Pierre Ibisch

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Pierre Leonhard Ibisch (* 1967 in Flensburg) ist ein deutscher Biologe und Professor für „Nature Conservation“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, vormals Fachhochschule Eberswalde. Von 2007 bis 2009 war er dort Dekan des Fachbereichs „Wald und Umwelt“ (ursprünglich Fachbereich Forstwirtschaft) und Mitglied des Präsidiums der Hochschule. Seit 2009 ist er einer der ersten Forschungsprofessoren der Hochschule. 2015 wurde er der erste außerordentliche Forschungsprofessor. Er ist Ko-Direktor des von ihm mitbegründeten Centre for Econics and Ecosystem Management.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pierre Ibisch wuchs in Flensburg auf und machte dort am Alten Gymnasium 1986 Abitur. An der Universität Bonn studierte er anschließend Biologie mit den Prüfungsfächern Botanik, Zoologie und Physik. Von 1993 bis 1996 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit zu den Aufsitzerpflanzen Boliviens mit dem Titel Neotropische Epiphytendiversität - das Beispiel Bolivien. Er ist ein Schüler des Botanikers und Makroökologen Wilhelm Barthlott.

Im November 2002 erhielt er die Lehrbefugnis für Botanik mit einer interdisziplinär ausgerichteten Arbeit (Erhaltung der pflanzlichen Vielfalt des Megadiversitätslandes Bolivien. Problemanalyse und Bewertungsmethoden sowie Erhaltungsstrategien und ökoregionale Leitbilder). Ibisch arbeitete in Bolivien unter anderem auch im Rahmen von Vorhaben der GTZ und als Integrierte Fachkraft des CIM-(1997–2003). Seit 2004 ist er Professor in Eberswalde.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine fachlichen Schwerpunkte sind globaler (Umwelt)-Wandel und Naturressourcenmanagement (unter anderem Entwicklung von Anpassungsstrategien, nachhaltige Entwicklung und globaler Wandel), Naturschutz und Biodiversität. Langjährig war er in der landschaftsökologischen und naturschutzfachlichen Forschung in Südamerika tätig. Zwischen 1991 und 2003 lebte und arbeitete er neun Jahre lang in Bolivien und unterstützte u. a. als Leiter der Wissenschaftsabteilung die Naturschutzorganisation Fundación Amigos de la Naturaleza (FAN). Unter anderem beschäftigte er sich mit Biodiversitätskartierung und ökoregionaler Naturschutzplanung (z. B. im Chiquitano-Trockenwald oder in den Bergregenwälder des Andennordostabhangs). Er gab 2003 mit Gonzalo Mérida das Buch 'Biodiversidad - la riqueza de Bolivia' heraus (2004 auf englisch, 2. Auflage 2008), welches in Bolivien zu einem wichtigen Lehrbuch geworden ist. Inzwischen ist er nicht nur in Deutschland, sondern mit verschiedenen Projekten weltweit tätig. Zusammen mit einem internationalen Kollegium der Roadless Initiative der Society for Conservation Biology arbeitet er zur Bedeutung der straßenlosen Räume im Naturschutz.[1]

Ein besonderes Anliegen Pierre Ibisch ist das adaptive Management im Naturschutz. Er ist Mitbegründer der sogenannten MARISCO-Methodik.[2] Pierre Ibisch hat sich der botanischen Forschung gewidmet und zur Entdeckung und Beschreibung einer größeren Zahl von neuen Arten beigetragen. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Ibisch“.

Zusammen mit Peter Hobson vom Writtle College in England hat er 2011 das Centre for Econics and Ecosystem Management gegründet.

Ibisch nimmt Stellung zu gesellschaftlichen Fragen und einer künftigen Ausrichtung einer ökologisch nachhaltigen Politik, die anerkennt, dass die Menschheit und ihr gesamtes Wirtschaften vom globalen Ökosystem abhängt.

„Sich an Grenzen auszurichten heißt, dass es keine Tabus geben darf. Alles muss auf den Prüf-stand, wir müssen ggf. lernen, lieb gewonnene ‚Errungenschaften‘ loszulassen. Der Weg zu einer wahrhaftigen Nachhaltigkeit bedarf einer ‚neuen ökologischen Radikalität‘ im Sinne von ‚weniger alter Politik‘ und des konsequenten Ausrichtens an der Funktionstüchtigkeit der Öko-systeme, die uns tragen.“

Pierre Ibisch und Lars Schmidt, (2009)[3]

„Nicht allein die gefährlichen technologischen Ansätze wie Geoengineering bzw. Klimamanipulationen können uns unübersehbare Umweltkosten bescheren, die zukünftige Generationen werden bezahlen müssen. Gefährlich ist auch, wenn sich angesichts der nicht zu leugnenden gigantischen Bedrohung durch den Klimawandel die Ökosystemvergessenheit unserer Gesellschaften verstärkt. Es geht nicht nur um Kohlenstoff. Man sollte sich nicht leichtfertig einer karbonisierten Sicht auf den Welthaushalt anschließen, wenn der entscheidende Punkt fehlt: Die Erfindung der Postwachstumswirtschaft für unsere globale Gesellschaft. Ohne ein sehr starkes Abbremsen des globalen Bevölkerungs- und Konsumwachstums werden alle anderen Innovationen Kosmetik sein oder schlicht unmöglich.“

Pierre Ibisch (2016)[4]

Hochschulpolitisch streitet er in Deutschland für das Promotionsrecht der Fachhochschulen.[5] Mit Constance Engelfried gab er ein Buch zum Thema heraus.[6]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pierre Ibisch engagiert sich als Referent und in beratender Funktion in verschiedenen Gremien. Er war z. B. Mitglied des Leitungsgremiums der Society for Conservation Biology – Europe Section. Er engagierte sich als Mitglied des wissenschaftlichen Komitees auch in der Vorbereitung und Ausrichtung des European Congress of Conservation Biology. Er ist Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, Vertrauensdozent der Heinrich-Böll-Stiftung und Mitglied einer Auswahlkommission des DAAD.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pierre Ibisch ist (Ko-)Autor von über 470 Schriften in englischer, spanischer und deutscher Sprache.

Entdeckte und benannte Pflanzen- und Tierarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Pierre Ibisch sind zwei Pflanzen- sowie eine Tierart benannt. Zudem beschrieb er selbst viele weitere Pflanzen.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.roadless.online
  2. http://www.marisco.training
  3. Lars Schmidt, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und Pierre Ibisch, Fachhochschule Eberswalde (2009): Nachhaltigkeit die Zweite: Eine neue ökologische Radikalität. Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) (Die aktuelle Kolumne vom 30.11.2009)[1]
  4. Pierre Ibisch (2016): Die blaue Murmel mit dem Mikrofilm. Nur wenn wir das Ökosystem Erde als Ganzes sehen, werden wir auch beim Klimaschutz Erfolg haben. Le Monde Diplomatique Edition N° 20 Warmzeit. Klima, Mensch und Erde, S. 26-29 [2]
  5. Beitrag zur Diskussion um das Promotionsrecht der Fachhochschulen: Schluss mit der Zweiklassenwissenschaft http://www.zeit.de/studium/hochschule/2014-01/promotionsrecht-fachhochschulen-kommentar
  6. Engelfried, Constance/Ibisch, Pierre (Hrsg.) 2016: Promovieren an und mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Am Wendepunkt? Budrich-Verlag
  7. Pierre Ibisch - Pflanzennamen. Website der HNEE. Abgerufen am 3. Januar 2012.