Piter Poel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Piter Poel (Taufname wohl Peter, auch Pieter Poel; * 17. Juni 1760 in Archangelsk; † 3. Oktober 1837 in Altona) war Diplomat und später Herausgeber des Altonaischer Mercurius. Er war das Patenkind des Großfürsten Peter, des späteren Zaren Peter III.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poel wuchs nach Übersiedlung seiner Eltern (Jacobus Poel und Magdalena geb. von Brienen) von Archangelsk nach Hamburg in Hamburg auf. Seine Mutter starb bereits im Jahr nach ihrer Ankunft und Piter wuchs vom 3. bis 6. Lebensjahr zusammen mit seiner 3 Jahre älteren Schwester Magdalena in einer französischen Mädchenpension auf; anschließend genoss er privaten Unterricht.

Von 1776 bis 1778 machte er eine kaufmännische Lehre in Bordeaux und weilte bis 1780 in Genf und Göttingen. An der Universität Göttingen immatrikulierte er sich am 7. November 1780 für ein Studium vorzugsweise der Geschichte, Staatswissenschaften und Nationalökonomie. In Göttingen wurde er gemeinsam mit dem Engländer George Byng 1781 Mitglied des einflussreichen Studentenordens ZN,[1] über den er in seinen Erinnerungen berichtet. Sein Göttinger Studium wurde 1781 durch ein consilium abeundi wegen eines Duells unterbrochen, mit Byng und einem weiteren Engländer reiste er Ostern 1781 für den Sommer nach Lübeck und auf das Familiengut Zierow zu seiner Schwester Magdalena. Beruflich war er von 1783 bis 1784 im Collegium der Auswärtigen Angelegenheiten in Sankt Petersburg als Sekretär (Secrétaire interprète) im Kapitänsrang angestellt. Er hatte einflussreiche Beziehungen durch seinen Onkel (Bruder seiner Mutter) Abraham van Brienen.

Poel bat dann aber um Beurlaubung vom Dienst und verließ Russland. Von 1784 bis 1785 hielt er sich in Stockholm in Schweden auf, um eine Anstellung im dortigen öffentlichen Dienst zu bekommen. Trotz der Befürwortung einflussreicher Verwandter (u.a. Peyron) und ihm zunächst, auch von König Gustav, gemachter Angebote bekam er keine Anstellung im öffentlichen Dienst Schwedens. Seine reformierte Konfession war in dem streng lutherischen Schweden der von Kanzleichef und Reichsrat Graf Oxenstierna geltend gemachte Hinderungsgrund.[2]

Piter Poel, der zunächst seinen Wohnsitz in Hamburg genommen hatte, ließ sich nach gemeinschaftlichen Reisen im Frühjahr 1786 mit dem Kaufmann Caspar Voght, dem späteren Reichsfreiherrn, nach Frankreich (Paris) und England (London) dann 1789 bleibend in Altona nieder, wo er aufgrund käuflich erworbenen königlichen (dänischen) Privilegs den Altonaischen Mercurius herausgab, „aber nicht eigentlich selbst redigierte“[3], die seinerzeit bedeutendste deutschsprachige Zeitung im gesamten Norden, sowie die Landeskalender. Piter Poel war auch sonst journalistisch und schriftstellerisch tätig[4].

Poel hatte ein Stadthaus in Altona in der Großen Freiheit „zwischen de Valory und der Brüdergemeinde“ und wohnte später im Sommer auf dem Landsitz Neumühlen, den er im November 1793 mit den Großkaufleuten Georg Heinrich Sieveking und Conrad Johann Matthiessen (1751–1822)[5] erworben hatte. Nach dem Verkauf von Neumühlen im Jahr 1811 wohnte er seit 1812 in Teufelsbrück und von 1816 bis 1822 zusammen mit Caspar Voght in Flottbek. Am 6. Januar 1787 hatte Poel in Hamburg Friederike Elisabeth Büsch geheiratet, die Tochter[6] des Professors Johann Georg Büsch in Hamburg. Über den Neumühlener und Flottbeker Kreis und die „Familie“ ist so viel geschrieben worden, dass insoweit auf das Schrifttum verwiesen werden kann.

Poels Beziehungen, auch die verwandtschaftlichen, erstreckten sich nahezu über ganz Europa. Er ist u.a. auch als Berater seines Vetters Claes Bartholomeus Peyron, seit 1792 schwedischer Ministerresident beim Niedersächsischen Kreis in Hamburg, in Erscheinung getreten und in der napoleonischen Zeit von Oberpräsident Graf Blücher (Altona) zu Verhandlungen an den Kronprinzen von Schweden, Marschall Bernadotte, gesandt worden. Poel war auch Direktor des Altonaer Instituts zur Unterstützung französischer Emigranten.

Piter Poel starb in Altona am 3. Oktober 1837 (Totenregister der reformierten Kirche in Altona: Alter 77 Jahre 3 Monate 15 Tage) und wurde begraben im Erbbegräbnis auf dem Nordfriedhof in Altona am 6. Oktober 1837. Piter und Friederike Poel hatten elf Kinder. Sein Sohn Ernst übernahm die Herausgabe des Altonaer Mercur.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Piter Poel: Bilder aus vergangener Zeit, nach Mittheilung aus großentheils ungedruckten Familienpapieren. [Hrsg. und eingeleitet von Gustav Poel ],
    • Theil 1. Bilder aus Piter Poels und seiner Freunde Leben. 1760 - 1787. Hamburg 1884, (Digitalisat)
    • Zweiter Teil. Bilder aus Karl Sievekings Leben 1787–1847., Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1887, (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Aust: Mir ward ein schönes Los. Liebe und Freundschaft im Leben des Reichsfreiherrn Caspar von Voght. Christians Verlag, Hamburg 1972.
  • Walter Richter: Der Esperance- und ZN-Orden, in: Einst und Jetzt. Jahrbuch 1974 des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, S. 30–54 (Nr. 117)
  • Susanne Woelk: Der Fremde unter den Freunden. Biographische Studien zu Caspar von Vogth. Weidmann, Hamburg 2000. [Zu Piter Poels engstem Freund.]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Damit wurde er ein Bundesbruder des am 11. Oktober 1779 in Göttingen immatrikulierten und 1780 in den Studentenorden ZN aufgenommenen Jurastudenten Carl Ludwig von Barckhaus genannt von Wiesenhütten (1761 - 1823), der wie sein Kommilitone Poel eine ältere Schwester besaß, in die sich in Hamburg einst Heinrich Julius von Lindau unglücklich verliebt hatte: Im Winter 1775/1776 übernahm Charlotte Louise Ernestine von Barckhaus genannt von Wiesenhütten (1756 - 1823), nachmals (seit dem 9. September 1784) verehelichte Edle von Oetinger, in Frankfurt am Main für kurze Zeit die Rolle einer wegen finanzieller Disparität unerreichbaren Geliebten Lindaus von Magdalena Poel, nachmals (seit dem 14. April 1776) verehelichter Pauli. Vgl. zu Charlotte, der zweiten Geliebten Lindaus, die ebenfalls Tochter eines steinreichen Kaufmanns war, Reinhard Breymayer: Goethe, Oetinger und kein Ende. Charlotte Edle von Oetinger, geborene von Barckhaus-Wiesenhütten, als Wertherische "Fräulein von B..". Heck, Dußlingen 2012, hier besonders S. 13 - 29. 53 - 82.
  2. Dazu vgl. den Briefwechsel von P. Poel mit dem schwedischen Kanzleipräsidenten Graf Creutz und Graf Oxenstierna in: 1) der Universität Uppsala, (F 491, Gustavianska saml. Quart 17 Nr. 121); 2) dem Reichsarchiv Stockholm (Kanslipres. arkiv, eingegangene Schreiben 1785 - 1790, P; Kanslipres. Koncepter 1786).
  3. Lexicon der schleswig-holstein-lauenburgischen und eutinischschen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866, Eduard Alberti, 1868, S. 211
  4. Ulrike Weckel: Ordnung, Politik und Geselligkeit der Geschlechter im 18. Jahrhundert. In: Achtzehnte Jahrhundert. Supplementa. Wallstein-Verlag, Göttingen 1998, ISBN 3-89244-304-1, S. 177 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 2. Januar 2017]).
  5. [Piter Poel:] Bilder aus vergangener Zeit, nach Mittheilung aus großentheils ungedruckten Familienpapieren. S. 46 Fußnote
  6. Sie ist geboren am 23. September 1768 in Hamburg und verstorben am 18. Oktober 1821 in Flottbek, begraben auf dem Friedhof in Nienstedten.