Philippe Djian

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Philippe Djian 2009 bei der Präsentation seines Buches Doggy Bag

Philippe Djian (* 3. Juni 1949 in Paris) ist ein französischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Djians armenischer Vater arbeitete als Schaufensterdekorateur, seine Mutter war Hausfrau. Er hat zwei Brüder. Djian wuchs in Paris auf, wo er von 1955 bis 1968 die Schule, unter anderem das Lycée Turgot, besuchte. Als Teenager hatte Djian einen Ferienjob bei seinem heutigen Verlag Gallimard. Im folgenden Jahr studierte Djian Literaturwissenschaft an der Universität Paris VIII in Vincennes und besuchte eine Schule für Journalismus, brach aber beides nach einigen Monaten ab. Danach arbeitete er zwei Monate in Le Havre in der Hoffnung, auf einem Schiff nach Südamerika anheuern zu können. Da ihm dies jedoch nicht gelang, kaufte er sich stattdessen von seinem Verdienst ein Flugticket nach New York. Dort arbeitete Djian ein halbes Jahr lang für die Librairie française im Rockefeller Center und reiste dann doch noch nach Südamerika, nämlich nach Kolumbien. Dort arbeitete er als Journalist für die französische Presse, jedoch ohne Erfolg. Daraufhin gab er den Journalismus auf und kehrte nach Frankreich zurück.

Hier arbeitete Djian zunächst als Lektor für den Verlag Détective, dann als Buchhändler, gefolgt von einer Reihe von Gelegenheitsjobs. 1974 lernte Djian Année kennen, eine französische Malerin, mit der er seit 1993 verheiratet ist. Nach der Geburt des ersten Sohnes begann Djian zu schreiben. 1978 stellte er sein erstes Buch mit Erzählungen unter dem französischen Titel 50 contre 1 fertig, das jedoch erst 1981 veröffentlicht wurde, nachdem es von mehreren Verlegern mit teils abfälligen Bemerkungen abgelehnt worden war. Seinen Durchbruch als Schriftsteller feierte Djian mit dem Buch Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen im Jahr 1985, das ihn weltweit bekannt machte und außerdem erfolgreich verfilmt wurde. Seit 1989 schreibt er auch regelmäßig Chansontexte für den Schweizer Sänger Stephan Eicher. Ab den frühen 2000er Jahren übersetzte er mehrere englischsprachige Theaterstücke ins Französische. Im Jahr 2008 veröffentlichte er sein bisher einziges eigenes Theaterstück Lui, das 2010 auch in Form eines von Jean-Philippe Peyraud illustrierten Comicbuches herausgegeben wurde. 2012 erhielt er für den Roman Oh... den Prix Interallié.

Djians Leben ist geprägt von zahlreichen Wohnortwechseln. Nach eigenen Angaben lebte er nie länger als fünf Jahre am selben Ort. Mit Année hat er drei Kinder. Das älteste ist der Sohn Loïc, dem der Vater das Buch Rückgrat widmete. Der Tochter Clara widmete er den Roman Pas de deux und der Tochter Lou-Anne den Roman Matador.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Djians literarische Vorbilder sind Richard Brautigan, Henry Miller, Jack Kerouac und Jerome David Salinger. Er stellt sich bewusst in die Tradition moderner amerikanischer Literatur und hat in diesem Zusammenhang gesagt: „Mir geht es nur um Stil und Sprache, weil ich keine Message habe, die ich weitergeben will.“ Als er zu lesen begann, seien die zeitgenössischen französischen Autoren nicht sonderlich interessant gewesen, weil sie sich nicht mit dem wirklichen Leben beschäftigten, wie es zahlreiche amerikanische Autoren zu dieser Zeit taten. Djians Stil ist gekennzeichnet von einem ausgefeilten Purismus und einer Schnelligkeit, mit denen er sich gegen den etablierten Literatursalon stellte. Er verwendet gern Wörter der Umgangssprache und pflegt einen flüssigen, abwechslungsreichen Satzbau. In mehreren seiner Romane ist der Ich-Erzähler ein Autor, der hartnäckig an seinem Schreibstil arbeitet: „Frag dich nicht, warum du schreibst und für wen, aber schreibe stattdessen, als ob jeder Satz dein letzter sein könnte.“[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Original Art Jahr Deutsche Ausgabe Übersetzung Jahr
50 contre 1 Erzählungen 1981 100 zu 1 Michael Mosblech 2008
Bleu comme l’enfer Roman 1982 Blau wie die Hölle Michael Mosblech 1990
Zone érogène Roman 1984 Erogene Zone Michael Mosblech 1987
37,2° le matin Roman 1985 Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen Michael Mosblech 1986
Maudit manège Roman 1986 Verraten und Verkauft Michael Mosblech 1988
Echine Roman 1988 Rückgrat Michael Mosblech 1991
Crocodiles Erzählungen 1989 Krokodile Michael Mosblech 1993
Lent dehors Roman 1991 Pas de deux Michael Mosblech 1994
Lorsque Lou Erzählung 1992
Bram van Velde Erzählung 1993
Sotos Roman 1993 Matador Ulrich Hartmann 1993
Assassins Roman 1994 Ich arbeitete für einen Mörder Ulrich Hartmann 1996
Aspirine Novelle 1996
Mauvais rebonds Novelle 1996
Criminels Roman 1996 Kriminelle Ulrich Hartmann 1998
Pornographie Artikel 1998
Il dit que c’est difficile Erzählung (Neuausgabe von Bram van Velde) 1998
Sainte-Bob Roman 1998 Heißer Herbst Ulrich Hartmann 1999
Vers chez les blancs Roman 2000 Schwarze Tage, weiße Nächte Uli Wittmann 2002
Ardoise Essays 2002 In der Kreide Uli Wittmann 2004
Ça c’est un baiser Roman 2002 Sirenen Uli Wittmann 2003
Frictions Novelle 2003 Reibereien Uli Wittmann 2005
Impuretés Roman 2005 Die Frühreifen Uli Wittmann 2006
Doggy bag: Saison 1–6 Roman 2005–2008 Doggy Bag 1–6 Uli Wittmann 2009
Mise en bouche Comic 2008
Impardonnables Roman 2009 Die Leichtfertigen Uli Wittmann 2011
Lui Comic 2010
Incidences Roman 2010 Die Rastlosen Oliver Ilan Schulz 2012
Vengeances Roman 2011 Wie die wilden Tiere Oliver Ilan Schulz 2013
„Oh…“ Roman 2012 Oh… Oliver Ilan Schulz 2014
Love song Roman 2013
Chéri-Chéri Roman 2014
Dispersez-vous, ralliez-vous! Roman 2016
Marlène Roman 2017 Marlène Norma Cassau 2018
A l'aube Roman 2018 Morgengrauen Norma Cassau 2020
Les inéquitables Roman 2019

Alle deutschen Übersetzungen sind im Diogenes Verlag erschienen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: Prix Jean Freustié für Impardonnables
  • 2012: Prix Interallié für "Oh..."

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literarische Vorlage
Drehbuch
  • 2004: Lass das sein (Ne fais pas ça) – Regie: Luc Bondy

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Baumann & Gisela Lerch Hgg.: Jean-Luc Benoziglio, Philippe Djian, Jean Echenoz, François Bon, Leslie Kaplan, Valère Novarina, Marie Ndiaye. in: Extreme Gegenwart. Französische Literatur der 80er Jahre. Beiträge aus Anlass von Berlin, Kulturhauptstadt Europas 1988. Manholt, Bremen 1989 ISBN 3-924903-70-0 Jeweils mit Eigen- und Fremdbeiträgen (z. B. Werkauszügen, Interviews) der Genannten; Verlagsausgabe des Tagungsbandes. Djian S. 153–174
  • Corinna Libal: Die Personendarstellung in den Romanen von Philippe Djian: von „Bleu comme l'enfer“ (1982) bis „Lent dehors“ (1991). In: Literaturwissenschaft in der Blauen Eule. Nr. 26. Verlag Die Blaue Eule, Essen 1999, ISBN 3-89206-961-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "The Cult of Philippe Djian, ABC Arts online, Interview 19 September 2001"