová, Miguel Ángel Garciá López (Hrsg.): European citizenship – In the process of construction. Challenges for citizenship, citizenship education and democratic practice in Europe, Strasbourg: Council of Europe Publishing, S. 180–191.[36]
  • Franziska Giffey (2010): Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft, Dissertation an der Freien Universität Berlin, Online-Veröffentlichung.[7]
  • Franziska Giffey, Bernd R. Müller (2011): Die Bedeutung der Sprachkompetenz und der Anerkennung von Berufs- und Schulabschlüssen für die Integration, in: FPR Familie Partnerschaft Recht, Zeitschrift für die Anwaltspraxis, 17. Jg., Ausg. 10/2011, S.435–439.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franziska Giffey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.autowerkstatt-suellke.de/index.html
  2. http://www.schollgym.de/index.php
  3. https://www.bz-berlin.de/berlin/neukoelln/franziska-giffey-diese-kleine-zieht-in-neukoelln-die-strippen
  4. a b c d Martin Klesmann: Franziska Giffey in Neukölln – Diese Frau wird Buschkowskys Nachfolgerin. In: Berliner Zeitung, 4. August 2014, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  5. a b c d e f Biografische Angaben auf der Internetseite von Franziska Giffey, gesehen am 24. Januar 2015
  6. Bezirksstadträtin Dr. Franziska Giffey (SPD). Bezirksamt Neukölln, archiviert vom Original am 16. November 2014; abgerufen am 9. März 2018.
  7. a b Dissertation von Franziska Giffey, Online-Veröffentlichung, gesehen am 24. Januar 2015
  8. https://www.volksstimme.de/lokal/oebisfelde/familienbande-maechtig-stolz-auf-schwiegertochter
  9. Neuköllner SPD wählt Franziska Giffey zur neuen Vorsitzenden, Pressemitteilung der SPD Neukölln, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  10. Elmar Schütze: Buschkowsky will weitermachen. In: Berliner Zeitung, 30. Januar 2013, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  11. Thomas Loy: Bezirksbürgermeistern droht die Pensionierung – Keine Lust abzutreten. In: Der Tagesspiegel, 31. Januar 2013, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  12. a b Hildburg Bruns: „Jung, blond, Frau! Die Leute unterschätzen mich“ – BILD stellt die neuen Berliner Spitzen-Frauen vor – wie Franziska Giffey, die als SPD-Chefin von Neukölln kandidiert. In: Bild, 9. April 2014, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  13. a b Bildungsstadträtin Giffey: „Hier herrscht die doppelte Halbsprachigkeit“. In: Der Tagesspiegel, Interview vom 26. Oktober 2010, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  14. Internetseite des Bezirksamtes Neukölln, abgerufen am 15. April 2015
  15. Das neue Kabinett auf einen Blick, spiegel.de, abgerufen am 14. März 2018
  16. Martin Hikel übernimmt in Neukölln von Franziska Giffey
  17. Franziska Giffey: Bund will Milliarden für bessere Kitas zahlen. In: Zeit online. 28. April 2018, abgerufen am 28. April 2018.
  18. Susanne Vieth-Entus: Neuköllner Schulstadträtin – „Kitapflicht darf kein Tabu sein“, Tagesspiegel, Interview vom 19. März 2013, online, gesehen am 24. Januar 2015
  19. Martin Klesmann: SPD streitet um Image von Neukölln. In: Berliner Zeitung, 20. August 2013, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  20. Ulrich Zawatka-Gerlach: CDU will Rückkehr zu früherem Modell: Vorschule statt Kitapflicht. In: Der Tagesspiegel, 26. Juli 2013, online, abgerufen am 24. Januar 2015
  21. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft: Übersicht über Schulreformen der letzten Jahre in Berlin (Memento des Originals vom 28. Januar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de, abgerufen am 24. Januar 2015
  22. Martin Klesmann: Einschulung in Berlin erst mit sechs. In: Berliner Zeitung, 24. November 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  23. Martin Klesmann: Probleme mit der frühen Einschulung. In: Berliner Zeitung, 27. Oktober 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  24. Martin Klesmann: Leistungen in der Schule: Früh eingeschulte Kinder wiederholen öfter. In: Berliner Zeitung, 7. Juli 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  25. Susanne Vieth-Entus: Berliner Eltern rebellieren gegen die Früheinschulung. In: Der Tagesspiegel, 30. Juni 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  26. Sylvia Baumeister: Fördern Kitas zu wenig? – Franziska Giffey möchte am liebsten Vorschule wiedereinführen. In: Berliner Woche, 15. August 2012, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  27. Martin Klesmann: Lehrermangel in Berlin: Auch Quereinsteiger können gute Lehrer sein. In: Berliner Zeitung, 21. März 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  28. Lehrer werden doch wieder verbeamtet. In: B.Z., 6. März 2011, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  29. Martin Klesmann: Schulbeginn in Berlin – Neukölln: Wieder Wachschutz an Schulen. In: Berliner Zeitung, 15. Oktober 2012, online, gesehen am 25. Januar 2015
  30. Martin Klesmann: Neukölln – Wachschützer an Schulen. In: Berliner Zeitung, 9. Oktober 2012, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  31. Sylvia Vogt: Europaweite Ausschreibung: Neuköllner Schulen ab Herbst wieder mit Wachschutz. In: Der Tagesspiegel, 23. Juli 2012, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  32. Roma-Statusberichte des Bezirksamtes Neukölln, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  33. Özlem Gezer: Am Limit. In: Der Spiegel, 10. Juni 2013, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  34. a b Gerd Appenzeller: Roma-Familien in Deutschland – Politik beginnt beim Betrachten der Wirklichkeit. In: Der Tagesspiegel, 20. November 2014, online, abgerufen am 25. Januar 2015
  35. tagesschau.de: Giffey spricht sich für Burkinis im Schwimmunterricht aus. Abgerufen am 25. Juni 2018 (deutsch).
  36. Strengthening opportunities for citizenship education on a local level: a case from Berlin-Neukölln, PDF-Download aus der Datenbank des Europäischen Rates, zuletzt abgerufen am 09. März 2018.
 Commons: Franziska Giffey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien